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Eigentlich ging es Kim ziemlich gut, als er an diesem bestimmten Tag von der Boxhalle nach Hause ging. Alles lief perfekt! Er hatte sich mit seinem Vater ausgesprochen, nach allem was passiert war und vielleicht hatten sie endlich die Chance auf ein normales Verhältnis. Mit Liv hatte er auch gesprochen, er hatte ihr alles erklärt, dass er sie geliebt hatte, dass er sehr wohl an Mädchen interessiert war und alles andere. Sie hatten beschlossen Freunde zu bleiben und Kim war sehr froh darüber, denn er hatte sie immer noch sehr gern. Beim Boxen lief alles gut und die Schulleitung hatte ihm auch seinen „Fehltritt“ mit Pontus im Musikzimmer verziehen.


Ja, im Grunde war alles perfekt.


Als er um die nächste Biegung ging, bemerkte er plötzlich einen unförmigen Gegenstand, der, etwa hundert Meter von ihm entfernt, auf dem Boden lag.


Im ersten Moment fragte er sich, was es sein konnte, doch je näher er kam, desto klarer wurde ihm, dass das, was da vor ihm auf dem Boden lag, ein Mensch war. Ein Mensch, der regungslos auf dem kalten nassen Boden lag, dessen langes blondes Haar blutverschmiert war und dessen Tasche ausgeleert und in den Dreck geworfen wurde.


Kim begann zu rennen. Völlig außer Atem erreichte er den, am Boden liegenden, Körper.


Es schien ein Junge zu sein, etwa in seinem Alter. Er lag mit dem Gesicht nach unten da und bewegte sich nicht.


Kim erfüllte eine seltsame Ohnmacht. War der Junge etwa tot? Was sollte er tun? Was war geschehen?


Langsam ließ er sich au die Knie sinken, umfasste die Taille des Jungen und drehte ihn vorsichtig um. Glattes blondes Haar fiel über ein schönes, von Schrammen und Schwellungen verunziertes, Gesicht. Türkisblaue, halb geschlossene, Augen sahen in verschwommen an. Adam.


 


Kim hatte das Gefühl, jemand hätte ihm mit Wucht die Faust in den Bauch gerammt.


Er hatte Adam seit Monaten nicht mehr gesehen. Bei ihrem letzten Treffen, hatte er ihm gesagt, dass er nichts von ihm wollte und hatte seitdem nichts mehr von ihm gehört.


Und jetzt lag er hier, verletzt und hilflos, wahrscheinlich war er wieder zusammengeschlagen worden. Wie damals – als sie sich kennen gelernt hatten… Kim hatte das Gefühl, als wäre es Jahre her…


Schließlich fasste er sich wieder. Er zog sein Handy aus der Hosentasche, um einem Krankenwagen zu rufen. Danach hob er vorsichtig Adams Oberkörper ein Stück an und legte ihn in seinen Schoß.


„Hey!“, sagte er leise und in der Hoffnung, Adam sei vielleicht ansprechbar „Wie geht’s dir?“


Adam sagte nichts, sondern drehte nur den Kopf zur Seite und schloss die Augen.


„He, Adam! Nicht einschlafen! – Scheiße!“ Vorsichtig schüttelte Kim ihn ein Bisschen.


Adam blinzelte „lass mich!“, flüsterte er „ich bin so müde…“ Wieder schloss er die Augen.


„Adam! Adam, bleib wach! Erkennst du mich? Ich bin Kim! – Adam!“


Adam sah ihn müde an. Kim war sicher, dass er ihn nicht erkannte. Der Junge war noch halb weggetreten.


Eine Weile versuchte Kim erfolglos, Adam wach zu halten. Bis er schließlich, nach einer Ewigkeit, wie es ihm schien, das Martinshorn des Krankenwagens hörte…


 


 


 „Also, Sie haben ihn gefunden, als er schon so auf der Straße lag?“


Kim nickte.


Der Sanitäter sah ihn an. „Kennen Sie ihn?“


Kim zögerte einen Moment „Wie waren mal…befreundet“, sagte er schließlich.


Der Mann nickte. „Ok“, sagte er „es wäre vielleicht ganz gut, wenn Sie uns ihre Telefonnummer geben würden. Falls es zur Anzeige kommt, sind Sie möglicherweise ein wichtiger Zeuge.“


„Ja… natürlich…“ Immer noch ziemlich durcheinander gab Kim ihm seine Telefonnummer. Dann verabschiedete er sich und wandte sich zum Gehen – als ihm noch etwas einfiel.


„Wo bringen Sie Adam jetzt eigentlich hin“, fragte er „also nur für den Fall, dass er länger dableibt und ich ihn mal besuchen will oder so…“


„In das Krankenhaus in Samhäll wahrscheinlich.“


Dorthin also… Adam würde in dasselbe Krankenhaus kommen, in dem sie sich damals kennen gelernt hatten… Irgendwie fühlte sich der Gedanke daran komisch an.


Das alles war irgendwie komisch.


