Ahoi! by Ricki
Summary: Während Oliver und seine Freunde Emilio und Rafael neben der Arbeit auf einem Kreuzfahrtschiff ihr Leben auf den Weltmeeren genießen, ahnt Christian noch nicht, welches ungewöhnliche Abenteuer auf ihn zusteuert. Auf jeden Fall scheint Christian vom ersten Augenblick auf dem Luxusliner und auch bei Olli willkommen zu sein. Emilio hingegen träumt davon seinen Aufstieg aus der Schiffskombüse zu schaffen, und auch Rafael sehnt sich nach einem sicheren Hafen. Allerdings gibt es da noch dieses eine Versprechen! „Na, dann Ahoi!“


Dieses ist eine Story, die sich aus meinen gesamten Fortsetzungsgeschichten ausklingt und die erste Begegnung zwischen Olli und Christian zeigt, die so hätte auch passieren können, auch wenn in dieser Erzählung und zu diesem schicksalhaften Zeitpunkt die Zwei und auch die anderen Charaktere schon einige Jährchen älter sind.

Mitwirkende VL – Charaktere: Oliver Sabel, Christian Mann, Emilio Sanchez, Rafael Velasquez, Gregor Mann, Charlie Schneider, Olivia Schneider, Clarissa von Anstetten, Ansgar von Lahnstein, Kim Wolf, Marlene Wolf, Timo Mendes, Ricardo Mendes, Tanja von Lahnstein, Sebastian von Lahnstein, Luise von Waldensteyck, Justus Stiehl // Frei erfundene Figuren: Kyan Baxter, Tessa von Tannheim, Nils Hansen, Elias Maiwald, u.a.
Categories: Verbotene Liebe (Forbidden Love) Characters: Ansgar von Lahnstein, Charlie Schneider, Christian Mann, Clarissa von Anstetten, Emilio Sanchez, Gregor Mann, Kim Wolf, Luise von Waldensteyck, Marlene Wolf, Oliver Sabel, Olivia Schneider, Rafael Velasquez, Ricardo Mendes, Sebastian Von Lahnstein, Tanja von Lahnstein, Timo Mendes
Genre: Drama, Family, Friendship, Humor, m/f, m/m, Romance
Language: German
Pairings - AWZ: None
Pairings - Other: None
Pairings - VL: Christian/Oliver, Other m/f, Other m/m
Warnings: None
Challenges: None
Series: None
Chapters: 65 Completed: No Word count: 78583 Read: 3717 Published: 05/06/2017 Updated: 11/24/2017

1. Chapter 1 by Ricki

2. Chapter 2 by Ricki

3. Chapter 3 by Ricki

4. Chapter 4 by Ricki

5. Chapter 5 by Ricki

6. Chapter 6 by Ricki

7. Chapter 7 by Ricki

8. Chapter 8 by Ricki

9. Chapter 9 by Ricki

10. Chapter 10 by Ricki

11. Chapter 11 by Ricki

12. Chapter 12 by Ricki

13. Chapter 13 by Ricki

14. Chapter 14 by Ricki

15. Chapter 15 by Ricki

16. Chapter 16 by Ricki

17. Chapter 17 by Ricki

18. Chapter 18 by Ricki

19. Chapter 19 by Ricki

20. Chapter 20 by Ricki

21. Chapter 21 by Ricki

22. Chapter 22 by Ricki

23. Chapter 23 by Ricki

24. Chapter 24 by Ricki

25. Chapter 25 by Ricki

26. Chapter 26 by Ricki

27. Chapter 27 by Ricki

28. Chapter 28 by Ricki

29. Chapter 29 by Ricki

30. Chapter 30 by Ricki

31. Chapter 31 by Ricki

32. Chapter 32 by Ricki

33. Chapter 33 by Ricki

34. Chapter 34 by Ricki

35. Chapter 35 by Ricki

36. Chapter 36 by Ricki

37. Chapter 37 by Ricki

38. Chapter 38 by Ricki

39. Chapter 39 by Ricki

40. Chapter 40 by Ricki

41. Chapter 41 by Ricki

42. Chapter 42 by Ricki

43. Chapter 43 by Ricki

44. Chapter 44 by Ricki

45. Chapter 45 by Ricki

46. Chapter 46 by Ricki

47. Chapter 47 by Ricki

48. Chapter 48 by Ricki

49. Chapter 49 by Ricki

50. Chapter 50 by Ricki

51. Chapter 51 by Ricki

52. Chapter 52 by Ricki

53. Chapter 53 by Ricki

54. Chapter 54 by Ricki

55. Chapter 55 by Ricki

56. Chapter 56 by Ricki

57. Chapter 57 by Ricki

58. Chapter 58 by Ricki

59. Chapter 59 by Ricki

60. Chapter 60 by Ricki

61. Chapter 61 by Ricki

62. Chapter 62 by Ricki

63. Chapter 63 by Ricki

64. Chapter 64 by Ricki

65. Chapter 65 by Ricki

Chapter 1 by Ricki
Ahoi! ( Teil 1 )


„Da vorne liegt sie, die MS Moania, die Königin der Meere!“ verkündete Gregor Mann gutgelaunt, als er in Urlaubstimmung aus dem vollgepackten Touristenbus stieg und dabei die frische Seeluft im Hafen von Casablanca einhauchte. Dichtgefolgt sortierte sein Bruder Christian noch sein Handgepäck, bevor er seine Sonnenbrille auf dem Gesicht richtete und dann auch seinen Blick auf die wartenden Kreuzfahrtschiffe fixierte und dabei vor allem den direkt vor ihnen liegenden Cruiser begutachtete. „Königin der Meere? Na, der Pott dort drüben hat bestimmt mehr Anspruch auf den Namen,“ stellte Christian daraufhin fest, der dann abermals zu seiner kleinen Reisetasche, die er über seine linke Schulter trug, griff, da er mit dem Verschließen des Reißverschlusses noch nicht zufrieden schien: „Mein Gott nochmal, hätte ich bloß die andere Tasche genommen. Der Reißverschluss raubt mir den letzten Nerv!“

„Bleib doch ganz geschmeidig, Little Brother! Wir sind im Urlaub. Komm, zeig mal, wo klemmt’s denn?“ sprang Gregor hilfreich zur Seite und löste im Nu das Problem: „Zack und zu! Also, können wir jetzt?“

„Klar! Ich bin fertig! Hey, wo willst du hin?“ fragte Christian irritiert nach, da sein älterer Bruder sich gehorsam einer größeren Touristengruppe anschloss. „Aufs Schiff, wohin sonst?“ erwiderte der dunkelhaarige Mann, dessen welligen Haare mal wieder bis tief in den Nacken reichten. „Ja klar aufs Schiff, aber hast du nicht eben noch auf den Kahn dort gezeigt? Wieso jetzt auf diesen großen Kutter?“ verlor der gelernte Pferdewirt allmählich die Übersicht bei der ungebändigten Menschenmenge und den heranrauschenden Taxen und Bussen, die sich auf dem Anlieger tummelten.

„Ich habe nicht gezeigt, ich habe von dem Schiff gesprochen. Siehst du? Da oben steht doch ganz deutlich in unübersehbaren Buchstaben MS Moania. Wo bist du denn nur mit deinem Kopf heute?“ behielt Gregor im Gegenzug aber die Nerven, woraufhin Christian protestierte: „Mann, du hast mir gestern Mittag Bescheid gesagt, dass ich für Luise und deine Kinder einspringen soll, im Eilverfahren habe ich meine nötigsten Sachen gepackt, dann sind wir über Nacht hier runtergeflogen, das Frühstück im Hotel war eine Zumutung, und du verlangst, dass ich noch halbwegs einen Plan habe?“

„Eine bisschen mehr Spontanität würde dir auch gut zu Gesicht stehen, also gib jetzt nicht mir die Schuld. Ich dachte du freust dich, dass ich dich kostenlos mitnehme, praktisch als dein Geburtstagsgeschenk. Du wirst schließlich nur einmal im Leben 30, mein Lieber,“ konnte Gregor Christians Gezicke überhaupt nicht nachvollziehen. Der ehemalige Boxer wollte sich allerdings nicht so einfach abfertigen lassen und legte ohne Rücksicht auf die anderen Menschen, die in freudiger Erwartung auf dem Weg zum Schiff marschierten, nach: „Danke fürs Erinnern. Wenn Luise und deine Kinder nicht die Magen – und Darmgrippe bekommen hätten, wärst du doch nie auf die Idee gekommen mich mit auf eine vierzehntägige Kreuzfahrt zu nehmen. Aber gut, feiern wir zwei gemütlich nächste Woche auf dem Hauptdeck unter den Sternen auf den Weltmeeren meinen Geburtstag. Ehrlich gesagt, mit einem Outdoor – Camping in der Wildnis hättest du bei mir stärker punkten können.“

„Mein Gott, nun mach doch nicht so einen Aufriss! Luxus kann doch auch mal ganz prickelnd sein. Lass uns doch einfach relaxen, die Sonne genießen oder wir machen ein paar nette Ladies klar und haben vierzehn Tage Spaß, bei was auch immer! Hört sich das für dich jetzt akzeptabel an?“ setzte der ältere der Brüder sich ein verbindliches Lächeln auf, woraufhin Christian abrupt stehenblieb: „Geht’s noch? Ich dachte, du wärst glücklich mit Luise?“

„Och Mann, Christian, bitte, das war bildlich gemeint. Jetzt pantomime hier nicht den Moralapostel! Hauptsächlich geht es doch um dich! Komm, seit deine Coco vor einigen Jahren nach Goa ging, ist bei dir doch nichts mehr erfrischendes gelaufen, oder habe ich was verpasst?“ spielte Gregor auf Christians Liebesleben an, welches tatsächlich nicht von großartigen Höhepunkten überzeugen konnte, wie auch der Jüngere der Beiden zugab: „Es hat sich eben noch nichts passendes ergeben. Ich habe mich voll auf meine Ausbildung als Pferdewirt konzentriert!“

„Die mittlerweile über zig Jahre erfolgreich beendet wurde und als Ausrede wohl nicht unbedingt herhalten kann. Also, ab jetzt nur noch lächeln und wir werden dir bestimmt eine wunderbare, bezaubernde Wassernixe angeln. Oder darf es vielleicht eher ein zackiger Leichtmatrose sein?“ verschrieb Doktor Gregor ein Wundermittel gegen schlechte Laune, was Christian allerdings erneut auf die Palme brachte: „Du redest manchmal so eine Scheiße, Gregor Mann!“

„Ahoi Jungs! Wie ist die Lage? Wieder nur wohlhabende Rentner wie auf der letzten Tour? Da ging ja gar nichts! Selbst die Makrelen in meinem nährhaften Fischsalat hatten mehr Sexualleben!“ erkundigte der Schiffskoch Emilio Sanchez sich bei seinen beiden Kumpels Oliver Sabel und Rafael Velasquez, die beide als Steward auf diesem Schiff angeheuert hatten und jetzt von einem der oberen Decks über der Rehling hingen und neugierig die neuen ankommenden Gäste in Augenschein nahmen.

„Ich kann sie immer noch nicht entdecken?“ meinte derweil Olli, der mit seinen grünen Augen alles abgraste, was sich in diesem Hafen von Marokko bewegte. Nachdem Emilio Rafael fragend anstarrte, übernahm der Spanier die Erklärung: „Olli wartet auf seine Tante und seine Cousine aus Düsseldorf. Die wollten eigentlich heute an Bord gehen.“

„Ach ja, interessant! Und wie ist deine Cousine so? Die Tante könnt ihr übrigens getrost behalten. Moment mal, ist das die Tante mit dem Nobel – Restaurant in Deutschland, von der du immer erzählt hast? Klar ist das die Tante! Olli, kannst du mir da was klarmachen? Wenn ich den Rest meines Lebens unten in der Kombüse Kartoffeln schälen und Scampies frittieren muss, werde ich noch irre. Zwiebeln und Salatgurken schälen hängt mit allmählich auch zum Hals raus. Ich brauche endgültig eine neue Lebensaufgabe. So ein exklusives Nobelbistro würde voll in mein Konzept passen,“ witterte der südamerikanische Aushilfskoch die Chance seines Lebens.

„Was willst du allein in Düsseldorf? Das hier ist die große Welt, vor allem unsere Welt. Du willst Raffi und mich doch wohl nicht alleine weiter durch die Häfen reisen lassen?“ verlangte Olli indirekt einen gewissen Zusammenhalt, den die drei Freunde sich schon lange auf diesem Schiff gaben. „Okay, okay, wenn wir wirklich mal gehen sollten, dann gehen wir zusammen von Bord, das haben wir uns ja geschworen! Aber ihr wisst schon noch, dass wir drei an diesem Abend in Lissabon uns ganz schön einen getankt hatten? Der Kessel war bis zum Anschlag voll. Ich weiß bis heute nicht, wie ich wieder aufs Schiff gekommen bin,“ erinnerte Emilio die beiden Kumpels an das große verbündete Saufgelage vor fast einem Jahr in einer portugiesischen Hafenbar. „Geschworen ist geschworen! Wenn wir uns nicht helfen, wer hilft uns dann?“ blieb auch Rafael auf der Welle der ewigen Freunde, auch wenn jeder von ihnen wusste, dass eines Tages ihre Wege in verschiedene Himmelsrichtungen verlaufen könnten.

„Okay Jungs! Dann konzentrieren wir uns auf diese Fahrt! Also mal wieder ein wirrer Haufen da unten, wie ich feststelle. Olli, ich finde ja, du bist mal wieder an der Reihe. Deine Tante wird schon anrauschen. Guck mal lieber darunter! Was hältst du denn von den beiden Zuckerstangen da unten?“ spielte Emilio den Scout für unterhaltsame lange einsame Nächte auf See. „Wo?“ hakte Olli nach, der immer noch seine Augen auf die Suche nach seinen Besuch aus Düsseldorf offen hielt.

„Na, da unten, Schnuckelbärchen! Direkt vor der Gangway! Ich sag’s ja, du weißt gar nicht mehr, wie ein Mann aussieht. Wie lange ist dein letzter Kajüten – Schnickschnack jetzt her?“ powerte Emilio seine Jungs weiter auf die nächsten Abenteuer ein. „Okay, zugeben beide nicht übel, aber Mann, wo bleiben Charlie und Olivia nur? Das Schiff legt in einer halben Stunde ab!“ konnte Olli sich jetzt wirklich nicht auf hereintrudelndes und auch verbotenes Freiwild konzentrieren, da auf dem Schiff zwischen Personal und den Reisegästen eine gewisse strikte Distanz verordnet wurde.

Nochmal schaute Oliver dann nach rechts, wo er letztendlich erlöst wurde, als zwei weibliche Gestalten, die ihm mehr als bekannt vorkamen und seit Jahren gefehlt hatten, aus einem Taxi stiegen: „Yes! Da sind sie. Ich muss runter, Jungs! Checkt ihr weiter die süßen Prinzen und Prinzessinnen und sonstigen Früchtchen!“

Im Eiltempo flitzte Olli dann durch die Gänge der Decks, nahm lieber die große Treppe als die vollen Aufzüge und schien nicht mehr zu halten.

„Tja Junge, letzte Ausfahrt vor deinem Abenteuer auf See oder willst du jetzt noch kneifen?“ hakte Gregor scherzhaft nach, wobei er seinem Bruder verbindlich auf die Schulter klopfte. „Das könnte dir so passen. Ich habe lieber ein Auge auf dich!“ ermahnte Christian daraufhin, der sich dann umdrehte und seine Sonnenbrille in die Hände nahm, um über die Gangway aufs Schiff zu gelangen, wo er ohne UV - Schutz auftreten wollte. Allerdings wusste er in diesem Moment nicht so schnell, wohin er mit seiner Brille sollte. Bevor er sich entscheiden konnte, spürte er dann einen Rempler und musste miterleben, wie seine neues modernes Brillenmodell auf den Metallboden der Gangway knallte, da er sie bei dem unsanften Zusammenprall aus seinen Händen verlor.

„Sorry!“ brachte ihm noch der junge dunkelhaarige Mann, der aus dem Schiff gerannt kam und offensichtlich zur Crew gehörte, im Vorbeifliegen entgegen, doch Christian konnte nicht anders als dem Typen seinen Verlust anzukreiden: „Mann, du blinder Trottel, kannst du nicht aufpassen? Meine schöne neue Sonnenbrille!“

Oliver drehte sich wegen der aufgebrachten Meckerei lieber nochmal zu dem Gast um und beobachtete dann Stück für Stück, wie der mittelblonde Mann mit dem Dreitagebart und einer Reisetasche auf dem Rücken sich langsam aus der Hocke vom Boden erhob und dabei dessen Sonnenbrille in zwei Teile in seinen Händen hielt.

Für einen Moment blieb Olli stumm, ließ nur seine Augen alles, was sich aufzufangen lohnte, registrieren, schien fast sein Vorhaben hier unten auf dem Anlieger zu vergessen. Dann merkte er aber, dass sein Gegenüber zum nächsten Zurechtweisen ansetze, dem Olli allerdings zuvorkam: „Du kannst den Schaden gerne an der Info melden. Sage meinen Kollegen einfach, der Olli war es! Es steht schon mehr auf meinem Sündenkonto. Da kommt es auf einen Verweis mehr oder weniger nicht an. Aber ehrlich gesagt, wozu brauchst du eine Sonnenbrille? Warum willst du deine schönen blauen Augen hinter den dunklen Gläsern verstecken?“
Chapter 2 by Ricki
Ahoi! ( Teil 2 )


„Sí mi amigo! Gewonnen! Ich wusste es! Olli will den Burschen mit dem Bart! Aber hübsche Wahl!“ erkannte Rafael mit geschultem Auge aus seiner Position auf dem Deck, als er und Emilio sich noch weiter über die Rehling beugten, um den optimalen Ausblick im HD – Effekt zu erlangen, wobei den Zwei Kumpels die Situation auf der Gangway nicht entging, auf der Olli spontan vor einer der anvisierten Personen stehen blieb und sich sogar schon mit ihr unterhielt, bevor Oliver dann aber direkten Kurs zum angekommenen Taxi nahm.

„Du und deine beängstigende Menschenkenntnis?! Also ich könnte dir nicht vorrausagen, auf welche Schokoladensorte Olli gerade Appetit hat. Da war in letzter Zeit zu viel durcheinander,“ musste Emilio zugegeben, dass Rafael mal wieder richtig liegen könnte, und so zog er ehrenhaft einen Fünf – Euro – Schein aus seiner Hosentasche der Kochuniform, um sie dem Spanier zu reichen, denn noch während Ollis Lauf nach unten, hatten die zwei im Vorfeld gewettet, wen von den beiden Männern da unten Olli als erstes in die Augen schaut. Tja, und Emilio setzte dabei wie so oft auf das falsche Pferd.

„Hast du das eben mitgekriegt? Der Kerl wollte mich angraben!“ beschwerte Christian sich derweil bei seinem Bruder über das Verhalten dieses in seinen Augen, aufdringlichen Schiffsangestellten, während er immer noch in Gedanken versunken seine kaputte Sonnenbrille in den Händen hielt. „Opps! Und nun fühlt Herr Christian Mann sich in seiner Ehre verletzt? Mein Gott, mach dich mal ein bisschen locker! Schluck‘s einfach als Kompliment! Die Leute sind gut drauf, na und? Alle hier wollen eine tolle Reise haben. Nur du bist am Nörgeln!“ wies Gregor seinen jüngeren Bruder zurecht, was der Boxer, dessen anfänglicher Dreitagebart sich seit langem in dessen Gesicht gefestigt hatte und für ihn selbst nicht mehr wegzudenken schien, überhaupt nicht nachvollziehen konnte: „Witzig! Deine Brille ist ja auch nicht …. Aber den Kerl knöpfe ich mir noch vor!“

„Amen! Geh jetzt lieber weiter! Du hältst den ganzen Betrieb auf!“ konnte der Prinz von Waldensteyck nur noch seinen Kopf schütteln, während er seinen Bruder an die Schulter packte und endlich über die Gangway in Richtung der Lucke zum Schiffsinneren schob, wovor sie allerdings wegen des Andrangs noch für einen Augenblick warten mussten.

„Für unsere nächste Hafenrunde!“ grinste Rafael siegesbewusst, der daraufhin das Geld einsteckte, um es mit den Erlösen aus anderen Wetten sicher aufzubewahren, denn hin und wieder wurde ein Kassensturz von den drei Freunden vollzogen und bei einem längeren Aufenthalt in einem Hafen der Welt auf den Kopf gehauen. Noch während Rafael das Geld verstaute und dabei Olli unten hinterher sah, wie dieser sich durch das Gewühl auf dem Anlieger zu dem Taxi schlug, traute Emilio seinen Augen nicht: „Wow, schau dir diese Hammerbraut an! Mandel – Zartbitter würde ich sagen!“

„Meinst du etwa die flotte Senorita an der dunklen Limousine in dem taillierten Kleid?“ galt es für den spanischen Schiffssteward nun seine Aufmerksamkeit auf Emilios Wünsche zu legen. „Ein Traum, oder? Los, kneif mich!“ forderte der dunkelhaarige Aushilfskoch, woraufhin Rafael allerdings erste ungute Anzeichen durchklingen ließ: „Träum weiter! Aufwachen nützt nichts! Diese Chica ist eine oder gleich mehrere Nummern zu groß für dich! Außerdem scheint sie in aufpassender Begleitung!“

„Du kannst einen vielleicht aufbauen?! Ich hoffe nur inständig, dass sie sich nicht mit diesem alten Geldsack abgibt?!“ durchfuhr Emilio ein ungutes Gefühl, was sein Kollege aber eher entspannter betrachtete: „Kann ja auch einfach nur ihr Vater sein?! Aber auch das finden wir raus! Jetzt ist aber erstmal Olli dran!“

„Okay, erst Olli! Ich muss jetzt sowieso in die Küche. Die hungrige Meute will pünktlich ihren Lunch. Du machst alles klar?! Wir brauchen seinen Namen und die Kabinennummer, außerdem bestimmte Vorlieben. Ist er hetero, gay bis in die Haarspitzen oder doch nur so ein bisschen? Und du musst abchecken, ob die zwei da unten nur gute Freunde auf gemeinsamer Bootstour oder ein Pärchen sind?! Dann bräuchten wir allerdings für Olli einen neuen Strategieplan,“ bestimmte Emilio den weiteren Ablauf, bevor Rafael sich von der Rehling zur Tat motiviert abstützte und energisch bereit schien: „Wird erledigt! Wenn Olli ihn will, bekommt er ihn auch!“

Der Südamerikaner klopfte Rafael dabei anerkennend und kameradschaftlich auf dessen Schulter: „So sieht’s aus! Ach ja, und für dich finden wir auch noch was ganz Schnuckeliges, mein Hase! Du sollst ja schließlich nicht verhungern, solange dein Traumhero auf Heimaturlaub ist. Habt ihr nun eigentlich schon ….? Du hülst dich da so ein bisschen in Schweigen, mein Lieber!“

„Deine üppigen Gemüseberge warten darauf von deinen zarten Fingerchen sanft behandelt zu werden,“ schickte der Steward den Koch an die Arbeit, da er über diesen einen gewissen Punkt jetzt nicht unbedingt sprechen wollte, da es keine großartigen und zufriedenstellende Ergebnisse zu verkünden gab. Daraufhin bewegte der Spanier sich nach unten ins Foyer des Schiffes, um die unaufschiebbare Mission auszuführen.

„Ahoi, meine Hübschen! Charlie, Olivia, wow, dass ihr es wirklich mal geschafft habt?! Ich freue mich so dermaßen, dass ihr da seid!“ empfing Olli seinen lange erwarteten Besuch aus Deutschland am Taxi mit herzlichen Umarmungen und Küsschen, bevor er sich nochmals zur Gangway umsah und seinen unsicheren Blick auf die Person konzentrierte, die ihn vor wenigen Takten für einen Moment aus dem Rhythmus brachte.

„Und ich erst! Aber versprochen ist versprochen. Und Casablanca alleine ist ja schon eine Reise wert. Schau mir in die Augen, Kleines! Schneidig siehst du aus, in deiner knackigen Uniform!“ fühlte Charlotte sich bereits bestens angekommen und auf wunderschöne zwei Wochen Urlaub eingestimmt, wodurch Oliver sich wieder der eintreffenden Realität stellte und abermals Charlie mit allen verbindlichen Willkommensritualen versorgte, die der smarte, charmante junge Steward zu vergeben hatte, da ihm kurz ein schlechtes Gewissen überkam, weil er nicht ganz bei der Sache schien.

Nachdem auch seine Cousine Olivia Ollis Herzlichkeiten nicht entkam, schnappte der Schiffsangestellte sich das mehrteilige Handgepäck, welches der Taxifahrer ihm reichte, woraufhin Charlie ihm aber eine der Reisetaschen abnahm, um ihren Neffen nicht unnötig schwer zu belasten: „Die olle Tante kann schon selber tragen, während die jungen Dinger ihre Hände in den Taschen vergraben.“

„Ja, warum wohl?“ feuerte Olivia der Bistrochefin entgegen, bevor sie trotzig ihrem Cousin ihren Schminkkoffer entriss. „Kommt Mädels, bitte keine schlechte Laune verbreiten. Das ist auf der Moania strengstens tabu!“ erkannte Olli sofort, dass Olivia mal wieder etwas gegen den Strich ging. Um abzulenken erkundigte Oliver sich dann anstandshalber: „Habt ihr denn einen angenehmen Flug gehabt?“

Während er daraufhin aber nochmals seine Augen erst zur Gangway und dann nach oben aufs Deck schickte, dabei allerdings an beiden Orten nicht mehr das vorfand, was er liebend gerne angetroffen hätte, bekam er jedoch auch den strafenden Blickkontakt zwischen seinen lieben Verwandten mit, ehe Charlie etwas angefressen erwiderte: „Frag lieber nicht! Eine Katastrophe!“

Abrupt blieb Olli erschrocken stehen und konzentrierte sich jetzt wieder voll und ganz auf die Damen: „Wieso Katastrophe? Was ist passiert?“
Chapter 3 by Ricki
Ahoi! ( Teil 3 )


„Das ist passiert!“ ließ Olivia ihre Wut raus, wobei sie Oliver alle ihre zehn Finger entgegenstreckte: „Das hier ist die Katastrophe! Ich habe mir einen Fingernagel abgebrochen, nur weil ich Tante Charlie dabei helfen musste, ihre bescheuerten Koffer auf das Transportband zu stellen. Und das ausgerechnet jetzt! Mann Olli, so kann ich ihm doch wohl unmöglich unter die Augen treten!“

„Wieso? Wem willst du unter die Augen ….?“ wusste der dunkelhaarige Steward jetzt nicht genau, worauf seine geschädigte Cousine anspielte. „Guten Morgen, Olli! Du warst auch schon mal zackiger von Begriff! Du wolltest mir doch deinen ersten Offizier vorstellen, wenn ich mal auf deinem Luxusliner aufschlage?!“ sorgte Olivia umgehend dafür, dass Olli auf den neusten Stand, seiner mal in Vergangenheit gelieferten Versprechen, kam: „Erster Offizier? Ach so ja, du meinst Sir Kyan Baxter, unseren umwerfenden, faszinierenden Gentleman aus Irland! Den wollte ich dir vorstellen? Oh, jetzt erinnere ich mich. Das ist aber schon eine Weile her, dass ich dir das Foto von ihm geschickt habe? Fünf Monate bestimmt, oder? In der Zwischenzeit hat sich einiges …. Ähm ja, Olivia, wie soll ich dir das sagen? Es gibt eine gute und eine schlechte Nachricht!“

„Die gute zuerst und die schlechte kannst du dir sparen!“ forderte die junge Dame aus Düsseldorf umgehend Erklärungen, wollte dabei aber keine negativen Einschläge einstecken, wofür sie auch keinen Grund sah, denn die eigentliche Katastrophe befindet sich ja wie schon besprochen an ihrer rechten Hand am Ringfinger.

„Okay, also die gute Nachricht wäre, dass wir drei eine wundervolle Reise mit traumhaften Ausflugszielen und jeder Menge atemberaubender Shows an Bord haben werden. Auf dieser Fahrt startet sogar ein neues Musical! Stimmen im Wind, eine absolute Weltpremiere! Und ihr beiden Hübschen, auch, wenn ich zwischendurch mal arbeiten muss, werden wir trotzdem viel Zeit zum Quatschen haben und die verlorene Zeit nachholen, versprochen!“ spielte Olli eine hoffnungsvolle Platte ab, die weder Olivia noch Charlie gänzlich überzeugen konnte. Vor allem Charlotte wollte jetzt die Partie ausreizen, denn sie ahnte schon, dass eine weitere Katastrophe im Anflug lag: „Mich würde die schlechte Nachricht jetzt aber schon interessieren.“

Olli ließ seinen Blick zwischen den beiden Frauen hin und her wandern, suchte nochmals die Gangway und das Ausguck – Deck ab, wobei er genau wusste, dass Rafael und Emilio die Angelegenheit an Bord im Griff haben werden. Trotzdem half es nichts, eine Enttäuschung für Olivia konnte er nicht länger aufsparen: „Ähm ja, um ehrlich zu sein, Kyan Baxter ist gar nicht an Bord. Er hat überraschend Landurlaub bekommen. Aber hey, in unserer exklusiven Einkaufspassage haben wir hinreißende Spezialistinnen, die deine Fingernägel bestimmt wieder flott bekommen.“

„Und dafür den ganzen Stress? Das glaube ich jetzt echt nicht! Schönen Dank, Olli!“ schien Olivia mehr als sauer, die sich auf einen ausgiebigen, ranghohen Urlaubsflirt eingestellt hatte. Charlie hingegen kämpfte schwer damit, ihre Schadenfreude zu unterdrücken, freute sich dabei aber auf ihr wichtiges Ereignis: „Aber das Kapitänsdinner hast du uns schon reserviert, so wie du es mir versprochen hast? Oder fährt das Schiff auch ohne Kapitän?“

„Kapitänsdinner? Ähm ja, wir sollten jetzt echt an Bord. Die Jungs ziehen gleich die Anker hoch!“ lotste Olli dann endgültig Charlie und Olivia aufs Schiff, nachdem ihm einfiel, dass er sich auch um diesen Wunsch nicht ausreichend gekümmert hatte, und dieses Ereignis wohl für Charlie ins Wasser fallen würde, weil es lange Reservierungslisten dafür gab, die es einem schwer machten, in dieser Hinsicht noch etwas zu korrigieren können.

„Mensch, Ansgar! Kannst du nicht später telefonieren? Ich will aufs Schiff. Marlene wartet sicher schon auf mich!“ beschwerte Kim sich unten auf dem Anlieger, während sie sich mit ihren Händen die langen dunklen Haare nach hinten legte. „Ich habe das nicht so gut wie meine Tochter! Wichtige Geschäfte lassen sich nun mal nicht aufschieben. Ich bin immer am Drücker!“ erwiderte Graf Ansgar von Lahnstein genervt, da er seine Tochter im Zaum halten musste und dabei im Hafen nach einer wichtigen Kontaktperson Ausschau hielt.

„Bla, bla, bla! Der fleißige Daddy und seine faule verwöhnte Tochter, immer die gleichen Sprüche von dir. Es wird langweilig, Ansgar! Mensch, wir sind im Urlaub! Ich freue mich so auf das neue Musical mit Marlene,“ ließ Kim ihren Vater keine Zeit, um dessen Dingen nachzugehen. Aber den reichte es sichtlich: „Justus, bringen sie meine Tochter schon mal aufs Schiff! Ich komme gleich nach.“

„Wie sie wünschen, Graf Lahnstein!“ gehorchte die Vornehmheit in Person, wobei er sich schon mit dem gesamten Handgepäck der Herrschaften abmühen musste. „Ach, und Justus, überprüfen sie umgehend die Suite. Wenn der Single Malt fehlt und keine Zigarren deponiert wurden, verklage ich die Reederei. Oder noch besser, ich kaufe den ganzen Laden und schmeiße die unfähigen Leute hochkantig raus!“

„Es wird ihnen bestimmt an nichts fehlen!“ erwiderte der Butler, ehe er sich mit Kim auf den Weg zur Gangway machte. „Haben sie eine Ahnung, Stiehl!“ kommentierte der Graf die Worte seines Angestellten, woraufhin er sich dann, nachdem er nochmals mit seinen Adleraugen den Anlieger abscannte, sein Handy schnappte und mehr als aufgebracht bei der Zielperson losdonnerte: „Lahnstein! Mann, wo bleiben sie? Ich stehe hier schon gefühlte Jahrzehnte vor dem Dampfer. - - - - - Moment! Nochmal von vorne! Was soll das heißen, sie warten am Flughafen auf ihren Rückflug nach Deutschland? - - - - - Auftrag ihrer Chefin? Sind sie noch ganz bei Trost? Wo ist die Ware? - - - - - Wie bitte? In einem der drei Schrankkoffer von Ligne Clarisse? Geht’s noch? Wie soll ich da ran kommen? Ligne Clarisse hat sich von LCL abgespaltet. Der ganze Plunder gehört jetzt Clarissa von Anstetten alleine. Und die wacht darüber besser als zwanzig Dobermänner auf einmal. - - - - - Wie, das ist nicht ihr Problem? Hören sie! Wenn durch ihre Blödheit das Diadem nicht rechtzeitig den Besitzer wechselt, habe ich das Problem. Und glauben sie mir, dann haben sie auch eins! Und was für eins!“

„Dann hätten wir hier noch die Bordkarten für sie, Herr Mann und Herr Mann! Ihre beiden Kabinen befinden sich auf Deck C, Nummer 75 und 77, direkt nebeneinander. Ich wünsche ihnen einen sehr angenehmen Aufenthalt!“ gestaltete die junge erfahrene Dame am Infoschalter den Empfang für die beiden Mann – Brüder so angenehm wie möglich. Gregor schien für das Lächeln der weiblichen blonden Schiffsangestellten jedenfalls sehr empfänglich, während Christian seinen Blick für einen Moment auf den dunkelhaarigen Mann neben der lächelnden Schönheit lenkte, da er sich von dieser Person beobachtet fühlte. Jedenfalls bildete er sich das ein. Doch dann schaute Christian wieder auf die beiden Key – Cards und versuchte auf dem Schiff, auf dem es vor reiselustigen ankommenden Menschen nur so wimmelte die Orientierung zu bekommen, was ihm allerdings misslang: „Und wo ist jetzt Deck C?“

„Ich zeige es ihnen? Liegt sowieso auf meinem Weg!“ sprang Rafael wie auf Stichwort aufgefordert auf diesen Zug auf, zischte hinter der Rezeption hervor und zeigte in Richtung der Treppen: „Dort geht es lang! Bitte einfach mir nach!“

„Das nenne ich mal einen Top - Service! Dann folgen wir ihnen, R Punkt Velasquez!“ sagte der Prinz von Waldensteyck, der blitzartig die Schrift auf dem Namenschild des Stewards entzifferte.

„Sagt ruhig Rafael! Oh entschuldigen sie bitte! Natürlich sagen sie bitte ruhig Rafael!“ arbeitete der Spanier gekonnt mit allen Tricks, denn der Mann ohne Dreitagebart und den dunklen längeren Haaren stieg gleich wie erwartet drauf ein: „Schon okay! Dieses vornehme Getue haben wir zu Hause, das brauchen wir hier nicht. Freut uns dich kennenzulernen, Rafael! Ich bin übrigens Gregor und mein kleiner Bruder hier hört auf Christian. Aber bitte schaue ihn nicht direkt in die Augen! Da reagiert er allergisch drauf!“
Chapter 4 by Ricki
Ahoi! ( Teil 4 )


„Ich werde mir Mühe geben und weiche notfalls aus!“ versprach Rafael, obwohl er den jüngeren der beiden Mann – Brüder mit seinen Augen schon abtastete, um herauszufinden, warum Olli seine Wahl so schnell getroffen hatte. Dabei führte er die Herren dann einige Treppenstufen nach oben und spulte weiter seine Strategie ab: „Wenn also irgendwas sein sollte, könnt ihr euch jederzeit gerne an mich wenden. Ich kümmere mich dann um alle Belange. Seid ihr denn alleine unterwegs? Oder kommt noch jemand? Ich meine nur, mit den Kabinen 75 und 77 auf Deck C habt ihr zwei große Außenkabinen mit Doppelbett gebucht.“

„Ist das auf diesem Schiff verboten?“ mischte sich jetzt zum ersten Mal Christian in die Servicearbeit des jungen Stewards ein, da der Boxer sich immer noch nicht so richtig mit dem gesamten Klima anfreunden konnte. Geschickt ruderte Rafael allerdings gleich zurück: „Alles im grünen Bereich! Es ist halt ungewohnt, da die Kabinen meistens alle voll belegt sind. Sorry, falls ich da ….“

„Da gibt es nichts zu entschuldigen. Du konntest es ja nicht wissen. Meine Frau und meine beiden Kinder, für die wir die zweite Kabine mitgebucht hatten, da alle Suiten mit zwei Schlafzimmern schon vergeben waren, sind plötzlich krank geworden. Und da ist jedenfalls mein Bruder mehr als kurzfristig eingesprungen, damit nicht alles verfällt,“ erklärte Gregor die Wohnsituation auf dem Schiff, was der gelernte Pferdewirt abermals nicht ganz nachvollziehen konnte: „Willst du dem lieben Rafael vielleicht noch mehr aus unserer Familiengeschichte berichten?“

„Ach, warum nicht? Kann doch bestimmt spannend sein? Ab und zu erfährt der Betroffene da selbst noch Dinge über sich, die er noch gar nicht so wirklich wahrgenommen hatte,“ meinte der Schiffführer unbekümmert, der nicht daran dachte, sich Christians Eskapaden zu beugen. Gregor blieb daraufhin spontan stehen, legte dabei Rafael freundschaftlich seinen Arm über die Schulter und drehte ihn so mit in Christians Richtung, woraufhin Gregor seinen Bruder ein wenig hochnehmen wollte: „Mal so ganz unter uns! Christian hat schon seit längeren keine Freundin. Wie sieht es denn hier an Bord so allgemein mit dem weiblichen Publikum aus? Können wir da etwas arrangieren?“

„Wir helfen, wo wir können! Unsere Pool – Partys auf dem Sonnendeck sind immer sehr beliebt. Auf dem Hinterdeck gibt es eine Club – Disco. Dort tummeln sich immer Leute. Tja, und einmal die Woche veranstalten wir im Casablanca – Zimmer ein Speed – Dating. Jeder hat eine Minute Zeit jemanden anderen in die Augen zu schauen und sich von der besten Seite zu zeigen. Ach Quatsch, da war ja was mit den Augen?!“ malte Rafael die allgemeine Flirtszenerie in den Schiffsfarben, woraufhin Christian nur noch den Kopf schütteln konnte: „Ihr habt sie doch nicht mehr alle!“

„Bei uns wird ja kein Gast gezwungen. Aber ich wünsche euch trotzdem viel Spaß und eine wunderschöne Reise! Ihr braucht jetzt nur noch hier entlang, dann einmal rechts abbiegen und den langen Gang folgen. Dann landet ihr bei euren Zimmern auf der Backbordseite, also links. Es ist auch bestens ausgeschildert,“ brachte der spanische Steward schnell wieder Entspannung rein, bevor er die nächste Phase startete: „Ach, fast vergessen! Da wäre noch eine kurze Frage für unsere allgemeine Zufriedenheitsstatistik. War denn bisher bei eurer Ankunft auf dem Schiff alles soweit in Ordnung oder gab es irgendwelche Beanstandungen?“

„Alles gut! Wir sind auf Zufriedenheitskurs. Trage ruhig die volle Punktzahl ein!“ meinte Gregor, wogegen es von Christians Seite umgehend Einspruch gab: „Nichts ist gut! Meine Sonnenbrille und dieser Typ?“

„Was meinst du da genau?“ forschte Rafael konzentriert weiter, da er ahnte, dass sie jetzt auf die Szene auf der Gangway zu sprechen kamen. „Irgend so ein Trottel, sorry, irgend so ein ungeschickter Schiffsangestellter hat mich unten am Eingang über den Haufen gerannt und dann ….!“ schmetterte der Boxer die Anzeige raus, wofür er von seinem älteren Bruder einen genervten Blick einfing: „Mein Gott, Christian! Ich verspreche dir, wir gehen nachher auf die Shopping – Mall des Schiffes. Irgendwo werden wir so eine gottverdammte neue Brille für dich finden. Die finanziere ich auch aus meiner Urlaubskasse. Also Rafael, vergiss alles, was mein Bruderherz hier so rumschwafelt.“

„Nein, nein! Wir nehmen jeden Vorfall ernst, damit wir solche Vorkommnisse in Zukunft unterbinden können. Verschaffe dir ruhig Luft, Christian! Kannst du dich noch an den Übeltäter erinnern?“ spielte der Steward seine Rolle mit Perfektion, um auch eine mögliche Beschwerde einzukassieren, die eventuell sonst ganz wo anders landen könnte.

„Siehst du Gregor! Mann muss auch mal sagen dürfen, was Sache ist!“ fühlte sich der Düsseldorfer Pferdewirt, der seiner Arbeit auf dem Gestüt von Schloss Königsbrunn nachkam, bestens bestätigt, bevor er Details präsentierte: „ Okay, wie sah er aus? Dunkle Haare auf jeden Fall, obwohl ein leichtes Grau war hier und da auch schon zu erkennen. Er hat auch einen kurzgehaltenen Bart und grüne Augen glaube ich. Ja genau, die waren grün!“

„Sollen wir vielleicht noch eine genaue Gegenüberstellung veranstalten, damit der arme Junge in den Schiffskerker landet oder über Bord den Haien vorgeworfen wird?“ erkannte Gregor seinen gereizten und aufgebrachten kleinen Bruder nicht wieder. Bei Christian blieb dieser Kommentar aber ohne besondere Beeindruckung zurück, denn ihm fiel noch etwas Wichtiges ein: „Und Olli heißt er! Das weiß ich genau! Er trug auch so ein Namensschild wie du. Aber den Nachnamen …. Moment, Sebel oder Seibel, kann auch Seidel oder Seppel gewesen sein. Auf jeden Fall Olli!“

„Das ist doch schon mal ein Anfang! Bleibt also ganz entspannt! Ich werde mich umgehend um den Fall kümmern!“ versprach der Angestellte der MS Moania, wobei er so tat, als würde er sich alle Fakten fein säuberlich notieren. Als er allerdings den Zettel ordnungsgemäß, und mit einem kurzen Blick in Christians Augen, in seiner Westentasche steckte, geschah ein Wunder. Denn Christian sagte plötzlich unerwartet: „Okay, mach da bitte keine große Sache draus! Bestell diesem Olli einfach schöne Grüße von mir und er soll nächstes Mal besser aufpassen! Kann ja jeder mal einen schlechten Tag haben!“

Rafael und Gregor schauten sich einen Augenblick verwundert an, woraufhin Rafael den Zettel wieder aus seiner Westentasche zog und ihn vor den Augen der Jungs zerriss: „Wenn du das sagst? Erledigt! Ich werde unseren Olli aber auf jeden Fall ansprechen und dafür sorgen, dass er sich höchstpersönlich und ausdrücklich bei dir entschuldigen wird. Im Grunde ist er eigentlich ein ganz lieber Kerl! Andere schwärmen sogar von ihm. Naja, wäre ja gelacht, wenn wir dieses unvorhersehbare Unglück nicht aus der Welt schaffen würden?!“
Chapter 5 by Ricki
Ahoi! ( Teil 5 )


„Oma, wo willst du denn hin?“ fragte Timo Mendes seine Großmutter Clarissa von Anstetten, als er sie auf einem der Gänge der MS Moania, der direkt zu den Lagerräumen führte antraf. Dabei blickte er leicht nervös werdend und vor allem besorgt zu der großen Eisentür, durch die man ins Depot gelangen konnte. „Du sollst mich doch nicht immer Oma nennen. Das macht mich gleich um dreihundert Jahre älter. Soviel Faltencreme könnte selbst ich mir dann nicht mehr leisten,“ empörte Clarissa sich eher scherzhaft, da sie ihrem Enkel ja nie böse sein konnte. Timo versuchte daraufhin die Gräfin aus Düsseldorf zu bezirzen: „Ach Clarissa, selbst mit Dreihundert würdest du noch wie ein eleganter Schwan über den See gleiten. Ähm, hast du schon das Pool – Deck gesehen? Fast so schön wie damals auf unserer Finca auf Mallorca. Soll ich dir das Paradies jetzt zeigen?“

„Später! Erstmal muss ich in den Laderaum. Irgendwo muss er doch sein? Meine Güte, das ist aber auch alles verworren hier auf dem Schiff,“ arbeitete die Modeschöpferin daran, ihre Orientierung zu gelangen. Timo wusste natürlich längst, wo es zu den Katakomben ging, die eigentlich für Reisegäste tabu sind. Aber er befürchtete, dass Clarissa sich über so ein No Go freizügig hinwegsetzen würde. Darum galt es äußerst wachsam zu sein: „Und was willst du im Laderaum? Das ist übrigens gefährlich. Nur Schiffsangestellte dürfen dort hinein!“

„Das wüsste ich aber! Für mich gelten immer Sonderregeln, mein Lieber! Außerdem, wo die Kleider von Ligne Clarisse gelagert sind, habe ich immer Zugang. Da sollte sich mir mal einer in den Weg stellen!“ bestimmte die Modeikone die Spielregeln, die Timo allerdings noch mehr ins Schwitzen brachten: „Du willst die großen Schrankkoffer überprüfen? Warum? Ich habe mit eigenen Augen gesehen, wie sie an Bord gebracht wurden. Drei an der Zahl. Clarissa, da ist alles in Ordnung!“

„Na, davon überzeuge ich mich lieber selber. Ich will nachsehen, ob sie auch wirklich noch verschlossen und plombiert sind. Nicht, dass am Ende noch die besten Stücke geklaut wurden und ich blamiere mich bei der Mode - Gala bei der reisenden Prominenz an Bord. Nein, nein, Die Gala ist äußerst wichtig. Mit ihr kann ich Tanja von Lahnstein um Längen überholen!“ ließ die Gräfin nicht locker. „Ja, das verstehe ich auch alles. Aber wäre es nicht besser, wenn ich nach dem Rechten schaue, Oma? Ich meinte natürlich Clarissa?! In so einem Schiffslager ist doch alles chaotisch gelagert. Und auf diesem Schiff soll es besonders schlimm sein, hat Paps mir jedenfalls erzählt. Nachher fällst du noch, brichst dir wohlmöglich irgendein Körperteil, kannst dann eventuell bei deiner Modenschau nicht anwesend sein und musst dich am Ende sogar noch von deinem ungeliebten Ex - Schwiegersohn behandeln lassen,“ entwickelte der blonde junge Mann die perfekte Abschreckstrategie.

„Das fehlt mir auch noch!“ musste Clarissa erkennen, dass ihr Enkel mit dessen schrecklichen Horrorszenarien nicht ganz Unrecht hat. „Siehst du? Dann ist doch besser, dass ich den Wachdienst übernehme. Ruhe du dich eine Weile in der Suite aus, und nachher treffen wir uns zum Mittag. Ich hoffe allerdings, du hast nichts dagegen, dass Papa uns bei den Mahlzeiten Gesellschaft leistet? Ich sehe ihn so selten, und da dachte ich …. Kapitän Hansen hat ihm auch sein okay gegeben, dass er bei den Gästen im Restaurant sitzen darf,“ wollte Timo natürlich auch gerne viel Zeit mit seinem Stiefvater Ricardo Mendes verbringen, der als Schiffsarzt für das Wohlergehen der Reisenden und dem Personal sorgte. Dass Timo seine Oma auf dieser Fahrt begleitete, hat Ricardo mehr als gefreut, denn sonst sah man sich nur alle paar Wochen, wenn es für den Arzt mal auf Landurlaub ging.

„Ist schon gut, mein Junge. Ricardo gehört nun mal irgendwie zu dir. Da will ich mal nicht so sein. Selbstverständlich darf er bei uns am Tisch sitzen,“ gab Clarissa sich fast geschlagen, die aber weiterhin ein ungutes Gefühl umhüllte, während sie leise zu sich sagte: „Mit Kapitän Hansen muss ich wirklich ein ernstes Wort reden!“

„Was hat der Junge vor?“ traute Clarissa ihren Enkel, der nun durch die große Eisentür verschwand, nicht ganz und wollte ihm gerade hinterhergehen, als plötzlich eine alte Bekannte hinter ihr stand: „Clarissa, du an Bord? Das ist aber eine Überraschung!“

„Mir bleibt auch nichts erspart!“ musste die dunkelhaarige Frau erkennen, ehe sie sich gespielt freundlich gab: „Charlie, meine Liebe! Manchmal wacht man auf und stellt fest, dass es doch keine Fata Morgana ist. Aber gut, jetzt bist du schon mal hier! Willst du uns oben an der Bar nicht schon mal zwei Champagner bestellen? Ich komme dann gleich nach.“

„Mensch, Raffi, wo bleibst du denn? Ich konnte mich kurz von meinen Auberginen und Papaya loseisen, aber es warten noch zwei Riesensack Rosenkohl auf mich, der geputzt werden muss, also raus mit der Sprache! Haben wir Olli an den Mann gebracht?“ wollte Emilio in der Kajüte, in der die drei Vagabunden zusammen hausten und ihr Dasein fristeten, endlich Ergebnisse einfahren. Auch Olli, der auf seinem oberen Etagenbett rumlümmelte, spitze jetzt neugierig seine Ohren, was Spion Velasquez berichten könnte.

Erst verzog Rafael, der die Tür hinter sich zuschlug und sich daran lehnte, wie gewohnt keine Miene, aber dann überzog ein breites verratendes Grinsen sein Gesicht, woraufhin er die erwartenden Antworten auspackte: „Aber sowas von! Haltet euch fest! Also, der Bursche heißt sogar Mann, Christian Mann. Er ist Single, Deutscher und bewohnt alleine eine Außenkabine auf Deck C. Die genaue Zimmernummer muss ich noch rausfinden, 75 oder 77! Aber der Hammer kommt. Ollis Namen hat er sich schon mal gemerkt. Olli kann er vorwärts und rückwärts buchstabieren. Ich soll dich übrigens ganz lieb von ihm grüßen! Deine ersten Spuren hast du also anlockend hinterlassen.“

„Du redest aber schon von dem Typen, dem ich die Sonnenbrille zerlegt habe?“ hakte Oliver fragwürdig nach, ehe er dann in eine ganz andere Richtung schoss: „Leute, der Kerl ging ab wie eine Furie. Sowas brauche ich echt nicht!“

„Na, du kannst auch ganz schön abgehen! Und außerdem sollst du Mister Sunglas ja nicht gleich heiraten,“ gab der Spanier seine Sicht der Lage wieder, woraufhin sich Emilio, der auf seine Koje, die an der anderen Wand des kleinen Raumes über den Kleiderschrank angebracht ist, einschaltete: „Wo wir dann beim nächsten Punkt wären!“

„Okay, da sehe ich eher schwarz. Auf mich wirkt der Typ Massiv Hetero. Ich glaube, sein älterer Bruder wäre da offener,“ wusste Rafael, auf welchen Punkt Emilio anspielte. Der Südamerikaner schaute dann rüber zur gegenüberliegenden Koje und konnte es schon in Olivers Gesicht ablesen: „Aber der ist nicht Ollis Geschmack. Er mag lieber Vanille – Aprikose mit einem Hauch Stachelbeere und gepfefferten Curry.“

Bei dieser Geschmackszusammenstellung sahen sich Olli und Rafael augenzukneifend an, wobei Rafael loswerden musste: „Diagnose Kombüsengeschädigt!“

„Aber hey Jungs! Der Knabe wäre nicht der erste Super – Macho, den Olli sich zurechtlegt,“ warf Emilio hinterher, was Steward Olli, auch zu seiner eigenen positiven aufbauenden Aussicht, bestätigen konnte: „Auch wieder wahr!“

Allerdings, im nächsten Moment sprang Olli aus seinem Etagenbett herunter und ließ seine Kumpels überraschend wissen: „Kommt Jungs, lasst stecken! Ich glaube, ich setze mal eine Runde aus!“
Chapter 6 by Ricki
Ahoi! ( Teil 6 )


„Warum das? Etwa wegen deiner Tante?“ kam Rafael Ollis momentane Stimmung merkwürdig vor. Emilio setzte sich auf und ließ seine Beine von oben aus dem Bett herunterbaumeln, konnte sich aber seinen Kommentar nicht verkneifen: „Ach, sieh einer an! Olli macht auf braven Vorzeigeneffen?!“

„Quatsch, darum geht’s nicht! Obwohl, okay, ich habe da schon Mist gebaut,“ begann Olli zu beichten, während er sich vor dem kleinen Spiegel, der in der mittleren Tür vom dreiteiligen Kajütenschrank eingelassen ist, den Kragen seiner Steward – Uniform gerade zog, da gleich der Dienstbeginn im Restaurant startete.

