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Mein Herz schlägt wie wild in meiner Brust. Mein Atem geht schnell. Ich kann fühlen, wie die Muskeln meine Beine sich anfangen zu wehren. Sie wehren sich gegen die ungewohnte Belastung, wehren sich gegen das konstante Laufen. Aber ich kann nicht anhalten. Nicht jetzt.  Nicht bevor ich bei ihm bin. Ich kann nicht anhalten. Ich muss ihn finden. Ich muss zu ihm und ihm sagen, dass ich mich geirrt habe. Dass ich ihn nicht gehen lasse. Nicht noch einmal, nicht wieder. Ich kann ihn nicht gehen lassen. Ich kann einfach nicht. Ich laufe weiter. Der Bahnhof ist in Sichtweite. Es ist nicht mehr weit. Er ist nicht mehr weit. Ist er nicht mehr weit? Was ist, wenn ich zu spät bin? Was ist, wenn ich ihn verloren habe? Wegen einer Entscheidung. Wieder wegen einer falschen Entscheidung. Warum scheine ich mich immer falsch zu entscheiden, wenn es um Craig Dean geht? Warum scheine ich nie den Mut zu haben, wirklich mit ihm zu gehen, ihm eine Chance zu geben? Warum laufe ich immer wieder fort? Lasse ihn stehen, lasse ihn gehen. Ich weiß es nicht. Ich weiß nur, dass es dieses Mal nicht erneut passieren darf. Nicht passieren kann. Ich brauche ihn. Ich brauche ihn so sehr in meinem Leben. Ich habe mich in diesem letzten Jahr nur einmal lebendig gefühlt und das war in der Sekunde, als sich unsere Lippen endlich wieder fanden. Als unsere Körper endlich wieder die Wärme des anderen spüren konnten. Ich will nicht wieder zurück in diese Dunkelheit. Ich will nicht wieder taub und stumm sein. Ich will wieder fühlen, spüren, brennen. Ich will ihn. Der Gedanke an ihn lässt mich noch ein wenig schneller rennen. Mein Rucksack zerrt die ganze Zeit an meinem Rücken und macht das Laufen noch schwerer. Ich fühle das Brennen in meiner Lunge. Ich fühle, wie meine Beine langsam immer schwerer werden. Aber ich kann jetzt nicht stehen bleiben. Ich muss weiter. Ich muss zu ihm.

 

Endlich habe ich den Eingang zum Bahnhof erreicht. Ich achte nicht auf die Passanten, die Menschen um mich herum. Ich weiß, dass ich spät bin. Vielleicht sogar zu spät. Ich stoppe kurz an der großen Tafel, an der die Abfahrtszeiten der Züge angezeigt sind. Auf welchem Gleis fährt sein Zug? Auf welchem verdammten Gleis? Ich merke, wie langsam Panik meinen Körper überfällt. Ich atme immer noch heftig vom Laufen und schaffe es kaum die Zeilen der großen Tafel zu entziffern. Was, wenn ich zu spät bin? Was, wenn er schon fort ist? Was, wenn..? Nein, John Paul. Beruhige dich. Atme ruhig, schau dir die Anzeigetafel an. Du hast keine Zeit für nervöse Panik. Du musst jetzt ruhig bleiben. Ich schaffe es, meinen Atem ein wenig unter Kontrolle zu bringen und sehe endlich, auf welchem Gleis sein Zug abfährt. Noch fünf Minuten. Noch fünf Minuten, die mir bleiben. Ich beginne wieder zu sprinten.

 

Der Bahnhof scheint riesig zu sein. Der Weg zu den Gleisen nimmt kein Ende. Ich rämpele die Leute auf den Rolltreppe an, drücke mich an ihnen vorbei, versuche in diesem Meer aus Menschen irgendwie schneller zu werden. Doch sobald ich wieder anfange zu laufen, stoße ich wieder an jemanden an, muss anhalten. Ich schlängele mich durch sie hindurch so gut ich kann. Warum muss grade dieser verdammte Feierabendverkehr herrschen? Warum sind so viele Menschen hier unterwegs? Ich fluche leise und trete dabei unabsichtlich einer alten Dame auf den Fuß, die mich böse anschaut. Ich murmele ein Sorry und verschwinde vor ihr in der Menge. Gleis 23. Gleis 23. Das kann doch nicht so weit sein. Ich schaue auf meine Uhr. Nein, auf seine Uhr. Love always. Ich muss ihn finden. Ich muss.

 

Endlich habe ich es geschafft. Die große 23 vor mir lässt mein Herz ein paar Spuren schneller schlagen. Endlich habe ich es geschafft. Ich renne die kleine Treppe zu dem Gleis hinauf, nehme drei Stufen auf einmal. Mein Atem geht wieder in einer ungeahnten Geschwindigkeit, ebenso wie es mein Herz tut. Bin ich zu spät? Habe ich ihn verloren? Erneut? Ich spüre, wie erneut die Panik in mir aufsteigt. Endlich habe ich den Treppenabsatz erreicht und kann den Bahnsteig genauer sehen. Und was ich dort sehe, lässt mein Herz sofort stoppen.

Unsere Blicke treffen sich. Ich merke, wie meine Knie weich werden. Ich habe es geschafft. Ich habe ihn gefunden, erreicht. Ich merke, wie sich ein schüchternes Lächeln auf meine Lippen schleicht und mit zögerlichen Schritten gehe ich langsam auf ihn zu. Was ist, wenn er mich nicht mehr will? Vielleicht was es alles nur ein Traum. Vielleicht will er mich nicht mehr bei sich haben. Mein Herz beginnt wieder wie wild zu klopfen. Es scheint fast so, als wenn es aus meiner Brust direkt zu ihm will. Ich versuche in seinen Augen zu lesen, was er denkt. Aber dort sehe ich nur Verwunderung. Endlich macht auch er ein paar Schritte und es dauert nicht lange, bis wir uns gegenüber stehen. „Was hat dich so lange aufgehalten?“ Er lächelt. Er lächelt dieses Lächeln, was nur er kann. Mein Herz macht einen kleinen Sprung. Ich merke, wie die Anspannung von mir abfällt. Ich habe ihn gefunden, erreicht. „Ich..“ Doch bevor ich antworten kann, spüre ich seine Lippen auf den meinen. Ich schließe die Augen und lehne mich noch tiefer in den Kuss. Ich weiß, warum er mich küsst. Grade jetzt, grade hier. Vor einem Jahr hat uns dieser Kuss alles gekostet. Unsere Liebe und unser Herz. Vielleicht küsst er mich jetzt in diesem Augenblick nur, um mir zu beweisen, dass er anders geworden ist, dass er sich nicht meiner schämt. Aber ganz ehrlich: In diesem Augenblick ist mir das alles ganz egal. In diesem Augenblick ist alles egal. Ich bin bei ihm. Und das ist alles was zählt.

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