Auf dem Nachhauseweg dachte Kim über das nach, was gerade passiert war – und über das, was Monate zuvor passiert war – oder besser gesagt: nicht passiert war.


Er hatte in den letzten Monaten fast nie an Adam gedacht. Nur manchmal, wenn er an dem Kino vorbei kam, in dem sie zusammen gewesen waren oder wenn er zufällig die CD in seinem Zimmer entdeckte, die Adam ihm geschenkt hatte, kamen ihm die Erinnerungen an diese kurze, aber sehr intensive Liebe wieder hoch. Doch jedes Mal schob er sie schnell von sich weg. Er hatte Adam verloren, aber daran war er selbst Schuld. Er hatte es nicht anders gewollt und jetzt war es eben vorbei – für immer.


Es war seltsam gewesen, ihn jetzt so plötzlich wieder zu sehen. Und dann auch noch so…


Er hatte sich furchtbar gefühlt, als er Adam so im Arm gehalten hatte, ohne ihm helfen zu können… und gleichzeitig war es irgendwie schön gewesen, ihn wieder festhalten zu können…


Naja, wie auch immer, es war vorbei! Jetzt war Adam im Krankenhaus, bei Leuten, die ihm helfen konnten und in spätestens einer Woche würde es ihm wieder gut gehen, er würde aus dem Krankenhaus entlassen werden und sie würden sich nie wieder sehen… oder?


 


 


 „Soll ich oder soll ich nicht?“, fragte er sich innerlich. Schon fast eine Viertelstunde stand er jetzt hier und starrte auf das große weiße Gebäude vor ihm. Wahrscheinlich hatten sie ihn sowieso schon längst entlassen! Also was wollte er noch hier? Aber was wenn nicht? Vielleicht war Adam er ja doch noch da… Aber was sollte er ihm dann sagen? ‚Hi, ich wollte nur mal vorbeikommen, um mal hallo zu sagen und zu fragen, wie es dir so geht’? Ja… deshalb war er schließlich da! Oder? Natürlich war er deshalb da! Aber warum war er dann so nervös und stand hier im Regen, statt endlich da rein zu gehen und wirklich mal hallo zu sagen?


Entschlossen machte er einen Schritt auf das Krankenhaus zu – und blieb wieder stehen. Was wenn Adam ihn gar nicht sehen wollte? Schließlich hatte er ihn damals nicht gerade freundlich abserviert… Ach was! Das war doch längst Vergangenheit! Er wollte nur einen alten Freund besuchen, um ihn zu fragen, wie es ihm ging!


Kim holte tief Luft und marschierte in Richtung der großen Flügeltüre.


 


Langsam hob er die Hand und klopfte. Schon fast in der Hoffnung, keine Antwort zu bekommen wartete er. Adam war zwar noch hier, aber vielleicht schlief er ja gerade, oder war auf dem Klo, oder was essen, oder…


„Ja?“, rief eine, ihm nicht ganz unbekannte, Stimme. Kim schluckte. Er war also da. Jetzt gab es kein Zurück mehr. Gut… er könnte immer noch davonrennen, aber das wäre wohl ziemlich albern! Außerdem: Wieso sollte er? Er war schließlich nur hier, um einen alten Freund zu besuchen!


Fast zaghaft legte er die Hand an die Klinke und öffnete die Tür.


„Hi“, sagte er. Überrascht sah Adam ihn an. Er sah übel aus. Wie bei ihrem ersten Treffen, war sein Gesicht mit Blutergüssen und Schrammen übersät. Unter seinem linken Auge zog sich eine lange verkrustete Wunde und seine Unterlippe war aufgerissen. Trotzdem war er, das musste Kim sich eingestehen, wunderschön.


„Hallo…“, antwortete er immer noch etwas überrascht.


Dann schwiegen sie beide einen, viel zu langen, Moment lang. „Was machst du hier?“, fragte Adam schließlich.


„Ich wollte…“ auf einmal war er sich gar nicht mehr sicher, was er eigentlich wollte „ich wollte… dich fragen, genau, dich fragen, wie es dir geht!“, brachte er schließlich heraus und betrachtete dabei, scheinbar höchst interessiert seine Schuhe.


Adam nickte. „Danke, mir geht’s schon besser“, antwortete er. Dann lächelte er „Ich wollte mich übrigens noch bei dir bedanken!“


Kim schaute auf.


„Naja, du hast mich doch gefunden und den Krankenwagen gerufen. Das war nett von dir!“


„Schon ok“, meinte Kim. Adam schien ihm nicht mehr böse zu sein und langsam lockerte sich in seinem Inneren alles wieder ein Bisschen „das hätte jeder getan!“ Einen Moment schwieg er. „Mir tut’s Leid, dass ich nicht schon früher gekommen bin.“, sagte er schließlich „sonst hätte ich das alles vielleicht verhindern können!“


Adam lächelte wieder „nein“, meinte er „die waren vorbereitet. Hatten Schlagstöcke und so was dabei. Da hättest du auch keine Chance gehabt!“


Kim nickte kurz. Wieder entstand eine Pause.


„Also ich werde dann mal wieder…“


„Ja klar ok… war cool, dass du da warst!“, sagte Adam schnell.