Gespannt und fragend stellten die beiden Freunde im Raum ihre Ohren auf Empfang, bevor der grünäugige junge Mann eröffnete: „Ich hatte Charlie so versprochen, dass ich sie mit auf die Reservierungsliste für das Kapitänsdinner setze. Solche Ereignisse sind ihr immer wichtig. Ich hab’s total verpennt, und nun sind die drei angesetzten Dinner vollkommen ausgebucht mit langen Wartelisten natürlich. Das Ding ist gelaufen!“

„Ach, mach dir keinen Kopp darum. Da kriegen wir auch noch einen Dreh ran. Deine Tante wird mit Sicherheit noch Platz am Tisch von Käptain Blaubär nehmen,“ sah Emilio die Situation völlig entspannt, auch wenn er selbst wusste, dass es bei diesen Vorrausetzungen schwierig werden könnte. „Und wie? Sollen wir etwa das Computerprogramm hacken? Außerdem sind die Teilnehmerlisten für die Termine bereits ausgehangen,“ entgegnete Rafael, der einen gewissen Überblick in den Bord – Restaurants pflegte.

„Okay, dadurch wird es natürlich nicht weniger schwierig! Aber Olli, deswegen musst du diese vierzehn Tage nicht den schüchternen Klosterschüler geben, den dir eh keiner abkauft,“ äußerte der Aushilfskoch sich, woraufhin er mit seinem Fuß Olli kurz gegen die Schulter stupste, während dieser sich noch am Spiegel am Bart zupfte.

„Vor allem, während dein Aprikosenshake oben auf dem Deck die Sonnenstrahlen auf seinem nackten Body tanzen lässt und dabei süß an einem Strohhalm eines verführerischen Cocktails saugt. Ähm, dein Bart steht dir übrigens gut und wird ihm bestimmt auch gefallen. Aber okay, wenn du nicht willst, ich habe die nächsten Tage nichts vor,“ drohte Rafael scherzhaft, da er wusste, dass er damit seinen Kumpel Olli ermutigen und locken konnte. Kampfesbewusst drehte Olli sich dann auch wie erwartet zu Rafael um: „Denk nicht mal dran, Amigo! Wenn, dann massiere ich das Sonnenöl auf seinen Rücken ein!“

„Da ist er wieder, unser Olli! So kennen und lieben wir ihn!“ meinte Emilio grinsend, bevor er vom Bett runter hüpfte, Olli und Rafael dann auf die Schulter klopfte und zum Sturm blies: „Kommt Jungs! Der Dienst ruft! Die Jungs und Mädels an Bord sind hungrig!“

„Wie kann man nur so penetrant sein, wie diese blonde Klatsch – und Tratsch – Liese aus Düsseldorf? Was interessiert es mich, dass ihr Neffe erster Steward auf diesem Schiff ist und ihr somit alle Türen öffnen kann? Meine Güte nochmal!“ empörte Clarissa sich immer noch, nachdem sie ihrer ehemaligen guten Freundin in der Pazifik – Bar entkam, wohin Charlie sie geschleust hatte, da sie vorhin vor der Eisentür des Lagers keine Ruhe gab, bis Clarissa sie an die Bar begleitete. Aber nun nahm Timos Großmutter wieder Kurs auf den Laderaum, der ihr einfach keine Ruhe ließ: „Aber jetzt zu dir, mein lieber Enkel! Du legst deine herzensgute Oma nicht rein!“

Mit aufwendiger Kraft schaffte die Modechefin von Ligne Clarisse die schwere Eisentür zum Depot zu öffnen, wo sie dann im Inneren erkennen konnte, dass das Chaos gar nicht so groß schien, wie Timo es ihr prophezeit hatte. Wachsam suchte die dunkelhaarige Dame nun nach ihren gelagerten Koffern, die sie auch bald ausmachte. Doch sie entdeckte vor Ort noch mehr. Ein Koffer stand bereits offen und in einem anderen wühlte ein Mann im dunklen Anzug herum. Clarissa konnte nicht glauben, wem sie hier antraf: „Lahnstein, seit wann finden sie Gefallen an Frauenkleidern?“

„Mein Gott nochmal, müssen sie sich so leise wie eine gefrustete Nebelkrähe anschleichen? Sie hätten hier beinahe einen Notfall vor ihren Augen liegen gehabt,“ erschrak Ansgar, während er mehrere Kostüme, deren Bügel er gerade in den Händen hielt, fallen ließ.

„Vielleicht ergibt sich ja nochmal eine Möglichkeit! Also, reden sie! Was machen sie an den Koffern von Ligne Clarisse?“ forderte die Gräfin eine konkrete Antwort ein, woraufhin Ansgar die auf dem Boden liegenden Kleider aufhob und wahllos in den Koffer warf und dabei antwortete: „Na, was wohl? Ich brauche ein paar hässliche Lumpen für den Kostümball!“

„Meine schönen Kleider! Ach gehen sie weg! Sie machen ja alles kaputt!“ schimpfte Clarissa wie ein Rohrspatz, ehe sie nun den Grafen von Schloss Königsbrunn bei Seite schubste und sich sorgfältig um ihre misshandelten Musterstücke, die für eine Mode – Gala auf dem Schiff vorgesehen sind, bemühte. Ansgar gab ihr derweil zu verstehen: „Natürlich gehe ich nicht auf einen Kostümball. Herrje nochmal! Ich bin hier nichtsahnend vorbeigeschlendert und da sehe ich, dass zwei der Kofferschränke offen stehen. Und da wollte ich …. Wer weiß, vielleicht hatte sich ja jemand in den Koffern versteckt. Was ist mit dem da drüben? Der ist noch verplombt. Soll ich da lieber noch mal nachschauen?“

„Lahnstein, erzählen sie nicht so einen Unsinn! Geben sie es doch zu! Sie wollten meine Modeschau sabotieren, stimmt’s? Eigeninitiative oder hat Tanja, die auserkorene, nicht dazu lernende Verliererin, sie geschickt? Eines können sie ihr ausrichten! Ligne Clarisse bekommt sie nicht zurück!“ stemmte Clarissa sich gegen diesen fast zu erwartenden Angriff von Lahnstein Enterprises.

„Wenn mich einer nicht mehr schickt, dann ist das Tanja. Und jetzt werde ich sie nicht mehr weiter behelligen. Wenn sie sich nicht helfen lassen wollen? Bitteschön! Dann machen sie man schön alleine weiter. Der Gong zum Mittagsessen schlägt gleich an, Verehrteste!“ wollte Ansgar sich lieber erstmal aus der Schusslinie ziehen, auch, wenn er mit leeren Händen gehen müsste, denn das gesuchte Diadem ist in diesen beiden offenen Koffern anscheinend nicht anzutreffen.

Bevor der Chef der Lahnstein – Bank sich zurückzog, warf er noch kurz einen unauffälligen Blick auf den noch nicht durchsuchten dritten Koffer. Der erfahrenen Clarissa von Anstetten blieb dieser Blick natürlich nicht unbemerkt, was sie für sich zu nutzen wusste: „Gut, diese zwei hat er durch, bleibt also nur noch der da drüben. Egal was ihr hier für Spielchen mit mir treibt, ich finde es heraus!“
Chapter 7 by Ricki
Ahoi! ( Teil 7 )


„Ah, sieh mal einer an! Da ist unser Rafael ja wieder!“ gab Gregor mit einem freundlichen und verbindlichen Lächeln von sich, als er zusammen mit Christian das große Bordrestaurant betrat und direkt vorm Empfangsschalter stehen blieb, um eine eventuelle Einweisung entgegen zu nehmen. Christian hingegen verzog keine Miene und schaute sich stattdessen mit einem Rundumblick in dem überdimensionalen großen aber hellen und einladenden Saal um, in denen verschiedene Stilarten der Sitzplätze in diversen Gruppen die komplette Atmosphäre ausmachten. Des Weiteren entdeckten seine Augen eine größere Cocktailbar in der Mitte des Raumes und auf der linken Seite ein wahnsinnig gestaltetest Warm und – Kalt – Buffet, welches wohl keine Wünsche offen lassen würde. Ganz so nebenbei hörte er den jungen Steward am Empfang reden: „Ich habe es euch ja versprochen. Ich bin einer eurer ständigen Begleiter auf dieser Reise!“

„Tja, Christian, da staunst du, was? Das ist hier schon eine andere Hausnummer als die gemütlichen Kneipen in der Düsseldorfer Altstadt!“ meinte der ältere der Mann – Brüder, ehe er sich dann bei Rafael erkundigte: „Dürfen wir uns Plätze aussuchen, oder ….“

„Wir nehmen oder, um ein sonst bevorstehenden Chaos zu verhindern. Bei fast tausend Gästen an Bord müssen wir schon eine straffe Logistik steuern,“ verriet Rafael, der dann in seinen Computer schaute, um die Listen für die Tischreservierungen zu überfliegen, obwohl er dieses nicht brauchte, denn er wusste schon jetzt, auf welche Plätze er die beiden Herren manipuliert hatte. Trotzdem konnte ein gutes Schauspiel immer helfen, damit Zufälle sich vielleicht wie Zufälle anfühlten: „Okay, dann schauen wir mal! Ah, das ging ja flott! Da haben wir euch schon! Gregor und Christian Mann! Ihr Zwei sitzt an einem Vierertisch. Und zwar an Tisch 84. An diesem Tisch sitzt ihr bitte während der gesamten Reise. Aber ihr habt schon tolle Plätze, da braucht ihr keine Befürchtungen haben. Fast am Fenster, ihr könnt also auch während der Mahlzeiten immer aufs Meer schauen. Euch entgeht nichts! Euer Tisch ist dort drüben unter der Spiegelkuppel.“

„Du bist Gast an Tisch 84! Hast du dir das gemerkt, Christian?“ wollte Gregor seinen jüngeren Bruder mit an Bord nehmen, der aber immer noch mit sich kämpfte, da ihn diese Menschenmassen auf engsten Raum schon überforderten: „84, ich bin ja nicht blöd!“

„Ihr könnt euch nach Lust und Laune am Buffet bedienen. Nimmt euch alles, wonach euch ist und lasst es euch schmecken. Die Getränke werden von unserem flotten Service – Team am Tisch serviert. Also, dann wünsche ich euch einen guten Appetit!“ erklärte der spanische, dunkelhaarige Steward im sehr freundlichen Ton, dem aber nicht viel Zeit blieb, um den beiden gutaussehenden Männern nachzusehen, denn die nächsten Gäste warteten bereits auf ihre Tischzuweisung.

„Ah, da ist 84! Charlie Schneider? Olivia?“ schaute Gregor mehr als erstaunt, mit welchen weiteren Gästen sie in den nächsten vierzehn Tagen ihre Mahlzeiten einnehmen würden. „Gregor? Christian? Mensch, das ist ja eine Überraschung. Ihr sitzt bei uns am Tisch? Na, das ist ja ein Zufall?!“ schien Charlie sichtlich erfreut, auch wenn sie sich auch andere Gäste an ihrem Tisch hätte vorstellen können. „Ja, was für ein Zufall?!“ musste auch Christian nun erkennen, der eigentlich auf Olivia überhaupt nicht gut zu sprechen ist, da er ihre Launen und Spielchen schon in Düsseldorf des Öfteren miterleben durfte, welche die junge Dame auch auf hoher See beherrschte: „Ich hoffe, ihr habt nicht noch Andi Fritsche im Gepäck? Dann springe ich freiwillig ins Meer! Tante Charlie, wurde uns nicht erzählt, dass wir in der Kapitänslounge dinieren dürften?“

„Und jetzt haben wir die beiden sympathischen Gentlemen an unserem Tisch. Setzt euch doch bitte!“ hoffte die Bistrochefin aus Düsseldorf, dass ihre Nichte sich ausnahmsweise zurückhielt. Charlies Neffe hingegen tat das nicht, denn er hatte längst erspäht, was sich gerade im Restaurant abspielte und stürmte direkt auf seinen Kumpel hinter dem Empfangstisch zu: „Rafael, was soll das?“

„Was soll was?“ spielte der Kollege im Dienstleistungssektor des Schiffes den ahnungslosen, was Oliver ihm allerdings mit keinem Augenzucken abkaufte: „Du weißt genau, was los ist! Warum platzierst du ausgerechnet diesen Christian bei meiner Tante und Olivia an den Tisch?“

„Fehler im System?! Warum nicht, Olli? Ich dachte mir, das würde ganz gut passen, oder hast du etwa Panik, dass irgendjemand aus dem Nähkästchen plaudern könnte?“ erwiderte Rafael mit einem frechen Grinsen auf den Lippen. „Ist mir doch egal, was man sich über mich erzählt. Darum geht es auch eigentlich gar nicht. Mann, und warum setzt du Christian ausgerechnet in meinen Servicebereich? Du hättest diese Typen doch auch drüben zu Vanessa schicken können,“ zeterte Oliver, woraufhin Rafael einmal mit den Fingern schnippte: „Erde an Olli! Hast du dir Vanessa mal ganz genau angesehen? Lange blonde Haare, Top – Figur, verführerische braune Augen und ihre Brust ist auch viel ausgeprägter als deine. Was glaubst du wohl, wer eher in Christians Beuteschema fallen würde? Eben! Also gib dein bestes und denke immer schön brav an das Sonnenöl! Obwohl, brav kannst du streichen!“

Mit einem töten wollenen Blick machte Olli sich wieder auf den Weg an die Tischgruppen, die er unter seine Fittiche verbuchte. Dabei wurde er auch umgehend durch Christian entdeckt: „Das glaube ich jetzt ja nicht! Ich wusste, dass ich ihn wiedersehen würde. Da ist er, dieser Typ!“

„Welcher Typ?“ hakte Charlie neugierig nach, da sie nichts auf der Welt etwas verpassen wollte. Gerade als Christian zur Erklärung, in der bestimmt eine Sonnenbrille und ein übereifriger Tollpatsch die Hauptrolle besetzen würde, ansetzte, funkte dessen älterer Bruder dazwischen: „Ach, Christian bekommt das heiße Wetter hier auf den afrikanischen Gewässern nicht so. Er sieht wohl schon eine Fata Morgana!“

„Das wird es sein! Aber den kauf ich mir noch!“ schwor der Boxer sich, während Olivia anhand Christians Blick und der großen Spiegelkuppel über der Tischgruppe die sogenannte Fata Morgana ausmachte.

„Du wolltest die Sache doch abhaken? Also, was regst du dich jetzt schon wieder auf? Lass es doch einfach gut sein!“ versuchte Gregor so leise und unauffällig dem Pferdewirt neben sich auf Friedenskurs zu bringen, doch Olivia blieb nichts verborgen: „Ich weiß nicht, wie es euch geht, aber ich bestelle mir an der Bar erstmal einen Cocktail!“

„Die Getränke werden an den Tisch gebracht! Oder wurde dir das nicht gesagt?“ musste Christian der jungen Frau, ihm diagonal gegenüber sitzend, einfach unterstreichen. „Das sagt wer? Etwa du, Mister Super - Hero?“ ließ Olivia sich allerdings nicht ins Essen spucken und erhob sich mit einem siegreichen aufgesetztem Lächeln vom Tisch. Um die Lage nicht weiter eskalieren zu lassen, schlug der Prinz von Waldensteyck dann vor: „Komm Christian, wir fliegen jetzt erst mal übers Buffet. Ich habe einen Bärenhunger! Muss wohl die Seeluft machen!“

„Vorsicht Olli, du bist in sein Visier geraten!“ warnte Olivia ihren Cousin vor, der sich an der Cocktailbar gerade ein Tablett mit bestellten Getränken zurechtstellen ließ. „In welches?“ hakte Olli sofort nach, woraufhin er dem Blick von Olivia folgte. Olli sah, wie Christian mit dessen Bruder zwischen die Tische in Richtung des Buffet marschierte. Allerdings gelang es ihm nicht seine Augen wieder rechtzeitig von diesem hübschen Kerl abzuziehen und wurde beim Anschmachten quasi von Christian ertappt. Ein paar Sekunden blieben ihre Blicke aneinander kleben, ehe Olli sich wieder auf das immer voller werdende Tablett vor sich konzentrierte und dabei meinte: „Ich weiß echt nicht, ob mich das jetzt beruhigen sollte?! Aber gut zu wissen!“

Nachdem sich nun ein leichtes, aber doch stark erkennbares glückliches Lächeln über Olivers Lippen zog, hörte er, noch völlig im Gedanken versunken, Olivia neben sich reden: „Nur so ein kleiner aber gutgemeinter Tipp von deiner Lieblingscousine! Vergiss den Typen, Olli! Eindeutig falsche Baustelle!“
Chapter 8 by Ricki
Ahoi! ( Teil 8 )


„Ananas oh Ananas, Ananas oh Ananas! Wo versteckt ihr euch? Kommt raus! Ich finde euch doch! Ah, da seid ihr ja! Boah, Mann Alter! Habt ihr mich erschrocken!“ sprang Emilio im großen Vorratsraum der Küche mindestens zwei Meter zurück, als er auf der Suche nach dem vitaminreichen Nachschub in zwei Augenpaare schaute, die sich hinter den vielen Obst – und Gemüsekisten versteckten.

Vorsichtig, aber mit pochendem erhöhtem Puls, wagte die südamerikanische Küchenhilfe sich wieder Schritt für Schritt heran, wobei er sich absicherte, ob irgendjemand vom weiteren Schiffspersonal in die Nähe des Fundorts kommen könnte. „Ich glaub’s nicht, was ich hier sehe! Zwei blinde Passagiere an Bord?!“ stellte Emilio schnell auffassend fest, wobei er es den Zweien, die nun im Licht einen nordafrikanischen Eindruck auf den Koch machten, nicht übel nahm, denn irgendwie erinnerte es ihn an den Start seines Abenteuers aus Venezuela in Richtung Europa: „Na, guckt nicht so, wie verschreckte Suppenhühner! Der Emilio ist ein guter!“

Doch die beiden Männer befürchteten nun aufzufliegen und wollten aus ihrem Versteck flüchten, jedoch stellte Emilio sich ihnen in den Weg und legte dabei seinen Finger auf seine geschlossenen Lippen: „Pssst! Ihr müsst leise sein, sonst kommen die bösen Männer. Also wieder setzen! Sit down! Sagt mir lieber, wo ihr herkommt?! Where do you come from?“

Die zwei dunkelhäutigen Männer sahen sich nur irritiert an und um, woraufhin Emilio kapierte: „Okay, das wird nix! Na, das kann ja lustig werden?! Aber hey, gut dass es diese praktischen Übersetzer gibt.“

Rasch zog der junge Mann aus Caracas sein Smartphone aus seiner Hosentasche und suchte die passende App: „Damit kennt ihr euch ja bestimmt aus. Aber Jungs aufgepasst! Das ist mein Handy! Also nicht in irgendeine Hosentasche verschwinden lassen. Glaubt mir, ich beherrsche die Tricks genauso!“

Nachdem Emilio in den Übersetzer die erste Frage nach der Herkunft eingab, reichte er dem jüngeren der beiden Männer das Gerät, der sofort wusste, was er tun musste. „Marokko! Gut, das wäre geklärt! Also nächste Frage. Wie seid ihr auf das Schiff gekommen?“ tippte Emilio die nächsten Buchstaben in den Übersetzer, schob das Handy rüber und bekam es dann relativ schnell zurück, wodurch der dunkelhaarige Junge, der eigentlich nur einen Kasten Ananas holen wollte, vor weiteren Fragen stand: „In Koffer mit vielen Kleidern? Tja, auch eine Möglichkeit. Also weiter! Wie habt ihr in den Koffern Luft bekommen?“

„Luftschlitze?! Aha?! Gut dann will ich jetzt die ganze Story! Wer hat euch aufs Schiff gebracht?“ wollte Emilio nun alles wissen. Erneut hackte der jüngere der beiden Männer mit seinem flotten Zeigefinger auf dem Display rum und zeigte Emilio postwendend das Ergebnis: „Blonder Junge mit Herz! Was für ein blonder Junge?“

„Ich war’s! Ich habe die Jungs hier versteckt!“ hörte Emilio plötzlich hinter sich eine Stimme, woraufhin er wieder erschrak, sich aber, mittlerweile gefasster, umdrehte und einem jungen blonden Typen ins ernste Gesicht schaute: „Bist du bescheuert? Wer bist du?“

„Zu Frage eins! Wer kann schon von sich mit ruhigem Gewissen das Gegenteil behaupten? Zu zwei! Timo Mendes! Und zu Frage drei ….!“ lieferte der smarte Junge mit Sunnyboy – Flair die Antworten, während er nebenbei einen beruhigenden Blick zu seinen beiden Schützlingen warf.

„Ich habe keine dritte Frage gestellt!“ fiel Emilio eine Kleinigkeit an der merkwürdigen Logik in diesem Dialog auf. Timo trat daraufhin einen Schritt auf Emilio zu und meinte mit einem mehr als ernsten Gesichtsausdruck: „Das ist auch gut so! Denn ab jetzt brauche ich deine uneingeschränkte Hilfe!“

„Der Espresso! Bitteschön!“ versuchte derweil der Steward Olli wieder Normalität in seinen Servicebereich einfließen zu lassen, indem er professionell seinen Aufgaben nachkam, obwohl er es nicht immer unterlassen konnte, hin und wieder einen heimlichen Blick zu dem jungen attraktiven Mann seiner Tante gegenüber, fliegen zu lassen. Dabei bemerkte er auch zwischendurch, dass auch er selbst ab und zu ins Visier geriet.

Da der blauäugige Kerl, der mit seinem Bruder unterwegs ist, keinerlei Anstalten machte, unbedingt freundlich zu wirken und auch während der Servicearbeiten an diesem Vierertisch eher wortkarg herüberkam, wusste Olli den Charakter des Mannes nicht unbedingt einzuschätzen. Und da Rafael während des informativen Interviews zu der Überzeugung kam, dass dieser Christian mit allergrößter Wahrscheinlichkeit ausschließlich am weiblichen Geschlecht interessiert sein würde, beschloss Olli für sich das Kapitel bereits jetzt zuzuschlagen, ehe es überhaupt beginnen könnte, wenn man mal von diesem zufälligen Zusammenprall auf der Gangway absieht. Aber dennoch blieben dem Steward bereits nach dem ersten Speisen des bärtigen Mannes am Bord die Beobachtungen haften, dass Christian sich lieber gesund und sportlich ernährte, aber einer süßen Nachspeise nicht abgeneigt schien. Ein stark Koffeinhaltiges Getränk, wie es die Damen am Tisch, aber auch dessen Bruder sich noch gönnten, erteilte der junge, immer noch mürrisch wirkende, Mann mit einem kurzen Abwinken eine Absage.

„Ich muss wirklich feststellen, der Service auf diesem Schiff funktioniert absolut freundlich und einwandfrei. Vielleicht sollte ich dem ein oder anderen Angestellten ein Angebot machen, dass er oder sie auf Schloss Waldensteyck anfangen könnte,“ suchte Gregor nach einem Gesprächsthema, auf das allerdings nur Charlie einstieg: „Und mit Oliver haben wir auch noch den hübschesten und charmantesten Steward erwischt!“

„Wer sollte Olli auch das Wasser reichen?“ meinte Olivia mit einem eher abfälligen Blick in Richtung Christian, der immer noch nicht darin eingeweiht wurde, dass er praktisch mit Ollis Verwandtschaft an einem Tisch saß. Allerdings fiel er auch nicht auf Olivias Provokationen herein, während Charlotte sich dem vorbeilaufenden Schiffsangestellten zuwandte: „Apropos Wasser! Olli Schätzchen, bist du so lieb und schenkst mir auch noch etwas gekühltes Tafelwasser nach? Die afrikanischen Gambas waren doch schon sehr gut gewürzt!“

„Wild und feurig wie der gesamte Kontinent!“ kommentierte Olli die Anspielungen seiner Tante auf die Sternenbewertung der Bordküche, ehe er mit der Flasche, die er schon im Anschlag mit sich trug, umgehend Charlies Glas füllte und dann mit gekonnten Blick auf Christians Glas feststellte, dass ein weiterer Versuch, seine Nettigkeit nochmal zu beweisen, doch noch funktionieren könnte: „Möchte noch jemand vom kühlen Nass? Hier vielleicht?“

„Ich hatte zwar keine Gambas, aber meinetwegen. Schenke ruhig nochmal nach! Bitte!“ entgegnete Christian, der es dabei aber vermied Blickkontakt zu dem Steward aufzunehmen und ihm stattdessen das Glas entgegenhielt, obwohl Olli hätte eigentlich auf die rechte Seite des Gastes wechseln müssen. Aber gut, heute dann mal eben so. Aber genau diesen Fehler, den der Kellner beging, nutzte Rafael, indem der mit Absicht Olli an die linke Schulter stieß, wodurch natürlich sich das Wasser während des Eingießens unbändig seinen Weg über Christians Hemd und Hose suchte, aber nicht unbedingt für Abkühlung sorgte.

„Oh, lo siento, Olli!“ flutschte, mit einem für Oliver bekannten Unterton, in spanischer Sprache flüsternd eine Entschuldigung aus Rafaels Mund, während gleichzeitig Christian seine Hände hob und nun bereits den zweiten Aufprall mit Olli miterleben musste, was ihn zu einer erneuten kraftmessenden lauteren Aussage hinreißen ließ: „Mann, verdammt! Kannst du nicht besser aufpassen? Wie kann man nur so ungeschickt sein?!“
Chapter 9 by Ricki
Ahoi! ( Teil 9 )


„Entschuldige bitte! Ich mach’s sofort …. Oh Mann, das tut mir echt leid,“ schien Olli das provozierte Missgeschick mehr als peinlich, aber dennoch wollte er retten, was zu retten ist. Oliver griff während seiner Entschuldigungsarie zu einer unbenutzten Stoffserviette vom Nachbartisch und begann sofort Christian das Hemd damit abzuwischen, was allerdings dazu führte, dass der Boxer kurz daraufhin, wie von einer Tarantel gestochen, aufsprang und dabei Ollis Hand mit einem ernstgemeintem kompromisslosen Protest wegdrückte: „Lass das sein! Ich kann mich selber trocken legen!“

Ollis spanischer Kollege kümmerte sich derweil um die Tropfen, die das Tischtuch bei diesem Unfall erreicht hatten. Für Olli blieb nur eine Starre, in der er zuschauen musste, wie Christian, dessen Jeans auch stark in Mitleidenschaft gezogen wurde, sich dessen Handy und Kabinen – Key – Card aus der Hosentasche zog und auf den Tisch ablegte, während Christian fassungslos resignierte: „Das kann echt nicht wahr sein?! Alles nass! Und er steht da rum und guckt blöde aus der Wäsche!“

„Ich bringe sofort Tücher! Das kriegen wir wieder hin, versprochen!“ sagte Olli, der am liebsten im Erdboden versunken wäre, nun aber losspurtete, um Abhilfe zu schaffen. Olivia hingegen beobachte die komplette Situation und das Gehabe der Jungs, wobei sie genau wusste, was ihren Cousin zu dem Herbeirufen dieses Skandals ritt, was sie allerdings nur zu sich selbst flüsterte: „Mein Gott, Olli! Diese Art billiger Anbaggerversuch ist so alt wie die Menschheit. Und letztendlich führt er bei diesem Proll zu nix!“

„Mann echt! Das ist jetzt das zweite Mal, dass dieser ….!“ legte Christian gleich wieder los, als er sich wieder auf den Stuhl setzte und dabei hoffte, dass die anderen Gäste ihn nicht alle mit nasser Hose registrierten. Gregor fuhr seinem Bruder jedoch sofort ins Wort: „Mensch Christian, komm wieder runter! Das kann doch jeden passieren. Was glaubst du, wem ich damals im No Limits alles nass gemacht habe?! Oder erinnere dich bitte an Miriam und ihre Gläserwurfserie! Es ist passiert, und nun müssen wir das Beste draus machen. Siehst du, da kommt Oliver schon mit den Tüchern!“

„Ja, ist ja schon gut!“ schnurrte Christian wieder leise, nachdem sein älterer Bruder ihn zurechtgerückt hatte. Selbst Olli erhielt nun ein leises Danke vom Düsseldorfer Pferdewirt, als er Christian die Handtücher reichte.

Da der Steward bei der Schadensbegrenzung nur zusah und nicht mehr eingreifen, und somit helfen konnte, spurtete er rasch rüber zum Servicetisch, wo das benutzte Geschirr gegen sauberes ausgetauscht wurde, denn dort hielt sich sein Kollege auf, mit dem Olli ein dringendes Hühnchen rupfen musste: „Was sollte das, Rafael? Bist du total irre? Jetzt bin ich bestimmt bei ihm ganz untendurch?!“

„Ach was, keine Spur davon! Aber irgendwie müssen wir deine Kontaktaufnahme ja vorantreiben. Und ein paarmal hatte dieser Plan ja schon gewirkt, wenn ich dich dran erinnern darf?! Hast du seinen Blick gesehen, als du sein Hemd abtrocknen wolltest? Komm sag schon, wie fühlt er sich an?!“ untermauerte Rafael grinsend seine Strategie, die er als einen Erfolg verbuchte, während er damit begann einige Messer zu polieren. „Ich kann froh sein, dass ich noch lebe!“ meinte Olli, der Rafaels Optimismus nicht unbedingt teilen konnte. Der Spanier sah Ollis letzte Stunde jedoch längst noch nicht gekommen: „Ich würde ja eher sagen, du solltest dir langsam überlegen, was du zu eurem ersten Rendezvous anziehst! Ich konnte übrigens beim Tischabwischen unbemerkt seine Key – Card umdrehen. Dein neuer hübscher Adonis hat die Kabinennummer 77!“

„Zweimal sieben! Und das soll mir Glück bringen?“ schien die Zuversicht von Charlies Neffen endgültig dahin. „Naja, zumindest wirst du einen unvergessenen Platz in seinen heißen Urlaubserinnerungen haben!“ sah der junge Mann, der auf Mallorca aufgewachsen iwar, positive helle Wolken am Horizont aufziehen, ehe Olivia leise klatschend um die Ecke kam: „Bravo Olli! Ganz großes Kino! Wie weit willst du mit dieser durchschaubaren Zirkusnummer kommen?“

„Ach, ihr könnt mich alle mal! Ich hab’s versaut, und gut!“ ließ der aufgebrachte Oliver seinen Kumpel und seiner Cousine wissen, ehe er ab durch die Mitte verschwand. „Ich glaub das jetzt nicht!“ kam daraufhin über Rafaels Lippen, der Olli noch kurz allwissend hinterherschaute. „Was glaubst du nicht?“ hakte Olivia daraufhin nach, die Rafael nicht ganz folgen konnte. „Ach nichts!“ antwortete der junge Spanier, der für sich selbst aber erkannte: „Olli hat sich echt in diesen Typen verknallt!“

„Graf Lahnstein, ich hoffe doch sehr, ihnen ist der Lunch bekommen?“ fragte derweil Tessa von Tannheim, als Ansgar und seine Tochter Kim gerade die Kapitäns Lounge, einen abgetrennten Bereichs des Restaurants, in dem die besser betuchteren Gäste, die im allgemeinen die größeren Suiten buchten, und in diesem Teil sogar an den Tischen mit den kostbaren Speisen bedient wurden und nicht wie andere Reisende an einer Buffetschlange anstehen mussten, verlassen wollten.

Ansgar wandte sich der Dame in den 50igern, die ihre angegrauten langen, lockigen Haare mit brünetter Farbe zum neuen Glanz verhalf und beim Ausführen ihrer glitzernden Schmuckstücke zeigte, was sie an Werten besaß, zu: „Gräfin Tannheim, wie reizend! Jetzt noch einen guten Whisky und ich bin wunschlos glücklich. Ach Kim, geh doch bitte schon mal vor. Ich komme gleich nach!“

„Okay, wundere dich aber nicht, wenn ich mich allein amüsiere. Ich bin am Pool, falls du mich suchst!“ entgegnete Kim, die bereits ahnte, dass Ansgar auf dem Ferienschiff unentwegt mit seinen Geschäften beschäftigt ist. „Reizend, ihre Tochter. Und vor allem noch so unschuldig. Aber um noch mal darauf zurückzukommen. Ich wünschte, ich könnte auch von mir behaupten, ich wäre glücklich,“ sagte die gutgekleidete Dame, woraufhin Ansgar sie sanft an die Seite zog: „Hören sie, Gräfin! Unser kleines Geschäft verzögert sich noch etwas. Ich bin noch nicht zum Koffer auspacken gekommen.“

„Dann sollten sie sich schleunigst beeilen! Ich will das kostbare Schmuckstück endlich in meinen Händen tragen. Also halten sie mich nicht unnötig hin. Sollten sie nicht in der Lage sein, mir das Diadem zu übergeben, wissen sie, was passieren wird!“ ließ Tessa sich vom Düsseldorfer Adel nicht für blöd verkaufen und schon gar nicht abwimmeln. Ansgar sah sich bedacht um, damit niemand unbemerkt diesen Gespräch lauschen konnte, bevor er versicherte: „Sie bekommen das Teil, wie abgemacht. Sorgen sie also dafür, dass ihr ehrenwerter Gatte die Füße still hält. Wo ist er eigentlich? Ich habe ihn gar nicht mit ihnen speisen sehen.“

„Ach wissen sie, Graf Lahnstein?! Was juckt es den Bauern, wenn seine Sau sich im Schlamm suhlt?! Mein Mann macht sich nichts aus Kreuzfahrten und überlässt mir die Sonnenseite des Lebens. Er spielt zu Hause in seiner Bank lieber Schach mit seinen Geschäftspartnern. Meistens verlieren die anderen! Ich hingegen genieße die Sünden und erfreue mich schon an kleinen Dingen, wie zum Beispiel, den glitzernden Diamanten an unserem gemeinsamen Freund, dem wertvollen Diadem. Ich kann es kaum erwarten, mir diese bezaubernde Krone aufzusetzen. Ich wünsche ihnen noch einen angenehmen Tag!“ machte Tessa von Tannheim keinen Hehl daraus, dass Ansgar bald mehrere Millionen in der Lahnstein – Bank fehlen könnten, wenn sie den Schalter umlegen würde. Für den Grafen blieb da nicht viel Spielraum, weswegen er dann nochmals seine Kontaktperson anrief: „Ich warne sie! Es ist kurz vor Zwölf. Schaffen sie mir das verdammte Diadem her! Ansonsten garantiere ich für nichts!“
Chapter 10 by Ricki
Ahoi! ( Teil 10 )



„Bist du noch sauer?“ erkundigte Rafael sich, als er die kleine Gemeinschaftskajüte unten auf dem Personaldeck betrat, in der Olli sich bereits seiner Steward – Uniform entledigt hatte und sich nun ein gutsitzendes Shirt überstreifte, um die freie Zeit bis zur Abendschicht ungezwungen locker zu nutzen. „Du kannst dich ruhig reinwagen! Ich bin nicht sauer. Ich weiß ja, dass du mir nur helfen wolltest,“ gab Olli seinem Zimmer – Kumpanen grünes Licht, bevor er sich noch den Gürtel seiner Jeans schloss und dabei meinte: „Nur glaube ich, dass es dieses Mal der falsche Weg ist.“

„Weil du dich in ihn verliebt hast?“ wollte der Spanier es genau wissen. Doch der grünäugige Schiffsangestellte, der ursprünglich aus Meppen kam, legte sofort energischen Einspruch ein: „Totaler Unsinn! So schnell verliebe ich mich nicht. Schon gar nicht in einen Menschen, den ich überhaupt nicht kenne. Von der schnellen Truppe bin ich nun wirklich nicht. Außerdem habe ich dieses Buch sowieso schon zugeschlagen. Bei ihm hätte ich nicht die geringste Chance.“

„Ich höre da leichte Widersprüche raus, mein Freund. Der Gast von Tisch 84 hat dich voll gepackt, stimmt’s? So wie erst habe ich dich jedenfalls noch nie erlebt,“ glaubte Rafael zu wissen. „Und wenn schon! Chancen bei null! Ich beiße bei ihm bestimmt genauso auf Granit wie du bei deinem Sir Kyan Baxter. Und bei Baxter wette ich sogar, dass der auf dich steht, aber nichts zulässt, weil er sich als erster Offizier an Bord unmöglich mit einem einfachen Steward einlassen kann, geschweige überhaupt etwas mit einem Kollegen anfangen wird,“ behauptete Oliver, woraufhin er beobachtete, wie Rafael enttäuscht schauend und plötzlich still geworden, da er diese Wahrheit wohl akzeptieren musste, begann sich sein weißes Hemd zu öffnen, um ebenfalls sich in seinen Freizeitlook zu werfen. Olli wollte gerade auf Rafael zugehen und ihn freundschaftlich und mitfühlend drücken, als plötzlich erneut die Tür zur Kajüte aufsprang und der dritte Bewohner mit blonder Begleitung den kleinen Raum betrat: „Leute, aufgepasst! Das ist Timo Mendes!“

„Mendes?“ fragte Olli irritiert, woraufhin nun auch Rafael in die nächste Szene sprang und sich zu den beiden Neuankömmlingen umdrehte, dabei sich Ollis Vermutung anschloss: „Der Mendes?“

„Richtig, Jungs! Und das ohne Zusatzjoker. Timo ist der Sohn vom Doc und auf Stippvisite auf der Moania,“ löste Emilio das leichte Rätsel auf. „Ahoi Timo! Willkommen an Bord!“ ging Olli freundlich auf den jungen Mann zu und reichte ihm höflich die Hand, was Rafael dann ebenfalls tat.

„Eure Begrüßungszeremonie könnt ihr gleich fortsetzen, denn wir haben noch zwei Gäste an Bord, die freundlicher Weise unser Junior Weißkittel mit aufs Schiff gebracht hat. Sie halten sich allerdings noch im Laderaum auf. Naja, ums kurz zu machen, unser Blondi hier hat mächtig Mist gebaut, wenn man es von der anderen, also gesetzestreuen, Seite betrachtet. Nun bittet er uns darum um Hilfe,“ führte Emilio sein Plädoyer aus, bevor er dem Arztsohn das Wort überließ: „Kann ich den beiden trauen?“

„Hallo? Die zwei Häschen hier glotzen mir seit Jahren auf den Hintern, wenn ich in meine Koje steige, und nie ist etwas passiert. Mein absolutes Vertrauen ist ihnen sicher!“ stellte der südamerikanische Aushilfskoch außer Frage, während Olli und Rafael sich fragend anstarrten, was hier jetzt für ein Film abläuft, und vor allem wie dieser Streifen sie mit einbinden sollte. „Könnt ihr jetzt endlich mal zur Sache kommen?“ bat Olli, dem das Getue um irgendwelche Gäste, die sich noch im Lagerraum befinden sollten, zu viel wurde. Emilio sah ein, dass jetzt die schonungslose Wahrheit ans Licht musste, um Bewegung in diese Angelegenheit zu bekommen: „Timo hat uns zwei blinde Passagiere eingeschleppt. Zwei Marokkaner, die wir jetzt nach Europa schleusen müssen, genauer gesagt, bis nach Teneriffa. Dort würden sie wieder ausquartiert.“

„Seid ihr komplett irre? Emilio, du weißt, was los ist, wenn sie uns erwischen. Jungs, ich bin da raus!“ fasste Oliver für sich einen Entschluss, denn ihm lag viel an diesem Job als Steward auf diesem Luxusliner. Seine Existenz wollte er nicht so einfach aufs Spiel setzen. Emilio schaute daraufhin Olli scharf an, bevor er Timo beruhigen wollte: „Das ist Olli! Er braucht jetzt seine zwei Minuten. Danach ist er wieder lammfromm und der beste Kumpel, den man sich wünschen kann.“

„Dieses Mal nicht Emilio! Da spiele ich nicht mit. Sag du doch auch mal was, Rafael!“ beharrte der grünäugige Steward auf seine Absage gegen diese illegale Überführung, an der er mitwirken sollte, und jetzt sogar schon Kenntnis davon hatte, was die Lage für ihn nicht leichter machte, denn Verrat an Emilio oder Rafael würde er nie begehen. Bevor der Spanier sich auf eine der Seiten schlagen konnte, ergriff Timo wieder das Wort: „Okay, ich sehe schon, ihr wollt mir nicht helfen. Dann ziehe ich das Ding eben alleine durch. Hätte ich bloß nicht auf den da gehört. Ich lasse meine Männer da unten jedenfalls nicht hängen. Was glaubt ihr, was mit denen passiert, wenn sie wieder zurück geschickt werden?“

„Leute, wenn die uns erwischen, können wir gleich alle gemeinsam über Bord springen,“ hoffte Olli, dass es noch irgendwie einen Weg der Vernunft gab. Aber nun mischte sich auch Rafael ein, der Ollis Kommentar als Sprungbrett nutzte: „Aber wir springen nicht, ohne vorher eine gute Tat verrichtet zu haben.“

„Gregor? Gregor, bist du das tatsächlich?“ fragte Tessa von Tannheim den Mann, den sie bei einem der Juweliere in der Shopping – Mall des Schiffes entdeckte, wo der gutaussehende Prinz von Waldensteyck nach einem netten Mitbringsel für seine daheimgebliebene Frau Ausschau hielt. Jedoch hatte er beim ersten Schmuckgeschäft, dass er aufsuchte, wohl gleich das teuerste erwischt, denn die angegebenen Preise beliefen sich auf völlig absurde gigantische Liebhabersummen, die selbst das Taschengeld eines Adligen überforderten.

„Verzeihung, kennen wir uns?“ hakte Gregor nach, als er seinen Vornamen hörte und sich dabei zu der eleganten Erscheinung umdrehte. „Na komm, Gregor! Du wirst mich doch wohl nicht vergessen haben? Oder habe ich mich wirklich so stark verändert? Tessa von Tannheim!“ half die Frau dem älteren der Mann – Brüder auf die Sprünge, welcher sich dann auch wage erinnerte: „Ah ja, Tessa! Das war mir doch für einen Moment entfallen!“

„Mensch, wie viele Jahre ist es jetzt schon her. Die Festspiele in Cannes oder als du mich zu diesem unsäglichen Kongress in Nizza begleitet hast,“ sorgte Tessa allerdings dafür, dass Gregor wieder so einige Bilder vor Augen kamen, die er eigentlich für immer ausblenden wollte, was er nun auch zu verdeutlichen versuchte: „Um ehrlich zu sein, Gott sei Dank sind es schon viele Jahre her. Und genau diese damaligen Jahre sind für mich jetzt komplett abgehakt. Mein Leben hat sich grundlegend verändert!“

„Ich weiß doch Bescheid, Gregor! Die bezaubernde Luise von Waldensteyck,“ bewies Tessa, dass sie in der Adelsszene zu Hause ist. Mit einem ihrer Zeigefinger, an der ein nicht ganz billiger, mit Brillant besetzter, Ring sich wohlfühlte, berührte sie sanft Gregors Hemd und führte ihre Fingerkuppe im Zickzackkurs über die Brust des Mannes, während sie dem Mann mit einem gefassten Lächeln darauf hinwies: „Mich wundert ja wirklich, dass das Schloss der von Waldensteycks schon über Jahre so ohne jeden kleinen Skandal auskommt?!“
Chapter 11 by Ricki
Ahoi! ( Teil 11 )


„Wir wissen uns eben zu benehmen!“ behauptete Christians Bruder, der mit seiner Hand nun dafür sorgte, dass Tessa ihren Finger von seinem Hemd und somit seinem Körper abzog. Tessa von Tannheim trat daraufhin einen Schritt zurück, schaute sich interessiert ein glitzerndes Strass – Collier in der Auslage des Juweliers an und erkundigte sich so ganz nebenbei: „Ist sie denn auch an Bord, unsere wunderschöne, graziöse Prinzessin?“

„Nein, ich reise alleine. Das heißt, mein jüngerer Bruder ist noch mit dabei,“ hoffte Gregor genervt, dass seine ehemalige Kundin nun endlich Ruhe gab. Doch sie dachte überhaupt nicht daran. Schnurstracks feuerte sie ihre Augen wieder in Gregors Gesicht: „Das trifft sich doch gut, mein Hübscher! Treffen wir uns später. Ich hasse diese einsamen Nächte auf so einem Schiff.“

„Wie bereits gesagt, Gräfin Tannheim, die alten Zeiten sind für allemal vorbei. Dieser Dienstleistungsbranche habe ich schon vor Jahren den Rücken gekehrt,“ stellte der damalige Callboy nochmals klar, bevor er sich aus diesem sinnlosen Gespräch entfernen wollte. Tessa dachte allerdings nicht so schnell ihre Beute herzugeben und brachte Gregor zum Stoppen: „Lieber Gregor, ich möchte dich für deine Dienste ja auch nicht bezahlen. Schaue einfach später bei der guten Tessa vorbei, und ich bin mir sicher, dann kommen wir beide aus den traumhaften Erinnerungen wieder heraus. Trägst du bitte für mich wieder diesen unvergesslichen Duft? Ich habe dein After Shave geliebt. Bitte tu mir den Gefallen!“

„Seid ihr sicher, dass die Wäschekammer der richtige Platz für die Jungs ist? Ich meine, zwischen den leuchtenden weißen Laken und Decken wird man ihre Köpfe sofort entdecken,“ brachte Emilio seine Bedenken ein, während er mit den drei anderen jungen Männern die beiden Flüchtlinge über die Kabinendecks in ein sicheres Versteck bringen wollte, obwohl keiner wusste, wo sich so ein Versteck auf dem Schiff befinden könnte. Auch Rafael ist dieses bewusst: „Hast du eine bessere Idee? Das Lager ist zu riskant, in den Maschinenraum kommen wir nicht rein, ohne entdeckt zu werden, und unten auf dem Personaldeck kennt fast jeder jeden. Die beiden würden sofort auffliegen,“ nannte Rafael die nicht in Frage kommenden Möglichkeiten, bevor er wieder auf seinen Vorschlag zurück kam: „Die Wäschekammer könnte klappen. Wir müssen nur dafür sorgen, dass wir die Beiden vormittags, wenn die Putzkolonne anrückt, woanders unterbringen. Und dafür ist der Technikraum neben den Fahrstühlen ideal. Die Wege sind kurz. Wir können sie dann mittags wieder zurück bringen!“

„Und das Risiko über drei Tage? Leute, das ist doch Wahnsinn. Das fliegt auf, wetten?“ blieb Olli auch weiterhin skeptisch, auch wenn er noch so gerne helfen möchte. „Wir haben nur diese eine Chance. Bitte, wir müssen das packen!“ appellierte Timo Mendes nochmal an die Mannschaft. Olli schaute den beiden Marokkanern kurz in dessen verängstigten Augen und wusste, dass es ab hier kein Zurück mehr gab. Irgendwie musste es klappen. Es durfte einfach nichts schief gehen. Doch seine Gedanken wurden plötzlich von Emilios Warnruf geweckt: „Scheiße, da kommt jemand!“

Den langen Gang blitzschnell zurückflitzen? Dafür ist es zu spät. Vor allem, wäre dort die Lage nichts besser, da dort hinten auch jemand aus seiner Kabine kam, wie Oliver bei seinen Fluchtgedanken feststellte. Eine andere Lösung musste her, noch ist die erstentdeckte Störung, die sich von den Treppen und Fahrstühlen her bewegte, nicht um die Ecke gekommen, und die Person auf der anderen Seite schien mit sich selbst beschäftigt. Für Olli gab es nur noch einen Weg. Er musste die Nordafrikaner und auch seine Freunde in Sicherheit bringen. Darum zog er rasant seine Zentral – Keycard, mit der er als Steward ungehindert in fast jede Kabine kam, und schob sie in den dafür vorgesehenen Schlitz, der ihnen die Tür zu einer Kabine, die er neben der Gruppe ohne langes Aussuchen wählte, öffnete: „Los, alle schnell rein hier!“

„Wo sind wir hier?“ erkundigte der Aushilfskoch sich nach dem kompletten Eintreten der Truppe vorsichtshalber, dem Olli fachkundig antwortete: „Deck C, Backbord, zweites Drittel!“

Rafael schaute daraufhin Olli an und musste trotz dieser beklemmenden Situation leicht grinsen, denn als einer der Aufmerksameren der Gruppe hatte er auf die Kabinennummer an der Tür geachtet, in dessen Tür Olli Zuflucht suchte. Der grünäugige Steward kapierte Rafaels Mimik nicht eindeutig und versicherte zur Beruhigung: „Deck C hat 94 Kabinen. Es wäre also wie ein Sechser im Lotto, wenn hier jetzt jemand reinkäme.“

„Das wollen wir hoffen, denn in den Kleiderschrank passen wir nicht alle rein! Es bleibt noch der Balkon,“ scherzte Emilio, der dieses Mal auch versuchte, einen Fehlschlag dieser Aktion von vorne herein auszuschließen. Aber das Geräusch, wie an der Tür eine Key – Card durch den Schlitz gezogen wurde, ist in diesem Moment unüberhörbar. „Zu spät!“ folgte noch aus Rafaels Mund, ehe Christian plötzlich in der Tür stand und sechs Personen in seiner Kabine vorfand.

„Was soll das? Was wird das hier?“ forderte der reisende Gast umgehend eine Erklärung, nachdem er die ersten Schrecksekunden wegsteckte. „Die Jungs und ich wollten gerade deine Minibar plündern und ein kleines Saufgelage starten. Bist du dabei, Kollege?“ hoffte Emilio, dass Christian diesen ungewöhnlichen Moment locker aufnahm. Wie zu erwarten, folgte seine Reaktion, die mit jeder Menge Wut in seiner Stimme unterlegt wurde: „Raus hier, aber sofort! Alle!“

„Christian, wir können das erklären. Eigentlich wollten wir hier gar nicht rein, und eigentlich wussten wir ja auch nicht, dass dies hier deine Kabine ist. Ich habe draußen gar nicht auf die Nummer …..,“ redete Oliver sich um Kopf und Kragen, dem Rafael ruckartig zur Seite sprang: „Woher sollte Olli auch wissen, dass du auf Deck C, in Kabine 77 wohnst? Am besten wir gehen jetzt einfach und haben noch einen herrlichen sonnigen Tag vor uns!“

„Aber hey Jungs! Warum gehen? Das ist doch das ideale Versteck hier. Für die nächsten drei Tage müssen wir eben alle ein bisschen zusammenrücken. Und so ein schönes großes Doppelbett?! Besser geht’s doch gar nicht! Bei uns in Caracas sagt man immer, Hauptsache, es wird geholfen und alle sind satt, auch wenn mal die Füße bei jemanden anderem an der Nase liegen,“ warf der Südamerikaner ein, was bei dem Mieter dieser Außenkabine überhaupt nicht gut ankam: „Ideales Versteck? Was läuft hier für eine Scheiße? Nee, ohne mich! Raus, habe ich gesagt! Wird’s bald, oder muss ich erst den Sicherheitsdienst rufen?!“
Chapter 12 by Ricki
Ahoi! ( Teil 12 )


„Und wem ist dann geholfen? Willst du uns etwa verraten und dafür sorgen, dass die drei Jungs hier, die alles auf dem Schiff in Bewegung setzen, damit es den vielen Reisenden, inklusive dir an nichts fehlt, ihren Job verlieren?“ mischte sich nun Timo ein, den der Kamm gewaltig anschwoll. „Ich bin nicht für alle verantwortlich!“ erwiderte der Düsseldorfer Pferdewirt, wobei er sich sein Handy aus der Tasche zog und das Formular mit den Notrufnummern, das auf der Nachtkonsole lag, in seine linke Hand nahm.

