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„Hallo Süße!“, rief Lucy gut gelaunt und stieß mit dem Fuß die Türe hinter sich zu. „Wie war dein Tag?“


Amy sah sie halb sauer, halb belustigt an. „Er wäre sehr schön gewesen, wenn ich nicht zufällig unsere Finanzen überprüft hätte und mir dabei nicht zufällig aufgefallen wäre, dass wir aus irgendwelchen Gründen viel zu viel Geld haben…“


Lucy sah sie mit ihren schönen dunklen Augen an. „Was meinst du damit?“, fragte sie unschuldig.


Amy stand auf, nahm das halbfertige Bild, an dem sie gerade arbeitete, von der Staffelei und legte es in ihren Ordner. „Ich meine damit“, sagte sie „dass du nicht nur irgendwelchen Touristen Segelboote vermietest, sondern dass du die dabei auch noch ziemlich abzockst!“


„Schatz, findest du nicht, dass du das ein bisschen zu hart ausdrückst?“


„Lucy, ich meine es ernst! Ich hab Max versprochen, dass du sauber bleibst!“


Lucy ging zu ihr und nahm ihre Hände in ihre. „Und ich habe Max versprochen, dass ich dir niemals das Herz brechen werde. Meinst du nicht, es reicht, wenn eine von uns ihr Versprechen hält?“


Obwohl sie es nicht wollte, musste Amy jetzt lächeln. „Das ist nicht lustig!“, versuchte sie es noch einmal, obwohl sie sich da selbst nicht mehr so sicher war.


Lucy griente. „Ein bisschen schon!“, sagte sie. Dann zog sie Amy an sich und küsste sie.


Als sie sich wieder voneinander gelöst hatten, fügte sie hinzu: „Außerdem musst du mich auch verstehen! Ich war mein Leben lang eine Kriminelle. Mein Vater war kriminell, meine ganze Familie, ich bin praktisch damit aufgewachsen. Ich meine, als ich siebzehn Jahre alt war, wurde ich offiziell zum Staatsfeind der amerikanischen Staaten ernannt.“ Sie lächelte verträumt bei der Erinnerung. „Jedenfalls ist es da doch ganz normal, dass ich das alles nicht von heute auf morgen hinter mir lassen kann! Ich meine, du warst nur vier Jahre eine D.E.B., nicht dein ganzes Leben und trotzdem fällst du manchmal noch in alte Gewohnheiten zurück. Oder glaubst du, ich merke nicht, dass du bei jedem unserer Dates die Leute am Nebentisch beobachtest?!“


Jetzt musste Amy wirklich lachen. „Okay okay!“, rief sie „Von mir aus kannst du machen, was du willst! Solange du nur Touristen abzockst statt eine Bank auszurauben oder jemanden zu erpressen oder Kunstwerke zu stehlen oder jemanden umzubringen oder mal schnell Australien auszulöschen und hey!, entführt hast du mich auch schon ne Weile nicht mehr! Und wo wir gerade dabei sind… aaaaah!“, sie kreischte, als Lucy sie schnappte und mit Kraft aufs Bett schubste.


„Jetzt reicht’s aber!“, lachte sie „so schlimm war ich nun auch wieder nicht!“


Amy grinste „Nein, du warst viel schlimmer!“


Sie setzte sich im Bett auf, nahm Lucys Hände und zog sie mit einem Ruck mit sich, sodass Lucy mit einer Mischung aus einem Schrei und einem Lachen auf ihrer Freundin im Bett landete.


„Und denk nicht, ich weiß nicht, woher das Geld von dem du die Segelboote bezahlt hast, gekommen ist!“, lachte Amy.


„Na warte!“ Mit einer einigen Bewegung drehte Lucy sie beide herum, sodass sie nun unten lag. Dann legte sie Amy die Hand in den Rücken, schob sie unter ihr T-Shirt und…


„Autsch!“ Amy lachte „hast du etwa meinen BH schnalzen lassen?!“, fragte die mit gespielter Empörung „Also das letzte Mal ist mir das passiert als…“


„Ich weiß, wann dir das das letzte Mal passiert ist!“, unterbrach Lucy sie „und ich weiß auch noch sehr genau, was danach passiert ist…“


Amy sah sie an. „Was? Dass Max, Janet, Dominique und Bobby uns in flagranti erwischt haben?“


Lucy lachte. „Ja, daran erinnere ich mich noch lebhaft… aber ich meinte eigentlich was anderes.“


Amy rollte sich vorsichtig von ihr herunter, sodass sie nun nebeneinander lagen. Sie lächelte. „Unser erstes Mal…“, sagte sie leise. „Gott, ich hab das Gefühl, das ist ewig her!“


Lucy nickte. „Fast ein Jahr…“, sagte sie „damals warst du noch die Nummer eins D.E.B., das Paradepferd eurer Schule. Und ich war die böse Schurkin, die nichts besseres zu tun hatte, als sich in das Paradepferd zu verlieben und es in die böse Schurkenwelt zu entführen!“


Amy drehte sich auf die Seite und sah sie an. Langsam strich sie über das lange schwarze Haar. „Ich fand es eigentlich sehr schön, von dir in die böse Schurkenwelt entführt zu werden“, flüsterte sie.


Lucy drehte sich zu ihr und eine Weile schauten sie sich einfach nur an.


„Auch als ich dir deine Knarre geklaut und dich damit gezwungen habe, mit mir auszugehen?“


Amy lachte. „Ich muss zugeben, anfänglich war ich davon nicht gerade begeistert, aber später fand ich es eigentlich ziemlich süß… genauso wie die Aktion mit dem Banküberfall…“


Zärtlich strich Lucy ihr über die Wange. „Wünscht du dir manchmal, du wärst an diesem Tag nicht mit mir mitgegangen?“


Amy beugte sich zu ihr herüber und küsste sie. Ganz kurz nur und ganz zärtlich. „Niemals“, flüsterte sie dann „wäre ich damals nicht mit dir mitgegangen, wäre ich jetzt zwar wahrscheinlich reich und erfolgreich und irgendwo beim FBI oder so und ich wäre bei meinen Freundinnen und bei meiner Familie – und ich würde nicht als Staatsfeindin gesucht… aber ich wäre nicht hier, bei dir. Und bei dir zu sein, würde ich gegen nichts auf der Welt eintauschen!“


„Auch nicht, wenn ich gelegentlich mal ein paar Touristen abzocke?“


„Auch dann nicht – solange ich deinen BH schnalzen lassen darf!“


Sie mussten beide lächeln.


„Ich liebe dich Lucy Diamond“, flüsterte Amy.


„Ich liebe dich auch Amy Bradshaw! So sehr, dass ich nie wieder ohne dich sein will – und das sage ich, obwohl ich weiß, wie verdammt kitschig es klingt!“

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