Kim wandte sich zu Tür, doch kurz vorher drehte er sich noch mal um und sah Adam an. „Vielleicht können wir ja mal wieder was zusammen machen… so als Freunde… oder?“ Für einen Moment schien die Zeit still zu stehen, für einen Moment hielt die ganze Welt die Luft an, für einen Moment setzte sein Herzschlag aus… Was wird er sagen?


„Klar, würde mich freuen!“, antwortete Adam.


Und die Welt drehte sich weiter.


 


 


 „Ja ok, treffen wir uns dann vor dem Kino? So gegen halb sieben? Gut, bis dann! Bye!“ Kim spürte, wie er grinsen musste, sobald er aufgelegt hatte. Er würde sich mit Adam treffen! Heute Abend. Sie würden ins Kino gehen, in DAS Kino. Dasselbe Kino, indem sie das letzte Mal auch gewesen waren.


Kim sprang von Bett auf. Es war zwar erst viertel vor fünf, aber bevor er sich mit Adam treffen würde, musste er unbedingt noch duschen und sich umziehen und sich die Haare stylen und so… „Moment! Das ist kein Date oder so was! Ich treffe mich nur mit einem alten Freund!“, sagte er sich selbst. Nur mit einem alten Freund…


 


Glücklich und auch etwas nervös machte sich Kim auf den Weg zum Kino. Er würde wohl etwas zu früh da sein, aber das war ja egal! Irgendwie hatte er die Warterei zuhause nicht mehr ausgehalten und war losgegangen. Vielleicht würde Adam ja auch etwas früher kommen. Und wenn nicht, würde er eben auf ihn warten, das war auch ok! Hauptsache sie würden sich nachher sehen!


Mit einem zufriedenen Grinsen, über dessen Bedeutung er sich selbst nicht so sicher war, bog er um die nächste Ecke – und blieb wie erstarrt stehen. Da stand Adam, direkt vor dem Kino, aber er war nicht allein. Bei ihm stand ein großer, gutaussehender Junge, eigentlich eher ein junger Mann. Er mochte vielleicht Anfang zwanzig sein, hatte dunkles Haar und braungebrannte Haut. Und er hatte einen Arm um Adams Hüfte gelegt und ihn an sich gezogen. Die Situation war eindeutig. Selbst der blindeste Vollidiot hätte erkannt, dass die beiden nicht nur harmlose Freunde waren…


Kim sah, wie der Mann Adam etwas ins Ohr flüsterte und ihn dabei liebevoll an sich drückte. Adam lachte und schüttelte dann den Kopf. „Keine Sorge!“, hörte Kim ihn sagen „Er ist nur ein alter Kumpel! Kein Grund zur Eifersucht!“


„Na dann bin ich ja beruhigt“, antwortete Adams Freund und küsste ihn „naja Süßer, ich will dich dann nicht länger aufhalten! Du hast schließlich gleich dein Date mit deinem reizenden Ex!“ Adam boxte ihn spielerisch gegen die Schulter und er lachte. „Machs gut!“ Sie küssten sich und Adams Lover drehte sich um und ging – nicht ohne sich noch mal umzudrehen und Adam eine Kusshand zuzuwerfen, die der mit seinem charmantesten und süßesten Grinsen beantwortete.


Wie oft hatte Kim dieses Grinsen schon gesehen? Und wie oft hatte es ihm gegolten? Aber jetzt galt es einem anderen… Ja klar! Er hätte es sich doch denken müssen! Jemand wie Adam blieb nicht lang allein! Adam war süß, charmant, witzig, cool, liebevoll, zärtlich… und er war schön! Kim hatte nie gedacht, dass er dieses Wort mal für einen Mann verwenden würde, aber bei Adam passte es einfach.


Vielleicht lag es an seinen schönen Augen oder dem schmalen Gesicht, vielleicht auch an dieser seltsamen Androgynität, die er ausstrahlte… Kim konnte sich niemanden vorstellen, den man auch nur ansatzweise mit Adam vergleichen konnte.


Aber das war jetzt ja auch egal! Was auch immer zwischen ihm und Adam gewesen sein mochte, es war vorbei! Adam hatte jetzt einen Freund und er war nur noch ein alter Kumpel für ihn, der keinen Grund zur Eifersucht darstellte…


 


Er riss sich zusammen und ging auf Adam zu. Der bemerkte ihn erst gar nicht, weil er immer noch seinem dunkelhaarigen Freund nachschaute.


Kim räusperte sich und Adam drehte sich um.


„Hi!“, sagte er und lächelte.


Kim spürte, wie sein Magen sich bei diesem Lächeln zusammenzog. Wem auch immer es gerade noch gegolten hatte, jetzt galt es ihm und der Gedanke daran ließ ihn, sich glücklich fühlen und jagte ihm ein Kribbeln durch den Bauch.


„Hi!“, antwortete er und hoffte, dass man ihm weder seine steigende Nervosität noch seine Enttäuschung darüber, dass Adam nun einen neuen Freund hatte, anmerken konnte.