„Keiner ist anscheinend verantwortlich, trotzdem fliegt der ganze Planet auseinander,“ reagierte Timo mit einer Ansage, die er dem Gast aus Kabine 77 machte, und dabei hoffte, dass die ganze Misere auf diesem Schiff doch noch abzuwenden ist. Alle Blicke der anderen Jungs richteten sich jetzt auf dieses Duell, denn sie ahnten, dass der Sohn vom Schiffsarzt nicht so einfach aufgab, wie er nun mit seinem Plädoyer bewies: „Wir amüsieren uns an den Stränden, tanzen auf den Traumschiffen, während tausende Flüchtlinge auf dem Meer absaufen. Lieber feiern statt helfen?! Ist ja auch alles so schön weit weg. Wir sehen zu Hause im Fernseher, dass massenweise Menschen aus Afrika und Asien in Europa einfallen. Wir wollen diese Bilder gar nicht mehr sehen, blenden sie schon aus oder schalten einfach auf ein anderes Programm. Und jetzt sind wir plötzlich mitten drin. Hey, da stehen plötzlich zwei verzweifelte Menschen, die Gesichter haben, die nicht in der Masse untergehen. Und ich verrate sogar ihre Namen. Das hier ist Javier Makaedi und der junge Bursche heißt Yassin Defour. Und die beiden Seelen haben sogar eine eigene Geschichte. Javier hatte vier Kinder. Die Betonung dabei liegt auf hatte. Um das Überleben der anderen drei zu sichern, will er nach Europa, um zu arbeiten. Für einige hier auf dem Schiff, wäre der Betrag, der eine Familie in Afrika ernährt, sicherlich ein lächerliches Taschengeld, für Javier bedeutet es eine große Gefahr auf sich zu nehmen und seine Familie vorerst zu verlassen. Dann zu unserem Yassin. Was hat er falsch gemacht? Nichts! Das einzige, was ihn zur Flucht treibt, ist in Europa mittlerweile zu einer Normalität geworden, auch wenn es dort in einigen Köpfen noch nicht angekommen ist. Er ist schwul. Wenn der Staat ihn nicht für viele Jahre ins Gefängnis steckt, wird der Mob auf der Straße sich um ihn kümmern, nur weil er davon träumt einen Menschen zu küssen, der auch zufällig männlich ist. In anderen afrikanischen und arabischen Ländern werden Jungs wie er sogar nach deren Scharia - Recht hingerichtet. Brutal gesteinigt! Aber gut, schicken wir sie zurück und warten ab, was passiert!“

„Mensch Christian, wir brauchen nur drei Tage. Auf Teneriffa sind sie in Sicherheit. Dort gehen die Zwei von Bord. Timo sorgt dann dafür, dass sie in Europa und im besten Falle in Deutschland Asyl bekommen,“ hoffte Rafael, dass Christian endlich die Kurve bekam und die Flucht mit absicherte. Christian zögerte immer noch, denn die Worte von Timo blieben nicht spurlos hängen.

Emilio legte dann zur Sicherheit nochmal nach: „Wenn wir das hier nicht durchziehen, werden die Zwei es mit aller Wahrscheinlichkeit auf einen anderen Weg versuchen. Sie werden von Schleppern auf ein seeuntaugliches Boot verfrachtet und sich übers Mittelmeer wagen. Wenn wir nächste Woche zwischen Spanien, Italien und der nordafrikanischen Küste herumcruisen, schauen wir einfach mal oben vom sonnigen Pool – Deck über die Rehling. Vielleicht können wir Javier und Yassin irgendwo auf dem Meeresgrund entdecken. Keiner wird sie aufhalten. Wir können nur helfen!“

„Das ist illegal, und das wisst ihr! Kommt Jungs, wir beenden das hier. Ich spiele da jedenfalls nicht mit. Das ist mir zu heikel. Ich gehe dafür nicht in den Knast. Nicht noch einmal!“ hoffte Christian, dass die Männer zur Einsicht kommen würden und sie sich einen legalen Weg suchten, den es doch irgendwie geben musste. Für diese letzte Bemerkung, was fast einem Outing wegen eines Verbrechens gleichkam, erzielte Christian allerdings eher überraschte Gesichter. Vor allem an Olli ging dieses zarte Geständnis nicht spurlos vorbei, denn er fühlte, dass man gar nichts über sich wusste, soviel erfahren möchte, aber bereits in einer handfesten Krise steckte, die ihre Verlierer hinterlassen könnte.

„Wenn wir alle zusammenhalten, geht keiner von uns ins Gefängnis. Was haben wir denn verbrochen?“ ließ Timo Mendes von seinem Plan nicht ab. Immer noch zweifelte der Boxer aus Deutschland daran, ob er sich dieser Gefahr stellen sollte. Für Emilio hingegen stand jetzt bereits fest: „Du steckst schon mitten drin in dem Schlamassel. Entweder verpfeifst du uns alle hier oder du bist dabei. Jetzt musst du Eier beweisen!“

„Ich muss gar nichts beweisen,“ wollte Christian sich nicht weiter in eine Ecke drängen lassen, wobei seine rechte Hand immer noch nervös mit dem Smartphone hantierte und sein Blick ein letztes Mal über die Liste mit den Notfallnummern kreiste, bevor Olli aus der hinteren Reihe nach vorne stürmte und seine Hand auf Christians legte, die das Handy festhielt. Olli dachte gar nicht mehr daran loszulassen und auch Christian schien so irritiert und eingenommen, dass ihm die langanhaltende Berührung des Stewards nicht im Geringsten störte. Im Gegenteil, seine Hand wurde ruhiger. Olivers grüne Augen, die unter anderem auch eine gewisse Angst ausstrahlten, setzten sich in Christians Blick fest, während der smarte Schiffsangestellte bat: „Bitte Christian, tu’s nicht! Rufe bitte niemanden an! Es war mein Fehler! Wir hätten nicht in diese Kabine kommen und dich damit reinziehen dürfen. Wir gehen jetzt alle durch diese Tür, und alles ist gut! Du hast uns nie gesehen. Hörst du? Bitte Christian!“

„Guten Tag, meine Damen! Wollten sie zu mir in die Praxis?“ erkundigte der Schiffsarzt Doktor Mendes sich bei Charlie und Olivia, die bei ihrem Schiffsrundgang auch an seinen Räumlichkeiten gemütlich vorbeischlenderten. „Guten Tag, Doktor ….?!“ begrüßte selbstverständlich auch die Bistrobesitzerin den bärtigen Mann, wobei sie schon gerne seinen Namen gewusst hätte.

„Oh Entschuldigung! Mendes, Doktor Mendes! Noch ist die Praxis geschlossen, aber wenn es sich um einen Notfall handelt ….?“ stellte der Arzt sich nun auch mit Handschlag vor.

Während Olivia schon ihre Augen wegen der aufkommenden Flirtattacken ihrer Tante verdrehte, behielt Charlotte ihr Strahlen: „Charlie Schneider! Ähm ja, noch geht es uns gut, aber vielleicht kommen wir gerne darauf zurück. Aber noch was! Sind sie dann der Stiefvater von Timo Mendes, der Enkel von Clarissa von Anstetten? Ich meinte, Clarissa hätte sie mal erwähnt!“

„Es sollte mich zwar wundern, dass mein Name über Clarissas Lippen gekommen ist, aber es stimmt. Timo ist mein Sohn. Er ist übrigens auch auf dem Schiff,“ verriet Ricardo seine familiären Verhältnisse, ehe er die Tür der Krankenstation des Schiffes aufschloss. „Ich weiß! Aber ich möchte sie dann auch nicht länger aufhalten! Wir sehen uns bestimmt noch!“ verabschiedete Charlie sich, um sich wieder ihrer mürrischen Nichte zu widmen, mit der sie dann von dannen zog: „Hast du gesehen? Selbst der Arzt gleicht einem prickelnden Sonnenstrahl. Also ich bin von dieser Reise hellauf begeistert.“

„Hauptsache, du und Olli habt euren Spaß! Und ich muss mir die Peinlichkeiten noch aus der ersten Reihe ansehen!“ empörte Olivia sich, wobei sie sich kurz ihren abgebrochenen Fingernagel betrachtete, an dem ohne fachliche Hilfe nicht viel zu reparieren ist. „Ach Schätzchen, bist du immer noch enttäuscht, dass dein ranghoher Offizier nicht zu Diensten steht?“ vermutete die blonde Restaurantchefin, die aber gleich für Ablenkung sorgte, um Olivia auf andere Gedanken zu bringen, damit diese dann hoffentlich eine 180 Grad – Wendung ihrer Launen absolvierte: „Hast du übrigens mitbekommen, dass Clarissa ihre neuste Kollektion von Ligne Clarisse auf einer Gala in ganz besonderer Kulisse präsentieren will?“

„Und wir hängen hier auf dem langweiligen Schiff fest? Na toll!“ riss Olivia endgültig der Geduldsfaden. „Aber das ist doch gerade das Gute daran. Clarissa und ihre Kleider sind ja auch auf der Moania. Die Gala findet in ein paar Tagen statt. In Lissabon steigen die Models zu, aber ihre wertvollen Schätze hat sie schon dabei,“ verriet Charlie, wodurch sie es schaffte Olivias komplette Konzentration und Aufmerksamkeit auf sich zu ziehen. „Wo dabei? In ihrer Kabine?“ fasste Ollis Cousine interessiert nach, wobei sie ihre Tante unterhakte.

Charlie genoss das Familienzusammensein, gab aber dabei ihre Vermutung ab: „Ich tippe da doch eher auf den Lagerraum. Noch ein wenig Geduld, mein Schatz, dann bekommst du ja die Exklusivstücke aus Clarissas Trickkiste zu sehen.“

Für Olivia öffnete Charlie jedoch dadurch das Tor von Olivias Ungeduld, denn sie wollte allem schon ein Schritt voraus sein und steckte nun für sich selbst das Ziel, nicht die langweiligen Tage auf See bis zum Hafen von Lissabon zu warten: „Du entschuldigst mich? Ich muss mal kurz für kleine Schneiderinnen. Lass dir doch solange beim Doktor den Blutdruck messen!“
Chapter 13 by Ricki
Ahoi! ( Teil 13 )


„Na denn! Ihr wollt ja schlauer sein als die ganze Welt zusammen?! Wie sieht also euer Masterplan aus?“ forderte Christian auf mal ein handfestes Konzept von der Männerclique, der er sich zum Erstaunen aller plötzlich auf dessen Seite stellte und wohl nicht mehr als Gefahr in Frage kam, diesen ganzen Wahnsinn durch einen Verrat zu gefährden.

Nachdem Christian mit seinen Augen Ollis manipulierbaren Blick auswich, um den Jungs beim Verkünden seiner Kehrtwende zu zeigen, dass sie auf ihn zählen konnten, zog dann auch Olli seine Hand von Christians ab, welche immer noch fest das Handy umschloss, aber den sanften Druck auf seinem Handrücken auch weiterhin unvergesslich spürte. Für das besondere Entgegenkommen, das Oliver so nicht erwartet hatte, folgte auch nun ein sehr zufriedenes zartes Lächeln des dunkelhaarigen Stewards, das Christian zwar gerne für sich in Anspruch nahm, es aber nicht erwidern konnte, weil er sonst für sich selbst eine Begründung liefern musste, warum er ausgerechnet dem sympathischen Mann, mit dem er bisher eigentlich nur aneckte, ein Lächeln schenken würde. Hätten dann nicht alle ein Lächeln verdient oder wirklich nur Olli? Christian wollte sich diese Frage nicht unbedingt stellen und schon gar nicht beantworten. Darum beließ er es dabei, möglichst unnahbar aber dennoch entgegenkommend zu wirken.

„Auf jeden Fall sollten Javier und Yassin hier in der Kabine bleiben. Außer den morgendlichen Reinigungskräften schaut hier doch eigentlich niemand rein. In dieser Zeit müssten die Zwei also abtauchen. Die Wäschekammer wäre da riskanter. Das Versteck hier dagegen ist ideal,“ schlug Timo vor, wobei der den zwischenmenschlichen und fast wortlosen Kontakt zwischen Olli und Christian endgültig beendete, denn ab jetzt galt es sich um die Sache an sich zu kümmern.

„Es kommt noch jemand vom Servicepersonal, der die Mini – Bar auffüllt. Aber ich kann dafür sorgen, dass in den nächsten Tagen Olli oder ich das Auffüllen auf Deck C übernehmen,“ brachte Rafael sich hilfreich ein. „Dann wäre das ja geritzt! Bleibt die Frage, wo wir Christian lassen?! Zu dritt wäre es dann doch ein bisschen eng in dem Bett,“ sprach der Aushilfskoch dann den nächsten Schritt an, wofür der spanische Steward allerdings schon die Lösung servierte: „Christian könnte doch nebenan zu seinem Bruder ziehen?! Für drei Tage müsste das doch gehen?!“

„Eben! Was wollt ihr mit zwei Luxuskabinen, geschweige zwei Doppelbetten?“ konnte Emilio sowieso nicht nachvollziehen, was dieser übertriebene Aufwand sollte, obwohl das exklusive Schiff von Übertriebenheit lebte. „Ach, und was erzähle ich Gregor? Dass in meiner Kabine ein Wasserrohrbruch ist oder dass kleine hässliche Kakerlaken unter meinem Bett krabbeln?“ stellte der Boxer aus Düsseldorf sofort eine Gegenfrage, wofür Emilio auch einen passenden Kommentar bereits in seiner Tasche hatte: „Nichts ungewöhnliches auf diesem Schiff. Ich habe in der Küche einen koreanischen Kollegen, der sammelt die kleinen Viecher in einem Einwegglas und hat ihnen sogar Namen gegeben.“

„Okay, dein Bruder Gregor fällt weg, hier kannst du auch nicht bleiben. Wie wäre es denn, wenn du für die drei Nächte so lange runter zu uns ziehst?“ kam plötzlich von Olli ein Vorschlag, der vor allem in Rafaels Gesicht für ein zynisches Grinsen sorgte. Und auch Emilio konnte sich nicht zurückhalten: „Olli weiß, wie es geht! Halunke! Wir haben auf dem untersten Deck natürlich nicht so einen schönen Balkon mit Meerblick, aber ein hübsches Bullauge, durch den man den Wellenschlag vorzüglich beobachten kann. Manchmal schwimmt auch ein niedlicher Fisch vorbei.“

„Ihr habt sie echt nicht mehr alle?“ musste Christian anerkennen, auf welches Abenteuer er sich einließ. Während Olli mit einem erneuten Lächeln Christian bei der Stange halten wollte, stimmte Timo Mendes den Plan nochmal ab: „Aber es ist ein Weg, wie es funktionieren könnte. Also bist du dabei?“

„Ich freue mich total, dass du zu meiner Premiere gekommen bist!“ drückte Marlene Wolf etwas später ihre kleine Schwester in ihrer Garderobe, wo die engagierte Musicaldarstellerin sich nochmals auf ihre Texte vorbereitete, denn nebenan im großen Veranstaltungssaal liefen bereits die Proben für das neue Stück, welches eigens für die Reederei geschrieben wurde und auf verschiedenen Schiffen auf Tournee gehen sollte. „Na, Stimmen im Wind, das durfte ich mir doch nicht entgehen lassen,“ freute sich auch Kim auf diese neue Bühnenshow und vor allem auch auf Marlene, die sie seit einigen Wochen nicht gesehen hatte, da die Proben bereits seit Wochen in Hamburg von statten gingen.

„Du wirst auch nicht enttäuscht sein, das verspreche ich dir! Eine faszinierende musikalische Reise mit wundervollen Kostümen und beeindruckenden Bühnenbildern. Die Kulisse ist ein Traum. Die Producer haben sich echt Mühe gegeben,“ plauderte die weibliche Hauptrolle aus dem Nähkästchen, ohne zu viel zu verraten. „So wie du jetzt schon davon schwärmst, muss das Stück wirklich der Hammer sein. Schade, dass Mama es nicht mehr ansehen kann. Sie wäre stolz auf dich!“ zeigte Kim einen kleinen Wehrmutstropfen auf, den die ältere Schwester aber gleich entgegenwirkte: „Mama wird zuschauen! Da bin ich mir sicher! Wenn du heute Nacht aufs Deck gehst, wirst du sie bestimmt zwischen den vielen funkelnden Sternen entdecken!“

„Oh ja! Gehen wir heute Nacht Sternegucken?“ überkam der Tochter von Ansgar eine romantische aber vor allem verbindende Idee, gegen der von Marlenes Seite nichts sprach: „Abgemacht!“

„Ich soll dich übrigens ganz lieb von Dana drücken. Sie wäre ja auch gerne, aber …..,“ richtete Kim Grüße der dritten Wolf - Schwester im Bunde aus. „Ich weiß, ihre unüberwindbare Seekrankheit. Auf den Rücken der Pferde fühlt sie sich wohler,“ wusste Marlene, woran es hapern könnte, dass Dana lieber auf dem Gestüt von Königsbrunn blieb. Kim lieferte allerdings noch eine weitere Entschuldigung hinterher: „Und jetzt, wo Christian auch noch hier auf dem Schiff ist, muss sie natürlich das Gestüt praktisch alleine schmeißen.“

„Christian ist auch an Bord? Hey, dass wusste ich ja gar nicht,“ erfreute die Sängerin sich daran, dass noch weitere Bekannte aus ihrem Düsseldorfer Umfeld nun in ihrer Nähe sind. „Irgendeine kurzfristige Entscheidung. Sein Bruder hat ihn mitgenommen, weil dessen Frau erkrankt ist. So habe ich das jedenfalls verstanden,“ erklärte die jüngere Wolf – Schwester die Zusammenhänge, bevor eine Mitarbeiterin der Musical – Company in die Garderobe hereinplatzte: „Marlene, kommst du bitt gleich auf die Bühne?! Wir wollen nochmal die Liebesszene auf der Parkbank proben!“

„Ohhoho! Hört, hört! Eine Liebesszene! Jetzt werde ich echt neugierig!“ schien Kim euphorisch aus dem Häuschen zu geraten. „Ich verrate nichts!“ erwiderte der Star des Musicals mit einem sympathischen Grinsen auf ihren Lippen. „Aber ja wohl zumindest den Beziehungsstatus und das Aussehen des Mannes, der deinen stimmgewaltigen Don Juan spielt?!“ forderte Kim kleine Details, während Marlene sich ihr Textbuch griff und sich noch ein letztes Mal im Spiegel betrachtete, ehe sie sich dann erbarmte: „Pasquale di Sementi, ein begnadeter Kollege! Aber wie das bei den gutaussehenden Männern heut zu Tage so ist. Als Mann kann man bei ihnen manchmal leichter punkten!“

„Ja komm! Du hältst dir ja auch alle Wege offen!“ spielte Kim auf das Liebesleben ihrer großen Schwester an, bevor sie auf sich selbst blickte: „Manchmal überlege ich wirklich, ob ich das auch tun sollte. Mit vielen Männern, zumindest, was so in Düsseldorf rumläuft, kann man echt keinen Blumentopf gewinnen!“

„Ach, nicht aufgeben, Kimilein! Wer weiß, vielleicht gehst du gleich durch diese Tür, und dein Traumprinz, der dich total aus den Schuhen haut, steht plötzlich vor dir,“ ermutigte Marlene, die zum Aufbruch bereit schien, die dunkelhaarige junge hübsche Frau, die sich schon vorstellen konnte, wie das Ergebnis aussehen könnte: „Klar! Pasquale di Sementi!“

„Ansonsten kann ich dir auch gerne ein Date mit Collin ausmachen! Er spielt in unserem Stück die sprechende Parklaterne,“ schlug Marlene noch scherzhaft vor. Sofort schossen Kim dabei Bilder in den Kopf, woraufhin sie lachend nachhakte und dadurch gewissermaßen dankend ablehnte: „Sprechende Parklaterne! Wie geil ist das denn?! Ist dieser Collin denn auch im wirklichen Leben eine Leuchte oder klemmt bei ihm öfter der Wackelkontakt? Ich glaube eher, ich warte hier jetzt noch exakt zwei Minuten und gehe dann lieber durch diese Tür!“
Chapter 14 by Ricki
Ahoi! ( Teil 14 )


Aus den Zwei Minuten wurden bei der der ungeduldigen Kim nur etwa Neunzig Sekunden, ehe sie die Tür der Garderobe aufriss und hinauswollte, wobei ihr die Tür beim Verlassen fast entgegenflog, denn von außen wurde sie im selben Moment geöffnet. „Hoppla! Oh schöne Lady, sie sollten nicht so stürmisch sein. Sie könnten sich ernsthaft verletzen. Aber sie haben Glück! Ihr persönlicher Schutzengel ist ja in der Nähe,“ staunte Emilio nicht schlecht, wer ihn hier in den Katakomben der Show – Abteilung entgegenstürzte.

„Mal was von Anklopfen gehört?“ zischte Kim den jungen Mann, der eine vitaminreiche Obstschale vor sich trug, entgegen. „Sorry, mein Versehen! Ich dachte nur ….,“ entschuldigte Emilio sich halbwegs, da er eben noch Marlene auf dem Gang antraf, die ihn beauftragte, die Schale einfach in ihrer Garderobe zu stellen. „Und da liegt mit größter Wahrscheinlichkeit das Problem,“ nahm Ansgars Tochter Bezug auf Emilios angefangenen Satz, die sich dann ihre Nase rümpfte und Emilio ernsthaft oder doch eher abwertend fragte: „Riechen sie das auch? Irgendwie muss ich gerade an Pommes Frites denken, die im triefenden Fett schwimmen.“

„Entschuldigen sie vielmals, dass ich nicht vorher duschen war, bevor ich nach harter Arbeit ihre atmosphärische Umlaufbahn betreten habe,“ schoss der Südamerikaner zurück, der sich schon in den ersten Sätzen des Zusammentreffens mit der Traumfrau, die er heute Morgen noch bewundert hatte, ein Urteil über deren wahren Charakter bilden konnte. „Ach nein, jetzt bitte nicht in der Ehre verletzt sein. Das macht sie eher unmännlich!“ konnte Kim es allerdings nicht lassen, den hübschen Kerl in dessen Kochkleidung ein wenig hochzunehmen.

„Okay, ich würde sagen, ich stelle jetzt einfach die Schale dort drüben auf den Tisch und löse mich dann für sie in Luft auf. Ist das ein Deal?“ wollte Emilio sich nicht weiter schikanieren lassen. Die jüngste Wolf – Schwester verfasste allerdings einen neuen Plan: „Im Übrigen, heute Mittag beim Lunch hat mir die gegrillte Seezunge mit den Spargelröllchen in der Cheyenne – Pfeffer – Sauce am besten gefallen. Es war insgesamt wirklich auf den Punkt. Aber die Krönung kam dann ja noch mit dem Mango – Prosecco – Sorbet.“

„Es freut mich, dass das traumhafte Sorbet und auch die verführerische Zunge ihnen so gut gemundet hat. Ich habe mir dabei auch die größte Mühe gegeben, um ihren Gaumen gleich am ersten Tag eine wahre Freude zu bescheren,“ tappte Emilio blindlings in Kims Falle, da er nur an das wendende Blatt dachte und sich doch noch große Chancen bei der stilvollen jungen Dame versprach. „Allerdings gibt es einen kleinen Kritikpunkt, den kann ich ihnen wirklich nicht ersparen,“ musste Kim sich schon im Vorfeld arg zurücknehmen.

„Hätte ich den Spargel noch bissfester garen oder mit dem Prosecco mehr auf ihre speziellen Wünsche eingehen sollen? Ich bedauere diesen kleinen Fauxpas sehr. Einem Sternekoch meines Faches hätte es nicht passieren dürfen. Wie kann ich diesen Fehler wieder gutmachen?“ ahnte die Küchenhilfe immer noch nicht, was die junge Frau mit ihm trieb. Jedoch spielte Kim ihren Trumpf nun aus: „Ihr einziger Fehler war, dass sie die Seezunge und das Sorbet gar nicht auf der Karte hatten. Ich habe vergebens danach gesucht. Sie scheinen den Überblick in ihrer Kombüse verloren zu haben oder sind sie am Ende gar kein Sternekoch, sondern nur die Spülhilfe?“

Es interessiert sie am Ende doch gar nicht! Also wozu unterhalten wir uns noch?“ ließ Emilio der jungen Frau spüren, dass sie mehr als oberflächlich rüberkam. Nachdem Emilio dann die Obstschale abstellte, verschwand er, mit einem letzten Blick in Kims Richtung, die für sich das Resultat aus dieser Begegnung zog: „Süß, der Junge! Aber brauche ich so einen Kasper wirklich? Vielleicht dann doch eher die Parklaterne.“

„Ah, da ist Christian ja schon!“ verkündete Rafael, als er sah, wie der Gast vom Deck C, mit dessen Reisetasche über der Schulter, plötzlich in der Tür der kleinen Gemeinschaftskajüte auf dem unteren Personaldeck stand. Olli, der seine Uniform, welche über einen Bügel am Etagenbett hing, in Ordnung brachte, lenkte seinen Kopf wie automatisch gesteuert zur Tür, während Rafael nachfragte: „Hast du gleich hergefunden?“

„Viel tiefer geht’s ja nicht!“ antwortete Christian kurz angebunden, da er sich noch damit beschäftigte, sich ein erstes Bild von der neuen Behausung zu machen. Er entdeckte als erstes Olli, der wie gewohnt ein zartes Lächeln für ihn parat hatte, dann das Etagenbett auf der rechten Seite, gegenüber den Kleiderschrank mit der darüber liegenden dritten Koje. Vorne in der Ecke neben der Tür stand noch ein Tisch mit zwei Stühlen, worüber sich noch ein Doppelregal befand, in dem die Jungs ihre persönlichen Dinge untergebracht hatten. Nicht mal Dusche und WC gab es auf dem Zimmer, wodurch Christian realisierte, dass man sich hier unten auf Gemeinschaftsanlagen begab.

Christian schoss bei der Betrachtung gleich in den Kopf, dass seine Zelle damals im Gefängnis nicht viel größer war. Irgendwie hatte das alles hier unten etwas Beklemmendes für ihn, denn selbst das Leben zu Hause in der WG ist Luxus gegen diese paar Quadratmeter, wo man sich zum Schlafen und kurzem Entspannen traf, ehe man wieder seiner Arbeit nachging und für die zahlenden Gäste oben auf den Decks die schöne heile Welt lebte, die diese Touristen sehen wollen. Allmählich leuchtete Christian jedoch ein, warum gerade die drei Jungs einen sehr abgestimmten bewundernswerten Zusammenhalt pflegten, den man in der High Class nicht unbedingt gewohnt ist und wohl auch oft vergebens suchte.

„Aha? Meinen Urlaub hatte ich mir schon anders vorgestellt. Die Kabinen im Prospekt sahen jedenfalls anders aus. Aber gut, jetzt sind wir hier? Wo soll ich hin? Dort oben?“ unterließ Christian in der momentanen Situation hohe Ansprüche zu stellen, bevor er mit dem Kopf auf das linke Bett zeigte. „Dort schläft Emilio?“ erwiderte Oliver, dem nun bewusst wurde, dass sein Vorschlag total unsinnig war, da es ja nur drei Betten für vier Personen gab. Das bestätigte auch der spanische Steward: „Und für zwei Personen sind unsere Pritschen ein wenig zu schmal geraten.“

„Tja, dann lasst euch was einfallen Jungs! Meine Idee war das nicht,“ schob Christian die Verantwortung weiter, während er seine Reisetasche erstmal auf den kleinen quadratischen Tisch abstellte. Kurz schaute Olli ratlos zu Rafael, ehe der grünäugige Steward beschloss: „Wir kriegen das schon hin. Ich werde auf dem Fußboden schlafen. Du kannst dann mein Bett hier oben haben.“

„Ach, und was ist Morgen mit deinem Rücken?“ hielt der sportlich bewusste Mann Ollis Vorschlag für keine gute Idee. „Ach was! Das geht schon! Morgen früh heiß duschen und alles ist gut!“ wollte Olli jetzt nicht resignieren und zu seinem Vorschlag stehen, auch wenn er die Uhr gerne nochmal zurückgestellt hätte, um Christian dessen erholsamen Urlaub zu gönnen. Doch dafür ist es zu spät, denn Christian schien völlig anderer Meinung: „Völliger Quatsch! Du wirst morgen den ganzen Tag deine Knochen spüren. Und außerdem kriegst du auf dem Boden auch bestimmt kein Auge zu.“

„Davon ist stark auszugehen!“ schmiss Rafael in Ollis Richtung, wofür er auch postwendend einen strafenden Blick zurückgeschossen bekam. Christian nahm den Blick zwar auch wahr, doch was sich zwischen Rafael und Olli abspielte, schien ihm dabei ziemlich egal zu sein, oder er wollte es einfach ignorieren. Ihm lag viel mehr daran, dass eine vernünftige, tragbare Lösung gefunden wurde: „Wir machen das anders. Ihr drei müsst morgen arbeiten und fit sein. Ich kann mich dann immer noch ausruhen. Also werde ich auf dem Fußboden schlafen!“
Chapter 15 by Ricki
Ahoi! ( Teil 15 )


„Das kommt ja überhaupt nicht in Frage! Du bist Gast dieses Schiffes und wirst von uns selbstverständlich königlich behandelt,“ widersprach Olli Christians absurden Vorschlag, woraufhin der Boxer über diese Bemerkung etwas kopfschüttelnd grinsen musste: „Dann bin ich ja gespannt, wann ihr endlich damit anfangen wollt.“

„Du hast Recht! Es ist alles eine Schnapsidee. Ich frage oben an der Rezeption, ob wir nicht noch irgendwo eine freie Kabine haben. Einige Gäste steigen ja auch erst später in einem anderen Hafen zu. Die Kosten übernehme ich dann,“ blieb Oliver keine andere Wahl, denn er wollte Christian diese bevorstehenden und unüberlegten Umstände nicht antun. „Ich wusste gar nicht, dass du so hohe Rücklagen hast. Und außerdem, die Kollegen werden dann Fragen stellen. Am Ende fliegt alles auf!“ warf Rafael ein, dem aber plötzlich ein perfekter Plan in die Gehirnzellen schoss: „Das ist es! Jungs, ich habe eine viel bessere Idee. Kein unnötiges Geld, keine Fragen. Christian kann in meinem Bett schlafen. Ich ziehe solange in Baxters Kabine. Kyan wird erst in Lissabon wieder zusteigen.“

„Was du so alles weißt?“ staunte Olli immer wieder über Rafaels guten Informationsquellen. „Erspart Überraschungen!“ antwortete der Spanier mit einem frechen Grinsen, denn Olli ist auch klar, dass Rafael nicht ganz eigennützig in Baxters Kabine schleichen wollte. „Dann ist ja alles klar! Vor Lissabon legen wir in Santa Cruz auf Teneriffa an. Die Jungs werden vom Schiff geschmuggelt, ich ziehe wieder in meine Kabine und du wieder hier in das Bett. Besser geht’s nicht! Olli, da hättest du aber auch drauf kommen können?!“ meinte Christian scherzhaft grinsend, wobei er dem jungen Mann leicht auf dessen Schulter klopfte. Olli wollte sich daraufhin gegen diese Anmerkung wehren, hielt es dann aber für besser alles so laufen zu lassen: „Ich habe nie behauptet perfekt zu sein. Den Rest musst du schon selber rausfinden. Jedenfalls willkommen in unserem bescheidenen Heim!“

„Wenn man in den Adel einheiratet, kann man sich auch hin und wieder eine Kreuzfahrt leisten, was?“ musste Ansgar abwertend gegenüber Gregor Mann loswerden, während er sich auf den wartenden Barhocker neben den Prinzen in der einladenden Pazifik – Bar schwang. Nachdem Graf Lahnstein sich umgehend einen bekömmlichen Single Malt bestellte, servierte Gregor einen gekonnten Spruch zurück: „Nicht jeder wird mit goldenen Löffeln geboren und hat als erstes Wort Kreditkarte gelernt. Da geben sich einige Leute schon mehr Mühe.“

„Hingebungsvolle Dienste sollen schon belohnt werden! Wegen meiner genieße die Sonnenseite des Lebens. Was mich allerdings wundert, dass auch unser Stallknecht auf dem Schiff rumcruist?! Ich sollte dringend mal die Gehaltslisten unseres Personals überprüfen,“ teilte der Graf die Menschen in Gesellschaftsschichten ein, worüber Gregor nur kopfschüttelnd auflachen konnte: „Tun sie das, Lahnstein! Da werden sie sicherlich feststellen, dass es unter ihrer Führung noch erheblichen Nachholbedarf gibt. Aber sie hatten ja immer schon einen Hang zum Größenwahn!“

„Aber meine Herren, wer wird denn an so einen schönen Abend streiten?“ schob sich plötzlich Tessa von Tannheim zwischen die beiden Männer, wobei sie beiden Herren jeweils eine Hand auf die Schulter legte. „Streiten liegt mir auch nicht so. Darum wünsche ich eine angenehme Nachtruhe!“ wollte der ältere der Mann – Brüder sich aus dem Geschehen ziehen, da er schon witterte, dass Tessa von Tannheim noch mehr Stress bedeutete.

„Aber Gregor, nicht doch! Bleib doch noch ein bisschen. Es wird sicherlich noch sehr gemütlich werden,“ ließ die schmuckverliebte betagte Gräfin sich nicht so schnell abwimmeln, wobei sie dem Mann ihrer Begierde ihre Hand aufs Knie legte. Diese Aktion blieb nicht nur Ansgar unverborgen, denn auch an einem der Tische in der atmosphärischen Bar starrten bereits neugierige Augen auf das Trio an der Bar. „Bringen sie mir einen trockenen Rotwein,“ orderte Clarissa von Anstetten sich einen beruhigenden Schlaftrunk und stellte dann protokollierend fest: „Lahnstein und die, in die Jahre gekommene, Tannheim. Welche interessante Paarung? Und das Waldensteyck – Anhängsel dazwischen!“

„Nun enttäuscht mich bitte nicht! Du willst doch nicht, dass ich meinen Champagner alleine trinken muss?! Für dich auch ein Glas oder lieber noch einen Whisky, wie unser guter Freund Lahnstein? Geht auch auf meine Rechnung,“ provozierte die brünette ältere Dame weiterhin, woraufhin Gregor einen letzten Schluck aus seinem Whiskyglas nahm und es dann auf dem Tresen wegschob, bevor er Tessas Hand von seinem Knie nahm und vom Barhocker aufsprang: „Ich fürchte daraus wird nichts! Aber vielleicht lässt Graf Lahnstein sich ja überreden?“

„Ach ja, der charmante, gutaussehende Gregor Mann! Frauen sollen damals vor ihm ja auf die Knie gerutscht sein und dafür noch ein kleines Taschengeld investiert haben. Was sagt denn ihr ehrenwerter Gatte dazu?“ erkannte Ansgar eine Chance die alte Tannheim endlich abzuhängen, doch sie schien unerbittlich: „Das lassen sie mal meine Sorge sein, Graf Lahnstein! Allerdings weiß ich jetzt schon, was mein lieber Gatte machen wird, wenn sie mir nicht umgehend das Diadem liefern!“

„Da brat mir doch einer einen Storch! Da läuft doch was zwischen den Beiden?! Vor allem was hat Lahnstein in meinen Koffern gesucht?“ reimte Clarissa ihr eigenes Gedicht zusammen, denn wenn sie eines beherrschte, ist es ihr Spürsinn. Wohlwissend erhob sie ihr Glas mit der verführerischen roten Note darin: „Keiner vergreift sich ungeschoren an meine Kollektion. Lahnstein, ich komme ihnen auf die Schliche, was auch immer sie auf diesem Schiff treiben?! Ahoi, mein Lieber!“

„Hallo?! Jemand da?“ fragte Rafael vorsichtshalber, als er mit einer Zentralcard die Kabine seines Schwarms Kyan Baxter betrat. Da sich niemand meldete, schlich der Spanier mit leichtem Herzklopfen aber vor allem eine große Portion Neugier in die geräumigere, ruhige Kabine. Hinter sich schloss er die Tür, schaltete dann die Wandleuchten ein, wobei er auf das große Hauptlicht verzichtete.

Ein überprüfender Blick folgte dann durch die schmale Tür, die in die Nasszelle führte. Auch hier ist niemand, dennoch wirkte alles bewohnt. „Okay, Kyan ist ja auch nur für ein paar Tage von Bord gegangen. Warum sollte er also seine paar zustehenden Quadratmeter komplett verpacken?“ ging Rafael durch den Kopf, ehe er auf der kleinen weißen Kunststoffablage vor dem Spiegel über dem Waschbecken die erste Verlockung entdeckte. Da stand es, das Flacon eines italienischen Designers, aus dem Kyan anscheinend immer diesen markanten unverwechselbaren Duft zog, den der sympathische Mann stets auf dessen Rasur verteilte.

Rafael konnte nicht wiederstehen. Er nahm die Flasche in seine Hände, öffnete den Verschluss und spürte sofort eine verlangende Sehnsucht, die aber wohl nur ein Wunsch sein dürfte, denn so nah wie heute Abend war er Kyan noch nie gekommen, auch wenn der Ire mit den dunkelbraunen gewellten Haaren, den stahlblauen Augen und der stattlichen Figur, wenn er in seiner weißen Uniform auf der Brücke stand oder über das Deck schritt, nicht im selben Raum, nicht mal auf diesem Schiff ist.

Vorsichtig öffnete Rafael dann den Kleiderschrank. Auch wenn er immer einen absichernden Blick zur Tür warf, da er dem Frieden nicht ganz traute, stieg jedoch seine Neugier ins Unermessliche. Dort hängt sie, die Offiziersuniform, und das sogar gleich in doppelter Ausführung. Daneben fein säuberlich sortiert, die Freizeitkleidung, in der man Baxter aber nur selten zu sehen bekam. Aber selbst in Jeans und T – Shirt machte der Mann, der allmählich auf die vierzig zuging, eine imposante, sportliche Figur. „Von dieser Ordnung im Kleiderschrank könnten Emilio, Olli und ich echt noch was lernen,“ gestand Rafael sich ein, bevor er die Doppelschwingtür wieder verschloss.

Weiter ging es dann zu dem Schreibtisch, wo allerdings die Ordnungsliebe doch wieder einbüßen musste, denn hier in der Büro – Ecke der Kabine wirkte doch alles etwas chaotischer. Der junge Spanier zog den Schreibtischstuhl unterm Tisch weg, um darauf Platz zu nehmen, doch irgendwie traute er sich nichts anzufassen. Er hätte hier alles auf dem Kopf stellen können, aber wozu? Kyan Baxter ist nun mal erster Offizier auf der MS Moania und das bringt eben auch viel Schreibkram mit sich. Also, warum sich damit unnötig beschäftigen und wahrscheinlich das Chaos noch durcheinanderbringen?

Doch plötzlich entdeckten Rafaels Augen, bei deren Wanderschaft über das komplette Umfeld, an der Magnetpinnwand über dem Schreibtisch ein ausgedrucktes Foto mit einem jungen blonden Mann darauf, der mehr als freundlich in die Kamera lächelte. Das Herz des dunkelhaarigen Stewards blieb fast stehen. Langsam erhob er sich von dem Stuhl, nahm das Foto von der Wand, denn mehrere Schriftstücke hingen kreuz und quer darüber. Erst jetzt konnte Rafael das komplette Bild sehen und spürte eine ungeheure Eifersucht in sich aufsteigen, insbesondere, als er noch den Text im unteren Bereich des Fotos entzifferte: „Ahoi Seemann! Freue mich auf Casablanca, Elias!“
Chapter 16 by Ricki
Ahoi! ( Teil 16 )


Allmählich kehrte Ruhe ein, zumindest auf den Außendecks des Schiffes. Im Inneren der MS Moania, die nun schon über zwölf Stunden an der Westküste Afrikas auf großer Fahrt ist, brodelte jedoch noch das Leben. Die vielen verschiedenen Gäste wollten Spaß haben, sich amüsieren, unterhalten werden, einfach vom normalen Alltag abschalten. All das und noch vieles mehr finden sie in den verschiedenen Bars und Lounge – Ecken des Schiffes, im Nachtbistro, im Dance – Club. Wer zocken wollte, den verschlug es ins Spiel – Casino. Aber man konnte auch rund um die Uhr ein Kino mit wechselnden Filmen besuchen, im Fitness – und Wellnessbereich die Seele baumeln lassen oder sich, sogar mit Coach – Begleitung, zu Höchstleistungen antreiben.

Auch im Unterhaltungssaal wurde immer etwas geboten. Wenn nicht gerade das Musical eine Vorstellung gab, konnte man eine Comedy – Show verfolgen oder so wie heute Abend sich eine Varietè – Veranstaltung anschauen, in er sich Artisten und Musiker die Klinke in die Hand gaben. Für jeden ist also etwas dabei. Langeweile gibt es nicht, ansonsten ist man selber schuld, wenn man das reichhaltige Programm nicht nutzte.

Olli hingegen zog es vor, sich in die Stille der anbrechenden Nacht zurückzuziehen. Gerade der erste Tag einer Reise ist anstrengend, denn viele der Reisenden kennen die bestimmten Abläufe auf einem Kreuzfahrtschiff noch nicht, irren umher oder neigen gleich zur vollen Übertreibung.

Sanft glitt das stolze Schiff über die seichte See. Der Mond zeigte sich in voller Größe und die vielen Sterne am Firmament begleiteten die ruhige Fahrt auf dem atlantischen Ozean. In der Ferne flackerten ab und zu Lichter auf, die meistens von anderen Schiffen stammen, die auf den Weltmeeren von einem Hafen zum nächsten Ziel unterwegs sind, oder wenn man nah genug, wie noch in dieser Nacht an der Küste ist, nimmt man die Leuchtfeuer der entfernten Leuchttürme wahr. Für Oliver ein gewohntes Bild, das ihn zum Abschalten dieses hektischen Tages brachte. Der junge dunkelhaarige, weltgereiste Steward saß auf dem Oberdeck auf einer größeren Metallkiste, in der sich Rettungsringe und weitere Schwimmwesten befanden. Direkt neben der Kiste leuchtete eine Decklaterne, die ihm genug Licht gab, damit er in eine andere Welt eintauchen konnte, in der er sich auf geschriebene Geschichten konzentrierte.

Allerdings gelang es ihm dieses Mal nicht seine Aufmerksamkeit voll und ganz den Zeilen in diesem Buch zu schenken, denn ab und zu zog es seine Augen automatisch zu einem Trio, dass einige Meter weiter an der Reling stand und sich unterhielt. Zwei Frauen und ein Mann, wobei ihm eine der Frauen bekannt vorkam, denn sie ist ihm heute schon begegnet und da Olli ein aufmerksamer Beobachter des Geschehens auf dem Schiff ist, wurde ihm sofort klar, dass es sich bei ihr um die neue weibliche Hauptrolle des aktuellen Musicals „Stimmen im Wind“ handelte. Die zweite junge Dame konnte Olli so nicht zuordnen. Er würde die Stimmen der drei auch gerne hören, was ihm aber nicht ganz gelang. Vor allem hätte Charlies Neffe gerne die Stimme es Mannes gehört, denn bei ihm handelte es sich eindeutig um seinen nicht ganz freiwilligen neuen Kajüten – Mitbewohner Christian.

Olli konnte sich nicht helfen. Trotz der Zusammenstöße und der verflixten Situation heute mit den Flüchtlingen, in der er und Christian nicht den besten Tag erwischt hatten, mochte er den jungen Mann. Olli konnte für sich noch nicht einordnen, woran es lag. Dabei spielte noch nicht mal eine sexuelle Anziehung den Hauptdrang. Viel mehr fühlte der junge Steward, dass er gerne in der Nähe dieses für ihn fast noch unbekannte Wesen wäre, denn schließlich kannte er Christian ja erst seit heute Vormittag. Eine zu Boden fallende und dadurch kaputte Sonnenbrille wurde ihm zum Verhängnis, sorgte jetzt dafür, dass sein Blick immer wieder zu den drei hübschen Menschen, und im Besonderen zu Christian abdriftete. Dabei schoss Ollis Puls gleich in der Höhe, als er bemerkte, dass auch Christian hin und wieder einen Blick riskierte. Aber auch die Damen haben gelegentlich herübergeschaut, es hat also alles nichts zu bedeuten. So verpackte Olli es jedenfalls wieder in seinen Rucksack mit den Wunschdenken, die eh nie in Erfüllung gehen würden.

Wozu auch? Diese Reise dauerte ihre vierzehn Tage, von Casablanca in Marokko über die Azoren, dann zu mehreren Häfen wundervoller Städte am Mittelmeer, bis sie letztendlich in Palermo auf Sizilien anlegen würden. Von dort würde für Christian der Flug zurück nach Deutschland gehen, während er selbst seinen Job auf der nächsten Reise antreten würde. Rafael und Emilio werden ihm bleiben, dieser gutaussehende Mann, dessen Augen Olli sogar aus der Ferne faszinierten, wird nicht mehr da sein. Eine Begegnung für vierzehn Tage, nicht mehr oder weniger wird am Ende in Ollis persönlichem Logbuch stehen.

„Du, ich geh wieder rein. Es wird langsam frisch,“ meinte Kim, die ihren ersten Abend auf dem Atlantik genoss, und nun einen letzten Blick in den Himmel schickte, wo sie viele leuchtende Augen entdeckte, die sie beschützen könnten. „Warte, ich komme mit,“ schloss ihre ältere Schwester sich an, bevor sie sich bei ihrem guten Bekannten aus Düsseldorf verabschiedete: „Christian, ich wünsche dir eine schöne Nacht. Wir sehen uns ja bestimmt noch, und komme bitte unbedingt in die Vorstellung!“

„Das werde ich machen. Viel Glück für die Show und schlaft gut, ihr Zwei!“ ließ Christian die beiden jungen Frauen ziehen, ehe er sich seine Jacke etwas straffer nach vorne zog, da schon eine kühle Meeresbrise über das offene Oberdeck zog. Mit beiden Händen fest an der Reling, schickte er seine Augen hinaus aufs Meer. Diese Ruhe ist Entspannung pur für ihn. So konnte sich Urlaub anfühlen und machte auch wieder Sinn. Der Wahnsinn des Trubels am Tage hingegen lief komplett an ihm vorbei. Damit konnte er sich absolut nicht anfreunden. Lieber das Licht des Mondes auf dem dunklen Wasser beobachten und genießen. Dabei schwenkte sein Blick zwischendurch auch ein weiteres Mal zu Olli, der immer noch drüben auf der Kiste saß und sich seine Erholung aus dem Buch holte.

„Hast du den hübschen Kerl gesehen, der in seinem Buch schmökerte und trotzdem ab und zu rüberstarrte? Schon süß, oder?“ horchte Kim bei ihrer Schwester nach, während sie die innere Treppe vom Oberdeck in die nächste Etage nahmen, von wo aus Fahrstühle sie auf alle Ebenen des Schiffes führten. „Das ist, glaube ich, einer der Stewards?! Ich bin ja auch erst seit heute am Bord, aber der ist mir heute schon mindestens zweimal auf dem Personaldeck in seiner Uniform entgegen gekommen. Sehr freundlich und charmant, und ja, auch sehr hübsch!“

Das Oberdeck wurde immer menschenleerer. Warum machte Christian keine Anstalten, sich ebenfalls ins Innere des Schiffes zu begeben? Warum steht er dort allein und schaut in die Nacht? Olli, der sich diese Fragen stellte, verinnerlichte für sich gerade, dass er seit geraumer Zeit mit dem Lesen nicht weitergekommen ist. Immer noch die gleiche Seite, auf der er schon vor vielen Minuten umgeblättert hatte. Er wusste nun nicht mal mehr, in welcher Zeile er stehengeblieben ist. Also begann er wieder oben links, doch die Konzentration ist nicht mehr da. Der sonst so fleißige Leser schlug das Buch, dass er eigentlich liebte, zu, schaute dann ebenfalls kurz aufs Meer raus und sah, dass sich ein kleineres Hafenschiff der Moania näherte. Wahrscheinlich noch Proviant, der nachgeliefert wurde oder ein Passagier, der das Ablegen in Casablanca verpasst hatte. Alles schon vorgekommen, darum gab Olli diesem Treiben keine größere Bedeutung bei.

Auch ihm fröstelte ein wenig, denn der leichte Wind machte auch nicht vor ihm und seinem modischen T – Shirt, welches er sich vor Wochen In Barcelona gekauft hatte, halt. Aber jetzt runter in die Kajüte gehen, um sich eine Jacke zu holen? Das ist selbst dem erprobten Olli zu viel Umstand. Sieh da, Christian hat wieder herübergeschaut. Wartet er etwa?

Olli wagte es, und hoffte, dass man jetzt nicht gleich wieder aneinander rasseln würde. Langsam aber zielstrebig näherte der grünäugige Steward sich dem anziehenden Pol. Ein sanftes aber dennoch treffendes „Hey!“ schoss aus Olivers Mund, woraufhin Christian seinen Kopf zu dem Mann neben sich drehte und dieses „Hey“ in gleicher Tonlage und Stimmung erwiderte.

„Wir hatten nicht gerade den besten Start, was?“ fiel Olli als erstes ein, was er Christian mitteilen wollte, um doch noch irgendwie eine Brücke zwischen sich und dem Mann, dem er heute mehrmals auf die Füße trat, zu bauen. Christian verzog keine Mimik, blieb ernst, wollte sich wohl keine Blöße geben, dennoch musste er nun auf diese Frage reagieren. Und das tat er auch: „Hatten wir überhaupt einen Start? Wenn ja, und er schlecht gelaufen ist, lag es ja wohl weniger an mir, würde ich sagen!“
Chapter 17 by Ricki
Ahoi! ( Teil 17 )


„Ich weiß! Ist echt alles in die Hose gegangen, ähm ich meinte natürlich, so blöde habe ich mich echt schon lange nicht mehr angestellt. Dabei war alles nicht mal mit Absicht,“ entschuldigte Olli sich halbwegs, während er sich mit dem Rücken an das Geländer stellte, das geschlossene Buch fest in seinen Händen hielt und abwechselnd zu dem Mann neben sich und zu einen anderen Fixpunkt an der Wand gegenüber schaute. „Eine Verkettung ungünstiger, dummgelaufener Zufälle?!“ wollte auch Christian die Unfälle des Tages möglichst herunterspielen, um nicht auch noch den Abend kompliziert zu gestalten.

„Vielleicht können wir uns darauf einigen?! Ich verspreche auch, morgen beginnt für dich der Urlaub!“ ließ Oliver sich mit einem Augenzwinkern auf dieses Level ein, woraufhin der jüngere der Mann – Brüder ebenfalls ungewohnte Töne von sich gab: „Der Tag heute ist abgehakt. Und zugegeben, ich hätte auch nicht so drüber sein müssen!“

„Das stimmt allerdings!“ meinte Olli mit einem aufkommenden Grinsen in Christians Richtung, was auch dazu führte, dass selbst die Lippen des Boxers ihre Ernsthaftigkeit für einen Moment verließen und in ein zartes Lächeln umstiegen, bevor beide Männer sich erneut auf die Stille der Nacht konzentrierten, auch wenn sie dabei nicht ganz bei der Sache schienen.

„Du liest?“ erkundigte Christian sich mit Blick auf das Buch in Ollis Händen, um die letzten Sekunden des Schweigens wieder mit Leben zu füllen. Ollis Augen schauten nun auch nach unten auf seine Hände, die das Buch nochmals wendeten, ehe er von seiner kleinen Leidenschaft erzählte: „Nachts, wenn es ruhig geworden ist, ziehe ich mich gerne hier aufs Deck zurück, mal mit, mal ohne Buch. Den ganzen Tag stehe ich unter Strom, da muss ich abends einfach abschalten und hin und wieder tauche ich eben gerne in andere Welten ein.“

„Das kann ich mir gut vorstellen! Also für mich wäre das hier nichts auf dem Schiff. Ständig Leute um einen herum und man kommt nicht von dem Schiff runter. Okay, außer, wenn mal in einem Hafen festgemacht wird. Für mich fühlt sich das jedenfalls gefangen an. Ich liebe da lieber die Freiheit!“ gab Christian seine Sicht wieder, denn schon am ersten Tag dieses neuen Abenteuers brannte sich ein Urteil in seinen Kopf und in seine Seele.

