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Ahoi! ( Teil 2 )


„Sí mi amigo! Gewonnen! Ich wusste es! Olli will den Burschen mit dem Bart! Aber hübsche Wahl!“ erkannte Rafael mit geschultem Auge aus seiner Position auf dem Deck, als er und Emilio sich noch weiter über die Rehling beugten, um den optimalen Ausblick im HD – Effekt zu erlangen, wobei den Zwei Kumpels die Situation auf der Gangway nicht entging, auf der Olli spontan vor einer der anvisierten Personen stehen blieb und sich sogar schon mit ihr unterhielt, bevor Oliver dann aber direkten Kurs zum angekommenen Taxi nahm.

„Du und deine beängstigende Menschenkenntnis?! Also ich könnte dir nicht vorrausagen, auf welche Schokoladensorte Olli gerade Appetit hat. Da war in letzter Zeit zu viel durcheinander,“ musste Emilio zugegeben, dass Rafael mal wieder richtig liegen könnte, und so zog er ehrenhaft einen Fünf – Euro – Schein aus seiner Hosentasche der Kochuniform, um sie dem Spanier zu reichen, denn noch während Ollis Lauf nach unten, hatten die zwei im Vorfeld gewettet, wen von den beiden Männern da unten Olli als erstes in die Augen schaut. Tja, und Emilio setzte dabei wie so oft auf das falsche Pferd.

„Hast du das eben mitgekriegt? Der Kerl wollte mich angraben!“ beschwerte Christian sich derweil bei seinem Bruder über das Verhalten dieses in seinen Augen, aufdringlichen Schiffsangestellten, während er immer noch in Gedanken versunken seine kaputte Sonnenbrille in den Händen hielt. „Opps! Und nun fühlt Herr Christian Mann sich in seiner Ehre verletzt? Mein Gott, mach dich mal ein bisschen locker! Schluck‘s einfach als Kompliment! Die Leute sind gut drauf, na und? Alle hier wollen eine tolle Reise haben. Nur du bist am Nörgeln!“ wies Gregor seinen jüngeren Bruder zurecht, was der Boxer, dessen anfänglicher Dreitagebart sich seit langem in dessen Gesicht gefestigt hatte und für ihn selbst nicht mehr wegzudenken schien, überhaupt nicht nachvollziehen konnte: „Witzig! Deine Brille ist ja auch nicht …. Aber den Kerl knöpfe ich mir noch vor!“

„Amen! Geh jetzt lieber weiter! Du hältst den ganzen Betrieb auf!“ konnte der Prinz von Waldensteyck nur noch seinen Kopf schütteln, während er seinen Bruder an die Schulter packte und endlich über die Gangway in Richtung der Lucke zum Schiffsinneren schob, wovor sie allerdings wegen des Andrangs noch für einen Augenblick warten mussten.

„Für unsere nächste Hafenrunde!“ grinste Rafael siegesbewusst, der daraufhin das Geld einsteckte, um es mit den Erlösen aus anderen Wetten sicher aufzubewahren, denn hin und wieder wurde ein Kassensturz von den drei Freunden vollzogen und bei einem längeren Aufenthalt in einem Hafen der Welt auf den Kopf gehauen. Noch während Rafael das Geld verstaute und dabei Olli unten hinterher sah, wie dieser sich durch das Gewühl auf dem Anlieger zu dem Taxi schlug, traute Emilio seinen Augen nicht: „Wow, schau dir diese Hammerbraut an! Mandel – Zartbitter würde ich sagen!“

„Meinst du etwa die flotte Senorita an der dunklen Limousine in dem taillierten Kleid?“ galt es für den spanischen Schiffssteward nun seine Aufmerksamkeit auf Emilios Wünsche zu legen. „Ein Traum, oder? Los, kneif mich!“ forderte der dunkelhaarige Aushilfskoch, woraufhin Rafael allerdings erste ungute Anzeichen durchklingen ließ: „Träum weiter! Aufwachen nützt nichts! Diese Chica ist eine oder gleich mehrere Nummern zu groß für dich! Außerdem scheint sie in aufpassender Begleitung!“

„Du kannst einen vielleicht aufbauen?! Ich hoffe nur inständig, dass sie sich nicht mit diesem alten Geldsack abgibt?!“ durchfuhr Emilio ein ungutes Gefühl, was sein Kollege aber eher entspannter betrachtete: „Kann ja auch einfach nur ihr Vater sein?! Aber auch das finden wir raus! Jetzt ist aber erstmal Olli dran!“