„Also, was sollen wir angucken?“, fragte Adam „Irgendwelche Vorschläge?“


„Naja… also…“ Kim strengte sich an, sich von diesem bezaubernden Lächeln loszureisen und nachzudenken „Wie wär’s mit Action… irgendwas mit Action?“


Irgendwie hoffte er, dass Adam wieder einen Liebesfilm vorschlagen würde, um ihn dann im nächsten Moment anzugrinsen und ihm mitzuteilen, dass er ihn nur mal wieder verarscht hatte. Aber dieses Mal nickte er nur „ok, dann lass uns mal reingehen!“


 


Aus irgendwelchen Gründen bekam Kim von dem Film nicht wirklich viel mit. Er war viel zu sehr damit beschäftigt, Adam verstohlene Blicke zuzuwerfen und immer schnell wegzuschauen, wenn dieser sie fast bemerkte… Was war nur mit ihm los? War er etwa verliebt? In Adam?! Aber das konnte doch nicht sein! Was auch immer damals gewesen sein mochte, es war vorbei, schon lange! Sie waren Freunde. Mehr hatte er nie gewollt und mehr hatte er nie versprochen… aber was war das dann für ein Kribbeln? Warum zog ihn dieser Junge immer noch so in seinen Bann?!


Unauffällig drehte er den Kopf zur Seite, um Adam anzusehen. Was auch immer mit ihm los war, er wusste, dass es an Adam lag und er wusste, dass er nicht wollte, dass es aufhörte…


 


 


Es war dunkel im Zimmer, nur die kleine Schreibtischlampe gab etwas Licht. Kim saß auf seinem Bett und strich langsam über das lange blonde Haar, des Jungen neben ihm. Der Junge wandte ihm das Gesicht zu und sah ihn an. sein Blick war ernst, beinahe traurig. Langsam näherte sich sein Gesicht dem Kims. Kim schloss die Augen. Ein Schauer fuhr durch seinen ganzen Körper. Er spürte Adams Lippen auf seinen. Es war ein wunderschöner Kuss. Langsam ließ er sich auf das Bett sinken, Adam folge ihm. Adams Körper lag auf seinem. Sie küssten sich immer noch. Irgendwann schob er vorsichtig seine Hand unter Adams Shirt. Der lächelte und begann Kim langsam auszuziehen. Seine Hände waren weich und geschickt. Kim stöhnte leise auf, als sie über seinen Körper fuhren. „Ich liebe dich“, flüsterte er. Adam lächelte sein geheimnisvollstes Lächeln „Ich liebe dich auch“, antwortete er leise…


„Kim aufstehen! Sag mal, hast du deinen Wecker nicht gehört?! Es ist schon fast neun, wir müssen los!“


Noch ziemlich verpennt richtete Kim sich auf. „Was ist los?“, fragte er.


„Schule Kim! Du hast verpennt!“ Olga sah ihn genervt an. „Steh endlich auf! Ich will nicht wegen dir zu spät kommen…“ sie hielt inne und zog die Augenbrauen hoch. „Und vielleicht duscht du noch kalt, bevor wir losgehen…“ Verwirrt folge Kim ihrem Blick und sah an sich herunter „Oh Scheiße!“ schnell schnappte er sich die Bettdecke und legte sie über seinen Schoß. Olga grinste. „Naja, beeil dich!“, meinte sie „ich warte unten“.


Kaum hatte sie das Zimmer verlassen, ließ Kim sich zurück in die Kissen fallen. Was war das denn gewesen?! Naja… bis Olga ihn geweckt hatte, war es eigentlich sehr schön gewesen… es bestand kein Zweifel. Er hatte gerade von Adam geträumt, und zwar auf eine Weise, dass er ihm lieber nichts davon erzählte!


Mühsam richtete er sich auf. Verdammte Scheiße! Was war nur los mit ihm?!


 


„Also, wer ist es?!“ Sie verschränkte die Arme vor der Brust und sah ihn fordernd an.


„Was?“, fragte Kim. Sie waren gerade auf dem Heimweg von der Schule.


„Kimmy, ich kenne dich jetzt seid… naja, eigentlich kenne ich dich schon immer und ich merke sofort wenn etwas mit dir nicht stimmt. Du hast heute den ganzen Tag kaum was gesagt, bist abwesend und verträumt. Du bist eindeutig total verknallt! Und ich will jetzt wissen, wer es ist!“ Olga grinste.


Kim schaute sie genervt an. „Ich bin überhaupt nicht verknallt! Und wenn du mich noch einmal Kimmy nennst dann…“


Olga grinste immer noch „Ich hab dich auch lieb“, sagte sie ironisch „und jetzt hör auf mich für blöd zu verkaufen und sag mir endlich wer es ist!“


„Ach, halt die Klappe!“


„Kenne ich sie? Geht sie auf unsere Schule? Oh mein Gott, ist es überhaupt eine sie?! Ist es ein Junge? Kenne ich ihn? Jetzt sag schon!“


Kim musste lachen „du lässt nicht locker, oder?“


Olga lachte auch „Nein, hast du das etwa erwartet? Also, jetzt sag schon!“


Kim schwieg. „Ich weiß ja gar nicht, ob ich wirklich… verliebt bin“, sagte er schließlich „wir haben uns vor ein paar Tagen mal wieder getroffen und… ach ich weiß auch nicht…“


Olga runzelte die Stirn „Vor ein paar Tagen getroffen… NEIN! es ist Adam, hab ich recht?!“ Erwartungsvoll sah sie ihn an.