„Das habe ich schon mitbekommen, dass dir Freiheit viel bedeutet,“ spielte der charmante Steward auf eine Bemerkung Christians an, die dieser in dessen Kabine von sich gab, als alle Mann auf ihn einredeten, Javier und Yassin bei deren Flucht zu helfen. Christian ahnte, dass Olli ihn darauf ansprechen würde, denn Ollis Blick auf Deck C in Kabine 77 suchte dort schon nach Antworten, wie der Pferdewirt zu diesem Zeitpunkt verinnerlichte. Doch Christian wollte noch nicht zu viel von sich preisgeben, wollte noch nicht über seine komplizierte Vergangenheit, die eben auch seinen Aufenthalt im Gefängnis beinhaltete, reden. Warum sollte er überhaupt mit Olli darüber reden? Warum sollte er diesem fremden Mann, den er seit wenigen Stunden kannte, erzählen, dass sein früheres Leben nicht immer vorbildhaft verlief? Olli ist ihm fremd, aber dennoch eine Person, die es schaffte, seine Aufmerksamkeit auf sich zu ziehen und das sonst jetzige einigermaßen geordnete Leben, ein Stück aus der Bahn zu werfen. Keiner der anderen Jungs hätte ihn wahrscheinlich zu diesem Deal mit dem Kabinentausch, geschweige zu dem Verstecken von illegalen blinden Passagieren überreden können. Christian gestand sich selbst ein, dass Ollis Anwesenheit maßlos dazu beitrug. Aber sollte er sich ihm jetzt schon vollkommen anvertrauen? Warum? Könnten sie etwa gute Freunde werden? Eine Zufallsbekanntschaft auf einem Kreuzfahrtschiff? Aber teilte man mit so einer Person jetzt schon seine Gedanken? Okay, zumindest schien ihm jetzt noch nicht der richtige Zeitpunkt!

Christian blickte stumm aufs Meer, legte dabei beide Ellenbogen auf die Reling, faltete beide Hände ineinander und verfiel erneut in eine Stummheit. Olli merkte, dass es jetzt noch keine Antworten gab. Darum ging er nochmal auf Christans Vorurteile wegen der Arbeit auf einem Schiff ein: „Naja, so schlimm ist es ja nun nicht. Immerhin haben wir regelmäßig Hofgang, können auch einige Freizeitmöglichkeiten nutzen, die eigentlich den Passagieren zustehen, okay, kleine Tabus inbegriffen. Und selbst da finden wir Wege. Und hey, manchmal gibt es sogar Urlaub. Hmmh, Urlaub vom Urlaubsschiff, schon komisch, was?!Aber das ist mein Leben. Ich habe mich damit arrangiert.“

Die Anspielung über den Hofgang, der auch Christian vor langer Zeit ein Begriff war, ließ der Boxer jetzt mal dahin gestellt, wollte jetzt nicht wieder etwas vom Zaun brechen. Deswegen suchte er nach Ablenkung und schaute erneut auf Ollis Hände: „Was für ein Buch liest du gerade?“

„Eines meiner Lieblingsbücher! Oft leihe ich mir ja Bücher in der Bord – Bibliothek aus, aber dieses gehört tatsächlich mir. Das heißt, es war mal ein Geschenk zu Weihnachten, letztes oder vorletztes Jahr. Emilio hat es mir geschenkt. Das machen wir drei immer so untereinander. Aber ich tippe mal, Emilio hat das Buch irgendwo mitgehen lassen. Naja, oft lassen unsere Gäste auch einfach so etwas liegen, gehen von Bord und vermissen es gar nicht mehr,“ berichtete Oliver, wobei Christian in diesem Moment nicht wusste, ob er über diese Geschichte lachen oder lieber ernst bleiben sollte. Bevor er sich entscheiden konnte, erzählte Olli schon weiter: „Plötzlich bunt! So heißt es. Eigentlich lese ich das Buch schon zum gefühlten hundertsten Mal, aber ich entdecke immer wieder Neues im Leben von George und Rosanna. Ich liebe die beiden!“

„George und Rosanna?“ hakte Christian nach, wobei er ahnte, dass Olli ihm jetzt den gesamten Inhalt präsentieren würde. Aber Christian wollte es hören, und wenn es die ganze Nacht dauern würde. „George und Rosanna sind die zwei Hauptfiguren in diesem Buch. George ist ein erfolgreicher Architekt, der in seiner geräumigen Penthouse - Wohnung in New York lebt und dort in der Wohnung auch seinem Beruf nachging. Er entwirft gigantische Hochhäuser und schickt die maßstabgetreuen schwarz – weiß – Zeichnungen und farblosen detailverliebten Modelle immer wieder zurück zu seinem Auftraggeber, mit dem er lediglich telefoniert. Ansonsten verschloss er sich vor dem Kontakt zur Außenwelt,“ fasste Oliver einen Teil der Geschichte zusammen.

„Klingt eher traurig als spannend!“ kommentierte der zuhörende Schiffsgast daraufhin. Doch kaum ist Christians Satz ausgesprochen, legte Olli auch schon wieder los: „Aber jetzt kommt’s! Den einzigen Menschen, den George jeden Tag für eine Stunde antrifft, ist seine mexikanische Putzfrau Rosanna. Sie kümmert sich um die Pflege der durchgestylten modernen Wohnung in schwarz – weiß – Optik natürlich, in dem auch hochwertiger Edelstahl nicht fehlen durfte. Jeden Mittwoch stellt sie als einzigen Farbtupfer ein kleines Blümchen hin und kann es nicht unterlassen, während ihrer Tätigkeit mexikanische Gassenhauer zu pfeifen. Und wie es dann kommen musste, erschien eines Tages eine Vertretung für Rosanna, die wortkarg und nach Plan durchputzte. George nahm diese Vertretung gar nicht wahr, beginnt aber bald das Pfeifen und das Rumwirbeln um ihn herum zu vermissen. Bei der Agentur erfährt er dann, dass Rosanna wieder nach Mexiko abgeschoben wurde. George, der die Wahl hat, diesen neuen Zustand zu akzeptieren oder etwas zu wagen, setzt dann alle Hebel in Bewegung, um Rosanna wieder zu finden. Dabei landet er plötzlich in einem lebhaften Viertel einer mexikanischen Kleinstadt. Bunte Wäsche hängt an den Leinen über den Straßen. Die Männer tragen bunte Sombreros, die Frauen farbenfrohe Kleider und Kinder lachen und spielen auf den Bürgersteigen. Das Leben pulsiert. George wacht auf und stellt fest, dass diese ganz andere Welt ihn gefangen nimmt. Er will nicht nur noch schwarz – weiß, er verliebt sich in das Bunte. Das Happy – End ist natürlich vorprogrammiert. George heiratet seine Rosanna und beide fühlen sich unendlich glücklich!“

„Jetzt klingt das Traurige sehr nach Kitsch!“ musste Christian einfach loswerden, wobei er die Bemerkung allerdings mit einem herzlichen Lächeln begleitete. Ollis Augen hingegen begannen mit den Sternen um die Wette zu strahlen, als er sich Christians hübschen Lächeln anschloss und dabei behauptete: „Ich liebe Kitsch! Für Telenovelas könnte ich sterben und bunte Farben sind ein Muss, wohl auch ein Kontrast zu meiner Steward – Uniform. Und hey, du kannst mich auslachen, aber ich liebe die Welt der Monarchen und Schlösser.“

„Dann müsstest du eigentlich auch meinen Bruder kennen. Er lebt auf einen Schloss. Gut, er ist kein König oder so, aber die Welt der Märchen hat sich auch für ihn geöffnet,“ brachte Christian plötzlich ein Teil seiner Familiengeschichte ins Spiel, woraufhin Olivias Cousin ungläubig schaute: „Du verulkst mich, oder?“

„Quatsch! Ehrlich, frage ihn doch selber, wenn du mir nicht glaubst!“ schlug Christian daraufhin vor, dem dabei nicht entging, dass Olli in dessen lachsfarbenen Shirt ein bisschen zu zittern begann, da die kühler werdende Atlantikluft der Sommernacht auch über das Oberdeck der MS Moania strömte. Oliver ließ sich allerdings noch nichts anmerken, konzentrierte sich lieber auf die Vermutung von Christian, die er widerlegen wollte: „Du schaust viel zu ehrlich. Dir muss man glauben, und das tue ich!“
Chapter 18 by Ricki
Ahoi! ( Teil 18 )


„Melde mich wieder zurück an Bord, Kapitän Hansen!“ zog es derweil den ersten Offizier Kyan Baxter nach seiner Überfahrt vom Marokkanischen Festland auf die MS Moania als erstes auf die Brücke des riesigen Kreuzfahrtschiffes, das den Mann gerade über eine Luke im unteren Teil des Schiffes aufgenommen hatte, was bei ruhiger See ohne größere Probleme möglich ist.

„Willkommen zurück, Baxter! Es ist ihnen hoch anzurechnen, dass sie ihren Urlaub spontan unterbrechen konnten. Aber das Schiff ist nun mal vollbesetzt und unser werter Kollege wird wohl noch einige Tage ausfallen. Die Reederei konnte leider so schnell keinen wirklichen Ersatz bereitstellen,“ erklärte Nils Hansen kurz die momentane krankheitsbedingte Situation, auf der es zu reagieren galt.

„Das ist für mich kein Problem. Einen Tag an Land und ich habe das Schiff schon wieder vermisst. Soll ich die Brücke gleich übernehmen?“ befand der eifrige Kyan sich vom ersten Augenblick an schon wieder im Dienst, dem der stattliche Kapitän aber einen Riegel vorschob: „Die See ist ruhig und es gibt keine besonderen Vorkommnisse an Bord. Sie sehen müde aus. Legen sie sich eine Weile aufs Ohr! Morgen, wenn wir in Agadir anlegen, brauche ich jeden Mann. Dort ist immer damit zu rechnen, dass sich Flüchtlinge aufs Schiff schleichen.“

„Die europäische Abwehr muss funktionieren?!“ witzelte Baxter, obwohl er wusste, dass die Seefahrerei zurzeit ein ernstes Problem mit der Krise, die die ganze Welt betraf, abwiegeln musste. „Sie wissen ja, jeder illegale Flüchtling bringt miese Quoten bei den Wahlen. Darum zahlt die Reederei auch ein Kopfgeld für jeden Afrikaner, den wir aufgreifen und möglichst zurückführen können. Also, morgen ist absolute Wachsamkeit geboten. Setzen sie auch alle zur Verfügung stehenden Besatzungsmitglieder ein. Jeder Mechaniker, jeder Steward, den sie während des Aufenthalts im Hafen freistellen können, muss seine Augen offen halten. Und jetzt ab in ihre Koje, Baxter!“ verwies der Kapitän auf die Dringlichkeit seiner Anweisung, woraufhin Kyan es vorzog, sich erstmal zurückzuziehen, um eine Mütze Schlaf einzukassieren: „Dann eine gute Nacht und ruhige Fahrt!“

„Frierst du?“ fragte Christian behutsam nach, da ihm nicht entging, dass sich auf Ollis Oberarme eine unübersehbare Gänsehaut abzeichnete und auch ein witterungsbedingtes Zittern einsetzte. „Nur im Shirt hier nach oben kommen, war doch nicht so eine gute Idee. Ich geh‘ besser rein!“ musste Oliver erkennen, dass dieser nette Abend hier auf dem Oberdeck jetzt wohl dem Ende entgegen ging.

„Bleib doch noch!“ bat allerdings der neue Gast an Bord, der sich dann spontan seine Lederjacke auszog, die er auf die Reise mitgenommen hatte, obwohl sie wohl in den sonnigen Gefilden wenig Sinn machte. Doch bereits jetzt am ersten Abend erfüllte sie ihre Bestimmung, denn Christian hielt die Jacke dem dunkelhaarigen Steward entgegen: „Komm, schlüpf rein!“

Einen Moment zögerte Olli, ob er dieses Angebot wirklich annehmen sollte, aber was sprach dagegen? Darum legte er sein Buch auf den Boden des Decks und wandte Christian den Rücken zu, damit dieser ihm die Jacke umlegen konnte.

„Besser?“ erkundigte Christian sich, nachdem Olli mit seinen Armen in die Ärmel rutschte und sich die Jacke nach vorne zog. „Fühlt sich gut an!“ lächelte der grünäugige Mann, der sich sichtlich im Inneren der Leihgabe wohlfühlte, dann aber meinte: „Ein wahrer Gentleman, alle Achtung! Aber was ist mit dir? Jetzt frierst du doch bestimmt?“

„Ich bin ein heißer Typ! Mir macht so ein bisschen kühle Seeluft nichts aus!“ antwortete Christian, wobei er sich ein Grinsen in Ollis Richtung nicht verkneifen konnte, während er sich vor den Schiffsangestellten aufbaute und nochmal prüfend die Lederjacke richtete, damit sie auch wirklich perfekt an Olli saß. Auch wenn Olli diesen Moment sehr intensiv genoss, musste er trotzdem seiner Empörung Luft machen: „Was soll das denn heißen? Bin ich etwa kein heißer Typ?“

Christian wollte auf diese Frage keine Antwort geben, denn was genau sollte er dem jungen Mann in seiner Jacke jetzt entgegenbringen? Wie würde Olli heiß definieren? Wie würde er Ollis Aussehen oder dessen bisher bekannten Charakter selbst beschreiben? Was würde Olli denken, wenn er ihm eine Bestätigung liefern würde? Oder was würde Olli denken, wenn er eine nicht erwünschte Auffassung bringen würde? Blamieren würde er sich auf jeden Fall. Darum hielt Christian es für ratsamer, die nächsten Sekunden mit Schweigen zu verbringen. Allerdings, was würde diese Reaktion wieder über ihn verraten? Eine prekäre Zwickmühle oder dachte er einfach zu viel nach, anstatt einfache lockere Konversation zu führen? Denn insgeheim spürte Christian ja, dass Olli ein sehr umgänglicher Typ ist und vor allem fühlte er, dass er Olli gar nicht ausweichen wollte, sondern viel lieber dessen Gesellschaft genoss, auch, wenn er sich diese Gefühlslage kaum erklären konnte und vielleicht auch gar nicht wollte.

Eine erneute Ablenkung vom eigentlichen unbekannten Problem musste her, um auch das Schweigen schnellstmöglich zu überbrücken, welches wahrscheinlich erneut zu Missverständnissen führen könnte. Darum schlug Christian vor: „Laufen wir ein Stück? Bewegung hilft bekanntlich gegen Kälte!“

Oliver nahm diesen Vorschlag sehr gerne an. Nachdem er sein Buch wieder vom Boden des Oberdecks aufhob, führte er Christian über das Deck. Am Ende dieses Obergeschosses führte eine Treppe dann hinunter auf das große Sonnendeck, in dem auch ein Pool eingelassen ist. Zu dieser nächtlichen Zeit wirkte allerdings auch dieses Deck einsam und verloren, denn am Tage musste man schon zusehen, dass man eine der vielen Liegen oder Sitzmöglichkeiten ergatterte.

„Wen gibt es denn sonst noch so in deinem Leben, außer deinen Bruder, den Prinzen und seiner bestimmt hübschen Prinzessin?“ wollte Oliver dann doch weitere Erkundigungen einziehen, während die Zwei zwischen den einsamen Sonnenliegen in der Nacht ihre Runde drehten. „Zurzeit niemanden! Das wolltest du doch wissen, oder?“ polterte Christian etwas unwirsch los, während er seine Hände in seinen vorderen Jeanstaschen vergrub. Charlies Neffe schob daraufhin einen Stuhl, der durch den Wind zu nah an den Pool gerutscht war, wieder in dessen gedachte Position und sagte dabei: „Liegt bei mir in der Natur der Sache. Ich war schon immer ein neugieriges Kerlchen. Aber okay, ich hab’s verstanden! Ab jetzt keine privaten Fragen mehr!“

„So habe ich das nicht gemeint! Aber Mann, ich bin nun mal nicht ….. Und ich bin auch nicht auf dieses Schiff gekommen, um jetzt unbedingt mit dem nächstbesten Urlaubsflirt in die Kiste zu hopsen. Wie auch? Ich habe ja noch nicht mal ein eigenes Bett!“ haute Christian plötzlich Argumente raus, die Oliver doch sehr verwunderten. Aber gut, hier schien wohl die Zeit etwas Entspannung zu bringen, wofür Olli umgehend sorgen wollte: „Du glaubst echt, ich will dich anbaggern, um mit dir schnell in die Laken zu springen?“

„Na komm, dein Spruch auf der Gangway! Dann die peinliche Wasserdusche im Restaurant. Oder willst du etwa behaupten, dass du geschubst wurdest? Und es gab noch mehr solche Anzeichen. Ganz so naiv bin ich nun auch nicht. Hey Olli, ich liebe auch Farben, aber so bunt ist meine Welt nun doch nicht,“ versuchte der Pferdewirt den Abend noch irgendwie zu retten, auch wenn er schon für sich selbst einsehen musste, dass ihn dieser Versuch mächtig aus den Händen gleiten könnte.

Der Steward schickte seine Augen erst auf den Pool, verinnerlichte nochmal alle Worte, die Christian gerade eben so rausgehauen hatte, sortierte dabei sogar die angesprochenen Situationen, ehe er seinen Blick wieder auf Christian schmetterte: „Du hast George und Rosanna noch nicht verstanden, aber gut! Hey, ich mag dich trotzdem, und ich hoffe für mich, dass ich hin und wieder dein sympathisches Lächeln auf dieser Reise sehen darf. Ich finde es jedenfalls wunderschön, egal, was du jetzt über mich denkst. Dein Herz liegt sicherlich noch im Verborgenen, wo du es am wahrscheinlich am besten behütet siehst, aber dein Lächeln zeigt mir, dass es auch an die Oberfläche will.“

„Eine Textpassage aus deinem Buch?“ musste Christian nun wirklich kurz auflachen, da ihm die Worte doch sehr abgehoben und kitschig klangen. „Nein, nur so ein Gefühl! Aber egal! Komm, du zitterst jetzt auch. Lass uns runtergehen, oder willst du zu mir mit in die warme Jacke krabbeln?“ sah Olli es in diesem Moment nicht ein, sich zurückzuhalten, denn momentan ließ ein unüberwindbarer Graben doch nicht mehr zu. Da Christian auf die letzte Provokation nicht reagierte, strich Olli dem Wunschprinzen kurz über dessen rechten Unterarm, während er mit leisem Ton wiederholte: „Du zitterst!“
Chapter 19 by Ricki
Ahoi! ( Teil 19 )


Noch ein kurzes grüßendes Nicken gegenüber einem der vielen Angestellten auf dem Schiff, und dann erreichte Kyan Baxter auch schon fast seine Kabine, zu der er mit seiner Tasche, in der er das Nötigste für den kleinen Urlaubstripp gepackt hatte, über der Schulter, den langen Gang mit den unzähligen Türen rechts und links herunterschlenderte. Plötzlich summte sein Handy. Der Offizier zog es aus seiner Jackentasche und öffnete gleich die eingegangene SMS: „Bist du wieder an Bord?“

Mit der freien Hand suchte Kyan dann nach seiner Key – Card, öffnete routinemäßig seine Kabine, trat hinein, verschloss wieder die Tür, schaltete gedämpftes Licht ein, stellte seine Tasche vor dem Kleiderschrank und tippte als erstes die Antwort in sein Handy: „Gerade angekommen! Werde mich darum kümmern, versprochen! Schlaf gut!“

Dann legte er das Handy auf den chaotisch sortierten Schreibtisch, streifte sich seine Jacke ab, hängte diese über den Stuhl vor dem Tisch, ehe er ins Badezimmer ging und sich erstmal Literweise kaltes Wasser ins Gesicht schaufelte, da er tatsächlich einen müden Eindruck machte, denn die Zeit in Casablanca und die zusätzliche Überfahrt hinterließen doch ihre Spuren bei dem Mann mit den dunkelbraunen gewellten Haaren. Dann fuhr er sich mit der Hand übers Kinn, aber eine Rasur der sprießenden Stoppeln kam jetzt nicht mehr in Frage. Eigentlich wollte Baxter nur noch ins Bett. Doch als er sich mit dem Handtuch das Gesicht abtrocknete, fiel ihm auf mal auf, dass doch eben in seiner Kabine irgendwas anders war. Zwar hatte er vorhin gar nicht alles wahrgenommen, doch jetzt wurde ihm bewusst, dass irgendwas in seinem Bett lag. Vorsichtig schlich Kyan sich aus dem kleinen Badezimmer und schaute nun genauer hin. Tatsächlich entdeckte er dort einen dunkelhaarigen Haarschopf unter seiner Decke, der ihm sogar bekannt vorkam.

Rafael begann sich allmählich aus seinen Träumen zu verabschieden, begann sich zu recken und strecken, bemerkte im Halbschlaf, dass Licht in der Kabine leuchtete. Noch zweifelte der junge Steward, ob er dieses vorm Schlafengehen vergessen hatte, zu löschen, aber dann hörte er plötzlich eine männliche und auch bekannte Stimme hinter sich: „Können sie mir verraten, was sie in meinem Bett machen, Velasquez?“

Plötzlich wurde der Spanier hellwach, drehte sich um und sah tatsächlich, wie Kyan Baxter mit verschränkten Armen vor dessen Brust, neben dem Bett stand. Ruckzuck setzte Rafael sich auf und wirkte total planlos und irritiert: „Kyan? Ähm, Herr Baxter? Ich dachte ….?! Wieso jetzt …. ? Ich dachte, sie kommen erst in Lissabon ….?!“

„Wieder zurück an Bord?!“ beendete Kyan den Satz des Stewards, bevor er seine Arme runter nahm, sich seine Hände in die Taille stützte und ein aufkommendes Grinsen bei der Vermutung unterdrücken musste: „Da hat dich deine Quelle wohl falsch informiert! Ich bin jetzt schon wieder zurück. Ein Problem für dich, Velasquez?“

„Aber? Mist, das ist mir jetzt echt ….!“ umgarnte Rafael nun das Gefühl, mit höchster Lichtgeschwindigkeit in den Erdboden zu versinken, woraufhin Baxter total anders reagierte, als es vom Eindringling erwartet wurde: „Manchmal entwickeln sich die Dinge völlig anders. Was trotzdem nicht erklärt, warum du in meinem Bett liegst?! Obwohl, ich will’s auch gar nicht wissen. Ich bin viel zu müde, um jetzt noch eine Diskussion durchzuprügeln. Rück lieber rüber!“

Rafael wusste in diesem Moment gar nicht, was ihm geschah, aber er musste oder besser gesagt durfte mit ansehen, wie der erste Offizier an Bord im Blitzverfahren seine Schuhe wegkickte, sich Socken und Hose auszog und sich sein Shirt über den Kopf streifte. Nur noch in modischer Unterhose haute der Mann sich tatsächlich neben Rafael ins Bett, löschte das Licht und ließ seine letzten Worte durch den Raum klingen: „Schlaf gut!“

Der Spanier suchte immer noch nach den Knopf, womit man wieder die Realität aktivieren konnte, aber dort schien er bereits angekommen zu sein. Tatsächlich dauerte es nicht lange, als er schon die ersten Schlafgeräusche des Iren vernahm. Rafael traute sich selbst nicht sich zu bewegen, allerdings blieben seine Augen noch eine Weile offen, denn er Mond, der durch das Bullauge Licht in diese Nacht brachte, half ihn, den Traum neben ihn zu genießen. Das Atmen hob den trainierten Brustkorb und auch der Waschbrettbauch zeichnete sich deutlich ab, denn Kyan hatte sich die Decke nur bis zum Bauchnabel gezogen. Der junge Steward musste sich arg zurückhalten, um nicht seine Finger einzusetzen, die auf erkundende Wanderschaft gingen. Zurückhaltung ist geboten. Jetzt nur keinen Fehler aus Übermut riskieren.

Rafael brauchte Ablenkung und begann ab jetzt sich nur auf das Gesicht zu konzentrieren. Doch auch hier ist äußerste Vorsicht geboten, denn die schmalen, wunderschön geformten Lippen luden praktisch zum Küssen ein. Noch rätselte der dunkelhaarige Steward, wie er diese Nacht so eng neben dem Mann, für den er schon länger mehr als nur freundschaftliche Gefühle hegte, überstehen sollte, ehe er plötzlich unerwartet ganz leise aus Kyans Mund vernahm: „Schlaf jetzt!“

Schlaflosigkeit herrschte auch in der Drei – Mann – Kajüte im unteren Personaldeck. Während Emilio noch, mit einer Taschenlampe bewaffnet, sich in die Abgründe der hochwertigen Kochkunst einlas, strömten Ollis Gedanken die ganze Zeit um den Mann, der im unteren Teil des Etagenbettes lag. „Bin ich wirklich zu forsch rangegangen? Habe ich ihn echt schon verjagt oder könnte ich ihn nie für mich gewinnen? Und sind da wirklich Gefühle im Spiel oder mache ich mir nur was vor? Ist es am Ende nur ein Spiel?“ raste es mit hohem Tempo durch Ollis Kopf. Dabei starrte er zur Decke, fühlte sich auf mal so hilflos, denn am liebsten würde er jetzt alles sofort klären. „Doch was ist dann? Ist dann endgültig alles aus und vorbei, bevor überhaupt etwas gestartet ist? Würde er sich vor Christian dermaßen lächerlich machen oder wollte der gutaussehende Mann unter ihm vielleicht sogar lieber klare Worte als irgendwelche improvisierten Versuche, die letztendlich in die Hose gingen?“

Olli wusste es nicht. Er wusste noch nicht mal, ob Christian, der sich direkt unter ihm aufhielt, schon schlief oder vielleicht genauso wach rumlag und darauf wartete, dass die Nacht sie endlich zur Ruhe kommen ließ und der nächste Morgen hoffentlich neue schöne Momente im Gepäck haben würde.

Der Boxer aus Düsseldorf, der sich in dem engen Raum eingesperrt fühlte, stand aber bereits kurz davor, sich gegen das Einschlafen zu wehren. Nochmals strich er dabei mit seiner Hand über die Stelle des anderen Armes, an der Olli ihn vorhin berührt hatte. Dabei hörte er nochmal leise nur für sich Ollis Worte: „Du zitterst!“ Danach wanderten seine Augen nach oben auf den Untergrund des Bettes über ihn. Ganz kurz sah er dann vor sich, wie zwei grüne mit leuchtendem Glanz gefüllte Augen ihn ansahen und sich ein herzliches Lächeln dazu gesellte. So sehr, wie er dieses Bild mochte, so sehr bemühte Christian sich auch wieder, dieses Bild loszuwerden.

Emilio konnte nun getrost das stark umfassende Kapitel, indem es ausschließlich um die Erschaffung sensationeller Pasta - Gerichte ging, abschließen, auch wenn er sich schwor, sich demnächst die vielen Seiten nochmal vorzuknöpfen, denn der Aushilfskoch wollte nichts übersehen haben. Der junge Südamerikaner legte das Buch, das er sich in der Bord – Bibliothek lieh, neben sein Kopfkissen ab, leuchtete dann mit seine Taschenlampe zu Olli rüber, der ihn mit offenen und fragenden Augen anstarrte.

Emilio schien längst klar, was seinen Kumpel zum Wachsein zwang. Darum ließ der Helfer für alles, was in der Küche anfiel, den Lichtkegel seiner Laterne in das untere Bett wandern und kontrollierte dort den momentanen Schlafzustand des Gastes. Daraufhin hielt Emilio die Taschenlampe so in sein eigenes Gesicht, dass Olli genau Emilios Lippen sehen konnte, die lautlos einen Satz in das dunkle Zimmer schickten. Olli zuckte mit den Achseln, da er Emilios Worte nicht genau definieren konnte, doch der junge Mann aus Venezuela wiederholte den Satz so oft, bis Olli ihn letztendlich ebenfalls wortlos nachsprechen konnte: „Er schläft wie ein Engel!“

Ein zufriedenes Lächeln zog daraufhin über Ollis Gesicht, was auch Emilio nicht verborgen blieb. Der Aushilfskoch hob Oliver gegenüber den nach oben zeigenden Daum und versüßte es ebenfalls mit einem freundschaftlich verbundenen Lächeln, ehe sich das Licht der Taschenlampe losch und die Nacht auch sie beide in ihre Obhut nahm.
Chapter 20 by Ricki
Ahoi! ( Teil 20 )


In ihrer ganzen erhobenen Eleganz ließ sich die MS Moania am nächsten Morgen auf den Wellen des Atlantiks an der afrikanischen Westküste entlang tragen und nahm dabei allmählich Kurs auf die marokkanische Hafenstadt Agadir, wo der Stolz der Reederei im Laufe des Vormittags festmachen sollte und die Gäste zu einem mehrstündigen Erkundungsgang einlud. Auf dem Schiff selbst blieb die morgendliche Stimmung noch verhalten, denn vielen Reisenden hielt es noch in den Betten. Die Sonnenstrahlen sorgten allerdings dafür, dass Gregor vorsichtig seine Augen öffnete. Leider fühlte sich das große Doppelbett sehr einsam an, aber der hübsche Prinz sah diese Umstellung zum sonstigen Familienleben relativ gelassen. Ein Blick auf die Uhr verriet ihm, dass er sich noch in einer Phase zwischen Nacht und Tag befand, dennoch wollte er schon mal den neuen Tag begrüßen.

Der dunkelhaarige Mann erhob sich aus dem sehr bequemen Bett, schob die Vorhänge vom großen Fenster an die Seite, öffnete die Tür zum Balkon und hörte nun voller Inbrunst das Rauschen der Wellen. Dazu ein gemaltes Bilderbuchwetter, besser könnte es fast nicht laufen. Gregor stellte sich an das Geländer seines Balkons, genoss den endlosen Ausblick aufs Meer und stellte dann mit seinen Ohren fest, dass sich nebenan noch überhaupt nichts tat: „Christian schläft anscheinend auch noch. Gut, dann haue ich mich auch noch wieder hin.“

Gesagt, getan! Gregor ließ die Balkontür offen, um den anbrechenden Tag hereinzulassen, warf sich nun wieder unter die Decke und begann die wundervolle treibende Atmosphäre zu lieben, während nebenan Javier und Yassin nicht wagten, sich zu rühren, denn sie wussten, was passieren würde, wenn man sie auf dem Schiff entdeckte. Darum harrten sie tapfer aus, bis sich Timo oder einer dessen Mitwisser und Unterstützer um sie kümmern würde.

„Du scheinst dich auf dem Schiff so richtig wohlzufühlen, Papa?!“ glaubte Timo zu wissen, als er an diesem frühen Morgen bereits seinen Stiefvater in dessen Kabine, die direkt neben der Praxis lag, aufsuchte. „Die beste Entscheidung, die ich getroffen habe, nachdem deine Mutter gegangen ist und du zu Clarissa nach Düsseldorf gezogen bist. Allein auf der Finca wäre ich verrückt geworden. Soviel Einsamkeit verträgt kein Mensch,“ antwortete der Arzt des Schiffes, der sich in seinem Badezimmer noch den Bart zurechtzupfte und dann noch hinterher setzte: „Natürlich würde ich dich gerne öfter sehen, aber ich bin schon beruhigt, denn du scheinst dein Leben ja auch bestens im Griff zu haben?!“

„Läuft easy von der Stange! Mein Studium geht mir leicht von der Hand, und dank finanzieller Unterstützung von dir und Oma komme ich zurecht. Obwohl, ich glaube, Clarissa würde gerne sehen, dass ich irgendwann in ihre Fußstapfen trete und Ligne Clarisse nach ihren Vorstellungen fortführe,“ vermutete der Blondschopf, der bereitwillig schon mal Ricardos Bett aufschüttelte. „Aber du hast andere Vorstellungen?“ ahnte der Doktor.

„Mode ist so gar nicht mein Ding. Momentan beschränken sich meine Aushilfsarbeiten bei Ligne Clarisse hauptsächlich auf die Logistik, aber ich werde bestimmt nicht anfangen, irgendwelche bunten Kritzeleien auf Papier zu zaubern, um damit die nächste Kollektion zu füllen,“ stand für Timo fest, was der bärtige Mallorkiner sehr gut nachvollziehen kann: „Lass dich in nichts drängen, was dir persönlich nichts bringt. Gehe deinen Weg, und wenn du fest der Meinung bist, dass du das vollkommen Richtige tust, kann dein Weg für dich nicht verkehrt sein. Übrigens, legen wir nachher in Agadir an. Dort gibt es einen einmaligen Basar, auf dem du alles findest. Ich brauche unbedingt einen neuen Hut. Hast du Lust mich zu begleiten?“

„Von Bord gehen? Heute? Du Papa, das ist äußerst schlecht. Ich habe Clarissa versprochen, dass ich nochmals die gesamte Kollektion in den Koffern durchsehe. Die Mode -Gala auf der Moania ist wichtig, denn für Ligne Clarisse steht viel auf dem Spiel. Clarissa könnte einen der Prunkläden in der Shopping – Mall ergattern, wenn ihre Kleider beim Publikum einschlagen,“ suchte Timo mehr oder weniger nach einer Ausrede, denn er wollte die beiden geflüchteten Marokkaner nicht alleine lassen, solange sie nicht in Europa angekommen sind.

„Ich dachte, du verstehst nichts von Mode?“ hakte Ricardo irritiert nach. „Naja, stimmt ja auch. Ich überprüfe ja auch lediglich nur die Stückzahlen und vergleiche die Listen mit den Modellen. Wie gesagt, es darf nichts schiefgehen und Clarissas eigentlicher Koordinator kommt mit den Models erst in Lissabon an Bord. Solange verlässt Clarissa sich auf mich!“ mischte der junge blonde Mann kleine Notlügen unter seinen Erklärungen, damit sein hauptsächlicher Plan einwandfrei und wasserdicht über die Bühne lief.

„Schade! Aber um den nächsten Tagesausflug kommst du nicht herum,“ grinste Ricardo, der seinem Sohn natürlich nicht böse ist, was für Timo wiederum leichtes Spiel bedeutete: „Versprochen! Ich bin dabei!“

„Guten Morgen, meine Musketiere! Jungs, ihr werdet nicht glauben, was heute Nacht pas …..!“ stürmte Rafael mit einem schelmischen Grinsen und jeder Menge getankter Euphorie in die kleine Kajüte, wo er allerdings sofort von Emilio ausgebremst wurde: „Pssst! In deinem Bett schläft noch jemand und träumt vom süßen Leben an den malerischen Stränden dieses Planeten und von allem Unverzichtbaren, was der Mann so braucht!“

„Wahrscheinlich von Kettensägen, einem Kicker - Magazin und einer Modelleisenbahn,“ warf Olli daraufhin ein, da er sich kaum vorstellen konnte, dass er auch nur die geringste Chance hätte, in diesen Träumen rumzugeistern. Mit seiner Mimik demonstrierte Emilio seinem Kumpel, dass dieser wahrscheinlich mit dessen Vermutung eine sehr hohe Trefferquote haben könnte, darum wandte er sich lieber dem Fremdschläfer dieser herzlichen Dreierwohngemeinschaft zu: „Na komm Raffi, du strahlst ja über alle Ohren. Was ist passiert, während du in Beauty Baxters flauschigen Kopfkissen geschlummert hast? Nein, das gibt es nicht. Du hast nicht wirklich an seiner Kabinenwand ein heimlich eingeritztes Herz gefunden, in dem deutlich eure beiden Initialen zu lesen sind?!“

„Wenn, dann hat Rafael das heute Nacht formschön gezeichnet,“ konnte Olli sich eher vorstellen, wobei er seine Vorstellung mit einem frechen Grinsen in die Richtung des spanischen Stewards schickte. Dieser wiederum zögerte noch einen Augenblick und spannte dadurch seine Freunde auf die Folter, bevor er einen ersten Bericht in das kleine Zimmer auf dem unteren Deck schmetterte: „Alles Quatsch! Kein Herz, aber ….. Leute, er ist zurück! Mitten in der Nacht stand Kyan plötzlich in seiner ganzen Pracht vor dem Bett. Er hat oder musste seinen Urlaub abbrechen. So genau habe ich da auch nicht verstanden.“

„Ach du Scheiße! Und dann? Hat er dich etwa rausgeschmissen? Mensch, wo warst du die ganze Nacht?“ realisierte Oliver, dass der komplette Plan mit der Bettenbelegung über den Haufen geworfen wurde, nur weil sich der erste Offizier nicht an das Verabredete hielt, in dem er einfach über Nacht wieder einflog, wobei Olli nun auch wieder das Boot einfiel, dass in der letzten Nacht andockte.

„Ich habe neben ihm gelegen!“ behauptete Rafael, woraufhin die anderen beiden sich mehr als verwundert anschauten, ehe der Aushilfskoch raushaute: „Du kleiner Schlingel! Hast dich ganz heimlich unter seiner Bettdecke versteckt?!“

„Von wegen! Kyan wollte, dass ich bleibe! Von Rauswurf keine Spur!“ schaffte Rafael die News an diesem Morgen komplett in eine Bahn zu lenken, in der keiner der Anwesenden nur ansatzweise gedacht hätte. „Zugegeben, wow! Das ist schon eine Nummer! Und?“ fand Olli zuerst knappe Worte, woraufhin der Spanier nachhakte: „Und was?“

„Na, was glaubst du wohl, was Olli jetzt von dir wissen will?! Ich übrigens auch! Obwohl, ganz so ins Detail brauchst du nicht zu gehen. Also, wir hören!“ verlangte Emilio, auch in Ollis Namen, die Wahrheit, denn dass jemand aus ihrer kleinen vertrauten Clique ausgerechnet eine, sicherlich begehrte Führungskraft des Schiffes aufs Kreuz gelegt hatte, schuf schon eine gewisse Brisanz, die an Bord sicherlich nicht lange unentdeckt bliebe und für zahlreich Gesprächsstoff sorgen würde.
Chapter 21 by Ricki
Ahoi! ( Teil 21 )


„Es ist nichts gelaufen, falls ihr das wissen wollt?! Kyan ist ja sofort eingeschlafen, als er sich aufs Bett gelegt hatte,“ verriet Rafael, wobei erneute verwirrte Blicke zwischen Olli und Emilio durch die Kajüte sausten.

„Alle Achtung, Rafael! Da hast du ja einen echten Volltreffer gelandet. Ein bisschen mehr Speed hätte ich unserem ersten Offi schon zugetraut. Allerdings frage ich mich gerade, ob das eher für oder gegen dich spricht?!“ konnte Emilio seine Meinung nicht hinterm Berg halten, was Olli so allerdings nicht stehen lassen konnte und die Mitschuld von Rafael abzog: „Manche Typen ticken eben anders. Die wissen gar nicht, was ihnen entgeht.“

„Aber ich hatte zumindest dadurch die ganze Nacht die Möglichkeit ihn zu beobachten. Ich konnte mich kaum rühren, traute mich fast nicht zu atmen, aber der Anblick, mit allem, was mir geboten wurde, war es mir wert,“ lieferte Rafael trotzdem heiße Infos aus Baxters Kabine und geriet dabei immer mehr ins Schwärmen: „Seine leicht gepflegt behaarte Brust hob sich bei jedem Atemzug. Süß ist auch, wenn sich seine Nase manchmal leicht rümpft. Aber der Hammer ist Kyans Sixpack. Was würden andere Kerle dafür geben, so einen Waschbrettbauch vorzeigen zu können?!“

„Tja, wer hat der hat! Liegt wohl an den Genen!“ musste Emilio mit geringem Neid anerkennen, woraufhin sich plötzlich eine vierte Stimme in das nicht zu überhörbare Gespräch einschaltete: „Wenn man alles gibt, kann man sich so ein Sixpack auch antrainieren!“

„Oh, da ist jemand wach geworden?!“ realisierte nicht nur Olli, denn alle Augenpaare wanderten nun zu dem unteren Etagenbett, wo Christian sich ab jetzt dem neuen Tag stellte, obwohl er in den letzten Minuten während seiner Aufwachphase schon viele Fetzen dieses Gespräches mitverfolgte, auch, wenn der Inhalt ihn nicht unbedingt vollkommen interessierte. Auf Ollis letzte Feststellung ging er jedoch umgehend ein: „Ist ja kein Wunder! Ihr schnattert wie die Hühner. Und ich dachte, ich wäre im Urlaub?!“

„Entweder gackern oder Enten! Du musst dich schon entscheiden,“ nahm Emilio vorwitzig Bezug auf Christians Behauptung, der sich halbschlafend den Zusammenhang nochmal verinnerlichte, dann aber anders zurück schlug: „Im Übrigen würde ein bisschen Fitness euch drei Clowns auch ganz gut tun!“

„Sprach der Fachmann?!“ warf der südamerikanische Aushilfskoch den Ball zurück und wollte dann den Herrn im Bett aus der Reserve locken, indem er Oliver einen Arm um dessen Schulter legte und ihn so vor das Bett zerrte, wo Christian und der grünäugige Steward sich nicht ausweichen konnten, während Emilio aufs Ganze ging: „Schauen wir zum Beispiel auf unseren tollen Olli hier! Was hast du an ihn auszusetzen?“

Christian verzögerte seine direkte Antwort, wodurch die Neugier der anderen nur verstärkt wurde, doch ein Ausweichen schien in diesem Moment wohl nicht möglich, darum versuchte der Boxer und sportlich engagierte Mann es so zu umschreiben: „Auch wenn man gut aussieht, muss man ja nicht aufhören, auch weiterhin in Form zu bleiben. Jeder wird für sich wissen, was für einen selbst besonders gut ist und was einem gut tut. Der eine steht eben auf Waschbrettbäuche, andere auf dicke Pakete Muskeln, andere wiederum wollen vielleicht einfach nur fit sein und sich wohl fühlen. Tja, und wenn man dann noch Top dabei aussieht, liefert Sport auch eben einen optimalen Nebeneffekt!“

„Verkauft uns der Fitness – Couch gleich ein Jahres – Abo für die Folterbänke?“ scherzte Rafael auf diese Ansprache, wobei Olli das für sich positiv erwähnte rauszog. Christian entzog sich dann Olivers Blick, warf die Bettdecke an die Seite und sprang aus der Koje: „Ihr kommt schon ohne mich klar. Außerdem will ich jetzt erstmal ein ausgewogenes Frühstück genießen. Wo kann ich denn hier duschen?“

„Ach du heilige Scheiße! Schon so spät? Ich müsste längst die Käseplatten garniert haben,“ wurde nun Emilio bewusst, dass er voll über der Zeit ist, was auch bei den beiden Stewards zu einer gewissen Hektik führte, denn noch eine andere Aufgabe musste gelöst werden, die Charlies Neffe ansprach: „Und was ist mit den Marokkanern? Die Zwei müssen auch noch aus der Kabine, bevor die Putzkolonne durchwischt.“

„Ich kann mich da jetzt echt nicht drum kümmern. Macht ihr das bitte!“ forderte Emilio seine Freunde und Kollegen auf, da sie Timo ja zugesichert hatten, sich um den Aufenthalt und die Verpflegung der blinden Passagiere zu bemühen. „Na toll!“ musste Olli sich geschlagen geben, der jetzt eigentlich auch erstmal gerne duschen gegangen wäre. Rafael wollte aber wieder Ruhe in den Tagesablauf bringen und stellte sich der Aufgabe: „Ich mache das! Ich geh rauf und verstecke die Jungs im Schacht. Wenn die Reinigungskräfte durch sind, bringe ich sie zurück zur Kabine und versorge sie mit Frühstück. Wenn wir im Hafen anlegen, müssen wir aber unbedingt durch sein. Kyan hat mich zum Wachdienst eingeteilt. Eventuell muss einer von euch die Rückführung in die Kabine übernehmen. Ja, und Christian kommt jetzt am besten mit. Er kann gleich zwischendurch in seiner Kabine duschen!“

„Zwischendurch?! Okay, ich sage ja schon nichts mehr,“ gab der Pferdewirt sich den Umständen geschlagen, woraufhin er sich seine Sachen in der engen Kajüte zusammensuchte. „Ich weiß das von dir sehr zu schätzen, glaube mir! Und die beiden Jungs wissen das auch,“ brachte Olli Christian entgegen, da ihm bewusst ist, wie sehr sie alle Christians Gutmütigkeit mit in die Zwecke einbanden. Auch wenn Christian diese Umstände gewissermaßen ja von sich aus mittrug, fühlte es sich aber für ihn gut an, dass ausgerechnet Oliver ihm diese anerkennenden Worte überbrachte. Doch viel Zeit zu antworten oder das Ganze sacken zu lassen blieb nicht, denn Rafael haute dazwischen: „Klar wissen wir das! Aber komm jetzt bitte, Christian! Uns läuft die Zeit davon. Olli und ich müssen auch gleich zum Dienst.“

„Wer weiß? Wenn sie uns erwischen, fliegt sowieso alles auf und euer Dienst hat sich erledigt. Ich sehe mich schon mit euch Kaspern in einer Viererzelle landen. Ein Alptraum!“ gab Christian seine Bedenken preis, von denen die anderen aber anscheinend nichts hören wollten. „Ach, ich stelle mir das ganz lustig vor,“ ließ Olli grinsend durchklingen, der dem Boxer dann noch dessen Shirt reichte und dabei seine Augen nicht vom nackten Oberkörper des Mannes vor ihm lassen konnte, sich aber dennoch zusammenriss, um das vorgegebene Marschtempo beizubehalten: „Aber jetzt ab durch die Mitte!“

„Kann ich mir zumindest noch mein Shirt überziehen, oder soll ich halbnackt über die Gänge flitzen?“ brachte der Mann, der sich nach einer Dusche und auf ein herzhaftes Frühstück freute, einen sichtbaren Einwand ein, den Rafael aber als absurd abtat und dabei von der geöffneten Tür Olli ein Augenzwinkern zuwarf: „Es gibt bestimmt Leute, die nichts dagegen hätten. Und verstecken brauchst du dich ja nun wirklich nicht. Also los jetzt, Amigo! Die Luft ist rein!“
Chapter 22 by Ricki
Ahoi! ( Teil 22 )


„Graf Lahnstein, wollen sie mich für dumm verkaufen? Wir sind schon fast 24 Stunden auf diesem Schiff, und sie sind mir immer noch etwas schuldig. Geben sie doch zu, dass sie nicht in der Lage sind mir das Diadem zu liefern! Dann können wir alles weitere abkürzen,“ zischte Tessa nach dem Frühstück in Ansgars Richtung, als dieser aus er Kapitäns – Lounge wieder auf den Weg zu seiner Suite gehen wollte und während des Schlenderns sein Smartphone auf wichtige Mails und Geschäftsdaten prüfte. Genervt steckte der Graf aus Düsseldorf sein Handy in seine Anzugstasche und donnerte gleich los, wobei er möglichst darauf achtete, dass er mit dieser penetranten Frau nicht gesehen wurde: „Mein Gott nochmal! Wie oft noch? Das blöde glitzernde Ding ist auf dem Schiff, aber ich muss eben noch rausfinden, wo es sich genau befindet.“

„Soll ich ihnen etwa noch beim Suchen helfen? Hören sie, Lahnstein! Auf derartige durchsichtigen Versteckspielchen lasse ich mich wirklich nicht ein,“ trat die Gräfin, die fast ganzjährig in ihrem prachtvollen Domizil in Monaco verweilte, aber dennoch mit ihrer Familie das geräumige Schloss in der deutschen Eifel aufrecht erhielt, nach. „Mein Zwischenhändler konnte nicht direkt aufs Schiff kommen und musste daher aus taktischen Gründen das edle Schmuckstück an Bord schmuggeln. Laut seinen Angaben sollte sich das Diadem in einem der Schrankkoffer von Ligne Clarisse befinden, aber dort ist es nicht mehr. Irgendjemand muss vor mir da gewesen sein. Aber ich finde schon heraus, wer mich hintergeht,“ versuchte Ansgar mit einer fast ehrlichen Erklärung Beruhigung in diese Angelegenheit zu bekommen, doch das schien mit Tessa von Tannheim nicht möglich zu sein, wie sie umgehend bewies, wobei sie ihr Handy aus ihrer vergoldeten Handtasche zog: „Ich gehe ja eher davon aus, dass ihr Dealer sie versetzt hat. Oder sie pokern wirklich, um das Diadem eventuell noch gewinnbringender anzulegen?! Aber ohne mich. Sie kennen den Preis. Was soll’s? ich wollte später sowieso noch mit meinem Mann telefonieren.“

„Ach, wollen sie ihm etwa berichteten, dass sie ihrem ehemaligen tüchtigen Callboy an die Wäsche wollen?“ gab Ansgar sich Mühe den Spieß umzudrehen, wobei er schon sein siegreiches Grinsen aus dem Halfter zog und zum Durchladen bereit schien. „Ganz billig, Lahnstein, ganz billig!“ konterte jedoch die Gräfin von Tannheim, die ihren durchdringenden Blick Ansgar direkt zur Strafe in dessen Augen schoss, ehe sie davon stolzierte.

„Mist, ich muss das bescheuerte Ding finden. Die Alte macht ernst,“ erkannte der Graf von Schloss Königsbrunn, woraufhin Clarissa von Anstetten, die diese kleine anrührende Szene aus der Nähe beobachtet und belauscht hatte, nun direkt auftrumpfte: „Probleme, Lahnstein?“

„Ach herrje, sie auch noch?! Drüben im Casablanca – Zimmer werden heute Rheuma – Decken verkauft. Wäre das nichts für sie?“ ließ Ansgar durchblicken, dass er keine großartige Lust verspürte, sich auch noch mit Clarissa rumzuärgern. Die Mode – Ikone interessierte jedoch schon, was sich da so auf den Bühnen und Nebenschauplätzen abspielte, was für sie letztendlich nützlich sein könnte: „Im Gegensatz zu ihnen kann ich mir bald noch welche leisten. Muss schrecklich sein, arm zu sein. Soll ja nicht gut aussehen um die Lahnstein – Bank. Ob ihnen da ausgerechnet die liebenswürdige Gattin eines Baulöwen, der viele Einlagen auf ihren Konten geparkt hat, weiterhelfen kann? Ich stelle mir gerade vor, einige Millionen fließen plötzlich in eine ganz andere Richtung. Naja, notfalls können sie ja noch das Schloss verkaufen oder diese billige Modeklitsche von unserer herzensguten Tanja. Einen angenehmen Tag noch, Graf Lahnstein!“

„Hast du dir denn jetzt die Fingernägel neu machen lassen?“ erkundigte Olli sich, als er nach seiner Frühstücksschicht im sportlichen Dress in einen der Fahrstühle stieg, in dem seine Cousine Olivia ihm blind folgte. „Natürlich, oder glaubst du wirklich, ich stolziere wie eine gerupfte Henne übers Deck?!“ antwortete Olivia in ihrem gewohnten angefressenen Ton, woraufhin sie Olli stolz ihre zehn frisch renovierten Finger präsentierte. „Siehst du?! Ist doch perfekt geworden. Ich sag’s ja! Auf diesem Schiff werden Wünsche wahr! Okay, vielleicht nicht alle!“ revidierte Oliver nach anfänglicher Euphorie seine Meinung, ehe er dann auf dem Fahrstuhlknopf die Wunschetage wählte.


