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Tanz der Schwäne Kapitel 1 "Mokkaschnitten"


„Ach Olli Schätzchen, schön, dass ich dich gerade treffe,“ empfang Charlie Schneider, die gerade ihre Wohnungstür aufschloss, während ihr Neffe aus der gegenüberliegenden Tür stürmte, sich im Laufen seine Jacke überwarf, das Schlüsselbund in die Tasche seiner Jeans verstaute und nun doch sofort seinen Kommentar loswerden musste: „Es ist immer schön mich zu treffen.“

„Ich weiß, du lässt dich ja sogar von deinem Spiegelbild anhimmeln,“ brachte Charlie Olli entgegen und kam dann aber auf den Ursprung ihres Anliegens zurück: „Lars hat mich vorhin angerufen. Der Privatdetektiv, den er auf Olivias Spur angesetzt hatte, blieb weiterhin erfolglos. Also, wenn du mich fragst, in Hollywood ist unsere Madame niemals angekommen. Es scheint, als sei sie vom Erdboden verschluckt.“

„Und ich dachte, Lars hat einen Superschnüffler an der Hand?! Wieder nichts? Ich verstehe es nicht,“ gab Olli zurück, wobei er seine Sicht der Dinge darlegte: „Alles schien doch in Ordnung. Wir haben uns vor einem Jahr über facebook ein paarmal getroffen, aber plötzlich wurde der Faden einfach abgerissen, obwohl ihr Profil immer noch existiert. Das war vor einem Jahr, gleich, nachdem ich ihr von Pascals Tod erzählt hatte. Es muss sie ziemlich umgehauen haben.“

„Aber deswegen kann man sich doch mal melden. Sie muss doch auch ein Gespür dafür haben, dass wir, insbesondere du dir Sorgen machst,“ meinte Charlie, die ihre Wohnung betrat, den Schlüssel und ihre Einkaufstaschen auf den Tisch legte und dann wissen wollte: „Möchtest du auch einen Kaffee? Ich setze schnell welchen an. Ich habe mir, ich meinte natürlich uns, auch köstliche Mokkaschnitten mitgebracht.“

„Nein danke, ich muss in Form bleiben, außerdem bin ich schon mit einer Schnitte verabredet,“ lehnte Oliver, der sich mit seiner linken Schulter lässig an den Türpfosten andrückte und dabei seine beiden Daumen in die vorderen Hosentaschen steckte, während er seine Tante beobachtete, dankend ab. Er schlug jedoch vor: „Christian kommt aber gleich, er nimmt dir bestimmt mit Kusshand die Sahnestückchen ab.“ Während Charlie die Kaffeefilter suchte, blickte sie noch mal zurück: „Ich sehe es noch vor mir. Da kommt Lars letztes Jahr extra aus München ins Schneiders und besucht seine liebste hinreißende Schwester, woraufhin ich ihm mit aller Hingabe erzähle, dass du wieder Kontakt zu Olivia hast, und als ob sie es gerochen hat, dass Lars mal wieder ein großes Familientreffen ins Leben rufen wollte, taucht unser schwarzes Schaf einfach wieder in die Versenkung ab.“

„Ewig kann man dem Sabel – Schneider – Familienclan nicht aus dem Weg gehen. Obwohl manchmal kann man Olivia schon verstehen,“ warf Olli ein, bevor plötzlich eine vertraute Stimme fragte: „Wem kann man verstehen?“ Olli stieß sich daraufhin vom Türpfosten ab, wandte sich dem jungen Mann zu, der hinter ihm aufgetaucht war und drückte ihm sofort nach einem Willkommenslächeln einen kräftigen Kuss auf die Lippen. Als seine Lippen sich wieder lösten, und sein linker Zeigefinger über Christians Wange glitt, verkündete Olli: „Das erzählt dir Charlie alles haargenau. Es gibt auch Mokkatörtchen. Ich muss jetzt nämlich dringendst los. Der Job ruft.“

„Wieso? Ich dachte, du hast heute frei?!“ hakte Christian nach, woraufhin der Geschäftsführer vom No Limits konterte: „In meiner Position gibt es immer etwas zu tun. Ich treffe mich gleich mit Rob. Ein neues Konzept fürs No Limits muss her.“ Der fragende Mund von Christian schloss sich wieder, ließ dann aber trotzdem noch ein paar Worte passieren: „Wieso wundert mich das jetzt nicht? Da mache ich mal früher in der Boxschule schluss, und mein Herzblatt ist mit Herrn Robert Marenbach verabredet. Aber ich sag ja nichts mehr.“

„Dazu fehlt dir auch die Gelegenheit. Schau dir die anlachenden, unwiderstehlichen Mokkaschnitten an. Wir beiden Verschmähten machen uns jetzt einen schönen Nachmittag. Erst Törtchen und dann Gesichtsmaske,“ scherzte Charlie, um Christian abzulenken, der auch prompt nachhakte: „Gesichtsmaske?“ Noch während er das Wort aussprach, drückte Olli Christian erneut einen Kuss auf die Lippen und war in Windeseile aus der Tür verschwunden, die er hinter sich zuzog.