Kim wusste nicht, was er sagen sollte. Hatte sie Recht? War er wirklich in Adam verliebt? Irgendwie klang das so komisch… Verliebt in einen Jungen…


„Ja“, sagte er schließlich „ja, du hast Recht.“


So ausgesprochen klang das ganze irgendwie endgültig, greifbar, sicher. Jetzt konnte er nicht mehr behaupten, dass es nicht stimmte, jetzt konnte er sich nichts mehr einreden…


„Bitte, das darf niemand wissen!“, sagte er schnell „du musst mir versprechen, dass du niemandem was davon sagst!“


Olga nickte „natürlich sag ich niemandem was! Du kennst mich doch!“


Kim grinste „eben…“


„Hey!“ gespielt wütend boxte sie ihn gegen die Schulter.


Eine Weile gingen sie schweigend nebeneinander her. „Wie ist das eigentlich passiert?“, frage Olga irgendwann.


Kim zuckte die Schultern „keine Ahnung…“ Er dachte einen Moment lang nach „Hat dir Liv eigentlich erzählt, warum sie damals mit mir Schluss gemacht hat?“


Olga schüttelte den Kopf „Nein, warum denn?“


„Sie hat mich erwischt… mit Adam… im Bett.“


„Wow… also da hätte ich auch Schluss gemacht!“, kommentierte sie.


Kim redete weiter. „Naja, die hat uns nicht direkt in flagranti erwischt. Wir haben nur rumgeknutscht… und waren in Boxershorts… naja egal! Jedenfalls hat Liv dann mit mir Schluss gemacht… und ich habe Adam gesagt, dass ich nichts von ihm will und ihn nie wieder sehen will. Vor ein paar Tagen haben wir uns dann zufällig wieder getroffen und naja… ich glaube, ich habe immer noch irgendwie Gefühle für ihn…“ Den letzten Satz sagte er ganz leise, kaum hörbar „Naja, ist ja auch egal!“, sagte er schnell „Adam hat jetzt einen Freund und wir sind nur noch Kumpels!“ Er versuchte seiner Stimme einen festen Klang zu geben, aber es gelang ihm nicht.


Olga legte ihm eine Hand auf die Schulter und lächelte ihn an. „Hey!“, sagte sie „das wird schon! Da bin ich mir ganz sicher!“


Ich wünschte, du hättest Recht…, dachte Kim.


 


 


Tiring tiring… tiring tiring…


Genervt zog Kim seine Boxhandschuhe aus und ging zu seiner Sporttasche. Warum gab es eigentlich keinen einzigen Handyklingelton, der nicht so furchtbar nervig war?


Er kramte das Handy aus seiner Tasche und schaute, immer noch genervt, auf das Display. Er hatte eine neue SMS von – ADAM!


Sofort vergaß er seinen nervigen Klingelton und alles andere um sich herum auch und las in aller Eile die SMS.


 


Hey kim, stand da, ich bin heute abend auf ne party eingeladen, hast du lust mitzukommen? Adam


 


Kim spürte wie sein Herz einen kleinen Satz machte, als er das las. Adam wollte sich mit ihm treffen! Schon wieder! Sie würden sich wieder sehen, würden zusammen zu dieser Party gehen! Gut, nur als Freunde, aber das war ja schon mal ein Anfang! Vielleicht…


Aber was sollte er zurück schreiben? Schließlich wollte er nicht, dass Adam gleich merkte, wie sehr er sich über die Einladung gefreut hatte…


 


Klar, schrieb er schließlich, wann und wo treffen wir uns?


 


Er hockte sich neben dem Boxring auf den Boden und wartete ungeduldig und gespannt auf Adams Antwort. Kaum hörte er das Klingeln seines Handys, welches ihm plötzlich gar nicht mehr so nervig vorkam, las er auch schon die neue Nachricht:


 


Cool! Mein freund kommt auch mit. Wir holen dich um 8 zuhause ab, ok? Bis dann, adam


 


Enttäuscht ließ Kim das Handy sinken. Adams Neuer würde also auch dabei sein… Also war er doch nur ein Kumpel für Adam und nicht mehr. Denn wer würde bitte jemanden, an dem er nur das mindeste Interesse hatte auf eine Party mitnehmen, auf der auch der eigene Freund war?