„Wo willst du überhaupt hin?“ konnte Charlies Nichte sich noch keinen so richtigen Reim von Ollis Freizeitgestaltung machen. Doch der Steward klärte sie umgehend auf, da ihn Christians Anspielungen doch schon beeinflusst und zu denken gegeben haben: „Fitnessstudio! Was sonst? Ich muss echt mal wieder was für mich tun!“

„Wegen deinen Christian?“ ahnte die selbsternannte Schönheitskönigin bereits. Ein Blick in Ollis glänzenden Augen bestätigten ihren Verdacht. Noch während sich die Tür des Fahrstuhls öffnete, wollte Oliver jedoch doch noch die Vermutung seiner Cousine zertrümmern: „Er ist nicht mein Christian!“

„Aber du hättest gerne, dass dieser verstrahlte Honk dein Christian ist?!“ stichelte Miss Olivia weiter, während Olli direkten Kurs auf die Tür des Fitnessstudios nahm, in dem er heute gleich zum Start ordentlich Gas geben wollte. Aus einem Regal im Eingangsbereich schnappte der angehende Sportler sich ein frisches Handtuch, drehte sich daraufhin jedoch zu seiner Cousine um, denn ein Rüffel an dieser Stelle ist längst überfällig: „Rede nicht so über ihn! Du kennst ihn ja gar nicht!“

„Besser als du denkst!“ korrigierte die junge Frau den ungläubigen Mann, der eigentlich fast wie ein Bruder für sie ist, ehe sie sich ein schelmisches Grinsen nicht verkneifen konnte: „Ach sieh mal einer an! Wenn das kein Zufall ist?! Habt ihr schon ein Date beim Sport?“


Irritiert, aber dann doch neugierig, wenn auch mit einem höher werdenden Pulsschlag drehte Olli sich langsam um und entdeckte dann gleich, was seine Cousine schon vor ihm erspähte. Christian stand oder besser gesagt lief auf einem der Laufbänder, wobei er sein Training in einem relativ gemütlichen Tempo absolvierte. Schnell wurde Olli deutlich gemacht, dass Christian ihn auch längst ankommen sah, denn ein zartes Lächeln flog vom Laufband direkt in Ollis Herz, was ihm allerdings nun dazu verleitete, schnell einen Weg zu suchen, um die lästige Verwandtschaft loszuwerden: „Olivia, wolltest du dir nicht einen potenten Ersatz für den fehlgeschlagenen ersten Offizier suchen? Auf dem Sonnendeck habe ich vorhin etwas Vergleichbares und Leckeres gesichtet. Ich an deiner Stelle würde mich beeilen.“

„Von deinen katastrophalen Kupplungsversuchen bin ich geheilt. Außerdem wird es hier doch gerade interessant,“ ließ Olivia sich nicht wegschicken und nahm daraufhin direkten Kurs auf den sportlich aktiven Christian: „Wow, alle Achtung! Da ist Ollis Mama in Meppen ja schneller unterwegs. Ist das alles, was du so drauf hast?“

Der Läufer behielt sein Tempo und Laufstil bei, versuchte sich nicht provozieren zu lassen, während nun auch Olli dazu stieß und für Deeskalation sorgen wollte: „Hallo Christian! Ignoriere sie am besten. Okay, womit fange ich denn jetzt an?“

„Erstmal Cardio! Gehe langsam an die Sache ran!“ empfahl der Sporterfahrende auf dem Laufband, wobei er mit seinem Kopf auf einen der Fahrräder zeigte, während er sich freute, dass Olli seine Worte von heute Morgen doch Gewicht beimaß. Noch bevor Oliver sich zu den Aufwärmgeräten begeben konnte, musste er allerdings miterleben, wie Olivia mal wieder vor Christian eine Show vom feinsten hinlegte: „Olli macht doch schon die ganze Zeit langsam. Sonst würdest du hier bestimmt nicht im Schneckentempo auf dem Kassenband rumlaufen, sondern …. Aber okay, eure Sache! Mich würde aber trotzdem interessieren, wie es sich für dich anfühlt, wenn du ausnahmsweise kein Mineralwasser über die Hose gegossen bekommst? Oder wartest du schon bereits darauf, dass Olli dich wieder nass macht?“
Chapter 23 by Ricki
Ahoi! ( Teil 23 )


„Nein, das hat sie jetzt nicht wirklich gesagt?!“ hoffte Olli leise für sich, der ganz kurz in Christians Gesicht starrte und dort jeden Buchstaben dessen Ungläubigkeit ablesen konnte, bevor Olli Olivia am Arm zerrte, sie unsanft umdrehte und zwei Meter mitschliff: „Olivia, hast du sie nicht mehr alle? Sind bei dir alle Sicherungen durchgebrannt? Was soll das?“

Doch noch bevor Olivia den Hauch einer Möglichkeit zur Verteidigung liefern konnte, stand plötzlich Christian, der sein Training abbrach und sich nun mit einem Handtuch den Schweiß aus seinem Gesicht wischte, hinter den Zweien: „Geht’s noch billiger? Olli, was gibst du dich überhaupt mit so einer ab?“

„Ach ist das süß! Unser Provinz - Cowboy möchte, dass du den Umgang mit deiner Cousine unterlässt?!“ erkannte Olivia sofort, an welcher Stelle sie neue Kohlen ins glühende Feuer werfen konnte. „Ihr Zwei? Du bist seine Cousine?“ klang es aus Christians Mund fast so, als hätte er plötzlich erfahren, dass es den Weihnachtsmann gar nicht gibt. Olli hingegen blieb über diese ganze ausschweifende Situation sprachlos, aber dafür hämmerte seine Cousine weiter munter rauf los: „Schnelle Auffassungsgabe! Applaus, Applaus! Tja, so sieht es aus, Chrissy – Boy! Olli ist mein Cousin und Charlie somit unsere Tante. So klein ist die Welt, was? Aber mit kleinen Welten kennst du dich ja bestens aus!“

„Und das erfahre ich so ganz nebenbei?“ ging dieses Mal Christians Vorwurf in Ollis Ressort, was allerdings dazu führte, dass die brüllende Löwin Olivia mit ihren Krallen das ganze Rudel verteidigte: „Olli, ich wusste gar nicht, dass du diesem Hinterwäldler schon Rechenschaft ablegen musst?! Seid ihr etwas schon verheiratet?“

„Olli muss mir gar nichts ablegen!“ stellte Christian klar, woraufhin er sich sein Handtuch über die Schulter schmiss und im Begriff zu gehen schien. In diesem Moment versuchte Oliver noch zu retten, was zu retten ist: „Olivia, ich atme jetzt einmal tief durch und dann hat sich dieser unglaubliche Spuk hier erledigt!“

„Für mich jetzt schon! Ich bin fertig mit dem Training!“ meinte Christian, wodurch Olli realisierte, dass jetzt all seine Fälle davon schwimmen könnten. Darum startete er noch einen weiteren Rettungsversuch: „Ähm Christian, ich dachte, du könntest mir ein paar gute Tipps geben. Schließlich hast du doch sportlich einiges mehr drauf. Bitte!“

„Solange sie da um dich rumschwirrt, musst du auf mich verzichten!“ gab Christian mehr als deutlich zu verstehen, ehe er Olli einen letzten gezielten vielsagenden aber wiederum auch unverständlichen Blick zuwarf, ehe er das Handtuch mit Nachdruck in einen der Körbe warf und durch die Tür verschwand. Olli sah ihm noch genau bis zur Tür schmachtend, sowie mit einem beängstigenden Gefühl hinterher, ehe er zu seiner Cousine starrte, die nachdenklich ihre Fingernägel begutachtete: „Vielen Dank, Olivia! Du warst mir eine sehr große Hilfe!“

„Mist, im Hafen läuft Polizei Patrouille. Hoffentlich kommen die nicht an Bord?!“ hoffte Timo, der bereits aus der Ferne mit einem Fernglas in den marokkanischen Hafen, den die MS Moania in Kürze anlaufen wird, hineinschaute. „Die kommen nicht aufs Schiff. Zumindest durchsuchen die nicht alle Kabinen. Dann würden wir in drei Tagen hier immer noch liegen. Es wird nur kontrolliert, wer aufs Schiff geht. Reine Routine!“ beruhigte Rafael den blonden Jungen, bevor er verkündete: „Achtung, deine Oma ist im Anmarsch! Wir haben alles soweit unter Kontrolle. Emilio führt die beiden gerade zurück in die Kabine und versorgt die Jungs mit Essen. Bleib entspannt, okay?“

„Ach hier steckst du? Ich habe dich schon gesucht!“ ließ Clarissa von Anstetten ihren Enkel wissen, als sie sich zu ihm an die Reling stellte. „Warum? Gibt es etwas Besonderes, Clarissa? Ich wollte nämlich gerne zusehen, wie das Schiff in Agadir anlegt!“ antwortete Timo mit Gegenfragen und Ausreden, wobei er hoffte, dass er seine Großmutter bald wieder abschütteln konnte. „Na wie schon?! Das Schiff fährt an die Kaimauer, der Anker wird geworfen und Taue gespannt. Das kann man sich doch wohl denken. Dafür brauchst du dir nun wirklich nicht die kostbare Zeit verplempern. Komm, mein Junge, wir laufen ein Stückchen und reden nochmal über den gestrigen Tag,“ erhoffte Clarissa sich wertvolle Informationen von Julias Sohn zu ergattern, die ihr helfen könnten, das Diadem, von dem sie erst bei den Gespräch zwischen Ansgar von Lahnstein und Tessa von Tannheim Wind bekommen hatte, vor dem gewieften Geschäftsmann von Schloss Königsbrunn zu finden. Denn sie wusste ja, dass auch Timo Zugang zu den Koffern hatte, und irgendwo muss dieses wertvolle Schmuckstück ja versteckt sein.

„Verstehe ich nicht! Was gibt es über gestern zu reden?“ konnte Timo Clarissas Absichten nicht ganz verfolgen, da er eigentlich schwer damit gerechnet hatte, dass sie ihn wieder mit irgendwelchen Logistik - Aufgaben für Ligne Clarisse beauftragen würde, wofür er nun überhaupt keine Zeit zur Verfügung stellen konnte, da der momentane Aufenthalt in dem Nord – Westafrikanischen Hafen Gefahren für seine eigenen Unternehmungen darstellen könnte. Clarissa ließ jedoch nicht locker und blieb krampfhaft an Timos Seite: „Zum Beispiel die Schrankkoffer im Lager. Du hast also genau beobachtet, wie sie vom Hotel aufs Schiff gebracht wurden?“

„Ich habe sie für keinen Moment aus den Augen gelassen.,“ bestätigte Timo und hoffte nun Ruhe zu haben, doch die Befragung ging munter weiter: „Wie kann es dann sein, dass zwei Koffer nicht mehr verplombt waren?“

„Das ist doch Unsinn, Oma! Natürlich waren sie versiegelt. Selbst als ich gestern nochmal im Lagerraum gewesen bin. Alles war perfekt gesichert,“ log der blonde Junge, damit jetzt nichts aufflog. Dafür bemühte er sich möglichst, eine rote Farbe im Gesicht verhindern. „Wenn dem so sei, dann hätten ja die Plomben irgendwo im Lager liegen müssen?! Zwei Koffer waren gestern definitiv auf. Ich will es jetzt wissen: Was war in den Koffern oder was ist da jetzt raus?“ verschärfte die Chefin von Ligne Clarisse ihren Ton, um der Wahrheit auf die Spur zu kommen.

„Ich weiß echt nicht, was du von mir willst?! Ich muss jetzt auch los. Ricardo wollte noch ….,“ sah Timo jetzt endgültig den Zeitpunkt für sich gekommen, sich aus dem Dilemma zu ziehen. „Willst du nicht zuschauen? Das Schiff legt gleich an,“ schoss Clarissa abermals dazwischen, als dann noch zusätzlich Timos Handy klingelte.

Der junge Mann entfernte sich ein Stück und versuchte möglichst leise zu sprechen: „Emilio, was gibt’s? - - - - - Bist du dir da sicher? - - - - - Mann, das hat uns noch gefehlt. - - - - - Okay, wir treffen uns am besten in 15 Minuten vor der Praxis meines Vaters. Vorher muss ich meine Oma loswerden. Die ist mir auf den Fersen. - - - - - Ja, ich beeile mich!“
Chapter 24 by Ricki
Ahoi! ( Teil 24 )


„Noch sauer?“ näherte Olivia, die sich inzwischen mit einem Frucht – Cocktail versorgte, Olli an, der mit aller Kraft an den Hebeln einer Rudermaschine zerrte, um neben seiner Fitness, die er unter Beweis stellen wollte, auch sein Ventil entlud, dass momentan mit Wut und Enttäuschung überlief. Oliver reagierte nicht, gab stattdessen noch mehr Gas, woraufhin seine Cousine ihren Strohhalm aus ihren Mund zog und einen sportlichen Tipp erteilte: „Du musst deine Knie noch mehr anziehen. Das ist gut für den Po! Deinem Christian wird’s bestimmt gefallen!“

„Olivia, bitte! Du glaubst echt, Christian interessiert sich für meinen Po?“ meinte Olli es besser zu wissen und konnte über Olivias naive Bemerkung nur den Kopf schütteln. „Warum opferst du dich sonst so für ihn auf?“ konnte Olivia Olivers übertriebenen sportlichen Ehrgeiz nichts abgewinnen, ehe sie noch nachsetzte: „Ach Mensch, Olli! Vergiss ihn am besten! Der Kerl guckt höchstens seinen langweiligen zotteligen Stuten auf den behaarten Hintern!“

„Häh?“ schossen tausende Fragezeichen in Ollis Augen, der nun auch noch abrupt das schweißtreibende Training für einen Moment aussetzte. Jetzt kam Olivias Stunde, um Aufklärungsarbeit zu leisten, die anscheinend nötig ist: „Du weißt echt nichts von diesem Landei, bist aber bereit mit ihm bis ans Ende der Welt zu gehen?! Christian ist Pferdepfleger oder wie sich das schimpft. Er arbeitet auf Schloss Königsbrunn bei Düsseldorf. Stell dir vor, früher hat dieser Prolet sogar geboxt. Naja, weit hat es der Teilzeit – Klitschko mit seiner Karriere nicht geschafft. Jetzt mistet er die Pferdeboxen auf dem Gestüt aus und verteilt Möhrchen an seine wiehernden Vierbeiner.“

„Ja und? Pferdewirt ist doch ein ehrenwerter Beruf, den man auch schwer erlernen muss. Kann ja nicht jeder Anwalt, Arzt oder erster Offizier werden,“ nahm Olli sofort die Verteidigung für den Abwesenden auf. „Oder Maurer, so wie Andi Fritsche, Christians bester Kumpel. Das ist noch eine größere Flachpfeife,“ servierte die dunkelhaarige junge Frau hinterher, ohne zu ahnen, über wen sie mit wem gerade lästerte.

„Christian und Andi sind Kumpels? Du meinst, die Zwei kennen sich?“ nahm das Wort Zufall bei Olli gerade eine ganz neue Bedeutung auf. „Moment! Und du kennst den Fritsche? Oder wie soll ich das jetzt verstehen?“ schaltete Olivia ziemlich schnell, ehe sie sich einen erneuten Schluck ihres Cocktails erst durch den Strohhalm und dann durch ihre Kehle fließen ließ. „Du weißt doch, dass ich vor etlichen Jahren schon mal in Düsseldorf war. Andi und ich haben uns immer super verstanden,“ verriet Olli einen Teil aus seiner Vergangenheit, bevor er zur See gefahren war, woraufhin seine Cousine zusammenfasste: „Und jetzt baggerst du Fritsches besten und einzigen Kumpel an? Na, wie das wohl in der ehrenwerten WG über dem No Limits ankommt?“

„Nochmal zum Mitschreiben! Ich baggere nicht! Und außerdem, Andi hatte nie ein Problem mit mir,“ stellte Olli klar, der nun seine Rudermaschine wieder zum Einsatz brachte. Dabei musste er allerdings weiterhin Olivias Kommentare über sich ergehen lassen: „Ich freue mich jedenfalls schon auf Fritsches Gesicht. Und was das Baggern angeht. Mit deinen kleinen Backförmchen kommst du auch nicht weit. Du musst mal richtig ran gehen, Olli! Chrissy – Boy hat doch eine Kabine mit großem Doppelbett nur für sich allein. Rein da, und zeig ihm, wer Olli ist! Aber beschwere dich hinterher nicht bei mir, dass er dein absoluter Reinfall des Jahrhunderts ist.“

„Schon etwas Auffälliges entdeckt?“ erkundigte Kyan Baxter sich bei Rafael, der am gewohnten Aussichtspunkt am Deck pflichtbewusst seinen Wachdienst erfüllte und die Kontrolle über das Hafengebiet behielt, obwohl er sich wirklich sinnvolleres vorstellen konnte. „Die marokkanische Polizei regelt die Sache auf ihre Weise. Die armen Seelen trauen sich nicht an Bord,“ gab der Steward seine Sicht wieder, während er nicht anders konnte, als einen Blick auf den Mann neben ihn zu riskieren. „Wir müssen trotzdem wachsam sein,“ sagte der Offizier, der seinen Blick jedoch fest nach vorne richtete. Rafael tat dieses vorsichtshalber auch wieder, bis er plötzlich von Baxter hörte: „Ich habe übrigens auch ein Auge auf dich, Velasquez!“

„Auf mich?“ glaubte Rafael sich verhört zu haben, dessen Herz nun noch schneller raste. Wieder schaute er nach rechts, traf dieses Mal dort auch Kyans stahlblaue Augen an. Der schöne Mann in seiner brillanten weißen Uniform wartete noch einen Moment, ehe er dann Klartext sprach: „Ich bekomme alles mit! Auch, was deine Kollegen Sanchez und Sabel so treiben. Also seid ein bisschen vorsichtiger!“

„Wobei?“ fühlte der Spanier sich ertappt und hoffte, dass jetzt nicht alles zusammenbrach, denn immerhin musste er ja einige Leute, inklusive Olli und Emilio, auf diesem Schiff beschützen. Gespannt, wohl mehr zerreißend, wartete Rafael auf die Antwort des ranghohen Offiziers, der wieder nach vorne starrte und antwortete: „Gutgemeinter Rat von mir! Ich kann nicht immer wegsehen.“

„Okay, ab jetzt werden wir wieder brave Engel sein, versprochen, Herr Baxter!“ hoffte Rafael auf weitere Begnadigung, wobei ihm bewusst wurde, dass sein ersehnter Schwarm ihm wohl schon länger den Rücken frei hielt, was allerdings nicht bis zum Äußersten provoziert werden sollte.

„Kyan! Okay? Für dich mache ich eine Ausnahme. Schließlich haben wir zusammen die letzte Nacht verbracht,“ drangen weitere fremde Töne in die Ohren des jungen Mannes von Mallorca. Rafael verspürte nun auf einmal Übermut und wollte ein bisschen austesten, wie weit er gehen könnte: „Allerdings! Und du musst zugeben, Kyan, dass ich mich in dieser Nacht schon als braver Engel bewiesen habe!“

„Bleibt die Frage, wo der Engel hinfliegt, wenn es heute Nacht wieder dunkel wird?!“ ließ Baxter unerwartet vom Stapel, was Rafaels Gefühlswelt förmlich zur Explosion brachte, doch er musste sich zusammenreißen, denn ein Kollege von der Brücke näherte sich: „Offizier Baxter, Kapitän Hansen erwartet sie oben!“

„Ich bin sofort da! Also, weiterhin die Augen offen halten, Rafael,“ parierte der Mann, der zur Crew - Leitung gehörte, ließ Rafael bei seiner Anweisung jedoch durch seinen Blick wissen, dass seine Einladung durchaus ernst gemeint ist. Rafael konnte nicht anders, als dem Mann und dessen Botenbegleitung hinterherzuschauen, bevor er sich wieder über die Reling beugte und dabei nicht wusste, wie er diese ungewohnte, wenn auch schon so oft gewünschte Situation einordnen sollte: „Ich glaub’s nicht! Hat er mich eben wirklich echt …. ? Wow! Ich sollte mir Flügel wachsen lassen!“
Chapter 25 by Ricki
Ahoi! ( Teil 25 )


„Bist du dir sicher, dass Yassin Fieber hat?“ fragte Timo vorsichtshalber bei Emilio nach, während er die Tür zur Ricardos Kabine öffnete, vor der er sich mit seinem Unterstützer traf. „Junge, ich stamme aus einer Großfamilie. Ich weiß, wie sich Fieber anfühlt. Aber wir sollten vorsichtshalber ein Thermometer mitnehmen,“ riet der Südamerikaner zur sensiblen Temperaturkontrolle und beobachtete genau, wie der Sohn des Schiffarztes eine Nebentür der Kabine aufschloss, von der man direkten Zugang zu der Krankenstation hat. „Und Medikamente brauchen wir auch! Papa wird bestimmt irgendwo welche haben,“ wirkte Junior Mendes ziemlich sicher, was Emilio allerdings noch toppen konnte: „Und zwar genau dort im Medikamentensafe!“

„Na toll! Verschlossen! Wie sollen wir daran kommen?“ stand Timo die Verzweiflung im Gesicht geschrieben, woraufhin der Aushilfskoch um den Schreibtisch des Doktors sprang und bereits die ersten Schubladen aufzog: „Im Normalfall liegen solche Schlüssel immer in der obersten Lade. Aber dein Papa scheint anders zu ticken. Aber schau mal hier! Tor Zwei führt uns zum Glück.“

Emilio hob ein Fieberthermometer und eine angebrochene Schachtel Schmerztabletten, die auch gegen Fieber helfen sollen, dem blonden Jungen entgegen, der auf mal entsetzt, genau wie auch Emilio, zur Tür starrte, denn davor tat sich etwas, und zwar von außen vom Gang aus. Timo gab seinem Helfer, der näher zur Zwischentür, die zurück in die Kabine führte, stand, ein Kopfzeichen, dass er verschwinden sollte. Blitzschnell reagierte der dunkelhaarige Mann aus Venezuela, denn viel mehr Zeit blieb nicht. Ricardo, der inzwischen durch die Außentür in die Praxis kam, wunderte sich natürlich, dass er seinen Sohn darin vorfand: „Timo, du hier?“

„Ja, Papa ich ….,“ suchte der Junge verzweifelt nach einer Ausrede, wobei er sah, dass Emilio vergessen hatte, die Schubladen wieder zu schließen. „Ich wollte eigentlich gleich an Land. Hast du es dir doch anders überlegt?“ kam Ricardo unerwartet seinem Sohn zur Hilfe, was dieser dann als Sprungbrett benutzen wollte: „Papa, weißt du ….“

„Moment, warum stehen die Schubladen offen? Warst du an meinem Schreibtisch?“ kam für dem Arzt kein anderer Neugieriger in Frage, woraufhin es nun für Timo galt, möglichst die geschickteste Erklärung zu finden. Doch er brauchte keine großen Überlegungen anstellen, denn Clarissa, die längst in der offenen Tür stand, kam ihrem Enkel zur Hilfe: „Ich habe starke Kopfschmerzen. Irgendwie bekommt mir das Klima nicht. Jedenfalls bat ich Timo, mir von dir ein Medikament zu besorgen. Nun stell dich mal nicht so knauserig an. Schließlich bin ich privat versichert!“

„Ihr könnt doch nicht so einfach an die Medikamente gehen,“ haute Ricardo gegen das Vorhaben dieser Verschwörung, woraufhin Timo sein schönstes familiäres Lächeln, das seinen Vater schon des Öfteren besänftigte, aufsetzte und nun glaubte, die Situation retten zu können: „Das ist mir doch auch klar. Darum wollte ich ja so lange auf dich warten, aber da bist du ja nun endlich, Papa! Also Oma hat starke Kopfschmerzen. Was kannst du ihr empfehlen?“

In der Zwischenzeit beobachtete Clarissa auf dem Gang, wie sich Emilio vorsichtig aus der Nachbarkabine, in der Ricardo wohnte, herausschlich: „Aha? Wo will diese kleine Küchenschabe denn hin? Da läuft doch was?!“

„Am besten, ich untersuche deine Großmutter erst mal. Nicht dass ihre Schmerzen ernste Hintergründe haben. Nanu, wo ist sie hin?“ erlebte Ricardo dann einen angeblichen Patienten auf der Flucht, was auch Timo mitbekam. Aber keiner von Beiden ahnte, dass sie heimlich Emilio folgte, der auf den Weg zum Deck C ist.

„Noch exakt fünf Minuten bleibt es still in meiner Wohnung, in meinem Leben. Und heute ist Mittwoch, der Tag, an dem Rosanna immer frische Blumen vom Markt mitbringt, die sie dann in die einzige Vase, die ich besaß, stellte. Ob ich mir noch eine weitere Vase im Internet – Shop bestellen sollte? Ach, wozu? Die Edelstahlvase reicht völlig aus, in der Rosanna ihre farbigen Flecken in meine Wohnung, in meinem Leben, hineinstellen kann. Wonach sie dieses Mal wohl duften werden? Für mich braucht sie es nicht tun, aber gut, wenn es ihr gefällt?! Ich lasse sie. Ein erneuter Blick zur Uhr. Die Sekunden verlaufen heute wieder langsamer als sonst. Wer bremst die Zeit aus? Die Stille wird pünktlich vorbei sein, nicht eine Minute früher. Überraschungen habe ich dadurch ausgeschlossen. Alles andere könnte mich aus meinem Lebenskonzept reißen. Gefährlich, wenn der Takt sich verändert. Ich behalte lieber alles im Griff, dann kann mir nichts passieren. Noch eine Minute und zwölf Sekunden!“

„Hey!“ wurde Christian plötzlich von Ollis Stimme überrascht, als der junge Boxer auf dem unteren Etagenbett bäuchlings lag und sich in die Zeilen eines Buches vertiefte. Ertappt oder doch eher überrascht schaute Christian zur Tür, in der wie aus dem Nichts der junge Steward mit den mitreißenden grünen Augen, aufgetaucht ist, der es auch noch verstand im richtigen Augenblick ein charmantes Lächeln parat zu haben. „Hey!“ gab Christian begrüßend zurück, und schlug dann das Buch zu, dass er vor sich ablegte.

„Du bist in die Welt von George und Rosanna abgetaucht?“ stellte Olli erfreut fest, während er aus seinem Spind das Duschgel holte, mit dem er sich nach dem Sport erst mal wieder auf Vordermann bringen wollte. „Mir war langweilig und eure Zimmerbibliothek ist ja eher begrenzt. Das Buch über europäische Königshäuser wollte ich mir ersparen,“ antwortete der gelernte Pferdewirt, wobei er überlegte, ob er nun vom Bett aufstehen, um das Buch wieder an seinen Platz auf das kleine Regal zu stellen, oder doch noch liegen bleiben sollte.

„Du kannst das Buch gerne weiterlesen. Ich kenne es ja in – uns auswendig. Außerdem habe ich bestimmt noch einige Jahre einsame Momente auf See, wo ich wieder einsteigen kann,“ bot Olli seinen privaten Verleih - Service an, ehe er sich das durchgeschwitzte Shirt über den Kopf zog.

Christian schaute daraufhin verlegen auf das Buchcover vor ihm, riskierte aber dennoch einen Blick auf den nackten Oberkörper des Zimmerkumpanen, den er hauptsächlich in dessen gutsitzenden Steward - Uniform zu Gesicht bekam. Und dabei musste er für sich zugeben, dass Olli auch in spärliche Bekleidung eine gute Figur machte. Natürlich rein aus sportlicher Sicht, so wie Christian die Feststellungen für sich zurechtlegte. Um möglichst schnell auf andere Gedanken zu kommen, ging der sportlich Interessierte dann auf Olivers letzte Anmerkung ein: „Willst du denn ewig zur See fahren? Hast du nicht auch andere Wünsche?“

„Selbstverständlich habe ich Wünsche. Aber ehrlich gesagt, habe ich noch nicht darüber nachgedacht, von Bord zu gehen. Allerdings ist das Leben ja voller Überraschungen. Wer weiß das schon alles so im Voraus?!“ plauderte Charlies Neffe munter drauf los, bevor er eine neu entdeckte Überraschung ansprach: „Ich wusste übrigens gar nicht, dass du mit Andi befreundet bist?!“

„Wie kommst du auf Andi?“ hakte Christian nach, der nun wieder etwas misstrauischer wurde und schon die noch ungenannte Quelle auf dem Schiff verdächtigte. „Olivia, verstehe!“

„Ich kenne Andi Fritsche aus früheren Zeiten in Düsseldorf. Hat er dir wirklich nie von mir erzählt?“ glaubte Olli nun ein verbindendes Thema gefunden zu haben, wodurch er sich ohne Hintergedanken auf die Bettkante setzte. Der Blick des liegenden Mannes sprach Bände, der sich umgehend undenkbare Bilder ausmalte und daher sich mehr zur Wand bewegte, um eine gewisse Distanz zwischen sich und dem Schiffsangestellten zu bekommen, der immer noch seine nackte Brust zur Schau stellte. Allerdings wusste Christian genau, wie er diese aufkommende Gefahr wieder loswerden konnte, darum verschärfte er ein wenig seinen Ton: „Dafür hat deine tratschende Cousine dir sicherlich umso mehr erzählt?!“
Chapter 26 by Ricki
Ahoi! ( Teil 26 )


„Eigentlich nur, dass du mit Andi Fritsche befreundet bist und mit ihm über eine WG über dem No Limits wohnst. Ach ja, und dass du auf Schloss Königsbrunn auf dem Gestüt arbeitest. Und du hast mal geboxt, stimmt’s?“ ließ Olli sein ganzes Insiderwissen an die Luft, wobei er den jungen gutaussehenden Mann, der immer noch auf der Matratze lag, mit seinem Lächeln abholen wollte. „Herrlich, wie ihr über mich plaudert?! Willst du noch mehr über mich wissen?“ lief Christians Geduldsfaden allmählich dem Ende entgegen, woraufhin der Steward unverblümt nachlegte: „Wenn du es mir erzählst, gerne! Ich bin mir sicher, über dich gibt es noch so einiges zu erfahren!“

Christian reichte es nun endgültig. Ihm wurde es in diesem Bett mit Olli auf der Kante sitzend zu eng. Er musste da irgendwie raus. Mit seinen Füßen zuerst wühlte er sich am hinteren Ende, was eigentlich das Kopfende ist, aus die Koje, stieß sich noch seinen Kopf am Oberbett und ließ in diesem Augenblick seine Tonlage noch energischer ansteigen: „Auah, verdammt!Mann, ich hasse Etagenbetten. Weißt du was, Olli? Frag doch einfach deine Cousine, und lasse mich in Ruhe, kapiert?!“

„Ich würde aber gerne deine Version aus deinem Leben hören! Und dass ich dich wirklich in Ruhe lassen soll, nehme ich dir nicht ganz ab! Aber gut, wenn du nicht mit mir reden willst, lassen wir es. Ich gehe erst mal duschen!“ schoss Olli umgehend zurück, woraufhin Emilio durch die Tür geflogen kam: „Man hört euch bis nach draußen! Alle Achtung! Ihr zofft euch schon wie ein altes Ehepaar! Ihr habt Zukunft, Jungs!“

„Hallo! Darf ich kurz stören?“ fragte Rafael, nachdem er derweil an der Tür zu Kyans Kabine geklopft hatte, welche eigentlich fast immer halb offen stand, wenn Baxter an seinem Schreibtisch saß und wichtige logistische Arbeiten erledigte. So ersparte der erste Offizier des Schiffes sich selber, jedes Mal aufzustehen, um die Tür zu öffnen, wenn einer der vielen Angestellten ein Anliegen verfolgte. Dem arbeitenden Mann gefiel die fragende Stimme, deswegen schaute er auch gleich erfreut zur Tür: „Rafael! Du darfst immer stören. Komm ruhig rein! Du kennst dich ja aus.“

„Danke!“ brachte der Spanier dem charmanten Mann am Schreibtisch entgegen, während er eintrat und sich noch etwas unsicher, aber dennoch vertraut umschaute. „Also? Mein Junge, was hast du auf dem Herzen? Und ich sehe dir an, du hast etwas?“ wurde Baxter umgehend klar, da ihm eine gute Menschenkenntnis nachgesagt wurde. Bei Rafael fiel ihm diese Erkenntnis aber noch leichter, da er den jungen Steward nicht erst seit gestern beobachtete und sich dabei mühsam viele Puzzle – Teile zusammenstrickte. Rafaels Blick fiel inzwischen kurz zu dem Foto dieses Elias, welches an der Pinnwand hing, bevor er sich wieder auf sein wesentliches Anliegen konzentrierte: „Es geht um einen Gast, besser gesagt, um die Tante von Oliver Sabel. Olli hatte sie zu dieser Reise überredet und ihr auch ein Kapitänsdinner versprochen, welches der feinen Dame, die übrigens, ein Nobel – Restaurant in Düsseldorf führt, sehr wichtig ist. Aber wie das so ist ….,“ begann Rafael von dem Planungsproblem zu berichten, mit dem Kyan jetzt eigentlich nicht gerechnet hätte. Aber er ist immer in der Lage spontan zu reagieren, wie auch dieses Mal: „….wenn man nur Flausen im Kopf hat?! Vergessen anzumelden und nun ist alles belegt, nehme ich an?“

„So sieht es aus! Und jetzt steht Olli natürlich blöde da. Ich würde dich ja mit so etwas nicht behelligen, aber können wir ….?“ hoffte der dunkelhaarige Steward, dass Baxter in dessen Position noch etwas ausrichten könnte. Dieser zeigte sich auch sofort bereit, während er einen Block und einen Kugelschreiber zuckte: „Ich kümmere mich höchstpersönlich darum. Dein Kumpel kann sich wieder entspannen. Schreibe hier ihren Namen und die Kabinennummer auf. Kommt noch eine Begleitung dazu?“

„Vermutlich ihre Nichte, also Ollis Cousine. Wow, das ist wirklich super von dir. Danke dir vielmals, Kyan!“ versprühte Rafael seine Anerkennung mit einem mehr als freundlichen Lächeln, das bei Kyan dort ankam, wo es sollte, während der Offizier selbst versuchte, nicht allzu viele Emotionen durchscheinen zu lassen: „Nichts zu danken! Okay, Charlotte und Olivia Schneider, Deck E, Kabinennummer 22 und 24. Ich lasse mir etwas einfallen. Gibt es sonst noch etwas, Rafael?“

„Eigentlich nicht!“ antwortete der hübsche Spanier, der dann aber doch seine Augen zum gegenüberliegenden Bett schweifen lief, was Baxter natürlich ganz genau beobachtete. Doch Rafael zog dann selbst die Notbremse, um eventuellen Missverständnissen aus dem Weg zu gehen: „Ich muss dann auch mal wieder! Aber danke nochmal!“

„Rafael, falls sich dein Schlafproblem nicht gelöst hat, kannst du heute Nacht gerne wieder in dem Bett schlafen. Ich habe sowieso Nachtschicht auf der Brücke,“ bot der Mann aus Irland an, woraufhin Rafael sich während des Hinausgehens in der Tür umdrehte und den Offizier nochmals mit einem dankenden Lächeln belohnte: „Das wäre klasse! Noch eine Sorge weniger!“

„Was für eine wunderschöne Reise! Alle Menschen sind glücklich. Nur ich bin traurig,“ eröffnete Tessa von Tannheim einen erneuten Angriff auf Gregor, den sie in einem Lounge – Bereichs des Foyer antraf, wo dieser sich in bebilderten Prospekten über die verschiedenen Sehenswürdigkeiten der anlaufenden Städte dieser Tour informierte. Dabei brauchte er noch nicht mal zu der Dame aufschauen, ihm reichte schon ihre Stimme: „Bitte Tessa, nicht wieder diese Leier!“

„Ich war gestern Abend wirklich sehr enttäuscht. Früher hättest du dich nicht so geziert!“ dachte die betuchte Gräfin allerdings nicht daran, sich so schnell geschlagen zu geben, denn im Allgemeinen bekam sie das, was sie wollte. Während sie sich auf einen der freien Sessel in dieser Sitzgruppe setzte, legte Gregor das Prospekt an die Seite und klärte die Fronten: „Ich war jung und brauchte das Geld. Heute nicht mehr!“

„Lieber Gregor, du bist dir über die Tragweite deiner Ablehnung mir gegenüber anscheinend nicht bewusst,“ formulierte Tessa ihre Ansage mit einem gewürztem Unterton, den der Prinz von Waldensteyck jedoch völlig anders auslegte: „Ich bin mir darüber bewusst, was ich verliere, wenn ich mich für einen Moment vergesse. Aber ich vergesse mich und auch meine glückliche Familie nicht. Also bitte mache dir keine weiteren Hoffnungen, ja?!“

„Kennst du noch meine allerbeste Freundin Marielle von Felden? Gott hab ihre arme Seele gnädig. Aber Gott sei Dank hat sie mir ja eine ewige Erinnerung hinterlassen. Heute weiß ich wieder, warum?“ überkam Tessa ein siegerfülltes Grinsen auf deren übertriebenen roten Lippen. „Ja ja, die gute Marielle! Aber im Nachhinein, warum sollte ich mich an sie erinnern. Eine von viele, würde ich heute sagen, obwohl ich euch damals zuflüstern musste, dass ihr einmalige Geschöpfe seid!“ nahm der damalige Callboy sich nun auch einige Frechheiten heraus, da ihm Tessas Gehabe allmählich nervte.

Daraufhin holte Tessa ihren handlichen Schminkspiegel aus ihrer Handtasche, zog sich ihre Lippen nochmals feuerrot nach, ehe sie beim weiteren Betrachten ihres Gesichtes erwähnte: „Es gibt da so ein wunderschönes, erotisches, oder doch eher ausschweifendes Video, in der du die maskuline Hauptrolle überzeugend perfektionierst, mein Lieber! Aber Perfektion war ja deine Qualität!“

„Wer kann, der kann!“ grinste Gregor frech, der sich dann aber doch wunderte, was Tessa mit dieser Anspielung bezweckte: „Was soll das jetzt mit dem Video?“

„Eigentlich wollte ich Marielle damals damit ermutigen, mir einen Gefallen zu tun. Es funktionierte auch ohne das Video damals schon auszuspielen. Irgendwie habe ich es aber nie ertragen, das einfühlsame Bildmaterial einfach so unschädlich zu machen. Stell dir doch bitte vor, die ganze Welt und auch deine hinreißende Luise könnten an deinen Qualitäten teilhaben?! Das Internet macht heute so vieles möglich,“ spielte Tessa von Tannheim ihre hochkarätigen Karten aus, die Gregor nun endgültig ins Wanken brachten: „Was soll das werden? Eine billige Erpressung? Du willst unbedingt, dass ich mit dir ins Bett steige?“
Chapter 27 by Ricki
Ahoi! ( Teil 27 )


„Und vorher werden wir Zwei einen wunderschönen, romantischen Abend in hinreißender Atmosphäre genießen, so wie in alten Zeiten. Was hältst du davon, mein lieber Gregor?“ zog die Gräfin die Daumenschrauben noch fester an, ehe Gregor über sie wegschaute und dabei eine herankommende Entdeckung machte: „Mist, mein Bruder kommt! Kein Wort jetzt, ja!“

„Wir beide wissen doch, wie Diskretion geschrieben wird!“ behauptete Tessa, die sich dann machterfüllt von ihrem Platz erhob, sich umdrehte, Christian kurz mit einem höflichen Kopfnicken begrüßte und dann verschwand, während Gregor wie ein begossener Pudel auf seinem Sessel zurückblieb.

„Alles klar?“ fragte Christian etwas nachdenklich, woraufhin er auch nochmal kurz der älteren Dame hinterherschaute. Sein älterer Bruder nahm sich derweil wieder das Prospekt in die Hände und versicherte, hoffentlich glaubwürdig: „Alles Super!“

„Entschuldigen sie nochmals die Umstände, aber die Wünsche unserer Gäste liegen uns natürlich sehr am Herzen. Ich wünsche ihnen, auch im Namen der gesamten Crew, einen weiteren angenehmen Aufenthalt auf der MS Moania,“ spulte Kyan Baxter sein gelerntes Programm in der Tür zu Charlies Kabine herunter, nachdem er der charmanten Chefin des Schneiders verkündet hatte, dass er auf dieser längeren Reise noch ein weiteres Dinner mit dem Kapitän organisieren konnte, an denen Charlie und auch ihre Nichte Olivia gerne teilnehmen dürften. „Ganz, ganz lieben Dank, Offizier Baxter! Sie ahnen gar nicht, welche Freude sie mir damit machen!“

Als Charlie dann die Tür schloss und ihr Glück kaum fassen konnte, wandte sie sich sofort an Ollis Cousine, die mit verschränkten Armen vor deren Brust, beleidigt an der Kante des Schreibtisches, der an der Kabinenwand befestigt ist, lehnte: „Hast du gehört, Olivia? Wir dürfen nächste Woche am Kapitänsdinner teilnehmen. Da hat unser Olli sich aber noch mächtig ins Zeug gelegt. Er ist schon ein guter Junge!“

„Ich glaub’s echt nicht! Was zieht Olli für eine miese Show ab? Aber das werde ich ihm heimzahlen,“ fluchte die junge Schneider, was Charlotte in ihrem Glücksmoment überhaupt nicht nachvollziehen konnte: „Was bist du denn jetzt so aufgebracht? Kannst du dich nicht einfach mal mit mir freuen?“

„Du merkst auch gar nichts, oder? Der Typ da eben in der Tür ist Kyan Baxter, der erste Offizier. Laut Aussage deines Lieblingsneffen dürfte dieser gutaussehende Mann aber gar nicht an Bord sein,“ klärte Olivia ihre Tante auf, woraufhin Charlie ihren Schrank öffnete und bereits Ausschau nach der festlichen und angemessenen Bekleidung für diesen neuen abendfüllenden Anlass hielt, wobei sie anmerkte: „Manche Dinge verändern sich eben schneller als man denkt. Also ich bin diesem Mann jedenfalls dankbar!“

„Diesem Mann? Der Kerl hat mich nicht mal richtig beachtet. Unterhält sich tatsächlich die ganze Zeit mit dir?!“ dramatisierte Ollis Cousine das Theater noch weiter hinauf, was Charlie lediglich belächelte und bereits die ersten Kostüme vor sich hielt, um sie im Spiegel zu betrachten: „Der Gentleman weiß eben die Werte einer Frau zu schätzen! Was meinst du? Das farbige hier oder doch eher ein wenig mehr bedeckt?!“

„Du solltest das Prospekt besser umdrehen! Dann kannst du auch die Buchstaben besser in die richtige Reihenfolge setzen. Hilft ungemein beim Lesen!“ empfahl derweil Christian seinem älteren Bruder, während er sich selber auf einen der Sessel im Foyer setzte. „Opps!“ wurde nun auch Gregor bewusst, dass seine Tarnung anscheinend aufgeflogen ist. Und so, wie er seinen Bruder kannte, würde der jetzt keine Ruhe geben, wie der Pferdewirt auch umgehend bewies: „Also raus mit der Sprache! Wer ist diese Frau?“

„Was weiß ich? Irgend so eine Touristin. Sie hat versucht mit mir anzubändeln. Du weißt ja, als Alleinreisender wird man schnell zum Opfer!“ redete der frühere Hubschrauber – Hobbypilot sich möglichst glaubhaft heraus, was bei Christian allerdings eher zur Skepsis führte: „Opfer?“

„Und wie läuft es bei dir und Olli?“ lenkte Gregor dann jedoch schnell auf ein anderes Thema, womit sich beim Boxer erneute Fragezeichen aufstellten: „Olli und mir? Wie kommst du jetzt da drauf? Natürlich läuft da nichts! Was soll da laufen?“

„Ach, ich finde schon, ihr wärt ein süßes Pärchen!“ ließ Gregor eher scherzhaft durchblicken, vor allem weil er damit bezweckte von seinen eigenen plötzlich aufgetretenen Problemen abzulenken. Aber eigentlich wollte der ältere der Mann – Brüder lediglich auf das angespannte Verhältnis zwischen Christian und Steward Olli, das schon seit der Ankunft an Bord nicht als das Herzlichste galt, zu sprechen kommen.

„Häh? Was soll diese bescheuerte Anspielung, Mann? Ich bin nicht schwul, verdammt! Soll ich es dir etwa beweisen? Wie viele Frauen soll ich auf diesem Schiff aufreißen?“ ging Christian gleich ab, wie ein durchgeknalltes Zäpfchen, da jeder Verdacht, der ihn in irgendeine absurde Schieflage brachte, umgehend ausgeräumt werden musste. Allein, dass sein Bruder schon bei der Ankunft merkwürdige Andeutungen machte, nur weil er seit Coco schon längere Zeit alleine durch die Weltgeschichte reiste, nagte bereits an Christian. Als in diesem Moment auch noch Ollis Gesicht mit eingebautem Lächeln und einnehmenden Augen vor ihm herumkreiste, brauchte auch Christian Ablenkung. Was lag da näher, als sich auch eines dieser Prospekte zu schnappen?! Nur achtete er direkt darauf, es auch richtig herum in den Händen zu halten, während Gregor für Abkühlung der Temperatur sorgen wollte: „Mann Alter, komm wieder in deinen Hafen zurück! Mir musst du nichts beweisen.“

„Ja, dann lass den Scheiß, ja?! Madeira klingt ganz interessant. Wollen wir auf der Insel einen Landausflug machen? Wir könnten uns zu einer Touristentour anmelden!“ ist es nun Christian, der sich Ausweichwege suchte, dessen Erkennung Gregor aber genauso beherrschte: „Aber du hast kein grundsätzliches Problem mit Schwulen, oder? Ich meine, du hast schon mitbekommen, dass Olli auf Männer abfährt?! Wenn du darauf bestehst, können wir uns im Restaurant in einen anderen Servicebereich setzen lassen?! Ach, ich glaube, ihr werdet euch schon vertragen. Lief heute Morgen beim Frühstück ja schon ganz manierlich ab.“

„Nochmal für nervige Prinzen! Ich habe kein Problem mit Olli. Momentan habe ich eher ein Problem mit dir. Was hältst du von der lächelnden Schönheit dort drüben an der Treppe? Soll ich mein Glück versuchen?“ schien Christian immer noch das Gefühl zu haben, als müsste er der Welt beweisen, dass er auf keinem Fall der Frauenwelt fehlen sollte. Gregor warf einen flüchtigen Blick auf die junge Frau, die tatsächlich charmant herüber lächelte, ehe er dann doch kurz auflachen musste, sich dann aber schnell wieder einfing: „Seit wann brauchst du meine Zustimmung, Christian? Warum fragst du nicht einfach dein Herz? Aber meinetwegen suche dein großes Glück, wo immer du willst. Vielleicht findest du es ja. Keiner wünscht es dir mehr als ich. Das kannst du mir glauben!“
Chapter 28 by Ricki
Ahoi! ( Teil 28 )


„Kyan hat dich wirklich gefragt, ob du die Nacht wieder in seinem Bett schlafen willst?“ konnte Olli Rafaels Bericht kaum glauben, als die zwei Stewards im Restaurant mitten in der Eindeckung der vielen Tische steckten. „Und dabei noch total lieb geschaut!“ schwebte der junge Spanier immer noch in einer emotionalen Schwärmphase, woraus Oliver knallhart kalkulierte: „Ich sag’s ja! Unser Vorzeigeoffizier steht brutal auf dich!“

„Der Herr hat Nachtwache auf der Brücke. Also wird sowieso nichts passieren. Außerdem ….,“ erklärte Rafael dann wieder herunterfahrend nochmals die Situation, wobei der letzte angefangene Satz bei seinem Kollegen schon Neugier auslöste: „Was außerdem?“

Rafael griff sich einen neuen Schwung Streichmesser, die er rund um die nächsten Gedecke legte, während er dann auf einen mehr als merkwürdigen Fund zu sprechen kam: „Über Kyans Schreibtisch hängt ein Foto von einem gewissen Elias. Kyan wollte sich mit dem blonden gutaussehenden jungen Typen in Casablanca treffen. Haben eigentlich nur noch kleine Herzchen neben seinem Text gefehlt: Ahoi Seemann, freue mich auf Casablanca, Elias!“

„Und? Haben die beiden sich getroffen?“ interessierte Olli, der nun aber schon erkannte, dass Rafaels Eifersuchtspegel in die Höhe stieg. „Keine Ahnung! Kyan ist früh morgens vom Schiff gegangen, und nachts lag er plötzlich neben mir,“ erläuterte der spanische Steward, der plötzlich von Olli zu hören bekam: „Zwei Plätze links hast du ein Messer vergessen! Bleib doch entspannt! Da kann nicht viel gelaufen sein, wenn man bedenkt, dass dein hübscher Kyan eigentlich erst wieder in Lissabon zusteigen wollte.“

„Du glaubst also auch, dieser Schönling Elias ist Kyans Lover auf dem Festland?“ wollte Rafael wissen, während er sich nun wieder besser auf die getane Arbeit konzentrierte, aber dann Ollis Augen folgte, der ihn erneut auf einen Fehler in der Tischdekoration hinwies. Dieses Mal lagen gleich zwei Messer nebeneinander. Nachdem der Steward von Mallorca eines der Messer zu sich nahm, um es woanders abzulegen, meinte Olivias Cousin: „Vielleicht ist er sogar der Ex von Kyan. Mensch, wenn man sich nur für ein paar Stunden heimlich in einem Hotel trifft, kann da nicht viel laufen.“

„Aha? Und ich bin dann jetzt der Ersatz? Oder wie soll ich deine Theorie verstehen?“ hakte der Messerverteiler nach, woraufhin der Serviettenfalter mit einem frechen, aber auch ermutigenden Lächeln Euphorie versprühte: „Dein Sprungbrett ins große Glück! Hier an Bord kann dir dieser Elias nicht in die Quere kommen. Nutze deine Chance, Raffi!“

„Und im nächsten Hafen wartet dann wieder Elias?“ blieb der dunkelhaarige Spanier einer der pessimistischen Kinder. „Es hilft nichts. Du wirst herausfinden müssen, wer dieser Elias ist. Erst dann kannst du Maßnahmen ergreifen, die deinen Kyan keinen Grund mehr bieten, in einem Hafenhotel zu übernachten, während du in seiner Koje wartest,“ empfahl Oliver, der Sache gründlich auf den Grund zu gehen, ehe er merkte, dass Rafael einen Moment mit seiner Arbeit innehielt und süß schmunzelte.

„Woran denkst du gerade?“ wollte Olli deswegen wissen, woraufhin Rafael wieder in der Realität ankam und dann von seinem Kurztrip ins Glück berichtete: „An sein Atmen, als er seelenruhig neben mir schlief, als wär es für ihn das Normalste von der Welt. Für mich war es jedenfalls Wahnsinn!“

„Wahrscheinlich will er das Normalste. Und du willst es ja auch. Warum sollte man euch aufhalten? Ich drücke dir ganz fest die Daumen, Amigo!“ gab Olli seinem Kollegen und besten Freund zu verstehen, wofür er auch ein herzliches Lächeln geschenkt bekam, ehe Rafael bekannt gab: „Danke dir! Okay, jetzt noch die ganzen Gläser und dann ist wieder Showtime im Restaurant. Lass dich von deinem Christian nicht wieder so viel ablenken. Und wenn doch, sei es dir gegönnt!“

„Ihr entschuldigt mich bitte?! Es gibt noch viel zu tun. Für mich ist diese Fahrt eben keine willkürliche Vergnügungsreise,“ entschloss Clarissa später beim Dinner in der Kapitäns – Lounge sich ihrer Tischgesellschaft zu entziehen. Ricardo schienen diese Abgänge der Mutter seiner Ex – Frau immer sehr willkommen: „Lass dich nicht aufhalten. Wir werden uns noch einen traumhaften Nachtisch gönnen.“

Nachdem Clarissa von Anstetten allerdings um die Ecke verschwand, legte der Arzt aber plötzlich seinen freundlichen Hebel um und wandte sich Timo zu, der an diesem Abend etwas wortkarg mit in der Runde saß: „Und jetzt zu dir, Sohnemann! Was ist los? Und es ist was los. Also?!“

„Was soll los sein, Papa? Nichts, alles okay!“ widersprach der Junior Ricardos Vermutungen, womit er beim Schiffsarzt allerdings auf Granit biss, wie sich mal wieder abzeichnete: „Na komm, Timo! Ich habe dich von klein an groß gezogen. Ich kenne jede Mimik, jede Geste von dir. Ich weiß genau, wann du Probleme hast oder mich anschwindelst.“

„Papa, ich weiß, dass ich dir nichts vormachen kann, aber können wir diese eine Sache nicht einfach auf sich beruhen lassen? Bitte nur dieses eine Mal?!“ forderte Timo von seinem Vater einen Kompromiss ein, was Ricardos Fürsorge und jetzt auch ein wenig Neugier noch mehr weckte: „Wenn du es ausspuckst, geht es dir hinterher besser. Also, ich höre. Warum fehlen mir ein Fieberthermometer und eine Packung Schmerztabletten in meiner Praxis? Weder du noch Clarissa macht einen kranken Eindruck auf mich. Und erzähl mir bitte nicht, dass du die Tabletten und das Thermometer nicht aus meinen Schubladen genommen hast. Ich hätte es vorhin eigentlich sofort bemerken müssen.“

„Bitte Papa! Ich kann es dir wirklich nicht sagen! Und außerdem, vielleicht war ich es ja wirklich nicht. Vielleicht standen die Schubläden …. Ich meine, vielleicht war ja schon vor mir jemand in deiner Praxis?“ blieb Timo auf unbedingten Vertuschungskurs, der aber einfach nicht einzuschlagen schien. „Genau diesen Blick, den du eben drauf hattest, kenne ich, als du damals meinen Lieblingsfußball mit den Unterschriften der Stars von Real Madrid genommen und ihn im Hafenbecken versenkt hast. Wie viele Ausreden hast du gebraucht, bis du mir unter Tränen gestanden hast, dass du es doch warst?“ holte Ricardo eine alte Geschichte aus Timos Kindheit heraus.