„Okay, erst Olli! Ich muss jetzt sowieso in die Küche. Die hungrige Meute will pünktlich ihren Lunch. Du machst alles klar?! Wir brauchen seinen Namen und die Kabinennummer, außerdem bestimmte Vorlieben. Ist er hetero, gay bis in die Haarspitzen oder doch nur so ein bisschen? Und du musst abchecken, ob die zwei da unten nur gute Freunde auf gemeinsamer Bootstour oder ein Pärchen sind?! Dann bräuchten wir allerdings für Olli einen neuen Strategieplan,“ bestimmte Emilio den weiteren Ablauf, bevor Rafael sich von der Rehling zur Tat motiviert abstützte und energisch bereit schien: „Wird erledigt! Wenn Olli ihn will, bekommt er ihn auch!“

Der Südamerikaner klopfte Rafael dabei anerkennend und kameradschaftlich auf dessen Schulter: „So sieht’s aus! Ach ja, und für dich finden wir auch noch was ganz Schnuckeliges, mein Hase! Du sollst ja schließlich nicht verhungern, solange dein Traumhero auf Heimaturlaub ist. Habt ihr nun eigentlich schon ….? Du hülst dich da so ein bisschen in Schweigen, mein Lieber!“

„Deine üppigen Gemüseberge warten darauf von deinen zarten Fingerchen sanft behandelt zu werden,“ schickte der Steward den Koch an die Arbeit, da er über diesen einen gewissen Punkt jetzt nicht unbedingt sprechen wollte, da es keine großartigen und zufriedenstellende Ergebnisse zu verkünden gab. Daraufhin bewegte der Spanier sich nach unten ins Foyer des Schiffes, um die unaufschiebbare Mission auszuführen.

„Ahoi, meine Hübschen! Charlie, Olivia, wow, dass ihr es wirklich mal geschafft habt?! Ich freue mich so dermaßen, dass ihr da seid!“ empfing Olli seinen lange erwarteten Besuch aus Deutschland am Taxi mit herzlichen Umarmungen und Küsschen, bevor er sich nochmals zur Gangway umsah und seinen unsicheren Blick auf die Person konzentrierte, die ihn vor wenigen Takten für einen Moment aus dem Rhythmus brachte.

„Und ich erst! Aber versprochen ist versprochen. Und Casablanca alleine ist ja schon eine Reise wert. Schau mir in die Augen, Kleines! Schneidig siehst du aus, in deiner knackigen Uniform!“ fühlte Charlotte sich bereits bestens angekommen und auf wunderschöne zwei Wochen Urlaub eingestimmt, wodurch Oliver sich wieder der eintreffenden Realität stellte und abermals Charlie mit allen verbindlichen Willkommensritualen versorgte, die der smarte, charmante junge Steward zu vergeben hatte, da ihm kurz ein schlechtes Gewissen überkam, weil er nicht ganz bei der Sache schien.

Nachdem auch seine Cousine Olivia Ollis Herzlichkeiten nicht entkam, schnappte der Schiffsangestellte sich das mehrteilige Handgepäck, welches der Taxifahrer ihm reichte, woraufhin Charlie ihm aber eine der Reisetaschen abnahm, um ihren Neffen nicht unnötig schwer zu belasten: „Die olle Tante kann schon selber tragen, während die jungen Dinger ihre Hände in den Taschen vergraben.“

„Ja, warum wohl?“ feuerte Olivia der Bistrochefin entgegen, bevor sie trotzig ihrem Cousin ihren Schminkkoffer entriss. „Kommt Mädels, bitte keine schlechte Laune verbreiten. Das ist auf der Moania strengstens tabu!“ erkannte Olli sofort, dass Olivia mal wieder etwas gegen den Strich ging. Um abzulenken erkundigte Oliver sich dann anstandshalber: „Habt ihr denn einen angenehmen Flug gehabt?“

Während er daraufhin aber nochmals seine Augen erst zur Gangway und dann nach oben aufs Deck schickte, dabei allerdings an beiden Orten nicht mehr das vorfand, was er liebend gerne angetroffen hätte, bekam er jedoch auch den strafenden Blickkontakt zwischen seinen lieben Verwandten mit, ehe Charlie etwas angefressen erwiderte: „Frag lieber nicht! Eine Katastrophe!“

Abrupt blieb Olli erschrocken stehen und konzentrierte sich jetzt wieder voll und ganz auf die Damen: „Wieso Katastrophe? Was ist passiert?“
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