Er dachte schon daran abzusagen, aber dann merkte er, dass er das eigentlich gar nicht wollte. Er freute sich darauf, Adam wieder zu sehen. Und wenn das bedeutete, dass er den ganzen Abend mit Adams neuen Lover verbringen musste, dass musste er sich wohl damit abfinden…


Er hatte zwar gehofft, mit Adam alleine sein zu können. Mit ihm zu reden, sein Lächeln zu sehen, dass dann nur ihm alleine galt, in seine wunderschönen Augen sehen zu können und vielleicht einmal, wie durch Zufall, seine Hand zu berühren… das konnte er jetzt wohl vergessen… aber egal! Vielleicht würde es ja trotzdem ganz nett werden…


Er stand auf, packte seine Sachen zusammen und machte sich auf den Weg nach hause.


 


Schon um kurz vor acht klingelte es an der Türe. Hastig schnappte Kim sich seine Jacke und seinen Schlüssel und rannte zur Tür. Er öffnete sie und vor ihm stand Adam und lächelte ihn an. Er sah einfach umwerfend aus, trug ein eng anliegendes braunes Shirt und dunkle Jeans. Kim konnte ihn nur anstarren.


„Hi“, sagte Adam „du siehst gut aus!“ Er runzelte die Stirn und schaute Kim genauer an. „Ist alles okay?“, fragte er „du guckst so komisch…“


Schnell riss Kim sich zusammen. Er zwang sich, den Blick von Adams wunderschönen Augen abzuwenden und konzentrierte sich darauf, etwas zu sagen.


„Äh… ich… hi!“, brachte er schließlich heraus „Hi! Nein, alles okay! du siehst auch gut aus…“ Er spürte, wie er bei diesen Worten rot wurde und drehte sich schnell um, um die Tür zu schließen.


„Also“, sagte Adam „gehen wir dann mal los?“


Kim wollte gerade antworten, als ihm etwas auffiel „Wo ist eigentlich dein Freund?“


„Er kommt erst später, er hat noch was zu tun…“ Adam zuckte die Schultern „aber er kommt noch! Dann kann ich ihn dir ja vorstellen. Ich bin echt gespannt, was du von ihm hältst!“


Kim sah ihn überrasch an. „Warum?“, fragte er.


Adam lächelte „Die Meinung meiner Freunde interessiert mich eben. Besonders wenn es was Ernstes ist und das mit Luca ist was Ernstes…“


Kim nickte. Er wusste mal wieder nicht, was er fühlen sollte. Einerseits freute er sich, dass Adam ihn zu seinen Freunden zählte, andererseits machte das, was er sagte, eindeutig klar, dass er nicht weitergehend an ihm interessiert war…


Seine Gedanken wurden von Adam unterbrochen. „Kommst du?“, fragte er.


„Klar“, sagte Kim schnell und folge Adam, die Straße hinunter zur Bushaltestelle.


 


Als sie ankamen war die Party schon in vollem Gange. Sie fand in einem riesigen Haus mit einem noch viel größeren Garten statt und es waren furchtbar viele Leute da. Kim wurde gleich am Anfang dem Gastgeber vorgestellt. Er hieß Michel und schien ein netter Kerl zu sein.


Es war lustig auf der Party. Kim unterhielt sich mit verschiedenen Leuten, aß etwas, trank ein Bier, tanzte ein bisschen mit einem fremden Mädchen… und irgendwann war er kurz nach elf und er saß zusammen mit Adam in der Hollywoodschaukel im Garten.


Sie tranken beide ein Glas Sekt und unterhielten sich.


„Hast du eigentlich wieder ne Freundin?“, fragte Adam. Kim schüttelte den Kopf. Adam nickte langsam „Und sonst…?“. Kim wusste genau, worauf er hinauswollte. „Ich hab auch keinen Freund“, sagte er „ich hab mich aber vor einer Weile geoutet. Ich bin… bi.“


Adam nickte wieder. Dann grinste er „dann sollte ich wohl vorsichtig sein. Ich hab gehört, Bisexuellen sollte man nicht trauen!“ Er lachte und Kim lachte auch.


Kim hoffte, dass man es ihm nicht anmerkte, aber er war total nervös. Sie waren völlig alleine hier. Alle anderen waren im Haus oder in einem anderen Teil des Gartens. Und sie saßen so nahe beieinander, ihre Hände berührten sich fast…


„Und wie läuft’s mit deinem Freund?“, fragte er, um sich ein bisschen von Adams Nähe abzulenken.


Adam lächelte. Sein Blick war verträumt und irgendwie glücklich. Es war der Blick von jemandem, der verliebt ist, das konnte jeder sehen. Auch Kim sah es und es traf ihn direkt ins Herz. Fast wie ein körperlicher Schmerz fühlte es sich an und plötzlich wurden ihm zwei Dinge klar: Er hatte Gefühle für Adam, tiefe Gefühle, Gefühle die über eine harmlose Verknalltheit hinausgingen. Doch gleichzeitig merkte er, dass Adam diese Gefühle niemals erwidern würde. Denn Adam liebte jemand anderen.


Kims Gedanken wurden von Adams Stimme unterbrochen.