„Ja, aber da war ich auch noch klein. Ich ging mal gerade in die zweite Klasse,“ hoffte der blonde Junge dennoch um ein Einsehen. Nun ist es Ricardo, der seinen verständlichen Vater – und gleichzeitig Freundesblick aufsetzte: „Und war ich dir böse oder gab es irgendeine Strafe? Ich habe dich in den Arm genommen und alles war gut, oder?“

„Oh Mann, Papa, ich kann’s dir wirklich nicht sagen. Ich konnte nicht anders. Ich musste ihnen doch …. Papa bitte! Glaube mir, es ist besser, wenn du es nicht weißt!“ appellierte Timo nochmals, ahnte aber, dass er damit nicht durchkam, und irgendwie verspürte der Junge auch das Gefühl einen kompetenten und vertrauenswürdigen Mann, der gleichzeitig Arzt ist, mit ins Boot zu holen, denn keiner wusste, wohin das Fieber von Yassin noch führen könnte.

„Okay, deine Entscheidung! Aber du weißt, dass du jederzeit zu mir kommen und mir vertrauen kannst. Auch bei Liebeskummer bin ich ein hoffentlich guter Ratgeber,“ zog Ricardo sich scheinbar ein Stück zurück, damit Timo den erhofften Schlussakkord setzen konnte: „Liebeskummer? Das bleibt uns Gott sei Dank erspart. Dieses Mal ist es um Längen komplizierter. Okay, ich sag’s dir, aber nicht hier!“

„Kein Nachtisch?“ fragte Ricardo nach, um die Dringlichkeit abzuklopfen. „Kein Nachtisch!“ gab daraufhin Timo den weiteren Fahrplan bekannt, ehe er sich vom Stuhl erhob und dabei eher einen ernsten Blick in die Augen seines Vaters lenkte.
Chapter 29 by Ricki
Ahoi! ( Teil 29 )


„Wenn das mit dem übermäßig guten Essen so weitergeht, können die mich bald vom Schiff rollen,“ merkte derweil Gregor, im großen Restaurant in direkter Nachbarschaft, an, dem Charlie sich mit ihrem gewohnten Lachen nur anschließen konnte: „Es wirkt alles auf dem Schiff so verführerisch. Ich muss wirklich aufpassen, dass ich nichts Verbotenes zu mir nehme.“

„Wir verbieten nichts! Ihr könnt naschen, wovon ihr wollt. Das Kalorienzählen könnt ihr wieder in Düsseldorf anfangen,“ brachte Oliver sich in das lockere Gespräch an Tisch 84 ein, bevor der freundlich und immer zuvorkommende Steward sich wieder aufs Wesentliche konzentrierte, soweit es eben möglich ist: „Möchte noch jemand gekühltes Mineralwasser oder etwas anderes zum Trinken? Charlie, für dich noch einen Aperitif zum Abschluss?“

„Ach, da sage ich nicht nein? Was ist mit euch, Kinder?“ übernahm die blonde, äußerst erfahrene Bistrobetreiberin die Frage ihres Neffen. Während Gregor mit seiner Hand abwinkte, begab Christian sich wieder in einen Gefahrenbereich: „Für mich bitte ein Wasser. Aber bitte nicht wieder auf die Hose!“

„Ich werde mir Mühe geben!“ versprach Olli, der nun versuchte, mit seinem Lächeln den hübschen Boxer einzufangen. Christian ließ ein kleines kommunizierendes Lächeln zu, zog es aber gleich wieder zurück, als Olivia sich ins Geschehen einmischte: „Da bin ich mir sogar ziemlich sicher. Unser lieber und herzensguter Olli weiß genau, was er tut. Aber Olli, mich würde doch mal interessieren, warum du mich angelogen hast?!“

„Ich habe dich angelogen? Wobei?“ wollte Oliver wissen, nachdem er auf Christians rechte Seite wechselte und nun damit begann dessen Glas zu füllen, während er seinen Blick auf seine Cousine fixierte. „Kannst du bitte erst gießen und dann streiten? Warte, ich mach das lieber selber!“ sorgte Christian vor, der dem Steward dann die Flasche aus den Händen nahm und sich selbst das Glas füllte, denn Olli wurde bereits weiterhin von Olivia befeuert: „Offizier Baxter! Klingelt’s jetzt?“

„Nicht im Geringsten! Aber müssen wir das jetzt hier besprechen?“ konnte Olli kein Verständnis für die Streitlust seiner Cousine aufbringen, ehe er Christian die Wasserflasche wieder abnahm: „Danke dir! Und siehst du? Nichts passiert!“

Noch während die beiden Jungs sich mit einem verständlichen und zu diesem Zeitpunkt der Unterhaltung verbindlichen Lächeln austauschten, wandte Charlie sich an ihre Nichte, da sie auch kein Aufsehen heraufbeschwören wollte: „Olivia, du siehst doch, dass Oliver zu tun hat. Nun lass ihn doch bitte!“

„Sie gibt nie auf, bevor der andere am Boden liegt!“ stellte Christian sich ausgerechnet auf Ollis Seite, was bei Olivia natürlich ein absolutes Unding ist: „Halt du dich doch da raus, Chrissy – Boy! Nur weil du neuerdings Ollis Liebling bist, brauchst du dich noch lange nicht in unsere Gespräche einmischen. Noch gehörst du nicht zur Familie!“

„Kommst du bitte mal mit!“ reichte es den smarten Steward nun aber endgültig, wobei er um den Tisch flitzte, seine Cousine an den Oberarm fasste und sie vom Stuhl hochriss. „Auah, du tust mir weh!“ beschwerte die junge Schneider sich, während der Pferdewirt aus Düsseldorf einen langsamen Schluck aus dem Wasserglas nahm und sich die filmreife Kinoszene genüsslich anschaute, bei der er sich sogar ein wenig stolz fühlte, da er anscheinend bei Olli höher in der Beliebtheitsskala stand als dessen eigene verzogene Cousine.

„Und wenn schon! Stell dich nicht so an!“ ließ Olli nicht von Olivia los, die er zum Servicetisch führte, wo er sich wütend ein Geschirrtuch griff und einige längst gereinigte Messer auf Hochglanz trimmte, während er schäumend loslegte: „Bist du nicht ganz dicht? Wieso bringst du mich vor Christian in so eine Lage? Was denkt er jetzt von mir?“

„Mein Gott, Olli! Dann steck ihm doch endlich, dass du über beide Ohren in ihn verknallt bist! Dann steht auch nichts Peinliches mehr zwischen euch! Aber dass du mir alle Chancen auf euren ersten Offizier genommen hast, das werde ich dir nie verzeihen!“ sprach auch Charlies Nichte Klartext. „Wieso? Warum? Was ist mit Baxter?“ hakte Olli mit großen Fragezeichen in seinen Augen nach, die er dann aber doch zum Teil selber lösen konnte: „Ach so! Du meinst, warum er jetzt doch an Bord ist? Ja und? Er ist heute Nacht auf die Moania gebracht worden. Wo ist jetzt dein Problem?“

„Das du es nicht für nötig gehalten hast, mich über die neue Situation zu informieren?! Ich war wie vom Kopf getreten, als er plötzlich vor Charlie und mir stand,“ hängte Olivia ihr Problem auf den höchsten Baum, den man auf diesem Schiff finden konnte. „Boah Eyh! Erstens habe ich auch noch so ganz nebenbei einen kleinen Job auf dem Schiff zu erledigen. Aber okay, zugegeben! Ich habe auch gar nicht darüber weiter nachgedacht, es dir zu erzählen. Gut, vielleicht hätte ich es tun können, aber wozu? Es hätte dir sowieso nichts genützt. Kyan wird nichts von dir wollen!“ legte Olli die Tarot – Karten, die auf einen schwarzen Tag für Olivia hinwiesen.

„Wieso will er nichts von mir? Wachsen mir Pickel hinter den Ohren?“ konnte die junge Schneider gar nicht in Betracht ziehen, dass nicht die ganze Welt ihr zu Füßen liegen würde. Doch was half es, noch länger drum herum zu reden? Olli kannte da keine Gnade: „Wir vermuten ganz stark, dass Kyan auf Männer steht. Und wie ein Kerl siehst du nun wirklich nicht aus.“

„Aber du vermutest nur? Wissen tust du es nicht! Ich würde sagen, ich teste es selber. Vielleicht ist da ja noch was zu retten?!“ musste Olivia natürlich ihr angeborenes Ego vorausschicken. „Das wirst du nicht tun! Bitte Olivia, verspreche mir, dass du deine Finger von ihn lässt!“ verlangte der grünäugige Steward, der nebenbei in die Runde schaute, ob jemand an den Tischen seinen Service benötigte.

„Hallelujah! Olli, du hast doch einen Typen in Aussicht. Warum bunkerst du dir noch einen?“ konnte Olivia überhaupt nicht nachvollziehen. Der hübsche Kellner zeigte dann mit seinem Kopf in die Richtung seines Kollegen und sorgte für rasche Aufklärung: „Mein bester Freund Rafael ist schon seit Wochen in Kyan verliebt. Und die Flaggen stehen mittlerweile auf Erfolg. Also bitte, tu mir nur diesen einen Gefallen und mache es nicht kaputt!“

„Dir ist dein Kumpel und Kollege also wichtiger als deine eigene Cousine? Alles klar, Olli!“ ließ die nächste Empörung nicht lange auf sich warten, wobei Olli sich mittlerweile fragte, ob er nicht besser dran wäre, wenn er nur Charlie auf das Schiff eingeladen hätte. Aber nun ist Olivia nun mal da, und so konnte er nur an ihr eigenes Glück appellieren: „Dein Herz würde auf der Strecke bleiben, glaube es mir! Also bitte! Verspreche es einfach, ja?!“

„Meinetwegen! Ich zeige dir jedenfalls ehrlich, wie wichtig mir unsere Freundschaft ist!“ zog Olivia ihre Trumpfkarte, die Olli in die Knie zwang: „Ich werde es wieder gutmachen. In Barcelona kenne ich einen Wahnsinns – Boutique. Der Tag gehört nur uns!“

„Einen Tag für eine lebenslange Freundschaft?“ musste Olivia sich schon wundern, da sie sich von der Reise mit Olli doch schon mehr versprach. Noch bevor Oliver eine Korrektur aus dem Hut zaubern konnte, kam Christian, der das Restaurant verlassen wollte, um die Ecke: „Olli, ich gehe noch ins Fitness – Studio, das leckere Buffet wieder abbauen. Triffst du dich nachher noch mit George und Rosanna?“

„Bestimmt!“ entgegnete der Steward voller Freude, da anscheinend nicht nur sein Buch bei Christian auf Resonanz stieß, denn Olli wertete diese Frage als eine Einladung zu einem neuen Date später auf dem Oberdeck. Schmachtend beobachtete er Christian, soweit er ihn beim Verlassen des Restaurants mit seinen Augen verfolgen konnte, während neben ihn seine Cousine schon wieder angefressen schien: „Ach so ist das?! George und Rosanna gibt es auch noch, und ich habe den ganzen Abend wieder Tante Charlie an den Hacken! Danke Olli!“
Chapter 30 by Ricki
Ahoi! ( Teil 30 )


„Besorgst du uns zwei Cocktails? Aber nicht wieder solche Kindermischungen wie letztes Mal,“ gab Emilio bei Rafael in Auftrag, nachdem sie sich heimlich an einen der verbotenen Plätze fürs Personal, dem Tanz – Club, eingeschlichen hatten. „Nur zur Info! Letztes Mal sind wir auch fast erwischt worden,“ erinnerte Rafael den Aushilfskoch an eine nächtliche Sause der nahen Vergangenheit. Für Emilio galt aber nach wie vor, wenn der Spaß nicht zu einem kommt, muss man sich dem Spaß eben annähern, wie er auch gegenüber dem spanischen Kollegen deutlich machte: „Auch so eine blöde Regel! Wieso soll sich das Personal aus dem Club fernhalten. Schau dir die Langeweiler auf der Tanzfläche an! Von denen ist doch keiner in der Lage eine der hübschen Chicas mitzureißen.“

Doch Emilio, der dabei seinen gute Laune Blick über den gefüllten Dancefloor schweben ließ, entdeckte bald die Königin unter den Ladies: „Meine Fresse, was sehe ich da?! Da ist sie wieder, meine heimliche Verehrerin!“

„Davon weiß sie aber auch, oder?“ hakte Rafael nach, da er sich kaum vorstellen konnte, dass Emilio die junge hübsche und vermutlich reiche Dame aus gutem Hause schon auf sich programmiert hatte. „Gib mir noch zehn Minuten!“ forderte der Schiffsangestellte aus Venezuela, ehe Rafael seine Augen wachsam zum Eingang schwenkte und daraufhin keine guten Nachrichten verkünden konnte: „Ich schätze, du hast nicht mal eine! Kyan Baxter macht seine gefürchtete Aufsichtsrunde!“

„Wo ist jetzt das Problem? Der schnuckelige, feurige Emilio wird jetzt der Lady zeigen, wie man in Caracas feiert und du hältst mir deinen schnuckeligen Offizier vom Hals. Stell mit ihm an, was du willst, aber er soll mir nicht in die Quere kommen,“ dirigierte Emilio die Party - Nacht, von der jeder etwas haben sollte. Rafael zögerte jedoch noch, da ihm nichts einfiel, wie er Baxter aus den Club locken könnte. Für Emilio stand aber fest, dass sein Plan schon von jedem etwas abverlangte: „Mensch, Amigo! Nun mach schon! Schaut euch zusammen die Sterne an oder lass dir meinetwegen von ihm haargenau im Detail erklären, wie ein geeichter Kompass funktioniert, aber mach jetzt!“

„Kyan, bist du nicht auf der Brücke? Ich dachte, du schiebst Wache!“ verwickelte Rafael den Offizier, der noch immer im Eingangsbereich des Tanz Clubs stand, daraufhin in ein Gespräch. „Richtig, ich habe Wache. Und darum habe ich auch ein Auge auf alles. Also sorge bitte dafür, dass Sanchez und du euch an die Spielregeln haltet. Kein ausgelassenes Feiern mit den Gästen im Club!“ forderte Baxter, dass auch Rafael sich an die Gesetze hielt, auch wenn er bei dem jungen Spanier gerne eine Ausnahme machen würde. Allerdings ist dem Führungsmitglied der Crew durchaus bewusst, welche Ausmaße das Ausschweifen am Ende annehmen könnte.

Rafael ist durchaus klar, dass er nicht drum herum reden brauchte: „Wir schauen nur zu, sind auch gleich wieder verschwunden. Hast du noch Zeit auf einem Plausch? Ich wollte noch etwas wissen von dir wissen.“

„Was brennt dir denn auf der Seele?“ wollte Baxter Rafaels Anliegen natürlich auf den Grund gehen. Trotzdem ließ er seine Augen auf die Geschehnisse im Tanz – Club kreisen, was Rafael registrierte. Also musste der Steward gegensteuern, um Emilio Rückendeckung zu geben: „Draußen? Da ist es nicht so laut!“

„Na endlich! Die Luft ist rein! Na denn!“ beobachtete Emilio mit Genugtuung, dass es seinem Kumpel endlich gelungen ist, den Wachsoldaten abzuziehen. Zielstrebig begab der junge Mann aus Venezuela sich auf die Tanzfläche, bewegte sich eine Weile mit dem Rücken zu seiner Angebeteten, bevor er eine rasante Drehung hinlegte und noch einen Schwenker einbaute, um dann in Kims Rampenlicht zu erscheinen: „Wow, was für ein Zufall? Aber ein wirklich wunderschöner Zufall!“

„Das riesige Schiff ist eindeutig zu klein, um sich aus dem Weg zu gehen?!“ stellte Kim daraufhin fest, wobei sie mit ihrer Schwester, die sich vor ihr im Takt hielt, ein paar vielsagende Blicke austauschte. „Kann aber auch seine Vorteile haben. Und man spart noch das Taxi – Geld nach Hause,“ merkte der Aushilfskoch an, bevor Marlene ihre kleine Schwester auf die Sprünge helfen wollte: „Ich lasse euch dann mal alleine. Ich muss dringend meine Stimme ölen.“

„Warte, ich komme mit!“ hielt Kim es für das Beste, doch Emilio legte seinen treusten Blick auf, der Kim zum Erweichen bringen sollte. Dazu bat er die gutaussehende Frau mit einem perfektionierten Lächeln: „Bleib doch noch!“

„Wozu?“ wehrte Ansgars Tochter sich jedoch mit Händen und Füßen, worüber selbst Marlene ihren Kopf schütteln musste, bevor die Sängerin schnurstracks die Tanzfläche verließ. Emilio hingegen legte nun seine Schmalzplatte auf, mit der sich wohl unbewusst alles verbauen könnte: „Das ist genau mein Lieblingssong. Hey, bezaubernde Senorita, was hältst du davon? Es könnte unser Song werden?!“

Kim versuchte sich ein Lachen zu verkneifen, aber dennoch schien dieser Abend nicht mehr zu retten zu sein: „Träum ganz süß, aber bitte nicht von mir!“

Mit offenen Mund starrte der Kombüsenhelfer seiner Traumfrau hinterher, musste allerdings für sich ein ernstes Resümee ziehen: „Was für eine kleine arrogante …. Komm Emilio, halt dich zurück!“

„Was wolltest du mich denn jetzt fragen? Du wolltest doch nicht ernsthaft, dass ich dir den großen Bär am Sternenhimmel zeige?“ wunderte Kyan Baxter sich derweil draußen am Deck, der immer noch von Rafael abgeschirmt wurde. „Fragen? Doch, doch, das wollte ich dich Fragen. Du als erfahrener Seemann, wer kennt sich besser mir den leuchtenden Sternen aus? Und der große Bär hat mich eben schon immer interessiert,“ hoffte der Steward, dass sein Ablenkungsmanöver nicht aufflog, auch, wenn er ganz andere Fragen auf den Lippen verspürte. Aber der letzte Mut fehlte, und so blieben Antworten in den Sternen hängen.

„Dann habe ich dir ja einen Wunsch erfüllt. Ich muss dann wohl auch mal wieder auf die Brücke,“ meinte Kyan, wobei sein Blick immer mehr in den sanften Augen des hübschen Spaniers versank. Auch Rafael schwieg für einen Moment, genoss die ruhige Zweisamkeit, schien fast geneigt, die Situation zu nutzen, aber wieder fehlte der letzte Biss: „Ähm, ja, dann halte schön die Augen offen. Ich werde jetzt auch gleich ins Bett verschwinden. Wird morgen bestimmt wieder ein anstrengender Tag.“

„Vergiss nicht in welches? Ach ja, und hole bitte vorher Sanchez aus dem Club!“ gab der erste Offizier dem Steward mit auf dem Weg, woraufhin der Spanier sein anerkennendes und dankendes Lächeln verstärkte: „Wird sofort erledigt, Sir!“

Für den jungen Mann aus Mallorca konnte der Abend fast nicht schöner enden, doch Kyan verstand es anscheinend noch eine Schippe draufzulegen, denn seine markante Stimme mischte sich mit dem Meeresrauschen und dem Atlantikwind auf dem Deck, aber dennoch trafen die einfachen Worte den Spanier ins Herz: „Schlaf gut, Rafael!“

„Dann heute wohl doch keine Lust mehr auf Kitsch?! Aber ich Trottel musste gestern Abend und heute ja auch meine beste Show liefern! Glückwunsch, Christian Mann!“ erkannte Christian ernüchternd, als er sich auf das Oberdeck begab, wo er hoffte, Olli an der gleichen Stelle wie gestern anzutreffen. Doch von dem smarten Steward ist weit und breit nichts zu sehen. Die Einsamkeit unter den Sternen gehörte Christian ganz alleine. Ein Geräusch dort drüben. Ist das Olli? Nein, undefinierbar! Stimmen auf der anderen Seite?! Nein, auch nicht.

Christian entschied sich, noch etwas zu warten. Fürs Bett fühlte er sich sowieso noch nicht zu müde, und unter Deck an irgendeiner Bar rumzulungern ist auch nicht sein Stil. Blicke und endlose Gedanken flogen über die Reling auf die Wellen des Atlantiks. Das auch hin und wieder Olli in den Gedanken auftauchte, wunderte Christian zwar ein wenig, störte ihn aber nicht. Sogar ein zartes Lächeln zog über Christians Lippen, ehe er sich zur Tür umdrehen wollte, durch die er jemand aufs Deck kommen hörte. „Na endlich!“ flüsterte Christian während der Drehung noch zu sich selber, woraufhin er Blickkontakt zu dem Mann aufnahm, der auf direktem Wege auf ihn zukam.
Chapter 31 by Ricki
Ahoi! ( Teil 31 )


„Du scheinst die Außendecks wohl auch zu lieben?!“ stellte Gregor fest, nachdem er sich neben seinen Bruder an die Reling stellte. Christian wusste für einen Augenblick nicht, ob er enttäuscht sein sollte oder ob es vielleicht sogar so besser ist. Auf jeden Fall versuchte der Boxer sich nichts anmerken zu lassen, obwohl er nochmal einen Blick zur Tür riskierte. Da sich aber dort rein gar nichts tat, ging er natürlich auf das Gespräch mit Gregor ein: „Ab und zu muss ich mal raus aus dem Mief der Kajüten!“

„Mief? Okay, Auslegungssache! Aber du könntest ja auch deinen großzügigen Balkon benutzen?!“ konnte Gregor Christians Anmerkung nicht ganz nachvollziehen. Aber wie auch? Schließlich wusste er ja nichts davon, dass Christian ein paar Stockwerke tiefer nächtigte. Über diese merkwürdige Situation musste der Pferdewirt selbst kurz auflachen, wobei er versuchte, sich selbst bei Laune zu halten: „Stimmt! Könnte ich!“

„Sonst alles klar?“ hakte Gregor fürsorglich nach, wobei er abermals beobachtete, wie Christians Augen das Deck suchend abscannten. „Bestens!“ bestätigte Christian kurz angebunden, woraufhin er sich wieder zum Wasser umdrehte, um nicht unnötig aufzufallen. Allerdings schien er schon längst aufgeflogen zu sein, wie Gregor es in seiner Formulierung der nächsten Fragen bekräftigte: „Mir scheint, als hättest du nicht unbedingt auf mich gewartet?! Komm erzähl schon! Mit wem hast du hier oben ein Date klargemacht?“

„Ich habe kein Date! Wieso denkt ihr alle immer nur in Schwarz – Weiß – Kategorien?“ empörte Christian sich halbwegs, woraufhin sein älterer Bruder ihm beruhigend auf die Schulter klopfte: „Jetzt wirst du philosophisch! Okay, also kein Date! Obwohl Date ja nicht nur das Eine bedeutet. Mann kann sich auch einfach nur mit einem Freund, einer guter Freundin oder sogar einfach nur mit seinem großklapprigen Bruder treffen. Also wieder sanft auf der Erde landen, Bruderherz!“

„Ja ja, ist ja schon gut! Wusstest du eigentlich, dass Olli der Neffe von Charlie Schneider und somit auch Olivias Cousin ist?“ steuerte Christian auf das Thema: Familien und andere Konstellationen. „Bis heute nicht, aber Charlie hatte es mir heute im Laufe des Tages irgendwann erzählt. Zufälle gibt’s, was?“ bestätigte der Prinz von Waldensteyck Christians Wissen oder Vermutung. „Du sagst es! Olli ist sogar ein guter Freund von Andi Fritsche. Die kennen sich von früher. Olli hat sogar mal in Düsseldorf gelebt, bevor er zur See gegangen ist,“ schien es für Christian momentan ein wichtiges Anliegen zu sein, das Leben von Olli in allen Facetten auszuleuchten. Dieses fiel auch Gregor auf: „Netter Kerl, der Olli, oder?!“

„Ich habe ihm übrigens von dir erzählt. Olli steht total auf Schlösser, Prinzessinnen und das ganze komplette prachtvolle Getue im Hochadel. Stell dir vor, Olli liest sogar Bücher und verschlingt Bildbände darüber. Und er liebt Telenovelas. Mich könnte man damit ja jagen,“ plauderte der Düsseldorfer Pferdewirt munter weiter, was Gregor nun doch allmählich wunderte: „Schön, dass Menschen anders ticken können, aber doch Gemeinsamkeiten finden.“

„Wie meinst du das?“ konnte Christian seinem Bruder nicht mehr folgen, dem er ganz entgeistert anstarrte. Gregor lehnte sich mit den Rücken ans Geländer und verschränkte sich seine Arme vor der Brust, bevor er die Erklärung zu erklären versuchte: „Naja, irgendwas wird da schon sein, was dich an Olli begeistert?! Nur, weil er deine Sonnenbrille zertrümmert hat und weil er an unserem Tisch bedient, würdest du doch nicht unentwegt von ihm reden, und das noch so euphorisch?!“

„Ich bin nicht euphorisch. Zugegeben, Olli ist nett, ich bin nett, und das ist auch schon die einzige Gemeinsamkeit. Aber okay, rede ich nicht mehr über ihn, wenn’s dich beruhigt!“ wehrte Christian sich hoffnungslos weiter. „Ach, ich bin beruhigt. Zumindest weiß ich, dass sich jemand um dich kümmert, wenn ich von Bord gehe!“ eröffnete Gregor plötzlich ein ganz neues Themenfeld, was Christian nun völlig aus seinem Konzept warf: „Du machst was?“

„Wenn wir in Santa Cruz auf Teneriffa anlegen, werde ich ausschiffen und zurück zu meiner Familie fliegen,“ verkündete der dunkelhaarige Prinz mit ernsterer Stimme, wobei er seinen Blick möglichst von Christian fernhielt. „Wieso das? Heimweh? Das kannst du mir nicht erzählen. Hat es mit dieser Frau zu tun? Wer ist sie?“ suchte der Boxer nach möglichen Motiven, die Gregor ihm anscheinend verheimlichen wollte. Auch jetzt noch schob der ältere Bruder seine Familie vor: „Meine Kinder sind krank und ich muss nach ihnen sehen. Komm, Christian! Mach dir noch ein paar schöne Tage auf dem Schiff und wenn du zu Hause bist, erzählst du mir alles, aber wirklich alles!“

„Was alles?“ hakte Christian irritiert nach, doch Gregors plötzlicher Abgang beschäftigte den Pferdewirt viel mehr: „Mann Gregor! Erst lockst du mich auf das Schiff und dann haust du einfach ab! Los! Ich will jetzt wissen, was da läuft?!“

„Hey, alles klar?“ stand auf mal Olli mitten im Geschehen, der gleich Christians abdriftende Laune leibhaftig mitbekam: „Nichts ist klar!“

„Ich lasse euch mal alleine!“ fand Gregor die beste Möglichkeit, sich weiteren Fragen zu entziehen. Nachdem er die Flucht aufnahm, drehte Gregor sich allerdings nochmal zu den beiden jungen Männern um: „Ach Olli, ich lasse dir bei Gelegenheit ein Exemplar der Waldensteyck – Biografie zukommen. Ein wunderschöner Bildband. Selbst Christian ist dort auf mehreren Bildern an meiner Hochzeit und der Taufe meiner Kinder zu sehen. Wird dich bestimmt interessieren!“

„Wow, damit hätte ich jetzt nicht gerechnet,“ musste Oliver sich eingestehen, während Gregor durch die Tür verschwand. Christian musste nun aber erkennen, dass es noch eine Gemeinsamkeit gab, nachdem ihm raus platzte: „Ich auch nicht!“

„Länger konnte ich Kyan wirklich nicht aufhalten,“ entschuldigte Rafael sich bei seinem Kumpel Emilio, als sie sich wieder auf den Weg nach unten in ihre Kajüte machten. Daran solltest du allerdings arbeiten, wenn du langfristig Erfolg haben willst!“ riet der Aushilfskoch zu mehr engagierten Einsatz. Aber Rafael ist ein Meister des Ablenkungsmanövers. Deshalb rollte er gleich auf Emilios Liebesleben zu: „Was ist mit deinem Erfolg? Konnte die hübsche Lady deinen braunen Kulleraugen nicht länger widerstehen?“

„Was weiß ich. Wohin sie geguckt hat? Aber ich weiß, woran es lag!“ schien Emilio sich ziemlich sicher, während er mit seinem Kollegen das Personaldeck entlang schlenderte.

„Aha? Bist du beim heißen Lambada gleich auf Tuchfühlung gegangen?“ entgegnete der Steward, wobei er hoffte, dass Emilio diesen fatalen Fehler am ersten Abend nicht gleich in die Tat umgesetzt hat. Zum Glück gab der Südamerikaner Entwarnung: „So weit ist es gar nicht erst gekommen!“

„Wieso, hatte die alte Platte einen Sprung?“ scherzte Rafael, ehe der Koch die Tür zu der Gemeinschaftskajüte öffnete und dann leicht genervt nach oben auf seine Pritsche sprang, bevor er enttäuscht wirkend antwortete: „Ihre ehrfürchtige Majestät steht eben nicht auf zwiebelschneidene Aushilfskochs. Also werde ich meine Lage grundsätzlich überarbeiten und verändern müssen. Denn ich denke, dass andere Frauen eventuell genauso funktionieren. Und noch ein Korb fange ich mir nicht ein. Hey Mann, ich habe einen Ruf zu verlieren!“
Chapter 32 by Ricki
Ahoi! ( Teil 32 )


„Na, du kennst dich ja anscheinend bestens im Leben aus. Und auch, wenn deine Theorie nicht ganz so stimmen sollte. Was hindert dich, noch mehr aus deinem Leben zu machen? Gemüseschnippeln auf Dauer erfüllt dich anscheinend nicht. Also lerne, wie man nicht nur der Zulieferer sondern wie man der Zauberer am Herd wird. Fang doch einfach eine Kochlehre an. Schaden kann es auf keinem Fall!“ schlug Rafael vor, während er eine kleine Tasche mit dem Nötigsten packte, was er später mit in Kyans Kabine nehmen wollte.

„Klar würde ich gern mal mehr machen als nur Salatköpfe waschen oder cremigen, süßen Schokoladenpudding kochen. Aber auf diesem Schiff gibt es keine Azubis in der Küche. Dort herrscht ein strenges Regiment. Alles muss schnell gehen und darf kein Geld kosten. Ich muss nur gehorsam funktionieren. Und vergiss gleich deinen nächsten Vorschlag. Aufs Festland gehe ich nicht,“ schaute der junge Mann aus Venezuela eher düster in seine Zukunft.

„Wenn das der einzige Weg ist, um voran zu kommen, solltest du es riskieren. Die Moania ist ein Teil von uns, aber nicht das Leben,“ setzte der Spanier dagegen, der tatsächlich, während er das Innere seines Spindes überflog, ob er nichts vergessen habe, für einen Moment nebenbei darüber nachdachte, ob er auch ein paar Kondome mitnehmen sollte. Aber wozu? Baxter hat Nachtwache!

Während er die Packung wieder zurücklegte und weitere Hoffnungen im Keim erstickte, ruderte Emilio erneut gegen Rafaels Meinung: „Ist ja alles schön und gut, aber Olli und du, ihr seid meine Ersatzfamilie. Nee, nee, so schnell werdet ihr mich nicht los!“

„Du musst ja nichts übers Knie brechen. Überlege dir alles in Ruhe. Aber Emilio, noch ein guter Tipp von mir: Mache deine Entscheidung nicht von einer Frau abhängig, die dich nicht so akzeptiert, wie du bist. Das ist es nicht wert. Vor allem ist sie es nicht wert. Hey, und Olli und ich werden nicht aus deinem Leben weg sein, nur weil du dich weiterentwickelst. Wir stehen zu dir, das weißt du, Amigo!“ gab Rafael seinem Kumpel zu verstehen, während er sich seine kleine Reisetasche über die Schulter hängte. „Weiß ich! Hey Mann, und nun hau schon ab! Baxters Kissen warten auf dich! Oder soll ich dir etwa noch einen Gute Nacht – Kuss geben?“ sorgte Emilio dafür, dass wieder eine andere Stimmung einkehrte. Im nächsten Moment stieg der dunkelhaarige Steward zwei Stufen der Leiter zum obigen Bett hinauf und drückte blitzschnell einen Überraschungskuss auf Emilios Wange, bevor er grinsend abdankte: „Schlaf gut und träum süß!“

„Sorry, ist später geworden. Ich bin noch aufgehalten worden. Meine Cousine wollte heute Abend unbedingt in den Tanz – Club, und da musste ich ihr eine optimale Typberatung verpassen!“ entschuldigte Olli sich für eventuelle Wartezeiten, die am Oberdeck aufgetreten sein könnten. Christian, der allerdings noch mit seinen Gedanken an Gregors überraschende Verkündung hängte, registrierte kaum die Worte des Stewards, jedoch stellte er mit seinem geschulten Blick fest: „Du hast das Buch vergessen!“

„Oh tatsächlich!“ meinte Olli, der dabei auf seine Hände starrte, über die Beobachtungsgabe grienen musste, bevor er sich dann am Kragen seiner Jacke zupfte: „Dafür habe ich aber an das gute Stück hier gedacht. Lesen kann ich auch die nächsten Tage noch!“

„Dann hast du auch mehr Ruhe dazu!“ schoss Christian hinterher, was Olli nicht so ganz auf die Reihe bekam: „Ähm? Wieso?“

„Gregor geht auf Teneriffa vom Schiff uns fliegt zurück. Ich werde ihn begleiten,“ fasste Christian sich relativ kurz, was bei Olli überhaupt nicht gut ankam: „Du wirst was?“

„Ich bin mit Gregor auf Kreuzfahrt gegangen. Ohne ihm wäre ich überhaupt nicht hier,“ schien es für Olli fast so, als wollte Christian überhaupt nicht großartig über diesen plötzlichen Entschluss reden, da für ihm anscheinend alles klar ist. Die Reise scheint abgehakt und gut. Für Olli allerdings ist diese Fahrt noch lange nicht zu Ende, aber er befürchtete fast, dass an Christians Entscheidung kaum noch etwas zu rütteln ist. Trotzdem hakte er mit einem Hauch Enttäuschung in seiner Stimme nach: „Und deswegen musst du gleich mit ihm verschwinden? Kann dein Bruder nicht alleine fliegen, wenn er unbedingt abreisen will?“

„Das ganze Brimborium hier auf dem Schiff ist sowieso nicht meine Welt. Ohne dich wäre es wahrscheinlich noch langweiliger geworden, als ich befürchtet hatte. Wasser, ich sehe nur Wasser!“ merkte Christian an, woraufhin er sich zur Reling drehte, mit ausbreitenden Händen auf die Wellen des Atlantiks zeigte und erneut wiederholte: „Siehst du? Nur Wasser!“

„Sonst siehst du nichts?“ fragte Oliver, der immer noch nicht fassen konnte, dass der Mann neben ihm wohl bald keine Rolle mehr in seinem Leben spielen würde. Aber vor allem interessierte Olli, ob er überhaupt ein Rolle in Christians Gedanken spielte?! Denn wo blieb er bei dieser getroffenen Entscheidung?

„Glaube mir, es ist besser so! Du bist auf dem Schiff zu Hause, hast hier deine Freunde deinen Job, zur Abwechslung sogar einen Teil deiner Familie an Bord. Ich werde wieder in mein Leben zurückkehren. Meine Freunde in Düsseldorf, mein Job auf Königsbrunn. Dann wird alles wieder zum Normalfall!“ betrachtete der Pferdewirt die verflixte Lage aus seiner Sicht, wobei er schon mit seinen Augen auf den Schiffsangestellten neben sich schaute und dabei bemerkte, dass die Stimmung an diesem zweiten Abend in eine ganz andere Atmosphäre lief, als selbst er es eigentlich geplant hatte.

Olli musste für sich einen Abschluss finden, wollte jedoch nicht vor Christian auf die Knie fallen, um ihm zum Bleiben anzuflehen, aber dennoch machte Oliver keinen Hehl daraus, dass Christian nicht nur einfach ein Gast auf der Durchreise ist, auch wenn Olli sich in diesem Augenblick nicht ganz sicher schien: „Naja, klingt zumindest so aus deinem Mund, als wäre das hier mit uns selbst für dich etwas Besonderes. Aber was soll’s? Haken wir es ab, okay? Nur schade! Ich hätte dir gerne noch so viel gezeigt. Die bezaubernde Altstadt von Lissabon, die einmaligen Steilküsten auf Madeira, das pulsierende Leben in Barcelona, das Flair in Neapel, inklusive meinen Lieblingsitaliener, oder auch einen einsamen, wunderschönen Strand auf Mallorca, abseits des Touristentrubels.“

„Olli, ich ….. Du, ich geh runter ins Bett. Ich bin müde! Meine Entscheidung steht,“ musste Christian einen Ausweg finden, bevor er doch noch eingeknickt wäre. Oliver konnte nur einsam zuschauen, wie der gutaussehende Boxer durch die Tür ins Innere des Schiffes verschwand, woraufhin er sich wieder dem Meer zuwandte: „Ich hätte es mir wirklich gewünscht. Im Sturzflug zurück zur Normalität, überall Wasser!“
Chapter 33 by Ricki
Ahoi! ( Teil 33 )


„Wie bekomme ich den Fisch genau auf den Punkt? Damit beginnen wir heute. Ich werde schon beweisen, dass ich mehr auf dem Kasten habe!“ fasste Emilio für sich einen Entschluss indem er sich ein fachintensives Kochbuch aus der gut bestückten Schiffsbibliothek auslieh, mit dem er sich in seine Koje zur Nacht begab und dabei im Stillen hoffte, am nächsten Morgen alles zu beherrschen, womit ein Sternekoch in jeder Hinsicht glänzen konnte.

„Schon die Auswahl ist entscheidend. Nur die beste Qualität kann wirklich überzeugen. Fangen wir bei den Gewässern an,“ lass der junge Mann aus Venezuela die ersten Zeilen, woraufhin Emilio dazwischenschob: „Das können wir wohl getrost überspringen.“

Beim raschen Weiterblättern, drehte der Aushilfskoch allerdings wieder um, und startete auf Anfang: „Nix da, Emilio Sanchez! Du willst alles wissen! Auch wo die Heringe und Lachse am liebsten fröhlich durch die Wellen surfen!“

„Hier steckst du! Eben ist mir dein Loser – Christian entgegen gekommen. Der hat sie echt nicht mehr alle. Da schlägt er wütend mit seiner Faust gegen eine Wand und als ich ihn frage, was los ist, schaut er mich wie ein kaputtes Auto an. Hattet ihr Streit?“ beschrieb Olivia die Szene, von der sie auf dem Weg zum Außendeck Zeuge geworden ist.

„Streit? Wenn es nur Streit wäre! Mann verdammt, Christian geht in zwei Tagen von Bord,“ klärte Olli daraufhin seine Cousine auf, die für dieses angedachte Problem jedoch überhaupt kein Verständnis aufbringen konnte: „Und darum ziehst du so ein Gesicht? Sei froh, dass du den Spinner los bist!“

„Und wenn ich ihn nicht loswerden will?“ konterte Oliver, woraufhin er sich, mit verschränkten Armen vor seiner Brust und einer mehr als beleidigenden und wohl auch enttäuschenden Mimik, auf eine Metallkiste pflanzte. Olivia stellte sich dann vor ihn, stemmte sich ihre Hände in die Taille und forderte: „Olli, mein Schatz, schau mich an und hör gut zu! In zwei Wochen ist diese Fahrt sowieso zu Ende. Dann ist dein „Mister Ich muss dich unbedingt haben“ sowieso wieder weg, während ich ihn in Düsseldorf weiter an der Backe habe. Dann musst du eh sehen, dass du ihn so schnell wie möglich wieder vergisst. Am besten, du fängst gleich damit an!“

„Oh Mann, Olivia, ich will Christian aber nicht vergessen!“ wehrte der hübsche Steward sich gegen die Zukunft, die über kurz oder lang das weitere Schicksal bestimmen wird. „Lieber Gott im Himmel, sorge bitte dafür, dass ich mich nie ernsthaft verliebe. So möchte ich jedenfalls nicht enden!“ stieß die junge Schneider ein Stoßgebet in den Sternenhimmel, woraufhin Olli kurz seinen Kopf über Olivias verfasstes Statement schüttelte, ehe er es genau wissen wollte: „Dir ist es also lieber, wenn dieses Schiff untergehen sollte, dass du nicht das wunderbare Gefühl von starker, verbindender Liebe in dir trägst?“

„Olli, das ist doch Quatsch! Das Schiff kann gar nicht untergehen. Oder hast du auf der Fahrt schon irgendwo Eisberge gesehen, die wir rammen könnten? Im Mittelmeer werden sicherlich auch keine sein. Also vergiss diesen Titanic- Romantik – Mist! Ich freue mich jedenfalls schon auf Barcelona. Den Tag hast du mir versprochen!“ erläuterte Charlies aufgeweckte Nichte die Gefahrenlage auf hoher See.

„Du bist mir wirklich eine große Hilfe!“ musste der dunkelhaarige Mann erkennen, dessen Probleme nicht weniger zu werden schienen. „Sag ich ja! Ich werde ständig unterschätzt! Komm Olli, wir gehen jetzt runter an eine der Bars, genehmigen uns einen prickelnden Champagner, stürzen uns dann in das Getümmel des Nacht – Clubs und suchen dir ein flottes Betthäschen, was sich nicht so zimperlich anstellt und die Biege macht, wenn es ernst wird,“ schlug Olivia das vielseitige Programm der Nacht vor.

„Ich will keinen anderen, kapiert?!“ demonstrierte Olli Entschlossenheit, womit er seine Cousine allerdings nicht überzeugen konnte: „Natürlich willst du! Also komm jetzt, alter Krieger! Die richtigen Helden warten auf dich!“

„Kyan? Ich dachte, du hast Nachtwache?“ wunderte Rafael sich extrem, als er mitten in der Nacht aufwachte und in dem Licht, das der Mond ihn durch das Bullauge schenkte, in das Gesicht des Mannes schaute, der vollkommen überraschend still ihm zugewandt lag.

„Planänderung!“ flüsterte der Offizier mit geschlossenen Augen, der dann noch hinzufügte: „Ich passe lieber auf, dass dir nichts passiert!“

„Ach ja?! Und wie machst du das, wenn du deine Augen geschlossen hältst?“ fasste der junge Steward nach, woraufhin der braunhaarige Mann von der Brücke seine Augen aufriss und seinen Blick genau ins Ziel visierte: „Besser?“

„Zumindest sehr sehenswert! Aber wenn du lieber schlafen möchtest?“ lenkte Rafael ein. „Willst du schlafen?“ folgte prompt die Gegenfrage, die auch eine Antwort erwartete: „Ich bin jetzt hellwach!“

„Dann erzähl mir etwas! Irgendetwas aus deinem Leben. Da gibt es doch bestimmt vieles interessantes. Aus deiner Personalakte habe ich lediglich entnommen, dass du auf Mallorca gelebt hast, bevor du auf See gingst,“ forderte Baxter, während er seinen intensiven Blick aufrecht hielt. „Du hast dich in meine Personalakte eingelesen?“ empörte der Spanier sich eher scherzhaft, was Kyan auszubauen wusste: „Rein beruflich! Mann will ja schließlich wissen, mit wem man sich das Bett teilt.“

„Du siehst das hier also beruflich?“ fragte Rafael nun doch ein wenig irritiert nach, während sein Augen alles aufsaugten, was sie im Mondscheinlicht zu packen bekamen. „Alles was auf diesem Schiff zwischen Angestellten passiert, ist beruflich. Alles andere darf gar nicht passieren,“ stellte der Stellvertreter des Kapitäns ganz deutlich klar, obwohl Rafael in Kyans Stimme gewisse Schlupflöcher in der Auslegung der Gesetze wahrnahm. Trotzdem hakte er vorsichtshalber nochmal nach: „Passiert denn etwas?“
Chapter 34 by Ricki
Ahoi! ( Teil 34 )


„Sag du es mir? Warum liegst du hier neben mir? Warum nicht in deiner Kajüte?“ forderte der erste Offizier den dunkelhaarigen Steward heraus, der dann versuchte die befindliche Lage zart zu umschreiben, wobei er mit Baxters eigenen Worten konterte: „Vielleicht finde ich es etwas Besonderes?! Aber vielleicht ist es auch rein beruflich?! Schließlich muss man ja herausfinden, warum man sich gegenüber im selben Bett liegt, sich gegenseitig in die Augen schaut und der Stimme neben sich vertraut!“

„Du vertraust mir?“ wollte Baxter es genau wissen. „Momentan wüsste ich keinen Grund, warum ich es nicht tun sollte!“ ließ Rafael durchblicken. Der ranghohe Offizier lieferte dann jedoch ein herausforderndes Gegenargument: „Ich könnte dich ausnutzen, um vielleicht herauszufinden, was sich unter Deck abspielt?!“

„Natürlich könntest du das. Vielleicht rechne ich sogar damit,“ nahm Rafael dem Iren den Wind aus den Segeln, bevor er eine leichte Provokation startete: „Was willst du wissen, was du sowieso schon weißt? Laut deiner Aussage hast du deine Augen überall und weißt alles von uns.“

„Warum liegt der deutsche Tourist in deinem Bett? Doch nicht nur, weil Sabel auf ihm scharf ist?!“ ließ Baxter plötzlich eine Bombe platzen, mit der Rafael nicht gerechnet hatte. Dennoch versuchte der Steward nicht nervös zu werden, um eventuelle weiterführende Verdächtigungen zu wecken: „Beängstigend! Du weißt echt alles!“

„Wenn die Zwei wollten, könnten sie auch in einem Bett schlafen!“ gab Baxter zu bedenken, wodurch Rafael kapierte, dass er immer weiter in seine eigene Trickkiste greifen musste, damit sein Schwarm der eigentliche Tragödie nicht auf die Spur kam: „Du hast schon registriert, dass unsere Betten schon schmaler sind als deine Luxusvariante hier? Außerdem …., ach egal! Wir halten Olli und Christian einfach daraus, okay?“

„Dein Kollege und dieser Gast interessieren mich nicht. Ich will lediglich wissen, warum der Tourist nicht in seiner Kabine schläft?! Was spielt sich da ab?“ gab Detektiv Baxter aber nicht so schnell auf und bohrte weiter, was Rafael immer mehr in Bedrängnis brachte: „Kabine? Was soll sich da abspielen? Kyan, bitte lass uns schlafen. Ich bin müde!“

„Welche Kabinennummer hat er? Deck A, Deck B, Deck C, Deck D, …. Soll ich weitermachen? Vielleicht noch alle Kabinennummern aufzählen? Kürzen wir es ab. Ich finde es sowieso raus,“ legte der Offizier nach, was dem Steward allmählich Angst machte, denn ihm wurde mittlerweile bewusst, in was für eine schwierige Situation er hineingerutscht ist. Dennoch galt es diese zu widerstehen und überstehen: „Kyan bitte! Hör auf damit! Ich kann es dir nicht sagen!“

„Erst hast du noch gesagt, dass du mir vertraust!“ zog Kyan eine andere Schublade auf. „Jetzt habe ich Angst!“ meinte dagegen Rafael, wobei er hoffte, dass der Mann neben ihn endlich Ruhe gab. Das ranghohe Crewmitglied ist jedoch kurz vorm Ziel und dachte gar nicht daran, sich jetzt zurückzuziehen: „Du brauchst keine Angst haben, schon gar nicht vor mir! Vertraue mir, Rafael. Du bedeutest mir sehr viel, ansonsten würdest du hier nicht neben mir liegen. Das kannst du mir glauben. Aber du musst mir eben vertrauen, voll und ganz! Nur so kann ich verhindern, dass dir etwas passiert!“

„Scheiße, Deck C, Kabine 77. Bitte Kyan, verspreche mir, dass du es nicht kaputt machst, was hier zwischen uns passiert. Wenn es denn passiert? Ich vertraue dir, Kyan!“ wurde Rafaels Widerstand gebrochen. Aber mit seinen Augen ließ er den Offizier nicht entkommen. Wie ein Anker bohrte er seinen Blick und somit die große Hoffnung, dass ab jetzt nicht alles verloren ist, in das stahlblaue Meer der zwei Augen des Mannes gegenüber, der nach wie vor dem direkten Kontakt standhielt: „Ich gebe dir mein Wort. Du kannst mir vertrauen. Aber ich muss es wissen. Was spielt sich in Kabine 77 auf Deck C ab?“

„Ich kann es dir wirklich nicht sagen! In deiner Position müsstest du tätig werden und das wäre das Ende, nicht nur zwischen uns, oder zwischen mir und meinen Freunden Emilio und Olli. Alle vertrauen mir und sind jetzt von dir abhängig. Wenn du es weißt, werden wir uns danach wahrscheinlich nie wieder in die Augen schauen können. Lass mir bitte das Geheimnis. Es tut doch niemanden weh. Und bitte Kyan, halte dich von dieser Kabine fern,“ flehte der Spanier den Offizier förmlich an. Baxter blieb vollkommen entspannt, stellte jedoch eine Bedingung: „Du kannst ganz beruhigt sein. Es wird kein Ende geben, aber ich muss aus deinem Mund hören, welches Geheimnis sich hinter der Tür von Kabine 77 auf Deck C befindet. Flüstere es ganz leise und ich verspreche dir, dass alles gut wird!“

„Guten Morgen, meine süßen Zuckerschnäuzchen! Rau aus den Betten! Das wird heute ein herrlich sonniger Tag auf See. Ich wette, oben auf dem Sonnendeck laufen die Touris sich bereits die Füße platt, um so früh wie möglich ihre Handtücher auf den Liegen zu verteilen,“ feuerte der frisch geduschte Emilio am nächsten Morgen einen gutgelaunten Weckruf in die kleine Gemeinschaftskajüte, der Olli nichts mehr anhaben konnte. Denn der sympathische Steward ist bereits vor wenigen Minuten aus seinem obigen Bett gesprungen und packte schon mal einige Utensilien bereit, die er gleich mit in die Waschräume nehmen wollte, um ebenfalls in diesen Tag zu starten. Während er das Duschgel griff, brachte er dem smarten Aushilfskoch entgegen: „Und das sagt der, der den ganzen Tag unter Deck in der Küche steht und von dem Treiben in der Sonne gar nichts mitbekommt!“

„Tja, mein Junge, die Welt ist ungerecht. Aber es zählt immer noch das Wie! Und heute nehme ich die Sonne mit in die Kombüse. Als erstes werde ich gleich für unsere zahlenden Gäste und die lieben Kollegen Kraftvolle, Nährstoffhaltige und Vitaminreiche Müslis zusammenstellen, damit die motivierten Sportskanonen unter uns schwungvoll der Sonne entgegen fliegen können,“ sprudelte Emilio weiterhin seine gute Laune in den kleinen Raum, wobei er vor allem Christian ins Visier nahm, der seinen Kopf noch müde in die Kissen drückte. Noch während der Südamerikaner dann an seinen Spind ging, um seine Kochuniform anzulegen, meinte Olli mit einem vorwurfsvollen Unterton in seiner Stimme: „Wer weiß, ob er den Tag überhaupt starten will?!“

„Natürlich will er! Jetzt gleich ausgiebige 35 Grad über den Body rauschen lassen, kräftig einseifen, mit etwas geringerer Temperatur nachspülen und der Mann bekommt eine ganz andere Farbe!“ erteilte Emilio einen Startertipp, woraufhin Christian mit einem flotten Satz aus einem Bett sprang, ebenfalls seine Badetasche schnappte und dabei loswerden musste: „Mann, bin ich froh, wenn das hier vorbei ist! Das hält auf Dauer keiner aus!“

„Opps! Da hat aber jemand eine miese Laune?! Olli, was ist schiefgelaufen?“ wollte Emilio sich erkundigen. Der Angesprochene schaute kurz in Christians Gesicht, ehe er sich wieder auf seine Sachen konzentrierte, während er alle Schuld von sich wies: „Was fragst du mich?“
Chapter 35 by Ricki
Ahoi! ( Teil 35 )


„Ich gehe duschen!“ schien es Christian zu blöde zu sein, der auch keine großartige Lust verspürte, jetzt jedem zu erklären, warum er das Schiff verlassen wird. „Willst du nicht warten, bis Rafael kommt und dich mit nach oben in deine Kabine nimmt, so wie gestern?“ hoffte Oliver, dass er zumindest in diesem Punkt positiv punkten konnte. Aber selbst darauf sprang Christian nicht an: „Wer weiß, wann das ist? Ich nehme die Gemeinschaftsdusche!“

Gesagt, getan! Nachdem Christian die Kajüte verließ und Emilio mittlerweile in seine karierte Kochhose gesprungen war, haute er Olli an: „Was stehst du hier noch rum? Los, hinterher!“

„Vergiss es! Christians Blick und seine Stimmung sprach nicht gerade von einer Einladung, sondern gab mir eher zu verstehen, dass ich auf Distanz bleiben soll!“ legte Charlies Neffe die aufgebrachten Zeichen der Lage so für sich aus. „Mit dieser Einstellung kommst du nicht weit, mein Freund! Du musst schon anders reagieren, als er es erwartet, weil er es nämlich wahrscheinlich auch anders erwartet. Und ansonsten, für spezielle Überraschungen sind Männer immer zu haben,“ erteilte der selbsternannte Liebesheld aus Caracas erneut kluge Ratschläge, mit denen Olli zur Zeit aber vollkommen überfordert ist: „Mann, Emilio! Morgen ist er weg! Christian geht in Santa Cruz von Bord. Was mache ich denn jetzt?“

„Morgen von Bord? Wieso macht eigentlich jeder, was er will? Man kann überhaupt nicht vernünftig und zukunftsweisend planen!“ schimpfte der bereits fertig eingekleidete Koch, der diesen über Nacht gekommenen Entschluss auch überhaupt nicht nachvollziehen konnte und wollte. „Jetzt ist sowieso jeder Plan witzlos!“ stand Olivias Cousin bereits davor, die weiße Flagge zu hissen. Daraufhin legte Emilio freundschaftlich und verbindend seinen Arm um Ollis Schulter und zeigte in eine andere Richtung: „Sag ich ja! Ein Plan nützt nichts! Mein Hase, dir bleibt jetzt noch genau ein Tag und eine Nacht, um deine Aprikosenschnitte davon zu überzeugen, dass er lieber auf dem Schiff bleiben will. Du musst ihn überraschen und damit einfangen. Vielleicht wirst du sogar selber überrascht, und dann …..“

„Was soll ich machen? Ihn etwa im Maschinenraum fesseln?“ kam Oliver kein geeigneter Einfall. „Wenn er darauf steht, zieh’s durch! Mein Gott, Olli, nun mal raus mit deinen ganzen Fantasien! Pack den Stier bei den Hörnern, Torero! So schwer kann das doch wohl nicht sein?!“ wollte der brauäugige Südamerikaner den gutaussehenden Steward, der anscheinend immer noch an seinen Qualitäten zweifelte, auf Kurs bringen, bevor er mit bekam, wie dieser sich aus den Staub machen wollte: „Hey, wo willst du hin?“

„Erstmal duschen und dann durchstarten!“ antwortete Olli nun ein Stück motivierter, woraufhin er dann den Saal verließ. Emilio warf daraufhin einen letzten Blick in den Spiegel an dem Kleiderschrank, vor dem er seinen Kragen richtete und dabei seinem Spiegelbild zu verstehen gab: „Das ist wieder mein Olli! Der da im Spiegel und ich wünschen dir viel Glück! Du packst das!“

„Ah, du bist ja doch schon wach?!“ sagte Kyan Baxter, der sich in seinem kleinen Badezimmer vor dem Spiegel über dem Waschbecken rasierte und nun sah, wie Rafael plötzlich in der Tür stand, der seinen Kopf mit zerzausten Haaren und noch müden Blick an den Pfosten lehnte. Der junge Spanier genoss diesen Anblick, der sich ihn an diesem Morgen bot und gleichzeitig verspürte er seinen persönlichen Glücksmoment, denn wie lange hatte er vom gemeinsamen Aufwachen mit Kyan Baxter geträumt, auch, wenn er diesen besonderen magischen Augenblick tatsächlich verschlief. Allerdings ahnte Rafael, dass noch viele dieser Morgen folgen werden und er somit nichts verpassen würde, auch wenn an der einen oder anderen Stelle immer noch kleine Fragezeichen lauerten.

