- Text Size +

Ianto Jones war müde. Es war spät abends und die Anderen waren bereits gegangen. Owen und Suzie waren zusammen verschwunden und Toshs verletztem Gesichtsausdruck nach wusste auch sie genau, was die beiden vorhatten. Kurz drauf war auch sie gegangen. Zum Abschied hatte sie ihm nur traurig zugelächelt, um dann alleine nach Hause zu gehen...

Nur Jack war noch da. Er saß in seinem Büro und wartete auf den Kaffee, den Ianto gerade kochte. Und Ianto war müde. In den letzten Nächten hatte er so gut wie gar nicht geschlafen. Er war bei Lisa gewesen, hatte versucht ihre Schmerzen zu lindern und ihr die Hoffnung einzureden, die er selbst nicht mehr hatte... und er war bei Jack gewesen, für mehr als nur eine Nacht, während Lisa im Keller lag und vor Schmerzen weinte.

Und in der Zeit, in der er schließlich in seinem Bett gelegen hatte, hatte er wach gelegen, weil es seine Gedanken waren, sie ihn vom Schlafen abhielten. Seine Sorgen um Lisa quälten ihn, seine Angst alles könnte entdeckt werden, seine Angst sie zu verlieren und seine Schuldgefühle, weil er sie betrog. Und seine Schuldgefühle gegenüber Jack und den anderen, weil er sie auch betrog. Diese Schuld, die ihn innerlich aufzufressen schien und ihn nicht einschlafen ließ, bis er irgendwann aufgab und, von Schmerz und Wut auf sich selbst und Lisa und Jack und alles um ihn herum geschüttelt, in sein Kissen weinte, bis es wieder Morgen wurde und ein neuer Tag begann, ein Tag, der genauso von Sorgen, Angst, Schuld, Müdigkeit und noch mehr Schuld bestimmt sein würde wie der vorherige.

Ianto seufzte leise, als er eine Tasse mit dem heißen Kaffe füllte und sich auf den Weg zu Jacks Büro machte. Er hielt einen Moment inne, bevor er anklopfte. Er wusste, was passieren würde, wenn er eintrat. Alle waren gegangen, sie waren alleine im Hub...

Er schluckte. Ich tue es für Lisa, sagte er sich ich tue es, damit er hat was er will, damit er das bekommt, weswegen er mich eingestellt hat, damit er nicht auf die Idee kommt, mehr über mich herauszufinden, weil er alles weiß, was ihn an mir interessiert... ich tue es für Lisa, nur für sie... Für Lisa... weil ich sie liebe... für uns und unsere Zukunft!

Und trotzdem wurde er dieses Gefühl nicht los. Das Gefühl sie zu betrügen - die Gewissheit sie zu betrügen, jedes Mal wenn er bei Jack war. Er verdrängte es, hasste das Gefühl, hasste sich selbst dafür, dass er die Vorfreude und Sehnsucht nicht ganz unterdrücken konnte, die sich in ihm ausbreiteten während er hier vor Jacks Tür stand, hasste sich für sein Herz, das nach Jacks Nähe schrie mehr als nach Lisa, die im Keller lag und ihn nur an seine eigene Machtlosigkeit und Schwäche erinnerte, hasste sich für den Wunsch, Jack Lippen wieder zu spüren, seinen Körper wieder zu spüren, von ihm gehalten zu werden und alles um sich zu vergessen: Lisa, seine Angst, seinen Schmerz und seine Schuld, auch wenn er wusste, dass später alles wieder da sein würde - schlimmer als vorher und trotzdem irgendwie weniger schmerzhaft... fast als würden ihn seine wachsenden Schuldgefühle gegenüber Lisa ihn von denen gegenüber Jack befreien...

„Ianto, bist du da draußen?" Jacks Stimme riss ihn aus seinen Gedanken. „Ja Sir!", antwortete er, zupfte seinen Anzug zurecht und legte seine Hand auf den Türgriff.

Für Lisa, sagte er sich nicht weil ich es will, nicht weil ich es brauche! Nur für Lisa... Er setzte sein höflichstes Lächeln auf und öffnete die Tür...

You must login (register) to review.