„Es läuft super!“, sagte er „wir sind jetzt seid fast drei Monaten zusammen und es ist einfach toll! Weißt du, er ist so süß! Er ist immer für mich da und hört mir zu, wenn ich jemanden zum Reden brauche. Er ist verständnisvoll und zärtlich und er liest mir, sozusagen, jeden Wunsch von den Lippen ab. Es ist so, als würde er immer genau wissen, was ich fühle und denke uns was ich will. Weißt du, es ist so… unkompliziert mit ihm. Ich muss mir nie Sorgen machen, dass er irgendwie einen Rückzieher macht und mich verlässt. Wir hatten nie irgendwelche Schwierigkeiten oder Probleme oder so… Es ist einfach… perfekt!“


Kim wollte etwas sagen, aber er konnte nicht. Dieser Typ schien alles zu haben, was er nicht hatte und er gab Adam alles, wofür er zu feige gewesen war.


 


 


Später gingen sie wieder ins Haus und tanzten ein bisschen. Es war schön so mit Adam zu tanzen und Kim beschloss, seine unglückliche Verliebtheit erstmal zu vergessen und einfach ein bisschen Spaß zu haben.


Aber irgendwann kam er. Kim erkannte ihn sofort, er stand in der Tür und blickte sich suchend im Raum um. Er lächelte als er Adam entdeckte, trat von hinten an ihn heran und schloss die Arme um ihn.


Adam lachte als er es spürte. Er schien sofort zu wissen, wer ihn da umarmte.


Kim beobachtete die beiden aus einiger Entfernung. Ihm war klar, warum Adam Luca so mochte. Er wirkte, selbst auf jemanden, der ihn nicht kannte, total offen und liebevoll und er sah, das musste Kim sich eingestehen, auch noch verdammt gut aus.


Trotzdem konnte Kim ihn sofort nicht leiden.


Sein Blick wanderte von Luca zu Adam und Kim spürte wieder einmal wie sein Herz bei Adams Anblick ein bisschen höher schlug. Er stand da und unterhielt sich mit Luca, plötzlich wandte sich sein Blick Kim zu und dieser schaute schnell weg, in der Hoffnung, dass Adam nicht bemerkt hatte, dass er ihn beobachtete.


Aus dem Augenwinkel sah er, dass die beiden auf ihn zukamen und im nächsten Moment waren sie schon bei ihm.


„Hey Kim“, sagte Adam „das ist Luca, mein Freund. Luca, das ist Kim.“


„Hi Kim“ Luca lächelte und gab ihm die Hand.


„Hi“


Luca wandte sich sofort wieder Adam zu. „Schatz, tanzt du mit mir?“, bat er und setzte einen furchtbar treuherzigen Dackelblick auf, bei dem jede Dreizehnjährige vor Entzücken in Ohnmacht gefallen wäre. Kim fand das total albern und fragte sich gerade, wie Mädchen auf so was stehen konnten, als ihm bewusst wurde, dass Adam offenbar auch Gefallen daran hatte. Jedenfalls sah es so aus, denn Adam ließ sich ohne Widerworte von Luca auf die Tanzfläche ziehen.


Kim blieb zurück und sah den beiden nach. Wie sie, mit verliebten Blicken, eng aneinander geschmiegt tanzten.


Während er neben der Tür stand und mal wieder daran dachte, dass er der Typ in Adams Armen sein könnte, wenn er nicht so verdammt feige gewesen wäre, merkte er plötzlich, dass jemand neben ihn getreten war.


„Hey“, sagte Michel.


Kim lächelte nur als Antwort.


„Wie gefällt dir die Party?“


„Sie ist toll! Echt! Ich hatte schon lange nicht mehr so viel Spaß!“


Michel nickte langsam. „Adam hat mir erzählt, dass ihr mal zusammen wart.“, sagte er plötzlich.


Kim wusste nicht so ganz was er sagen sollte. „Ja… aber das war nur ganz kurz“, meinte er schließlich.


Michel nickte wieder. „Was hältst du von Luca?“, fragte er.


Kim zuckte die Achseln. „Er ist ganz ok, denk ich…“


Michel lächelte. „Er ist ein Wichser!“, sagte er plötzlich.


Kim sah ihn überrascht an. Michels Ton klang plötzlich nicht mehr freundlich und nett, sondern kühl.


Michel bemerkte Kims fragenden Blick und lächelte bitter. „Er verarscht Adam doch nur!“, sagte er.


„Was? Wie kommst du…?“


„Ach, er ist ein blöder Arsch, der Angst hat, alleine zu sein. Also hält er sich immer noch jemanden warm, den er im Notfall nehmen kann, falls alles andere nicht klappt. Er war praktisch schon mit Adam zusammen, als er mit seinem Ex Schluss gemacht hat – und das hat er auch nur gemacht, weil Adam es von ihm verlangt hat. Ansonsten würde er diesen Typen wahrscheinlich immer noch haben… Ich meine, versteh mich nicht falsch! Ich bin sicher, dass er in Adam verliebt ist, irgendwie. Aber weißt du, Adam ist einfach nichts Besonderes für ihn, kein Typ ist was Besonderes für ihn. Er sagt ihnen allen, dass er sie liebt und wahrscheinlich bildet er sich das sogar ein, aber in Wirklichkeit hat er einfach nur Schiss vor dem Allein-Sein! Also hat er ständig neue Typen, erzählt allen, sie seinen seine große Liebe und nach ein paar Monaten, sobald der kleinste Stress am Horizont auftaucht, sucht er sich einen Neuen.“