„Soll ich dir helfen?“ fragte der Stewart mit leiser Stimme, da er schon mitbekam, wie Baxter gewisse Verrenkungen fabrizierte, um mit seinem Handrasierer jedes einzelne Haar zu erwischen, denn ein gutes gepflegtes Äußeres schien dem ersten Offizier durchaus wichtig. „Wenn du im Nacken ….?! Da komme ich immer schlecht ran!“ nahm der Ire das Angebot gerne an, woraufhin er Rafael, der ebenfalls sofort hinter ihn flog, die Klinge in die Hand drückte.

„Das haben wir gleich!“ versicherte Rafael, wobei er seine Augen immer wieder in den Spiegel schauen ließ, in dem er Baxters Brust, dessen Gesicht, dessen Blick und vor allem dessen Lächeln antraf. Dabei konnte der smarte Steward einen lobenswerten Kommentar nicht weiter verschweigen: „Du weißt schon, dass du unheimlich gut aussiehst?“

„Stimmt eben alles, so wie bei dir! Deswegen verstehe ich nicht, warum du noch nicht versucht hast mich zu küssen oder zu verführen?! Gelegenheiten habe ich dir nun genug gegeben,“ warf der erste Offizier ein, wobei er versuchte, möglichst ernst rüber zu kommen. Der Spanier konzentrierte sich auf die letzten Nackenhaare, zögerte noch einen Moment mit seiner Antwort, die er aber dann nicht länger schuldig bleiben wollte: „Vielleicht habe ich Angst, dass dann alles vorbei ist?!“

„Du meinst, wir Zwei hätten eine Nacht und dann würde ich dich wieder zurück in deine Kajüte schicken?“ folgerte Baxter daraus. Rafael wollte seine Überlegungen dann allerdings genauer formulieren: „Du weißt selber, dass Pärchen unter Angestellten auf dem Schiff nicht geduldet werden. Also würde es zwangsläufig dazu kommen. Wenn ich dich nicht küsse, bleibt zumindest die Hoffnung, dass es eine Zukunft geben könnte. Lieber eine Hoffnung als die Gewissheit, dass wir Momente, wie in den letzten beiden Nächten nie wieder haben werden!“

„Könntest du dir denn eine Zukunft mit uns vorstellen?“ wollte Kyan wissen, der dann sein Flacon öffnete, um das gewisse After Shave gleichmäßig auf seiner Haut zu verteilen. Rafael blieb hinter ihm stehen, beobachtete den Mann genau und nahm den bekannten prägenden Duft wohlwollend auf, während er klarstellte: „Nichts wäre mir lieber! Aber vorher müssten eben für mich alle Fragen geklärt sein.“

„Fragen?“ schaute das ranghohe Crewmitglied verwundert in den Spiegel. Für den Spanier stand fest, dass es jetzt kein Zurück mehr gab, darum stellte er die Frage, die ihm am meisten auf der Seele brannte: „Wer ist Elias?“

Ein letzter Blick in den Spiegel, dann verließ Kyan ohne ein Wort das Badezimmer. „Klasse Rafael Velasquez! Das hast du sauber hinbekommen!“ musste der junge Mann von Mallorca für sich anerkennen. Zögerlich bewegte er sich zur Tür und schaute zu, wie Baxter sich in seine saubere weiße Uniform schmiss. „Wenn ich jetzt irgendwas falsches ….? Ich wollte dir nicht zu nahe treten,“ entschuldigte Rafael sich halbwegs, woraufhin der Offizier ihm einen gefestigten Blick zuwarf: „Du kannst jetzt in Ruhe duschen. Ich muss auf die Brücke!“

„Ich vertraue dir, Kyan! Ich hoffe, ich bedeute dir auch irgendetwas?!“ kamen bei Rafael allmählich Zweifel auf, denn in diesem Moment wurde ihm auch noch wieder bewusst, dass er in der Nacht ein weitreichendes Geheimnis ausgeplaudert hatte. Er wollte die Ahnungen wegschieben, aber Rafael befürchtete, dass jetzt alles um ihn herum wie ein baufälliges Kartenhaus zusammenstürzen könnte. Die Uniform saß perfekt. Nun griff sich Kyan noch seine Offiziersmütze, setzte sie sich auf den Kopf. verzog dabei keine Miene, trat dann vor Rafael, strich ihm sanft über dessen rechten Oberarm, beugte sich ein Stück vor und flüsterte dem jungen Mann dann ins linke Ohr: „Ich erzähle dir später, wer Elias ist. Ach, und Rafael, ich kann mir auch eine Zukunft vorstellen, aber nur mit dir in der Hauptrolle.“

Noch während die leisen aber dennoch durchdringenden Worte durch Rafaels Welt rauschten, küsste Kyan Baxter ihn sanft auf dessen Wange und verschwand dann durch die Tür.
Chapter 36 by Ricki
Ahoi! ( Teil 36 )


Als Christian sich auf dem Weg zum Frühstück begab, sah er im großzügigen Bereich der Treppen und Fahrstühle, von wo aus man dann in die Restaurants gelang, die Frau, die ein Grund darstellen könnte, warum Gregor unbedingt von Bord gehen wollte. Zwar hat der Boxer sich allmählich damit abgefunden, diese Reise und alle weiteren Abenteuer, die sich daraus ergeben könnten, den Rücken zu kehren, allerdings interessierte ihn schon, warum sein Bruder ihm die Wahrheit verschwieg. Da Gregor noch nicht in Sicht ist und diese Frau sich auch gerade aus dem Gespräch mit einem älteren anscheinend wohlhabenden Paar zog, nutzte Christian die Gelegenheit und marschierte entschlossen auf die brünette Dame zu: „Verzeihung! Wir kennen uns noch nicht!“

„Muss auch nicht weiter sein, Christian Mann! Sie entschuldigen mich? Mir ist jetzt erst mal ein Kaffee und ein Croissant wichtiger als ein belangloses Gespräch,“ ließ die arrogant wirkende Tessa von Tannheim Christian regelrecht abblitzen, obwohl Christian sich schon wundern musste, was er auch kundtat: „Moment, sie kennen meinen Namen?“

„Ach du liebes bisschen! Wenn ich gewusst hätte, dass er ein Staatsgeheimnis ist, hätte ich ihren Namen nicht erwähnt. Darf ich jetzt trotzdem zum ersehnten Frühstück oder bin ich verhaftet?“ konterte die Frau mit einem aufgesetztem Lächeln, welches bald in Langeweile umschlug. Christian ließ sie jedoch nicht so schnell entkommen und stellte sich ihr regelrecht in den Weg: „Was läuft da zwischen ihnen und meinem Bruder Gregor?“

„Gregor?! Eben nichts, das ist ja das Problem! Und jetzt machen sie den Weg frei!“ lag Tessa anscheinend nicht viel daran, das Rätsel aufzulösen. Der Düsseldorfer Pferdewirt merkte, dass er hier nicht weiterkam, trat einen Schritt zur Seite, ließ die Person passieren und musste daraufhin für sich selbst realisieren: „Was für eine arrogante Schaumblase! Und mit so was gibt Gregor sich ab?“

„Was stellst du heute noch an?“ erkundigte Kim sich bei ihrer Schwester Marlene, mit der sie sich nach dem Frühstück in einer der zahlreichen Lounge – Ecken auf dem Schiff traf. „Auf jeden Fall haben wir heute noch Proben und ansonsten mal schauen. Vielleicht ein Prise Sonne genießen?! Und du? Ausschau nach einem neuem Verehrer halten?“ nahm der Star des Musicals Kim ein wenig hoch.

„Du spielst auf diesem Aushilfskoch an?“ hakte Ansgars Tochter nach, wobei sie ihre Arme überprüfte, ob diese sich schon mit der Sonne arrangiert haben. „Wie das klingt?! Ist er dem Standard der kleinen verwöhnten Prinzessin nicht würdig? Du hast wohl arge Befürchtungen, der gute Ansgar könnte dir die Kreditkarte sperren, wie?“ stichelte Marlene unverblümt weiter. „Quatsch, das würde Ansgar nie tun! Hoffe ich jedenfalls,“ sah die jüngste Wolf – Schwester ihre Zukunft eigentlich gesichert. „Würde mich allerdings wundern, wenn du dich von Ansgar aufhalten lassen würde. Also was spricht dagegen, sich die süßen Liebesfloskeln dieses hübschen Jungen anzuhören? Und gib ruhig zu, dass du ihn süß findest. Du verrätst mehr, als du glaubst,“ machte die Sängerin Kim darauf aufmerksam, was Gesten, Blicke und Wortspiele so alles ans Tageslicht brachten.

„Ja, okay! Er ist schon süß. Aber was bitteschön hätte das für eine Zukunft? Kannst du das auch in deiner Glaskugel lesen? Nächste Woche düse ich wieder zurück nach Königsbrunn und dieser Emilio, oder wie der heißt, segelt weiter um die Welt,“ malte Kim die Bilder der Zukunft in die Gegenwart, woraus Marlene die Schlüsse zog: „Ah verstehe! Du hast deinen Kopf eingeschaltet und lässt diesen über dein Herz bestimmen?!“

„Alles andere führt zum Chaos, glaube mir! Außerdem, was soll das überhaupt heißen? Marlene, ich habe null Gefühle für ihn, also kann ich ganz klar und deutlich denken!“ behauptete die junge Wolf, ehe Marlene sich aus dem Sessel erhob: „Dann kann ja nichts schiefgehen. Ich gehe dann mal Text lernen. In meinem Drehbuch steht jedenfalls, was ich zu sagen und tun habe.“

„Mein Drehbuch ist auch geschrieben, und darin kommt kein Prinz mit braunen Kulleraugen, schneidigen Sprüchen auf der Zunge und vor allem Frittengeruch drin vor,“ schien Kim sich ziemlich sicher, die sich ebenfalls aus den Sitzmöbeln schwang. „Wenn nicht kurzfristig umdisponiert wird,“ zwinkerte die Musicaldarstellerin ihrer Schwester zu, die jedoch die eigene Kontrolle über ihr Leben behalten wollte: „Hah! Da habe ich dann auch noch ein Wörtchen mitzureden!“

„Also, das musst du mir nachher alles nochmal ausführlich erzählen. Baxter lag wieder neben dir im Bett, du hast seinen Atem gespürt und nichts ist passiert?!“ wunderte Olli sich schon, als Rafael ihm, während des Umziehens in der Kajüte, die Kurzfassung der letzten Nacht wiedergab. „Ich habe nicht gesagt, dass nichts passiert ist,“ legte der Spanier sein Veto ein, was Olli dann doch irritierte: „Wie jetzt?“

„Erste Raubtierfütterung des Tages ist abgeschlossen!“ stürmte nun der Aushilfskoch, der sich mit den beiden Jungs die Kabine teilte, herein, bevor Rafael die Gelegenheit bekam, ein genaueres Bild der vergangenen Stunden zu zeichnen. Denn auch nach dem Eintreten übernahm Emilio das Kommando in der Kajüte, da ihm brennend Olivers weiteres Vorgehen von heute Morgen interessierte: „Was ist jetzt, Olli? Hast du den Stierkampf gewonnen?“

„Stierkampf?“ ist es nun Rafael, der den Überblick in der Dreiercombo verlor. Olli zögerte noch einen Augenblick, schaute dabei allessagend in Emilios Augen, der schon im Vorfeld ahnte, wie das Spektakel geendet haben könnte. Charlies Neffe entschloss sich dann aber doch, lieber die Wahrheit zu sagen, bevor dumme Gerüchte entstehen könnten: „Es hat kein Kampf stattgefunden. Mann, ich konnte das echt nicht bringen. Ich habe die andere Dusche im Bug – Abschnitt genommen. Ihr braucht gar nicht so zu gucken! So billig konnte ich einfach nicht rüberkommen.“

„Von billig kann ja wohl keine Rede sein. So, wie wir drei hier stehen, haben wir alle unseren Wert. Hey, und wer das von den Lieben und Heißen da draußen nicht schnallt, der kann von mir aus getrost in den Atlantik hopsen,“ gab der junge Mann aus Caracas sein Statement ab, dem Olli nur beipflichten konnte: „Eben! Ich werde mich damit abfinden, dass Christian lieber mit seinem Bruder nach Hause fliegt, anstatt wegen mir zu bleiben. Soll er meinetwegen. Es gibt andere Probleme auf dieser Welt.“

„Leute, die Jungs sind weg! Javier und Yassin, ich kann sie nirgends finden,“ kam der nächste Orkan durch die Kajütentür geflogen. Total verdattert starrten die Männer auf den Sohn des Schiffarztes, woraufhin Emilio nachhakte: „Wie weg? Das kann gar nicht sein. Rafael hat die beiden doch erst zurück in die Kabine gebracht.“

„Aber ich war eben in der der Kabine. Ich wollte nochmal nach ihnen sehen, damit sie am letzten Tag nicht noch nervös werden. Auf jeden Fall waren sie nicht da,“ berichtete Timo die neusten News, die vor allem Rafael zu denken geben, wobei er ganz still wurde und hoffte, dass nicht das eingetreten ist, was er gerade befürchtete.

„Dann streunen die Jungs irgendwo auf dem Schiff rum. Wir legen heute nirgends an. Also können sie nicht vom Schiff runter. Und gesprungen sein werden sie ja wohl nicht,“ machte Oliver darauf aufmerksam, dass nicht alles verloren sei. Das leuchtete der Schleuserbande zwar auch ein, aber dennoch durchfuhr dem Koch der Truppe eine böse Vorahnung: „Wenn sie aufgegriffen wurden, werden wir auch am Arsch sein. Goodbye MS Moania!“

„Für Javier und Yassin steht mehr auf dem Spiel. Also, wo könnten sie sich aufhalten? Kommt Jungs, überlegt! Ihr kennt euch besser auf dem Schiff aus!“ forderte Timo die Mithilfe bei der Rettungsaktion. „Rafael, als du die beiden Männer zurück in die Kabine gebracht hast, ist euch irgendjemand begegnet oder hat euch irgendjemand beobachtet?“ holte Oliver seinen spanischen Kollegen aus dessen Alpträumen zurück ins Boot. „Begegnet? Beobachtet? Ich …. Nein, ich habe aufgepasst. Da war keiner!“ behauptete Rafael, der in seinen Gedanken den ganzen langen Flur durch alle Ecken nochmal ablief und dann still für sich einen miesen Wortbruch erkennen musste: „Du hast es mir versprochen. Ich habe dir vertraut! Scheiße!“
Chapter 37 by Ricki
Ahoi! ( Teil 37 )


„Was hängst du hier in der Kabine rum? Draußen scheint die Sonne!“ erkundigte Christian sich derweil bei seinem Bruder, als er in dessen Kabine platzte. Bevor Gregor überhaupt antworten konnte, trompetete der jüngere der Manns bereits seine Vermutung in den Raum: „ Ach, verstehe! Du willst dieser arroganten, aufgedonnerten Fregatte aus dem Weg gehen?!“

„Ist dir das Frühstück nicht bekommen, oder warum machst du so einen Wind? Ich habe einiges zu tun, um die Rückreise auf die Reihe zu bekommen. Ich muss unsere Flüge buchen, obwohl, überleg’s dir! Du musst nicht mit. Ich bin schon groß und brauche niemanden der mir im Flieger das Händchen hält,“ signalisierte Gregor nochmals, dass seine Entscheidung Christians Ziele nicht beeinflussen sollten. „Meine Entscheidung!“ haute Christian mehr als deutlich raus, bevor er wieder zum Thema kam: „Also, weich nicht aus! Ich lasse nicht locker, bis du mir die Wahrheit gesagt hast. Wer ist diese Frau?“

„Kannst du mal aufhören zu nerven, Christian?!“ verlangte der Prinz von Waldensteyck ein Ende des Verhörs, das für den Pferdewirt nun aber erst so richtig losging. Christian warf sich rücklings auf das große Doppelbett, verschränkte seine Arme hinter seinem Kopf und nahm seinen Bruder, der sich das Schauspiel ungläubig ansah, ins Visier: „Ich tippe ganz stark auf eine alte Kundin von dir, stimmt’s?“

Da Gregor in diesem ertappten Moment verlegen nach unten starrte, wusste Christian Bescheid: „Punktlandung! Was will sie von dir?“

„Was wohl? Sie will da wieder ansetzen, wo ich …. Mann, verdammt! Ich mach diese Scheiße nicht mehr!“ gab Gregor klar zu verstehen, wobei er sich ein Kissen vom Sessel griff und es voller Wut in eine andere Ecke des kleinen Ferienquartiers feuerte. „Das wäre ja auch noch schöner! Du bist mit einer wundervollen Frau verheiratet. Du hast eine tolle Familie, jeden Luxus, von dem andere nur im Entferntesten träumen. Wie kommst du überhaupt auf solche unterirdischen Gedanken?“ konnte Christian nicht ganz nachvollziehen, der aus seiner Liegestellung wieder aufsprang und sich dafür auf die Bettkante setzte. Gregor fischte inzwischen wieder das Kissen aus der Ecke und legte es an seinen Platz zurück, bevor er seinen Bruder mehr als verwundert ansah: „Ich? Hast du sie noch alle? Die olle Tannheim will mir doch an die Wäsche. Mann, die Alte erpresst mich. Wenn ich ihr nicht den charmanten und scharfen Gregor gebe, schaltet sie ein Video im Netz. Die ganze Welt kann dann sehen, wie ich mich damals bei ihrer besten Freundin mächtig ins Zeug gelegt habe. Und das war kein niedlicher Blümchensex, das kann ich dir versprechen!“

„Und das lässt du dir gefallen? Los, ruf die Polizei! Warte, ich mach das!“ stand für den Boxer umgehend fest, wie weiter zu verfahren sei, woraufhin er sich sein Handy aus der Jeanshose zog. „Spinnst du?! Was soll das bringen? Ich will Luise und meinen Kindern diesen Dreck ersparen,“ griff der ehemalige Callboy unmittelbar ein. Nachdem er Christians Handy einkassierte, erklärte er: „Was glaubst du wohl, was passieren wird? Die Presse wird sich wie die Geier auf Waldensteyck stürzen. Wochenlang wird irgendein Mist über uns in der Zeitung stehen. Alleine schon, wenn es zu einem Prozess kommen wird.“

„Aber irgendwie müssen wir diese läufige Gräfin doch stoppen können? Ob eine Flucht da der richtige Weg ist? Wahrscheinlich landet das Video schon im Netz, während du noch über den Wolken nach Hause segelst, oder meinst du, die Tussi wird begeistert sein, wenn sie merkt, dass du auf und davon bist?“ meinte Christian zu wissen, wie es am Ende ausgehen könnte. „Aber dadurch bewahre ich meinen Stolz und lasse mich auf nichts ein. Ich bin durch mit dem Thema. Tja, und letzten Endes wurde die schöne Kreuzfahrt dadurch verdorben,“ machte Gregor deutlich, dass er seine Luise auf keinem Fall betrügen und verraten würde, egal, was passiere.

Nachdem Gregor Christian dessen Handy wieder reichte, zog der Boxer seinen Bruder in seine Arme: „Mann Alter, ich bin echt stolz auf dich, dass du dich nicht auf dieses billige Niveau ziehen lässt. Glaube mir, Luise wird zu dir stehen, genauso wie ich. Hey, und jetzt raus in die Sonne. Wir sollten den letzten Tag genießen. Morgen geht’s zurück nach Hause!“

„Gib mir noch ein bisschen Zeit! Ich komme später nach, okay?“ bat Gregor, um von dem erzwungenen Geständnis, das ihm gut tat, wieder runterzukommen. „Alle Zeit der Welt! Und nächstes Mal kommst du gleich zu mir, wenn’s Probleme gibt, Mister Super – Lover!“ sagte Christian noch mit einem breiter werdenden Grinsen im Gesicht, bevor er in der Tür seinem Bruder mit dem Daumen nach oben signalisierte, dass alles gut wird.

„Ich verstehe es nicht. Wo können die Zwei stecken? In der Kabine waren sie doch sicher,“ stand Timo vor einem Rätsel, in dem auch Emilio eine Lösung suchte, mit dem der Sohn des Arztes wieder zurück in die Gemeinschaftskajüte kam, wo Rafael Klamotten, die er aus der Wäscherei geholt hatte, in seinen Spind sortierte, wobei der Spanier es für sinnvoller hielt, sich jetzt nicht unbedingt in irgendwelche Spekulationen einbeziehen zu lassen.

„In dem Maschinenraum komme ich nicht unbemerkt rein. Das gilt auch für die Jungs. Die Beiden würden dort sofort auffallen. Und wenn sie sich in eine andere Kabine verzogen haben, werden sie bestimmt auffliegen, weil wir sie nicht schützen können,“ mutmaßte der junge Aushilfskoch, woraufhin Timo ein schreckliches Szenario erstellte: „Ich hoffe nur nicht, dass jemand in die Kabine gekommen ist und vor lauter Panik sind Javier und Yassin über den Balkon ins Wasser gesprungen!“

„Das glaube ich nicht. So ein Unfall hätte auf dem Schiff schon die Runde gemacht. Hast du noch eine Idee, Rafael?“ band Emilio nun den Steward in die Suche mit ein, der daraufhin kurz schlucken musste, dann aber versuchte, wieder auf Schuldlos umzuschalten: „Ich?“

„Ja du! Du bist doch auch so ein Insider auf dem Schiff. Dir bleibt doch nichts verborgen!“ kannte Emilio die Vorzüge des jungen Mannes genau, der gerne seine Fühler überall ausstreckte. Rafael schwieg daraufhin, schloss dann seinen Schrank und drehte sich langsam zu den beiden Männern um, bevor leise über seinen Lippen kam: „Ich habe große Scheiße gebaut!“

„Das machen wir alle Mal. Ich mindestens dreimal die Woche mit Tendenz nach oben. Aber das hilft uns jetzt nicht weiter. Wir müssen die beiden Marokkaner finden,“ forderte Emilio den Steward zur direkten Mithilfe auf. Rafaels Blick hingegen verwandelte sich immer stärker in eine ernste und ängstliche Dimension, die Emilio nun auch realisierte. Bevor er allerdings nachhaken konnte, brach Rafael sein Schweigen: „Ich habe sie verraten!“
Chapter 38 by Ricki
Ahoi! ( Teil 38 )


„Du hast was gemacht?“ fiel Emilio aus allen Wolken, wobei er seinen Kumpel mehr als unverständlich anschaute. Bevor Rafael jedoch seine Tat erklären konnte, stürzte Timo sich mit voller Gewalt dazwischen: „Bist du komplett irre? Warum? Mann Emilio, ich dachte, ich kann mich auf deine Freunde verlassen?! Obwohl, so was nennst du Freunde?!“

„Rafael, pack jetzt aus! Ich will alles wissen! Also, wir hören!“ verlangte die Küchenhilfe aus Venezuela ein lupenreines Geständnis, wobei er hoffte, dass es kein Geständnis in dem Sinne geben wird, da er sich nicht das Gefühl geben wollte, sich komplett in Rafael getäuscht zu haben.

Der dunkelhaarige Steward versuchte seine Fassung zu bewahren, wollte seine eigene schwere Enttäuschung verstecken, aber im ist bewusst, dass jetzt nur noch die Wahrheit helfen konnte: „Kyan! Ich, ich musste es ihm sagen!“

„Du musstest also?! Wieso? Hat er dich ans Bett gefesselt und mit seinem geladenen Revolver bedroht?“ fiel Emilio kein besserer Vergleich für eine Zwangsaussage ein. „Kyan sagte, ich könne ihm vertrauen. Ich habe ihm vertraut!“ behauptete Rafael, dessen Stimme immer mehr zu zittern begann.

Timo hingegen platzte allmählich der Kragen: „So eine verfluchte Scheiße! Bei so etwas kann man Niemanden trauen. Wer ist dieser Kyan überhaupt?“

„Unser erster Offizier!“ lieferte Emilio die rasche Antwort, wobei sich alles weitere bei ihm freischaltete: „Alles klar! Baxter hat die Zwei ins Gewahrsam genommen und schickt sie bestimmt zurück in die afrikanische Steppe. Wer weiß, vielleicht sind sie da auch schon eingetroffen oder schmoren in einem hübschen Abschiebegefängnis. Ganz großes Kino, Rafael. Du bist mein Held des Tages!“

„Ich wollte das nicht. Aber plötzlich …. Er wusste doch sowieso schon fast alles über uns. Ihm ist aufgefallen, dass Christian als Gast hier unten bei uns schläft. Baxter wollte den Grund wissen und vor allem, was sich in Christians Kabine abspielt,“ berichtete Rafael und hoffte dabei auf milde Vergebung, doch sie suchte er momentan bei Emilio vergebens. Denn dem Südamerikaner ging die Hutschnur hoch: „Na und? Du bist doch sonst in Ausreden erfinden eine große Nummer. Aber ich kapiere langsam. Du wolltest deinem heimlichen Schwarm mal so richtig imponieren und lieferst ihm die armen Schweine ans Messer. Wow, so eine miese Nummer hätte ich dir nie zugetraut. Du bringst das wieder in Ordnung! Ist das klar? Sonst habe ich dich die längste Zeit gekannt. Mann Alte , was gehen mir testosterongesteuerte Kerle auf die Eier!“

„Kim hatte gar nicht so Unrecht! Wirklich hübscher Bursche! Da könnte man glatt unsicher werden, ob man nicht wieder ans andere Ufer zurückschwimmen will,“ gab Marlene Wolf plötzlich von sich, während sie in ihrem schwarzen Bikini auf der Liege neben Christian lag, die unbändige Sonne, sowie die Urlaubsstimmung auf dem Sonnendeck der MS Moania genoss und sich damit beschäftigte noch unzählige Liter Sonnenmilch auf ihrer blassen Haut zu verteilen.

„Von wem redest du?“ erkundigte Christian sich, der seinen Blick durch seine nagelneue, noch coolere und angesagte Sonnenbrille gelangweilt aber zumindest interessiert tuend auf seine Nachbarin lenkte. „Männer, keinen Blick für das wirklich Schöne auf dieser Welt! Ich rede von dem süßen Barkeeper dort drüben hinter der Poolbar, der immer wieder mal heimliche Blicke herüberschleudert,“ verriet die Musicalsängerin das erspähte, pikante Objekt. Der Boxer neben ihr schaute wieder der strahlenden Sonnen entgegen, richtete seine Sonnenbrille nochmals auf den perfekten Sitz, ließ dann ein eher freches und wohlwissendes Grinsen in seinem Gesicht auflegen, ehe er Marlene prophezeite: „Du kannst dich entspannt zurücklehnen. Olli meint nicht dich!“

„Du meinst, der traumhafte Bursche schmachtet die ganze Zeit dich an?“ schloss Marlene aus der Aussage ihres guten Bekannten aus Düsseldorf. „Aber sowas von!“ behauptete Christian fast triumphierend, woraufhin er noch mit einem gewissen Stolz seine totale und uneingeschränkte Vorherrschaft preisgab: „Tja, da habt ihr alle keine Chance! Bei etwa 1500 Seelen am Bord bin ich sein Auserwählter. Aber da beißt sich unser charmanter Prinz aller Herzen sich die Zähne aus!“

„Ah, das hätte ich beim ersten Blick jetzt nicht so wahrgenommen. Aber verstehe, du magst es nicht, wenn beim Küssen der Bart kratzt?! Dabei trägst du selber einen!“ versuchte die weibliche Hauptrolle des Musicals herauszufinden, warum Christian anscheinend das Anhimmeln des Stewards für sich beanspruchte aber gleichzeitig eine Sicherheitsmauer hochzog, wie er auch jetzt wieder wissen ließ: „Wo wir dann auch schon am Ende dieser einseitigen Love – Story wären.“

„Verstehe ich das jetzt richtig? Nur, weil er ein Mann ist, ignorierst du seine Gefühle? Was ist mit dem Menschen, der dir sein Herz öffnet?“ wollte Marlene weiterhin den Grund der Ablehnung herausfinden, denn sie kannte aus eigener Erfahrung, wie schnell sich ein Blatt wenden konnte. „Ich gebe es ja zu. Er ist ein sympathischer Typ und okay, für einen Mann sieht Olli sogar noch gut und ansprechend aus. Vielleicht mag ich ihn sogar, aber mehr könnt ihr nicht von mir verlangen,“ zeigte Herr Mann seine Grenzen auf, wobei er nochmal heimlich durch seine verdunkelte Brille einen Blick rüber zur Bar riskierte und dabei mit voller Wucht in die Augen des Barkeepers traf, dessen Lippen sich ohne größere Verzögerung in ein sagenhaftes Lächeln verwandelte.

Noch während Christian damit beschäftigt ist, das Ertappen durch Olli wieder gerade zu rücken, sich dabei möglichst nichts anmerken zu lassen, hörte er die Sängerin neben sich quatschen: „Du hast also Angst, dass du eines Morgens aufwachen könntest und feststellst, dass du in einer ganz anderen Atmosphäre gelandet bist, die für dich immer weit weg, kaum greifbar war und dir plötzlich alles bedeutet?“

„Auch „Plötzlich bunt“ gelesen?“ hakte der gelernte Pferdewirt anhand der kitschigen Umschreibungen seiner Dialogpartnerin nach, bevor er gnadenlos versicherte: „Kleiner Tipp! Mache dich um mich bitte keine Sorgen. Ich komme bestens zurecht!“

„Hi! Ihr seht aus, als wenn ihr am Verdursten seid. Darf ich euch etwas bringen, einen unserer schmackhaften Cocktails vielleicht?“ stand auf mal Olli mitten im Zentrum des Geschehens. Die beiden Sonnenanbeter auf den Liegen, die ihre Blicke umgehend auf den uniformierten Steward richteten, schauten sich dann gegenseitig für einen Moment an, ehe ihre Augen wieder auf den Ausgangspunkt auf den Mann, der vor ihnen stand, wanderten.

„Da sagen wir nicht nein, was Christian? Suche uns doch etwas Leckeres, aber bitte ohne Alkohol aus, Olli!“ nahm die ältere der Wolf – Schwestern die Einladung gerne an. „Ach, du kennst mich bereits?“ fasste Olli leicht irritiert nach, woraufhin die junge Frau für indirekte Aufklärung sorgte: „Christian war so nett mir von dir zu erzählen. Ich bin übrigens Marlene!“

„Von dem Musical, stimmt’s? Du spielst und singst die wunderbare Carlotta? Ich habe schon mal heimlich bei den Proben gelauscht,“ fing Olli sofort Feuer für die Frau, wodurch Christian merkte, dass er auf mal nicht mehr Ollis einziger Anziehungspunkt ist.
Chapter 39 by Ricki
Ahoi! ( Teil 39 )


„Da brauche ich ja nicht mehr viel verraten,“ wusste Marlene, dass sie vor sich einen Kenner der Szene hat, während Christian das Gespräch aufmerksam verfolgte, auch als Olli sagte: „Ich hoffe echt, dass ich auch dazu komme „Stimmen im Wind“ zu sehen. Das wird bestimmt wunderbar. Sandy, eure Kostümschneiderin hat mir schon dein Kleid, das Carlotta in der großen Finalszene trägt, gezeigt. Es ist ein Traum!“

„Christian will sich das Stück ja auch noch ansehen. Kommt doch einfach zusammen?“ lenkte Marlene Ollis Aufmerksamkeit wieder zurück auf den Mann neben sich. Für einen zaghaften Moment schaute Oliver auch wieder auf Christian, scannte dabei mit seinen Augen jeden Quadratzentimeter dessen Körpers, der der brennenden Sonne uneingeschränkt ausgesetzt ist, ab, ehe er diese nette Vorstellung wieder der Realität opfern musste: „Das dürfte schwierig werden, wenn Christian morgen …. Ach egal! Ich lasse mir einen wundervollen Abend im Musical jedenfalls nicht entgehen. Eine der Vorstellungen erwische ich bestimmt. Okay, dann werde ich euch jetzt erst mal etwas Sensationelles zusammen mixen.“

Klar und deutlich erkannte Christian Ollis Enttäuschung, aber für ihn gab es kein Zurück und schon gar nicht ein Vorwärts in ein Abenteuer, dass er nicht mit sich vereinbaren konnte. Auf Marlene hingegen ist Verlass. Sie wollte für Christian den Steward genau auf den Zahn fühlen: „Aber bevor du wieder hinter deine Bar verschwindest, musst du uns noch eine Frage beantworten. Christian und ich haben nämlich gewettet.“

„Gewettet? Frage?“ wurde Christian nun hellhörig, da er ahnte, dass die blonde Dame im schwarzen Bikini etwas im Schilde führte, der er vorsorglich einen abstrafenden Blick zuwarf, den die Musicaldarstellerin allerdings gekonnt ignorierte, als sie mit ihrer Ausführung begann: „Also Olli, blende bitte das ganze Wasser um dieses Schiff herum aus. Auch den Pool siehst du gar nicht. Am besten schließt du deine Augen und stellst dir bitte eine endlose Wüste vor, durch die du läufst. Es ist heiß, furchtbar heiß, unerträglich heiß. Nur Sand, wohin das Auge reicht. Du spürst jeden Sandkorn unter deinen Füßen, an deiner Haut auf deiner Zunge. Du bist am Verdursten. Wasser, du brauchst Wasser. Aber nur Sand und die ungeheure Hitze. Dann endlich! Plötzlich siehst du rechts von dir eine kleine Oase liegen. Ich sitze dort in einem wundervollen Kleid, singe ein bezauberndes Liedchen und kann dir geben, was du am meisten brauchst, Schatten und Wasser, soviel du willst. Du willst nur noch dorthin. Du hast dein Ziel fest im Blick. Du willst aus den sprudelnden Quellen trinken, dich im Schatten erholen. Du willst loslaufen, doch dann entdeckst du links von dir Christian, der auf einem Dromedar durch die Wüste zieht. Er könnte dich auflesen und mitnehmen. Allerdings will er keine Rast einlegen. Es würde also weiterhin kein Wasser und keinen Schatten geben. Wofür würdest du dich entscheiden? Für das erfrischende Wasser oder für das Kamel?“

„Ich stelle mir gerade Christian mit einem schicken Turban vor!“ grinste Oliver, wobei er weiterhin seine Augen geschlossen hielt. Christian hingegen, der die Geschichte aufmerksam gelauscht hatte, wartete nun gespannt auf die Antwort, während sein Blick durch das dunkle Glas zielsicher auf den smarten Steward gefixt blieb. „Also?“ forderte Marlene den Durstigen zu einer Entscheidung auf, die Olli dann auch, nachdem er seine Augen wieder öffnete, den Zweien verkündete: „Wenn der Wüstenprinz mir auf das Dromedar hilft, würde ich sicherlich noch einige Tage ohne Wasser auskommen!“

Olli und Christian konnten beide nicht verhindern, dass ihre Blicke aufeinander knallten. Jedoch vermied jeder der zwei Männer, ein Lächeln oder eine ähnliche Geste der Zuneigung in die Welt zu setzen, denn beide wussten, dass Geschichten ihre Zukunft nicht beeinflussen konnten, auch wenn Oliver gerne daran glauben wollte. Aber er wusste, die Realität ist eine andere. Wasser, Wüste, Kamele hin oder her, morgen ist Christian nicht mehr Gast dieses Schiffes. Olli schien bewusst, dass er Christian nur noch sehen würde, wenn er seine Augen schließt, aber reichte das für alle Ewigkeit?

„Okay, jetzt tun wir etwas gegen euren Durst. Ich hole die Cocktails,“ zog der Schiffskellner sich dann blitzartig aus der Affäre, woraufhin Marlene das Ergebnis für Christian nochmal analysierte: „Eindeutiger geht’s ja wohl nicht, Herr Mann!“

„Ich habe nichts anderes erwartet,“ meinte Christian, wobei sich erneut ein jetzt doch eher siegerfülltes Grinsen auf seinen Lippen abzeichnete. „Vor allem warst du ganz still und hast auf die Antwort gehofft?!“ stichelte die Sängerin, wobei sie zum Ausdruck bringen wollte, dass Christian doch etwas an Olli liegen könnte. Dieser winkte aber gleich ab: „Unsinn! Ich bin Sportler und liebe es nun mal zu gewinnen. Du hattest keine Chance!“

Marlene beobachtete allerdings genau, wie sich Christians Erhabenheit in eine gewisse Verlegenheit ummünzte, die der sonst so taffe Mann zu verbergen versuchte. Daraufhin brachte Marlene ein letztes Plädoyer zu diesem Thema: „Christian, ich wünsche dir viel Glück auf deiner Flucht. Das wirst du brauchen, denn ich schätze, dass du nicht sehr weit kommen wirst. Wenn doch, frage ich mich, welches dein größeres Glück ist? Aber dabei kann dir keiner helfen. Das wirst du schon für dich alleine herausfinden müssen!“

„Na, mein Junge, was schaust du so betrübt?“ hakte Ricardo nach, als er von seiner Arbeit auf seinem Schreibtisch aufsah und Timo beobachtete, der gerade die Praxis betrat und sich fast leichenblass auf einem der Stühle fallen ließ. Der Junge schüttelte kurz seinen Kopf, hielt sich ungläubig seine ineinander gefalteten Hände vor dem Mund, bis er dann bereit schien über Geschehnisse zu berichten: „Sie sind weg! Javier und Yassin, sie sind nicht mehr in ihrem Versteck. Einer meiner Unterstützer hat sie an einen der Offiziere verraten. Tja, und der wird wohl gleich gründlich aufgeräumt haben.“

„Und wenn die beiden Männer sich woanders versteckt haben? Vielleicht irgendwo, wo sie sicherer sind?!“ versuchte der Schiffsarzt für Beruhigung zu sorgen. Diese Therapie schlug allerdings nicht an, denn Timo fühlte sich mies und spürte, dass etwas nicht stimmte: „Aber Papa, das Versteck war relativ sicher. Theoretisch hätte nichts schiefgehen können, wenn Rafael die Klappe gehalten hätte. Mann verdammt, einen Tag noch! Morgen hätte ich sie vom Schiff gebracht. Ich hätte es verhindern können, sogar müssen. Ich habe total versagt!“

„Du hast nicht versagt! Du hast zumindest Mumm und Courage bewiesen. Ich bin stolz auf dich. Die meisten Menschen ducken sich vor dieser Herkulesaufgabe weg,“ meinte Ricardo, der dann aufstand, sich neben den sitzenden Jungen stellte und ihn freundschaftlich so wie verbindlich über den Kopf strich.

„Zwei von mehreren Millionen Menschen, die auf der Flucht sind, weil die gesamte Welt nichts gegen die Fluchtursachen unternimmt, aber nicht mal die Zwei konnte ich beschützen,“ durchfuhr Timo sein schlechtes Gewissen, das ihn noch hilfloser auf diesen Planeten wirken ließ.

„Hey, ich höre mich um. Ich kenne die Offiziere. Vielleicht bekomme ich etwas raus,“ versprach daraufhin der Doktor, was bei Timo wieder zu neuem Mut führte: „Bitte Papa, versuch es! So darf es nicht enden!“
Chapter 40 by Ricki
( Teil 40 )


„Da bin ich wieder mit den besten Cocktails, die ihr jemals …. Ooh, Marlene ist schon gegangen?“ stellte Olli fest, als er einige Augenblicke mit einem Tablett und den zwei liebevoll sommerdekorierten Gläsern darauf erneut vor den beiden Sonnenliegen trat, von dem die linke aber mittlerweile leergeräumt ist. Christian schob seinen Kopf nun etwas in die andere Richtung, um den Barkeeper samt den Getränken durch seine dunklen Sonnengläser in Augenschein zu nehmen, ehe er einen Vorschlag zur neuen Situation äußerte: „Dann wirst du wohl einen der Cocktails selbst trinken müssen. Marlene wurde es zu heiß. Bei der prallenden Sonne verdunstet die Sonnenmilch schneller als man sie draufschmieren kann.“

„Aber du hältst es noch aus?“ fragte Oliver mit einem leichten Grinsen im Gesicht, während er Christian eines der Gläser reichte und dabei abermals versucht ist, sich jedes Detail an Christians Körper einzuprägen. „Ich bin halt ein harter Macker!“ argumentierte der Boxer, der sich bei der Bemerkung ebenfalls ein Grinsen kaum verkneifen konnte. „Ist schon klar! Ich hab nichts anderes von dir erwartet, Super – Hero!“ meinte Olli scherzhaft, woraufhin er sich auf die freie Liege setzte, allerdings seine Beine auf dem Boden behielt, denn er ist ja schließlich nicht zum Vergnügen auf dem Schiff, aber die kleine Auszeit samt reizender Aussicht nahm er sich.

Nachdem beide Männer an ihren Strohhalmen saugten und das erfrischende, grandiose, wohlschmeckende Getränk in ihre Kehle laufen ließen, wurde der Steward ein bisschen mutiger: „Bevor du auch die Flucht ergreifen musst, kann ich dir beim Schutz vor der brennenden Sonne gerne helfen!“

„Das hättest du wohl gerne!“ gab der Pferdewirt allerdings nur knapp zurück, wobei Olli merkte, dass er vielleicht doch nicht so impulsiv auftreten sollte. Darum versuchte er sich wieder zurückzunehmen: „In deinen Augen muss ich wirklich aufdringlich und nervtötend rüberkommen, was?“

„Glaube mir, da habe ich schon schlimmeres erlebt,“ behauptete der Mann mit der Sonnenrille, bevor er unbedingt ein Lob loswerden musste: „Schmeckt übrigens fantastisch! Man merkt, dass du etwas drauf hast!“

„Danke! Ich bin eben ein Mann, der für Qualität steht. Aber wo du es gerade ansprichst. Wir könnten uns gut ergänzen. Du hast ja sportlich so einiges auf dem Kasten. Ich bräuchte dringend einen kompetenten Trainer, der mir sagt, was ich bisher alles falsch gemacht habe und was ich in Zukunft unbedingt verbessern sollte,“ schien Oliver ein Ventil gefunden zu haben, über das er mit seinem Schwarm vielleicht doch noch besser in Kontakt treten könnte.

Der Steward spürte, wie Christian fachmännisch seinen Körper inspizierte, wofür Olli, der zu seinem eigenen Bedauern in seiner Kellner – Uniform steckte, sich dennoch etwas auf der Liege zurücklehnte und in Pose brachte und dabei sogar noch grinsend seine Armmuskeln anspannte, worüber sogar der erfahrene Sport – Profi frech grinsen musste, dann aber sein Urteil abgab: „Du bist doch gut in Schuss, soweit ich das beurteilen kann. Soviel brauchst du da gar nicht machen. Ein bisschen Cardio, um fit zu bleiben, ruhig ein paar Gewichte mehr, ansonsten auf ausgewogene Ernährung achten. Das bekommst du auch bestimmt ohne mich hin!“

„Wäre mir aber schon lieber, wenn du ein Auge auf mich wirfst. Ich will ja schließlich nicht jeden Morgen mit tierischem Muskelkater aufwachen!“ ließ der Barkeeper so schnell nicht locker, womit er anscheinend auch erste Erfolge einfahren konnte, denn Christian erklärte sich bereit: „Okay, ich schau mir das später mal an und stelle dir einen Trainingsplan zusammen. Ab Morgen musst du dann ja sowieso ohne mich klarkommen!“

„Willst du dir das wirklich nicht noch mal überlegen? Ich gehe dir auch nicht mehr auf die Nerven, als unbedingt nottut. Mir würdest du jedenfalls sehr fehlen,“ startete Charlies Neffe einen weiteren Rettungsversuch, wobei sein Blick Bände sprach, die selbst Christian nicht verborgen blieben. Aber dennoch gab es für den Boxer keine Planänderung: „Olli, meine Entscheidung steht. Akzeptiere das bitte! Morgen geht es für mich zurück nach Düsseldorf!“

„Musst du natürlich selber wissen. Meine Meinung spielt da sowieso keine Rolle, aber du musst schon damit leben, dass es hier auf dem Schiff jemanden gibt, der dich sehr vermissen wird. Aber gut, dann ist das eben so. Ich lass dich dann auch mal wieder alleine,“ wirkte der Schiffsangestellte enttäuscht, der sich dann entziehen wollte und mit Schwung von der Liege sprang. In diesem Moment wollte Christian den jungen dunkelhaarigen Mann aber nicht einfach so ziehen lassen: „Ähm, Olli!“

„Ja?!“ drehte Oliver sich während seines Schwungaufnehmens mit noch mehr Schwung wieder zu dem Mann auf der Liege um, wobei er beobachtete, wie Christian in verschiedene Richtungen schaute, als wolle er checken, ob die Luft rein wäre. Dann schickte er seine Augen aufwärts zu Olli, während er neben seiner Liege zu einer Tube Sonnenmilch mit hohem Lichtschutzfaktor griff: „Sieht doch blöd aus, wenn nur vorne alles braun ist. Ich müsste wohl auch auf meinem Rücken ein bisschen Bräune einfangen. Und da Marlene schon gegangen ist, könntest du vielleicht ….?“

„Auch wenn ich nur zweite Wahl bin, aber das hast du jetzt vorgeschlagen!“ sicherte Olli sich mit einem schelmischen Grinsen ab, ehe er Christian die Tube aus der Hand nahm. Christian drehte sich daraufhin auf seiner Liege um, schoss aber dennoch wenn auch eher eine scherzhaft gemeinte Warnung in die Atmosphäre: „Aber keine Tricks, mein Freund!“

„Der Tiger bleibt ganz zahm. Dann wollen wir mal!“ schien Olli für das Etappenziel bereit, woraufhin er sich seine Weste auszog, diese auf die freie Liege warf, sich dann neben Christian setzte, die erste cremige Sonnenmilch auf den Rücken des jungen Mannes tröpfeln ließ, ehe seine Hände die Arbeit aufnahmen und dabei zwischen neugierigen erkundigenden Körperkontakt und befohlener Zurückhaltung über den Body, der noch förmlich nach Sonne schrie, wanderten.