„Das ist nicht dein ernst? Du willst doch wohl nicht wirklich, dass Lenchen zwischen dem Top – Programm von DJ Flesh trällert?“ beschwerte sich Rob etwas später über die Vorstellungen der No Limits – Geschäftsleitung bei seinem besten Freund Olli, während die beiden Männer an einem Cafe am Rhein die Sonnenstrahlen auf sich wirken ließen. „ Was soll ich machen? Es ist ihr Laden. Marlene und Tristan bestehen darauf. Sie müssen Marlene noch mehr promoten. Da gibt’s wohl momentane Einbrüche,“ erklärte Olli, der an seinem Strohhalm zog, durch dem die frische, gutschmeckende Flüssigkeit des Fruchtcocktails geradewegs zwischen seine Lippen geschleust wurde, um dort zu landen, wo sie mit Sehnsucht erwartet wurde. „Man sollte eben wissen, wann man aufhören sollte,“ steuerte der Eventmanager in eine andere Richtung, woraufhin Olli sein Glas absetzte, sich die Sonnenbrille vom Gesicht nahm und auf den Tisch legte, wobei er philosophierte: „Muss man das? Vielleicht sollte man auch wissen, wenn man endlich anfangen muss.“

„What do you mean, sweetie?“ fragte Rob nach, der seine Brille nun ebenfalls auf den Tisch legte, dabei aber noch einen Blick hinter den smarten Kellner, der gerade am Nebentisch servierte und mit seinem Lächeln während des Dienstes nicht sparte, herschickte. „Hat Frederic sich schon gemeldet?“ wusste Olli seinen Kumpel auszubremsen, der daraufhin sich gleich Olli ironisch zuwandte: „Vielen Dank fürs zurückbeamen auf die Erde.“

„Nichts zu danken. Also, hat er?“ wollte Olli Robert weiter im Griff behalten, welcher auch bereitwillig Antwort gab: „Natürlich hat er. Wir kriegen uns schon jeden Tag mit. Dank Handy und anderen Kommunikationsgeräten ist das nämlich möglich. Außerdem ist Stuttgart ja nicht am anderen Ende des Universums. Er kommt da eben zur Zeit nicht weg. Ach ja, und bevor du dich noch mehr um mein Privatleben sorgst. Sascha geht es in den Staaten auch gut. Er will auf seiner Entdeckungsreise jetzt die Tage nach LA cruisen und Hollywood unsicher machen.“

„Ich wünschte, ich wäre auch dort drüben in Hollywood,“ sagte Olli in einem leisen, fast mitleiderregenden Ton. „Baby, du bist und bleibst auch so mein Star. Und außerdem, was sollte wohl dein Göttergatte ohne dich machen, wenn du einfach ausbüxt und das Leben genießt? Er kann ja nicht nur mit Proll – Andi den Umsatz sämtlicher Brauereien in die Höhe treiben. Wer weiß, zu welchen Sofaattacken er sich dann wieder hinreißen lässt. Aber das Mobiliar hast du mit deinem herrlichen Laden ja gleich mitentsorgt. Manchmal frage ich mich nur wirklich, warum du nicht auch bestimmte, nervtötende Personen aus deinem Windschatten verjagt hast?“ holte Robert Ollis Erinnerungen an ein dunkles Kapitel seiner Ehe mit Christian wieder ans Tageslicht, woraufhin Olli aber nicht weiter eingehen wollte, sondern lediglich seine Bedenken äußerte: „Weil man Vergangenes nicht ungeschehen machen kann, aber eben doch Menschen für ewig verlieren könnte.“

„Du sprichst heute in Rätseln. Also, ich bleibe dabei, die Singsangtrulla kommt nicht auf die Bühne. Was hältst du stattdessen von einem Rudel prachtvoller Adonisse des schärfsten Kalibers, die sich in knappen Badehöschen im Pool räkeln? Glaub mir, da bleibt selbst unserer Sangesdiva die Stimme im Hals stecken und gegen Rebecca wäre sie auf ewig geheilt. Wir könnten das Planschbecken auch mit Champus füllen. Irgendwo für muss der Pool ja gut sein. Ich hab da auch eine professionelle Agentur am Haken. Am besten, ich klingel da mal gleich durch,“ wollte Rob Olli wieder auf Normalkurs bringen, der aber ernst von sich gab: „Du drehst dir das Leben immer schön einfach zurecht. Ein bisschen Show, die Welt ist bunt und alle Sorgen vergessen. Man, ich vermisse Olivia und will sie wiederhaben.“

„Was hält dich davon ab? Ich dachte, Onkel Lars hat seinen Sherlock Holmes auf die Wiedergeburt deiner Cousine angesetzt? “ versuchte Rob Olli gleich zu beruhigen, ahnte aber, dass da noch was kam, woraufhin Rob sich auf Ollis Lippen konzentrierte, die ihm dann mitteilten: „Totale Fehlanzeige. Der hat nichts rausgefunden. Ich muss selber etwas unternehmen.“

„Und wie willst du das anstellen, Baby? Dein Job ist es coole Partys zu schmeißen, auf den Modelfotos von LCL blendend auszusehen und nebenbei Chrischie und mich bei Laune zu halten. Fürs Schnüffeln und Rumsuchen werden andere bezahlt,“ erinnerte Rob seinen Freund an die Verteilung, der Olli nun aber widersprach: „Ihr müsst euch mal alle ohne mich amüsieren. Ich werde jetzt Olivia suchen, und wenn es das Letzte ist, was ich tue.“
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