Kim wusste nicht, was er dazu sagen oder denken sollte. „Also eigentlich hatte ich das Gefühl, dass er Adam wirklich liebt“, meinte er schließlich „ich meine, so von der Art her, wie er mit ihm umgeht…“


Michel lächelte bitter. „So geht er doch mit allen um. Er trägt sie auf Händen und ist supersüß zu ihnen. So kriegt er sie leicht rum und vermeidet Stress. Aber sobald es dann doch brenzlig wird, haut er ab und sucht sich einen Neuen! Aber weißt du, das komischste daran ist, dass er seine Freunde zwar immer wegen eines anderen verlässt und auch gelegentlich mal betrügt, aber selber furchtbar eifersüchtig ist. Ich hab ihm hundertmal gesagt, dass ich hetero bin und eine Freundin habe, die ich sehr liebe und dass Adam und ich nur Freunde sind. Sehr gute Freunde, wir kennen uns seit dem Kindergarten, aber eben nicht mehr! Und trotzdem ist er schrecklich eifersüchtig auf mich und so ne Scheiße…“


„Warum erzählst du mir das alles?“, fragte Kim plötzlich.


Michel sah ihn an. „Weil ich derjenige war, dem Adam damals seinen Liebeskummer wegen dir erzählt hat und weil ich heute gesehen habe, wie du ihn angeschaut hast. Ich habe zwar von vielem keine Ahnung, aber ich verstehe was von Menschen… Adam ist der beste Freund, den ich jemals hatte und ich wünsche mir so sehr für ihn, dass er endlich jemanden kennen lernt, der ihn wirklich glücklich machen kann und vor allem jemanden, der ihn wirklich liebt. Nicht nur so jemanden wie Luca, der ihm alles verspricht, aber nichts hält!“


Kim lächelte traurig. „ich hab ihn auch enttäuscht!“


„Ja, aber du liebst ihn!“


Damit ging Michel weg und Kim sah ihn den Rest des Abends nicht mehr.


Als sie sich irgendwann später wieder einmal unterhielten, sagte Michel ihm, dass er sich kaum an das Gespräch erinnere, da er in dieser Nacht eindeutig zu viel getrunken hatte. aber Kim vergaß es nicht.


 


 


Als Kim am nächsten Morgen aufwachte, war sein erster Gedanke: „Warum denke ich eigentlich nie im richtigen Moment daran, dass ich von Sekt immer einen Megakater bekomme?!“


Er stand auf und schleppte sich mühsam in die Küche, wo er sich erstmal ein Glas Wasser und eine Aspirintablette holte. Dann ging er wieder ins Bett und hatte eigentlich vor, den Rest des Tages dort zu bleiben und still zu leiden.


Doch leider wurde aus diesem Vorhaben nichts, denn Kim hatte ja eine nervige Stiefschwester und, noch schlimmer, einen heimlichen Schwarm, der Alkohol leider um einiges besser vertrug als er selbst, oder am Abend zuvor einfach weniger getrunken hatte…


Um viertel vor zwei Uhr nachmittags kam Olga in Kims Zimmer gestürmt. „Kimmy Telefon!“, verkündete sie lautstark und zog ihm mit einer einzigen Bewegung die Decke weg.


Kim wollte ihr gerade etwas wenig freundliches antworten, als sie mit einem eindeutig zweideutigen Grinsen, hinzufügte: „es ist Adam!“


Schnell setzte Kim sich auf. „Gib das her!“, zischte er und nahm Olga das Telefon aus der Hand.


„Ja? Hi Adam! Warte mal einen Moment – Olga raus hier! So, jetzt bin ich wieder da! Was gibt’s denn? … Kopfschmerzen? Nein, gar nicht! Wie kommst du denn da darauf? … Heute? Ähm ok… Ja, das kenne ich! … Bis dann!“


Er legte auf und ließ sich in die Kissen zurückfallen. Na super! Jetzt hatte er also ein Date mit Adam und zwar in genau – er warf einen Blick auf die Uhr – 59 Minuten. Aber außerdem hatte er noch Kopfschmerzen und sah ein bisschen aus, wie eine Wasserleiche.


Aber gut, wenn er die Wahl hatte, zwischen mit Kopfschmerzen, Kater und mieser Laune im Bett liegen und Adam nicht sehen und mit Kopfschmerzen, Kater und dann vielleicht auch sehr viel besserer Laune in einem Café sitzen und Adam sehen, war die zweite wohl immer noch die bessere Option!


Also richtete er sich wieder auf und ging, nicht ohne sich vorher noch eine Aspirintablette geholt zu haben, ins Bad, um sich für sein Treffen mit Adam fertig zu machen.


 


Sie saßen in einem winzigen Eiscafé an einem noch viel winzigeren Tisch, tranken einen Milchshake und unterhielten sich. <

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