Christian hingegen schloss seine Augen und begann die sanfte Behandlung, die von beiden Seiten schweigend, gekonnt beherzt, aber dennoch sensibel und einfühlsam durchgeführt wurde, zu genießen. Vielleicht verwechselte Oliver teilweise ein einfaches Eincremen auch mit einer präzisen Verwöhnmassage, aber auch die tat Christian gut. Er hätte noch stundenlang hier weiter liegen können, aber eine ihm sehr bekannte Stimme riss Christian plötzlich aus seiner anregenden Genussphase: „Na Jungs, alles klar? Ach Olli, du kannst gleich bei mir weitermachen!“
Chapter 41 by Ricki
Ahoi! ( Teil 41 )


„Olli ölt nicht jeden ein!“ versuchte Christian sich mit einem vorlauten Spruch seinem älteren Bruder gegenüber aus dieser für sich eher peinlichen Situation zu befreien. Doch Gregor verstand es immer noch einen drauf zu setzen: „War auch als Scherz gemeint! Also entspann dich weiter, Christian. Mir ist schon klar, dass ich gegen dich keine Chance habe.“

„Du kannst dir deine Sprüche sparen! Hast du die Flüge gebucht?“ reicht es Christian sichtlich, der sich nun auf die Seite legte, damit Olli, auch wenn es etwas unsanft rüberkam, kapieren würde, dass die Streicheleinheiten nun beenden sind. Gregor warf einen erneuten Blick auf die zwei Akteure, wobei sich bei ihm allerdings nun doch allmählich kleine Rätsel auftaten. Aber der Prinz lieferte dann die Antwort, die Christian anscheinend von ihm verlangte: „Alles erledigt! Morgen Abend bist du wieder in Düsseldorf, falls du das wissen wolltest?“

„Mein Kollege wartet an der Bar. Ich muss da mal aushelfen,“ sagte Olli leise, mit einem enttäuschten Unterton in der Stimme, woraufhin er sich seine Weste griff und sie im Laufen überzog. Gregor schaute dabei auf seinen Bruder, dessen Blick für einen Moment an den fortgehenden Steward kleben blieb. Daraufhin konnte Gregor sich und Christian den folgenden Kommentar nicht ersparen: „Nun hast du es ihn aber gegeben, was?“

„Wie gegeben?“ fragte der Pferdwirt nach, während er zur Abwechslung wieder etwas aus seinem Cocktail - Glas trank, ehe er sich wieder in die Bauchlage begab. Sein Bruder, der nun die freie Liege in Beschlag nahm, formulierte seinen Vorwurf dann anders: „Du merkst es echt nicht, oder? Der Junge ist total in dich verknallt und du haust mal eben so einen knallharten Schmetterball in sein Feld.“

„Ich kann’s nicht ändern! Da muss Olli mit klarkommen. Und außerdem, was heißt verknallt? Er will mich doch sowieso nur fürs Bett, denn was sollte sonst daraus entstehen? Ihm muss doch klar sein, dass ich ansonsten in Palermo vom Schiff gegangen wäre. Also, umso schneller ich für Olli die Reißleine ziehe, umso besser für ihn,“ fasste Christian die Situation zusammen, woraufhin Gregor allerdings noch eine Frage hätte: „Und du?“

„Wie meinst du das?“ hakte der Sonnenanbeter auf der rechten Liege nach. „Vorgestern hätte Olli zu dir mindestens hundert Meter Abstand halten müssen. Heute massiert er dir deine Rückenmuskulatur. Du magst ihn doch auch?! Gib es doch ruhig zu!“ haute Gregor seine Vermutung raus, die Christian aber mit aller Energie abwehrte: „Wo nix ist, kann nix zugegeben werden. So einfach ist das. Und meine Fresse, Sonnenmilch verteilen gehört zum guten Service des Schiffes. Ich werde Olli noch ein kleines Trinkgeld dalassen. Zufrieden?“

„Ich muss nicht zufrieden sein. Du musst es! Aber mach, was du willst!“ gab Gregor als gutgemeinten Rat, auf den Christian aber nicht weiter eingehen wollte. Lediglich führte sein Blick durch seine Sonnenbrille abermals rüber zur Bar, an der Olli wirbelte und jetzt anscheinend nicht mal mehr Notiz von ihm nahm. Daraufhin schloss Christian wieder seine Augen und hoffte das das Gefühl wieder eintrat, welches er genoss, bevor sein Bruder aufkreuzte.

„Dort, wo ich es vermutetet habe, lag es nicht. Ich habe die komplette Kabine auf den Kopf gestellt. - - - - - Wie ich darauf komme? Das ist jetzt zu kompliziert, es dir zu erklären. Aber es wäre ein logischer Weg gewesen, wie dein verflixtes Diadem aus den Koffern verschwinden konnte. Ich hatte da ein paar Insiderinformationen. Auf jeden Fall werde ich weitersuchen,“ versprach Kyan Baxter in einem Handygespräch, welches Rafael mit seinen gespitzten Ohren mitschnitt, als dieser vor der Kabine des Offiziers stand, wo die Tür mal wieder nur angelehnt ist. Dabei versuchte der Spanier seinen Atem anzuhalten, damit er nicht als Lauscher auffiel, aber gleichzeitig jedes Wort aufsaugen konnte.

„Elias, bleib ruhig! Lass Lahnstein drohen, soviel er will. Bis du in Lissabon aufs Schiff kommst und mit dem Grafen in Kontakt tretest, werde ich das verfluchte Teil gefunden haben. Du, ich muss Schluss machen, ein Kollege!“ musste Baxter das Gespräch abbrechen, da er in einem Spiegel den Spion an der Tür entdeckte. Nachdem er sein Handy auf den Schreibtisch legte, drehte er sich um und bat den Zuhörer: „Komm ruhig rein, Rafael!“

„Sorry, ich wollte dich nicht unterbrechen,“ entgegnete der Steward, als er dann die Tür komplett öffnete und in die Kabine trat, wo er gleich fragend empfangen wurde: „Schon gut! Stehst du schon länger vor der Tür?“

„Ist doch egal! Deine Geheimnisse interessieren mich nicht. Was deinen Elias angeht, brauche ich auch keine weiteren Erklärungen, aber das du mich so mies benutzt hast, das sitzt tief! Du hattest es mir hoch und heilig versprochen! Alles nur hinterhältiges Getue. Aber mit dem blöden, naiven Rafael kann man es ja machen,“ haute der junge Mann all seine Gefühle raus, wobei er versuchte, dem jetzt auf mal nervös wirkenden Irländer einen möglichst distanzierten Blick standzuhalten.

„So ist es nicht! Rafael, hör zu, bitte!“ kam der Offizier zwei Schritte auf den Spanier zu, der allerdings zurückwich und daraufhin zur Gegenwehr ansetzte: „Nichts bitte! Ich war so blind. Ich habe echt gedacht, du und ich, wir ….. Wahrscheinlich habe ich mir das alles nur eingebildet?! Anders kann es gar nicht sein. Was soll’s? Bin ich eben tief gefallen. Ich werde wieder aufstehen. Jetzt will ich von dir nur noch wissen, wo die beiden Marokkaner sind?!"

„Ich weiß es nicht. Rafael, bitte lass uns nochmal in Ruhe ….,“ hoffte Baxter, dass er mit dem jungen Steward wieder auf eine Wellenlänge kam. Doch Rafael hat mittlerweile ganz andere Sorgen: „Wie, du weißt es nicht? Du wirst ja wohl wissen, wo du die Männer hingebracht hast?! Weißt du eigentlich, wie ich jetzt vor meinen Freunden dastehe? Aber ist dir ja egal, du gehst ja über Leichen!“

„Du bist mir nicht egal, aber du musst mir glauben, als ich in die Kabine kam, habe ich dort niemanden angetroffen. Die Zwei waren schon weg!“ berichtete die rechte Hand des Kapitäns. Rafael konnte daraufhin nur noch lachend und vor allem unverständlich den Kopf schütteln: „Selbst jetzt lügst du mich noch an. Wie konnte ich nur auf dich reinfallen? Und das alles nur, weil ich mich in dich …. Scheiße Mann, alles von dir ist gelogen. Liebe Grüße an Elias!“

Als Rafael sich umdrehte, um möglichst schnell aus der Kabine zu entkommen, riss Kyan den Flüchtenden an dessen Schulter wieder zu sich rum: „Elias ist nicht das, wofür du ihn hältst. Ich werde dir gerne alles erklären. Bitte gebe mir die Chance! Bist du heute Nacht wieder hier? Ich habe den ganzen Abend und die Nacht Zeit! Nur wir Zwei, bitte!“ forderte Baxter den smarten Steward auf, ihm diese Gelegenheit zu geben, alle anscheinend aufgetretenen Missverständnisse aus den Weg zu räumen. Für Rafael allerdings gab es nicht mehr zu klären, denn für ihn ergab das alles keinen Sinn: „Dein Bett brauche ich nicht mehr. Die Kabine auf Deck C ist freigeworden. Christian wird wieder nach oben ziehen und ich schlafe wieder in meiner Koje. Zwar bin ich da unten der miese Verräter, aber das halte ich aus. Dich hingegen nicht mehr!“
Chapter 42 by Ricki
Ahoi! ( Teil 42 )


„Simsalabim, und auf ist die Tür!“ zauberte Olli, als er mit seiner Zentral – Key – Card Christian aus der Patsche half, der beim gemeinsamen Training im Fitnessstudio bemerkte, dass er die Card für seine Kabine auf Deck C, wo er ab heute wieder wohnen konnte und durfte, nicht dabei hat. „Da liegt sie!“ stellte der junge Boxer daraufhin gleich fest, da er den wichtigen Türöffner auf dem Schreibtisch vorfand. Während er die Karte in seiner Hand nahm, meinte er fast entschuldigend: „Die muss ich wohl in der Hektik liegen lassen haben!“

„Wohl nur an mich gedacht, weil du mich ja im Studio treffen wolltest?!“ grinste Olli, der mittlerweile auch in die Kabine trat und dabei zwiegespalten wirkte. Zu einem gönnte er Christian, dass dieser endlich seinen verdienten Urlaub ab nun im gehobenen Standard verbringen konnte, andersrum empfand Olli es allerdings als schade, dass sein Schwarm nun nicht mehr in dem direkten Bett unter ihm schlief.

„Das wird es sein!“ ging Christian relativ entspannt mit Ollis Kommentar um, wobei sogar ein zartes Lächeln durch den Raum flog. Oliver genoss diesen Augenblick noch einen Moment, ehe er sich zurückziehen wollte: „Dann ist die Welt ja wieder in Ordnung. Ich verschwinde dann mal wieder nach unten. Du hast mich so in Schweiß getrieben. Ich muss erst mal duschen!“

„Und unten in der Gemeinschaftsdusche Schlange stehen? Nimm doch die Dusche!“ kam Christian dann plötzlich mit einem völlig unerwarteten Angebot rüber, wobei er mit dem Kopf zur Tür des kleinen Badezimmers der komfortablen Kabine zeigte. „Duschen? Ehrlich?“ hakte Olli vorsichtshalber nochmal nach, da er im ersten Moment von einem Hörfehler ausging.

„Nur ein Vorschlag! Musst du ja nicht,“ schob der Pferdewirt nach, woraufhin Olli rasch loslegte und sich das feuchte Shirt über den Kopf zog, während er sagte: „Ach, das lasse ich mir nicht zweimal sagen! Aber das war nicht meine Idee, nur noch mal so fürs Protokoll.“

Schnell die Schuhbänder der Sportschuhe aufgeschnürt, die Schuhe dann nach einander weggekickt, die Armbanduhr abgenommen und auf den Platz neben Christians Key – Card auf den Schreibtisch gelegt. Christian blieb nur mit Staunen zuzusehen, wie rasch Olli zur Sache kam und sich nicht lange aufhalten ließ. Sein Blick konnte dabei kaum von Ollis Körper ablassen, auch wenn er sich dazu zwingen wollte. Oliver bekam die Blicke des Mannes natürlich mit, ersparte sich aber jeden Kommentar, um Christian nicht wieder aus dem Konzept zu werfen.

„Handtücher und Duschgel wird sicherlich im Bad sein?“ fasste der smarte Steward nach, obwohl er als Experte des Schiffes genau wusste, wo sich was befand. Aber er wollte eben Christian irgendwie mit einbinden, während er sich selber nun die Trainingshose über die Beine zog. „Duschgel im Bad? Wird wohl!“ kam etwas verzögert und in sehr verkürzten Sätzen über Christians Lippen, woraufhin Olli, nur noch mit einem Slip bekleidet, nun die Tür des Bades aufriss und verkündete: „Alles klar, kann losgehen!“

„Mist!“ rief Olli dann plötzlich und öffnete die Tür wieder einen Spalt. Christian befürchtete nun, dass Olli wohl nun vollkommen nackt noch mal heraustreten würde, aber Charlies Neffe wusste sich zu beherrschen, meinte nur lediglich, während des Herausstreckens seines Kopfes: „Wir haben einen bösen Fehler gemacht. Ich habe ja gar nichts frisches anzuziehen. In die nassen Klamotten zurück wäre ja vollkommen kontraproduktiv.“

„Du nimmst was von meinen Sachen. Ich suche dir etwas raus,“ sprang der Feuerwehrmann hilfsbereit ein. „Super! Ähm, kann ich das Shirt, das du bei deiner Ankunft getragen hast, haben? Das finde ich total cool,“ bat der dunkelhaarige Schiffsangestellte mit einem verbindlichen Augenzwinkern, bevor er wieder die Tür zuzog.

Christian geriet derweil immer mehr in ein schwarzes Loch, was einem Blackout gleichkam. Er warf einen Blick in seinen Kleiderschrank, musste aber für sich einräumen, dass er echt die Übersicht verlor. Zwischendurch meldeten sich dann Bilder mit Ollis nackten Körper vor seinen Augen, die er rasch wieder versuchte wegzuwischen, aber jedoch stand eines für Christian fest. Er wollte sich auf keinen Fall blamieren, aber dennoch Olli den Gefallen tun. Eine Ersatzsporthose ist rasch gefunden, aber das Shirt?! Er kam nicht drauf. Ihm blieb keine Wahl.

Leise klopfte Gregors Bruder an die Tür zur Nasszelle. Christian hörte die Dusche laufen, aber keine Reaktion. Also öffnete er vorsichtig die Tür einen winzigen Spalt, versuchte nicht in den Raum zu schauen und wagte sich möglichst geschickt vor: „Olli, hatte ich am ersten Tag nicht ein Hemd an?“

„Später beim Lunch! Das habe ich dir doch nassgemacht. Als du auf das Schiff kamst, hast du dieses violette Shirt mit dem V – Kragen angehabt. Auf der linken Brustseite ist ein dezenter schwarzer Mustang zu sehen. Aber wenn du es nicht findest, nehme ich auch was anderes,“ antwortete Oliver aus der Dusche, während er seinen Body intensiv einseifte. „Alles klar, jetzt weiß ich, welches du meinst. Ich finde es!“ stand für Christian außer Frage fest, dass er Olli diesen Wunsch erfüllen werde. Olli hingegen gab sich weiter seiner Duschzeremonie hin, wobei er wusste, dass Christian einen Blick durch den Spiegel riskieren würde, durch den man von der Tür aus ungebremst auf die Glaskabine schauen konnte. Ein leichtes Grinsen zog sich dann auf Ollis Gesicht, als er hörte, wie sich erst einen Moment später die Tür wieder schloss: „Wir waren schon nah dran, aber ich lasse dir noch Zeit!“

„Hier steckst du! Alles klar bei dir?“ erkundigte Emilio sich, als er auf dem Oberdeck seinen Kollegen Rafael antraf, der in einer Ecke hockte und sich blitzartig ein paar Tränen aus dem Gesicht wischte, als er bemerkte, dass Emilio ihn in seinem einsamen Rückzugsort entdeckte.

„Alles bestens!“ behauptete Rafael entgegen der Wahrheit, wobei er sein Gesicht möglichst in eine andere Richtung beorderte, damit ihm erspart wurde, nun über sein konfuses Gefühlsleben zu reden. Doch dieses schien den Aushilfskoch anscheinend sowieso nicht zu interessieren: „Hast du etwas rausgekriegt? Was sagt Baxter? Sind die Flüchtlinge noch auf dem Schiff?“

„Baxter behauptet ….,“ begann Rafael zu berichten, dem Emilio aber unerwartet plötzlich ins Wort fiel: „Das glaub ich jetzt ja nicht! So ein mieser Arsch!“

Rafael bekam nicht mit, dass Emilio inzwischen vom Oberdeck mit Blick auf die Liegewiese am Pool feststellte, dass seine Kim im erfrischenden Wasser plantschte und der Arztsohn, mit dem er die ganze riskante Aktion gestartet hatte, völlig relaxt am Beckenrand saß, die Beine im Wasser baumeln ließ und anscheinend ungeniert mit der Grafentochter flirtete.

„Er meinte, dass ….,“ startete Rafael einen erneuten Versuch von seiner Begegnung zu erzählen, doch für den wütenden Südamerikaner fiel die Klappe runter: „Ihr könnt mich alle mal! Und er blonde Junge mit Herz da unten am meisten!“
Chapter 43 by Ricki
Ahoi! ( Teil 43 )


„Gregor? Was gibt’s noch?“ fragte Christian mit einen etwas empörten Unterton in seiner Stimme, nachdem der die Tür seiner Kabine aufriss, an der mehrmals geklopft wurde. „Was ist das denn für ein Empfang? Willst du schon ins Bett?“ wunderte der ältere Bruder sich, während er an Christian vorbei in dessen Kabine rauschte.

„Ins Bett? Wieso?“ hakte Christian völlig irritiert nach, woraufhin er aber Gregors Blick folgte und an sich hinuntersah. Denn Christian hatte sich sein Sportdress ebenfalls schon ausgezogen, kam aber noch nicht dazu, sich ein neues Shirt über seinen nackten Oberkörper zu streifen, da er gegen das Türklopfen Abhilfe schaffen wollte. „Ähm ja, klar! Ich wollte gleich ins Bett. Wird sicher ein anstrengender Tag Morgen. Du solltest dich auch besser hinlegen!“ entgegnete der Boxer, um jeden aufkommenden Verdacht sofort im Keim zu ersticken, denn Christian wurde bewusst, wenn Gregor jetzt mitbekam, wer in seinem Badezimmer gerade ausgiebig duscht, würde sein Bruder sich bestätigt fühlen. So erhoffte Christian sich, dass Gregor umgehend die Biege machte und sich alles gleich in Luft auflöste.

„Ist wohl besser. Ich haue mich auch gleich hin. Aber vorher brauche ich noch unbedingt deine Zahnpasta. Meine habe ich schon aus Versehen tief unten im Koffer verpackt,“ äußerte Gregor einen unerwarteten Wunsch, wobei er dessen Zahnbürste, die er in seiner Hand hielt, nun Christian aufzeigend entgegenhielt.

„Zahnpasta? Jetzt?“ kam für Christian nun vollkommen unpassend, denn dafür müsste er in das Bad und das Chaos wäre perfekt. „Ich weiß, ich überfordere dich gerade. Lehne dich entspannt zurück, ich hole sie mir selbst aus dem Badezimmer, ziehe einen Streifen rasch über meine Bürste und dann bin ich auch schon wieder weg,“ zeigte der Prinz einen völlig unkomplizierten Weg auf, wie es funktionieren könnte. „Nein, warte! Ich hole sie!“ stürmte Christian ungebremst vor die Tür, vor der er sich wie ein Wachposten aufbaute, was Gregor nun aber neugierig werden ließ, wobei er sich ein breites Grinsen auflegte: „Verstehe mein Lieber! Du versteckst eine heiße Braut hinter der Tür, was? Willst du doch noch gebührend Abschied feiern?“

„Und die Braut ist sehr, sehr schüchtern! Am besten, ich bringe dir gleich die Zahnpasta - Tube rüber!“ schlug der Pferdewirt vor, um doch noch aus diesem Dilemma entfliehen zu können, doch dann öffnete sich plötzlich die Tür einen Spalt und ganz ungeniert nur mit einem Handtuch um die Taille drückte Olli von innen gegen die Tür, die ja durch Christian von außen blockiert wurde: „Hallo, ich bin fertig! Lass mich bitte raus hier!“

Christian wäre am liebsten durch den Fußboden bis auf den Meeresgrund geschossen, aber selbst dafür schien alles zu spät. Ihm blieb jetzt nichts anderes übrig, als an die Seite zu treten, um Olli aus dem Badezimmer zu lassen. „Gregor?! Hi!“ kam Oliver völlig locker rüber, während er sich mit der Hand durch seine nassen Haare fuhr.

„Du bist also so furchtbar schüchtern, dass Christian dich vor seinen Bruder beschützen musste?“ konnte Gregor sich nicht verkneifen, woraufhin Charlies Neffe in das kleine Intermezzo mit einstieg: „Schüchtern? Okay, kommt auch mal vor, aber ich kann auch den Draufgänger perfekt in Szene setzen.“

„Naja, wie auch immer?! Ich merke schon, ich komme ungelegen. Aber wie gesagt, einmal kurz die Paste aus der Tube gepresst und ihr habt eure Ruhe vor mir,“ meinte der ältere der beiden Brüder, ehe er ins Bad marschierte und sich die Zahnbürste belegte. Christian und Olli tauschten kurz einige viel aber auch unverständliche Blicke aus, ehe Christian vor die Tür des Badezimmers trat und für Schadensbegrenzung sorgen wollte: „Gregor, das sieht jetzt nicht so aus, wie es ist. Ich meinte natürlich, es ist nicht so, wie es aussieht.“

„Christian, es ist mir doch vollkommen egal, wie es ist oder wie es aussieht. Hab Spaß, Junge! Ich gönn’s dir doch! Und mit Olli ist doch alles bestens. Also mache dir nicht immer so viel Kopf, Bruderherz!“ gab Gregor klar zu verstehen, dass er akzeptierte, egal wofür Christian sich orientieren und entscheiden würde.

Olli, der im Hintergrund sich bereits das von Christian zurechtgelegte Shirt überstreifte, schwieg lieber, was auch Gregor mitbekam. Bevor der Prinz von Waldensteyck allerdings verschwand, klopfte er seinem jüngeren Bruder ermutigend auf die Schulter und sagte: „Und auch, wenn nichts läuft, ist das auch vollkommen okay. Du entscheidest über dich! Schlaft gut, ihr Beiden!“

„Diesen Schal habe ich vorne im Eingangsbereich gefunden. Bewahren sie ihn bitte auf. Vielleicht holt die Besitzerin ihn noch ab. Ansonsten sorgen sie bitte dafür, dass er morgen zur Rezeption kommt!“ übergab der erste Offizier Kyan Baxter dem Barkeeper hinter dem Tresen der Pazifik – Bar das seidige Fundstück. „Selbstverständlich! Wird gemacht!“ kam von der anderen Seite der Bar, wo der Schal nun erst mal abgelegt wurde.

Baxter überprüfte daraufhin sein Handy auf wichtige Nachrichten, ehe er von einer jungen dunkelhaarigen Dame, die auf einem der Barhocker saß und sich ein Glas Sekt gönnte, angesprochen wurde: „Was hat Rafael, was ich nicht habe?“

„Entschuldigung, ich verstehe ihre Frage nicht,“ entgegnete der ranghohe Schiffsangestellte, der seinen Blick von seinem Handy löste, sich nun ganz und gar auf den weiblichen Gast konzentrieren wollte, dann aber, auch wenn noch etwas unsicher, feststellte: „Moment, sind sie nicht die Cousine von Herrn Sabel?“

„Habe ich also doch einen bleibenden Eindruck hinterlassen?!“ fühlte Olivia sich doch wieder etwas in ihrer Welt bestätigt, während sie sich zu Baxter umdrehte, ihre Beine gekonnt übereinanderschlug, und dann die Lippen ihres Schmollmundes an das Sektglas ansetzte.

„Sie wissen bestimmt ihre Akzente zu setzen!“ kam Kyan Ollis Cousine entgegen und fragte dann, begleitet von seinem sympathischen Lächeln: „Ich hoffe doch, sie freuen sich genauso wie Frau Schneider auf das Kapitänsdinner?“

„Ja, ja! Unsere Tante neigt immer zu maßlosen Übertreibungen. Es muss bei ihr unbedingt der Kapitän sein. Ich wäre ja schon auf einen Abend mit einem charmanten Offizier zufrieden, aber so, wie es das Schicksal ja nun mal will, werde ich mir meine glitzernde Krone eben für den nächsten Prinzen aufsetzen,“ ließ Olivia durchblicken, dass ihre Chancen bei Kyan quasi bei null standen. Dieser hingegen wunderte sich und wurde dabei auch noch hellhörig: „Glitzernde Krone? Sie sprechen in Rätsel!“

„Das macht mich eben so geheimnisvoll, aber für sie ja nun unerreichbar. Und jetzt geht die Prinzessin tanzen!“ ließ die junge Schneider sich nicht aufhalten, nahm einen letzten Schluck aus ihrem Glas, sprang dann vom Hocker, stellte sich vor Baxter, spielte mit ihren Fingern an einem der Knöpfe dessen Uniformjacke und meinte: „Schade, dass ich in ihren Träumen nicht existiere, denn sie haben schon das gewisse Etwas. Einen schönen Abend noch!“

„Den wünsche ich ihnen auch!“ erwiderte der Offizier zum Abschied, woraufhin er sich nach Olivias Weggang ganz auf sein Ziel konzentrierte, das vermisste Diadem doch noch zu finden: „Dann will ich doch mal schauen, ob ich nicht das glitzernde Geheimnis lüfte. Ähm, sagen sie bitte, auf welche Kabinennummer wurde der Sekt eben gebucht?“
Chapter 44 by Ricki
Ahoi! ( Teil 44 )


„Was wird das, wenn ich fragen darf?“ erkundigte sich der große Big Boss der Küche, der Chefkoch Carlos Rodrigues, höchstpersönlich bei seinem Aushilfskoch Emilio, der mitten in der Nacht in der Bordkombüse für Chaos sorgte, indem dieser sich an die kostbaren Vorräte verging und diese für sich gezielt nach Lehrbuch in geschmackvolle wie auch fürs Auge faszinierende Gerichte verwandeln wollte, auch wenn er noch jede Menge Arbeit und vor allem Übungsstunden vor sich haben würde.

„Die einen nennen es abreagieren, ich sage dazu Weiterbildung!“ erklärte Emilio sein Verhalten, was Carlos, der schon seit Jahren die Speisen unter seiner Anleitung an die reisenden Gäste und das Personal servieren ließ, nicht ganz nachvollziehen konnte: „Um diese Zeit, und das mutterseelenallein in der Küche?“

„Wann denn sonst? Während des laufenden Betriebes bleibt mir dafür keine Zeit. Sie und ihre Adjutanten scheuchen einen ja den ganzen Tag zwischen Lagerraum, Fritteuse und Spülküche hin und her. Irgendwann muss ich ja mal voran kommen. Sie hatten damals doch auch nicht ewig Lust auf Paprika nach Farben sortieren und sie dann zu zerlegen. Und falls sie sich Sorgen wegen der aufkommenden Kosten machen?! Ich ersetze ihnen den Fisch natürlich. Ziehen sie es einfach von meinem Gehalt ab,“ ließ der junge Mann aus Caracas all seinen Frust ab, während er allmählich an der Zubereitung des hochwertigen Gerichtes verzweifelte.

„Und was glaubst du wohl, was passieren wird, wenn du diesen Fisch so ins Restaurant gibst?“ hakte Carlos, der gebürtiger Portugiese ist, nach, da es ihm als wahre Koryphäe in den Augen und vor allem in der Seele schmerzte, wie Emilio kein glückliches Händchen bei der Herstellung unter Beweis stellte. „Ich hoffe doch, dass er gegessen wird! Okay, okay, ich hab‘s versaut. Anfängerpech!“ gab der Südamerikaner sich geschlagen, wobei er mindestens einen Meter von dem Zubereitungstisch zurücktrat.

„Und das mit Bravur! Mann Junge, wieder teures Geld in der Tonne. Wir müssen in der Küche Top – Leistung bringen und dabei die Kosten so gering wie möglich halten. Du hast noch einen weiten Weg vor dir,“ meinte der Küchenchef, dem allerdings Emilios Einstellung gefiel, etwas aus sich zu machen. Darum orderte er an: „Geh ins Kühlhaus uns hole zwei neue Doraden. Ich zeige dir jetzt mal, wie das geht!“

„Echt? Wow? Und was machen wir aus diesem hübschen Exemplar hier?“ witterte Emilio Morgenluft, dass er endlich auf die richtige Spur kam. „Ich rette noch, was zu retten ist. Ein Koch muss auch stets das Beste aus einer Situation machen. Wenn der Kühlschrank fast leer ist, können wir nicht einfach den Pizza – Service rufen. Es lässt sich aus allem etwas herrichten. Du musst noch viel lernen, mein Junge!“ ermunterte der Portugiese, was Emilio sehr gefiel, der nun auch einen Weg für seine zukünftige Karriere sah: „Ich wette, sie sind ein perfekter Lehrer, und auch, wenn sie es sich jetzt noch nicht vorstellen können, aber ich könnte auch ein sehr aufmerksamer Schüler sein. Wir wären ein Spitzenteam! Was halten sie davon?“

„Das hast du ja schlau eingefädelt! Aber Ziel deutlich verfehlt!“ meinte Rafael, als er sich noch an diesem Abend mit Olli auf zwei Liegen auf dem verlassenen Sonnendeck fallen ließ, nachdem Oliver dem Spanier von der Duschgeschichte berichtete. „Und dabei war es noch nicht mal ein Trick von mir. Eigentlich kam sogar Christian auf die Idee. Aber ich hätte es lieber bleiben lassen sollen. Mann, ich bin manchmal auch ein Hammel!“ gab Olli sich für diesen Patzer die Schuld, während er in seinen Händen mit einem hellfarbigen Kinder -Schwimmreifen, der in Form eines weißen Schwanes gestaltet worden ist, und wohl von einem jungen Gast am Pool vergessen worden war, spielte.

„Was kannst du dafür, wenn Christian gegenüber seinem Bruder ein Problem damit hat, dass aus seiner Dusche ein nackter Mann hüpft? Wäre dein Beauty Man dir unter den rauschenden Wasserfall gefolgt, hätte er Gregor gar nicht die Tür öffnen können, und ihm wäre diese peinliche Situation erspart geblieben. Das nenne ich selbstgemachte Leiden!“ gab Rafael seine Sicht der Dinge wieder, worüber selbst Olli schmunzeln musste, bevor er den Schwan einmal in die Luft warf und die Gummiente dann wieder auffing.

„Trotzdem fühle ich mich, als stehe ich wie der letzte Depp da. Christian hat doch bestimmt das Gefühl, immer mehr in die Ecke gedrängt zu werden. Allein schon, wenn sogar sein Bruder annimmt, da könnte was zwischen uns laufen. Ich bin mir sicher, ab heute will er gar nichts mehr von mir wissen,“ vermutete Olli, woraufhin er den aufgeblasenen Schwan mit Schwung in den Pool beförderte, ehe er sagte: „Andersrum kann es mir ja egal sein. Ab Morgen ist er sowieso weg!“

„Du bist in letzter Zeit aber auch pessimistisch!“ musste sein Kollege Rafael erkennen, worüber Charlies Neffe nur auflachen konnte: „Das sagt gerade der Richtige! Du weißt doch auch nicht, was Kyan und diesen Elias miteinander verbindet?!“

„Ist mir doch egal, was da läuft. Kyan interessiert mich nicht mehr. Der Typ hat mich eiskalt benutzt, nur um seinen gehorsamen Pflichten auf dem Schiff nachzukommen,“ setzte der Spanier dagegen, sah dann allerdings enttäuscht zur Seite und fixierte konzentrierend seinen Blick auf einen bestimmten Punkt, um eventuelle Bilder seinesTraummannes erst gar nicht zuzulassen. Aber alle Abwehr half nichts, während Oliver wissen wollte: „Du glaubst immer noch, dass Kyan die Marokkaner hochgenommen hat?“

„Er hat mir nicht das Gegenteil bewiesen. Ich weiß momentan echt nicht, was ich glauben soll. Gestern Nacht hätte ich ihm noch aus der Hand gefressen,“ steckte der Steward, der auf Mallorca aufgewachsen ist, seine persönliche Glaubenskrise ab.

„Tja, mein Lieber, läuft momentan nicht gerade bombig mit uns, was?“ musste Olli erkennen, ehe er von der Liege aufsprang und seinem Kumpel die Hand reichte: „Komm, lass uns nach unten gehen! Vielleicht wachen wir ja morgen früh auf und die Welt dreht sich wieder andersrum?!“

„Morgen steuern wir Teneriffa an. Solange ich nicht weiß, ob Javier und Yassin dort ungeschoren vom Schiff gehen können und ihr Ziel ein Stück näher sind, dreht sich bei mir gar nichts,“ behauptete Rafael, der sich hochziehen ließ. „Hey, es ist passiert und nicht zu ändern. Vielleicht wäre es mir genauso passiert. Wir können nur das Beste hoffen. Auf jeden Fall wird der morgige Tag ein Entscheidungstag. Obwohl meine Chancen näher bei null liegen als deine. Am besten, wir bleiben morgen im Bett!“ sah der Meppener Junge düster in die Zukunft, woraufhin er sich in die Jackentasche griff und ein Blatt Papier herauszog: „Ach Mist, ich wollte Charlie ja noch die Kopie von unserer Weinkarte geben. Ihr nobles Schneiders soll ja schließlich auch von dieser Seereise profitieren.“

„Dann machen wir einen Abstecher und schieben ihr das geheime Dokument unter der Tür durch. Auf geht‘s, Leidensgenosse!“ zeigte Rafael sich wie immer solidarisch, bevor er Oliver freundschaftlich und verbindend seinen Arm um die Schulter legte und mit ihm über das Deck schlenderte.
Chapter 45 by Ricki
Ahoi! ( Teil 45 )


„Das gibt es doch nicht! Irgendwo muss dieses verfluchte Diadem doch stecken?“ schien Kyan Baxter mittlerweile reichlich genervt, nachdem er bereits die komplette Kabine von Olivia Schneider durchsucht hatte, allerdings nicht findig wurde. Nicht der kleinste Hinweis deutete daraufhin, dass Ollis Cousine die wertvolle Krone aus den Ligne Clarisse Koffern genommen und in ihrer Obhut versteckt haben könnte. Nur ihre kleine Anspielung vorhin an der Bar, aber allmählich wurde auch dem ersten Offizier des Schiffes bewusst, dass er in diese Worte vermutlich viel zu viel hinein interpretiert haben könnte. Die ganze aufwendige Suche nach der Nadel im Heuhaufen brachte auch Baxter langsam an den Rand seiner sonst so gelassenen Art: „Mann Elias, warum hast du dich wieder in so eine Scheiße reingeritten?“

„Vielleicht ist deine Tante ja noch wach?! Dann kannst du ihr die Weinkarte persönlich übergeben,“ schlug Rafael vor, der seinen Kollegen und Freund Olli durch die Innendecks des Schiffes begleitete. „Um diese Zeit? Gut möglich! Wie spät ist das über …. Hääh? Wo ist denn eigentlich meine Armbanduhr?“ wunderte Oliver sich, als er auf diese sehen wollte, sie allerdings nicht an ihrem gewohnten Platz vorfand.

„Vielleicht beim Duschen verloren?“ scherzte der Spanier, was Olli, ohne weitreichende Überlegungen zu treffen, bestritt: „Kann nicht sein. Als ich Christians Shirt …. Oder doch? Warte!“

„Was ist?“ fragte Rafael, nachdem Olli ihn wieder mit Schwung zurück um die Ecke zog. „Da vorne ist Kyan!“ flüsterte der grünaugige Steward, woraufhin auch Rafael sich nun mit seinem Kopf vorwagte, um einen Blick zu erhaschen. Derweil hörte er Ollis irritierte Stimme: „Komisch, dein Kyan kommt aus Olivias Kabine. Na warte, liebes Cousinchen!“

„Du meinst, er und Olivia?“ hakte der junge Mallorkiner nach, der in sich schon jetzt eine Eifersuchtsmeldung durch den Körper schießen spürte. Doch er versuchte noch greifende Gegenargumente aufzulegen: „Da kann nichts sein. Kyan ist schwul!“

„Ja, und mein Hamster läuft in seinem Rad nur links rum! Ich kenne Olivia. Es gibt Zeiten, da kann ich ihr vertrauen und im nächsten Moment….. Und hast du mir nicht erzählt, dass Baxter in Deutschland mit einer Frau verheiratet war und seit ein paar Jahren geschieden ist?!“ machte Olli seinem Kumpel wenig Hoffnung auf ein Happy End.

„Habe ich gehört, aber ob das stimmt?! Auf jeden Fall frage ich mich gerade, wie ich so blöde sein konnte und ihm vertraut habe. Elias, Olivia, was kommt noch? Goodbye Seemann!“ reichte es dem spanischen Stewart allmählich, woraufhin Olli den traurigen jungen Mann ansah, aber dennoch trösten wollte: „Aber es muss ja alles nicht so sein!“

Christian hingegen bekam nichts davon mit, welche weiteren Dramen sich auf dem Schiff abspielten. Er lag eine Weile nur auf seinem Bett, wollte seine Ruhe vor irgendwelchen hirnrissigen Verdächtigungen, mit aller Macht durchsetzenden Kupplungsversuchen oder fantasievollen Spekulationen. Wenn man alles zusammenzählt, ist Olli für ihn lediglich ein sehr guter Freund geworden, nicht mehr und nicht weniger, und schon gar nicht das, was Gregor, Marlene oder sonst wer ihm versuchten einzureden. Gute Freunde sich nicht unbedingt ein Grund, warum man nicht seine Pläne umwerfen könnte. Wenn man gute Freunde eine Zeit lang nicht sieht, tretet man eben später wieder in Kontakt. Gute Freunde verlieren sich nicht aus den Augen. „Also, warum sollte ich morgen nicht nach Hause fliegen? Warum machen alle so ein Drama darum?“ fragte Christian sich selber. Doch schon im nächsten Moment donnerte sein Blick auf Ollis Uhr, die neben ihm auf der Konsole lag. Er nahm sie in die Hand, starrte intensiv darauf, fragte sich sogar, ob Olli sie schon vermissen würde. Er müsste sie dem Besitzer zurückgeben, also würden sie sich zumindest noch einmal morgen sehen.

Christians Blick schwenkte dann zum Kleiderschrank rüber, der immer noch offen stand. Aus diesem Schrank hatte er vorhin das violette Shirt herausgeholt. Ganz klar und deutlich sah der Boxer in toller HD – Optik vor sich, wie Olli sich das Shirt überstreifte. Es passte ihm perfekt. Eigentlich ist es ein simples Shirt, aber Olli strahlte darin, als wäre das Shirt eigens für ihn erschaffen.

Auch, wenn Christian nicht verstand, warum er das Bild vor sich behalten wollte, schloss er trotzdem seine Augen, sah, wie der gutaussehende und stets höfliche Steward in diesem Shirt durch die Kabine stolzierte. Vor der Tür zum Badezimmer blieb Olli stehen, zog sich nun allerdings das umwerfende Kleidungsstück über den Kopf. Christians Augen glitten neugierig über den makellosen Körper, prägten sich viele interessante Stellen ein, eigentlich fast alle oder sind es doch alle?! Aber nun wurden seine Augen magisch angezogen. Dem Lächeln, das ihn auf Ollis Lippen erwartete, konnten die Augen nicht entfliehen. Ein letzter, fast fordernder Blick erstrahlte in den grünen Augen, bis der Mann, der vor Tagen nicht in Christians Welt existierte, hinter der Tür verschwunden ist.

Der Pferdewirt aus Düsseldorf weigerte sich in diesem Augenblick seine Augen zu öffnen, kämpfte dagegen an und gewann sogar, als er dann wahrnahm, wie er die Glastür der Duschkabine öffnete. Sofort flog ihm wieder dieses umwerfende Lächeln entgegen, während Ollis Worte den Raum füllten: „Hey, da bist du ja! Ich hab schon auf dich gewartet.“

Das Wasser lief im angenehmen Strahl aus der Brause, die an der Decke der Dusche angebracht ist. Ollis nassen Haare legten noch mehr Reiz in diese Szene. Viele kleine Wasserperlen suchten sich ihre eigenen Wege über den vollkommen nackten Body des Mannes. Und immer wieder ist da dieses einladende Lächeln, auch wenn ab und zu etwas Unsicherheit zu erkennen ist. Christian wollte dieses Band der Unsicherheit zerschneiden, ergriff die Initiative: „Ist noch ein wenig Platz in der Dusche?“

„Für uns ist überall Platz!“ sagte Olli kurz, woraufhin er ein wenig rückte, so dass auch Christian vollkommen mit hinein passte und die Tür hinter sich schließen konnte. Nun spürte er auch das Wasser über sich laufen, schaute dabei aber ganz intensiv in die grünen Augen des Mannes ihm gegenüber, der ihn plötzlich fragte: „Was denkst du gerade, Christian?“
Chapter 46 by Ricki
Ahoi! ( Teil 46 )


„Ich würde gerne wissen, wie es sich anfühlt dich zu küssen!“ sagte Christian ohne lange Umschweife geradewegs heraus. Einen kurzen Augenblick wunderte Olli sich über diesen Wunsch, der nun doch für ihn überraschend kam: „Wirklich?“

„Wäre ich sonst hier?“ erwiderte der Boxer, wodurch er dann erreichte, dass Olli näher heranrückte, langsam seine linke Hand hob, mit dem Finger sanft über Christians Brust spazierte, einen der unzähligen Wassertropfen mit dem Zeigefinger auffing, sich diesen Finger auf dessen Lippen legte, ehe er mit der selben Hand weiter nach oben wanderte, über die Schultern und den Hals. Vorsichtig berührte Oliver das Kinn von Christian, fixierte seinen Blick gnadenlos in die Augen des Gegenübers, ehe seine Lippen sich anpirschten und ins Zentrum der Begierde eindringen wollten.

Nichts mehr konnte noch diesen ersten Kuss stoppen. Er ist jetzt schon spürbar. Gleich würde es geschehen, ein Rätsel vielleicht gelöst. Doch erschrocken schlug Christian seine Augen auf. Vollkommen verwirrt erkannte er, dass er nicht unter der Dusche stand, sondern immer noch auf seinem Bett lag. Auch sind keine Duschgeräusche aus dem Badezimmer zu hören. Olli ist also nicht in dieser Kabine, nicht in dem Bereich, wo er ihm zu Nahe kommen könnte. Alles Fantasie!

Auch, wenn Christian die letzten Vorstellungen liebend gerne aus seinem Kopf streichen wollte, bemerkte er aber schon, dass es ihm nicht ganz gelang. Der jüngere der Mann – Brüder setzte sich auf die Bettkante, wodurch er abermals auf die vergessene Uhr des Stewards starrte, sie dann wieder in seine Hände nahm und eine längere Zeit ausführlich betrachtete, wobei Christian wissen wollte: „Olli, was machst du mit mir?“

Aufbruchstimmung beherrschte auch den nächsten Tag. Fragen standen im Raum, die am Morgen noch so recht niemand beantworten konnte. Informationen sammeln konnten allerdings die Wissbegierigen unter den Reisenden, denn nach dem Frühstück lud der erste Offizier zu einem Rundgang über und durch das Schiff, wo die Gäste erfahren sollten, was sich eigentlich hinter den Kulissen dieser gebuchten Traumreise abspielte.

„Liebe Gäste, und nun kommen wir an den Ort, wo im wahrsten Sinne gezaubert wird. Der Küchenchef der MS Moania, Carlos Rodrigues, und sein hochmotiviertes engagiertes Team bemühen sich jeden Tag aufs Neue all die Wünsche unserer Gäste zufrieden zu stellen. Dabei darf gewohntes, aber auch überraschendes, nicht fehlen. Jeder Tag ein neuer Genuss!“ pries Kyan Baxter die Fähigkeiten der Schiffsküche, als würde der Werbespot gerade über den Bildschirm flimmern, während man mit Chips in der Hand gespannt auf die Fortsetzung der Lieblingsserie wartete.

„Das nenne ich mal eine Küche! In diesem überdimensionalen Wirrwarr würde mein über alles geschätzter herzensguter Xavier die Übersicht und somit seine Kontrolle verlieren,“ konnte Charlie Schneider sich bildlich vorstellen, wie ihr Chefkoch des Schneiders in so einer Großküche ums Überleben kämpfen würde. Kim hingegen bekam eher einen ganz anderen Eindruck dieser Zauberstube: „Oh Gott, wie schrecklich. Nur Hektik, keine Fenster, überall Neonlicht. So stelle ich mir moderne Käfighaltung vor.“

„So lange der Kunde nicht hinter die Fassade schaut, aber das herauskommende Produkt für gut befindet, es ausreichend konsumiert, ist doch alles okay. Warum also etwas an den Umständen ändern?“ meinte Timo eher zynisch aber auf dem Punkt gebracht. „Also, ich könnte hier nicht arbeiten. Ah sie mal an, da drüben werkelt ja Emilio!“ verkündete die jüngste der Wolf – Schwestern, nachdem sie den Aushilfskoch beim Tomatenschneiden entdeckte. Nun schaute auch der Arztsohn in die vorgezeigte Richtung und schmiss umgehend ein freundschaftliches Lächeln rüber: „Hey Emilio! Mach das ordentlich!“

„Die haben mir gerade noch gefehlt!“ sprach der Südamerikaner mit sich selber und hoffte dabei, dass sich die Besucherschar möglichst schnell in Luft auflöste. „Na Kumpel, alles klar?“ ließ Timo es sich allerdings nicht nehmen, Emilio persönlich zu begrüßen, indem er sich ihm näherte. „Bitte nicht füttern! Sag das auch deiner Prinzessin!“ feuerte der Aushilfskoch sofort gegen den Mann, der tatsächlich annahm, dass sie noch Kumpels seien. Das waren sie vorher nicht und werden sie jetzt bestimmt nicht mehr werden, stand für Emilio jedenfalls fest.

„Beim Rundgang habe ich Ausschau gehalten, wo sich die Jungs noch aufhalten könnten. Ich werde wohl noch einige Verstecke genau ins Visier nehmen müssen. Hast du noch etwas entdeckt?“ kam Timo dann unverblümt auf das Flüchtlingsthema zu sprechen, da er Emilios Spruch eher als einen Scherz verstand. „Meine Augen sehen schon, was sie sehen müssen, aber was Javier und Yassin angeht, keine Ahnung,“ äußerte Emilio sich, wobei er Timo einen abstrafenden Blick zukommen ließ, den der junge Mendes allerdings immer noch nicht richtig zuordnete: „Ich hoffe nur, dass die Zwei sich heute in Santa Cruiz heimlich vom Schiff schleichen können. Sonst war alles umsonst!“

„So verblendet werden sie nicht sein. Die beiden halten mit Sicherheit zusammen und werden es packen. Autsch!“ schrie Emilio, wenn auch relativ leise, auf. „Was ist passiert?“ kam nun auch Kim im Eiltempo zu den beiden jungen Männern gespurtet. „Geschnitten, das sieht man doch wohl! Kommt schon mal vor in einer Großküche! Pflaster drauf und weiter machen,“ bekam nun auch Kim die volle Breitseite des Mannes aus Venezuela zu spüren. Doch das konnte die junge Frau in keiner Weise abschrecken. Während Emilio nach einem Verbandskasten griff und ein Pflaster heraussuchte, mischte Kim sich ein: „Du musst die Wunde desinfizieren. Warte, ich helfe dir!“

„Ich komme bestens ohne Krankenschwester aus!“ stellte der Aushilfskoch klar, der Kim den Kasten umgehend wieder aus den Händen riss. „Komm Kim, dem jungen Mann wird schon geholfen werden. Nichts dramatisches!“ stieß nun Charlie ebenfalls auf den Unfallort, wobei sie der Tochter von Ansgar an die Schulter fasste und wieder zurück zur Gruppe führen wollte. Das sah auch Kyan Baxter zum Anlass, die neugierigen Passanten wieder aus der Küche zu führen: „Kommen sie bitte weiter! Wir werfen noch einen Blick auf die Lagerräume. Ach, und Sanchez, lassen sie sich die Wunde ordnungsgemäß verarzten!“

„Geht klar, Chef!“ entgegnete Emilio, ehe er noch verstohlen dem Menschentross hinterherschaute, sich dabei jedoch wunderte, warum ausgerechnet Kim sich nochmal zu ihm umdrehte und dabei sogar ein freundliches Lächeln für ihn erübrigte. Da geriet unmittelbar auch der Schmerz der Schnittwunde in Vergessenheit.
Chapter 47 by Ricki
Ahoi! ( Teil 47 )


„Olli?! Wolltest du zu mir?“ fragte Christian, nachdem er die Tür seiner Kabine öffnete und davor den charmanten Steward, der heute nicht so fröhlich und entspannt schaute wie an den anderen Tagen, sondern eher einen Hauch Traurigkeit in seinen Augen trug, die selbst Christian nicht verborgen blieb. Lieber hätte der Boxer in das Leuchten der grünen Sterne geschaut, aber dieser Tag gab es einfach nicht her. Es ist wie es ist, damit musste nun jeder irgendwie zurecht kommen. Doch bevor Christian darüber weiter nachdenken konnte, erklärte Olli, der mit seinem Buch über George und Rosanna in den Händen um Einlass bat, sein nochmaliges Erscheinen vor er großen Abreise: „Du hast vorhin beim Frühstück gesagt, dass ich meine Uhr bei dir liegen lassen habe.“

„Ach so, ja, die Uhr!“ fiel nun auch Christian wieder ein, woraufhin Oliver meinte: „Du hättest sie erst ja auch mit ins Restaurant bringen können. Dann hätte ….. Du bist am Packen?“

Wie zementiert knallte Ollis Blick auf den bereits reichlich gefüllten Koffer und die Reisetasche, die auf dem Bett lagen. Nochmals jagten Blitze durch seinen Körper. Es schien Ernst zu werden, das Rad ließe sich wohl nicht mehr zurückdrehen. „Hier bitte, deine Uhr!“ reichte Christian dem dunkelhaarigen Mann den gesuchten Zeitansager entgegen. Da Ollis Augen aber immer noch entsetzt auf die Packstücke schauten, ging der Düsseldorfer Pferdewirt nochmals auf das bevorstehende Ereignis ein: „Olli, wir haben darüber geredet. Sobald wir anlegen, gehe ich mit Gregor von Bord. Und fang jetzt bitte nicht an, mich doch noch zum Bleiben zu überreden. Mein Entschluss steht!“

„Ich kann es so oft probieren, wie ich will. Diese Chance musst du mir schon lassen,“ brachte Oliver dem jüngeren der Mann – Brüder entgegen, während er seine Uhr aus Christians Hand nahm und sie sich um sein Handgelenk legte. „Aber es wird zu nichts führen. Reichst du mir bitte die Hemden dort drüben? Die müssen auch mit. Oder willst du vielleicht noch das ein oder andere als Erinnerung behalten?“ ließ Christian sich nicht erweichen, der eifrig seine Arbeit fortsetzte und dabei mit dem Kopf auf die zusammengelegten Kleidungsstücke zeigte.

Etwas angefressen aber mithelfend übergab Oliver den Stapel, während er auf seine Art zurückschoss: „Du brauchst dich gar nicht über mich lustig machen. Nimm ruhig alles mit. Keine Sorge, dein geliehenes Shirt von gestern bringe ich dir gleich auch noch vorbei. Von dir muss nichts hier bleiben. Ich behalte meine Erinnerungen im Kopf und im Herzen. Aber das ist dir anscheinend auch zu kitschig, was?“

„Kitsch? Das hat doch alles nichts mit Kitsch zu tun!“ kam Christian auf Ollis Abgesang nicht ganz klar, woraufhin Charlies Neffe den Stapel Hemden wieder aus Christians Händen zog und etwas unsanft auf dem Bett abwarf: „Mit was dann? Gut, wenn dein Bruder unbedingt nach Hause will, weil seine Kinder krank sind, kann ich das durchaus nachvollziehen. Aber was ist mit dir? Ich verstehe es einfach nicht. Hast du echt Angst davor, dass deine Gefühle eines Tages doch Achterbahn fahren könnten oder tun sie es bereits?“

„Ich hasse Loopings! Darum steige ich gar nicht erst ein,“ betonte Herr Mann, wobei er sich ein selbstgefälliges Grinsen aufsetzte. Für den hübschen Steward ist diese Aussage jedoch ein gefundenes Fressen: „Ach sieh an! Also doch eine Flucht vor dem, was passieren könnte?!“

„Das Einzige, was passieren wird, das ich heute Abend im Flieger nach Deutschland sitze. Und wenn ich ankomme, werde ich mit meinem Kumpel Andi als erstes ein schmackhaftes Alt im No Limits zu mir nehmen,“ konnte Christian sich nicht verkneifen und hoffte durch diese Ansage einen Schlusspunkt in dieser endlosen Diskussion zu setzen.

„Schöne Grüße an Andi! Und ansonsten, schön wieder zurück in die Welt, in der du dich auskennst, wo nichts Neues auf dich wartet?! Etwas, was dich völlig überraschen und neu aufleben lassen könnte?!“ musste Olli allmählich erkennen, dass mit Christian kein Start in ein spannendes, faszinierendes Abenteuer zu machen ist. „Ich brauche nichts Neues, und schon gar nicht mit einem …..! Ach, vergiss es!“ konterte der angehende Heimkehrer, was bei Olli schlussendlich zur vollkommenen Resignation führte: „Das war deutlich! Dann ist wohl alles gesagt?! Obwohl, dann bist du also auch nicht mehr an das Ende von George und Rosanna interessiert?“

„Das Ende kann ich mir bildlich vorstellen!“ behauptete Christian, während sein Blick auf das Buch, das Olli jetzt wieder in seine Hände nahm, fiel. Oliver schaute ebenfalls auf das Buchcover und dann mit allen, was er hatte in Christians Augen: „Aber ich will mir kein Ende vorstellen!“

„Du willst in die Firma?“ erkundigte sich derweil Sebastian von Lahnstein zu Hause in der prachtvollen Schlosshalle von Königsbrunn bei seiner Frau, die sich gerade bereit zur Abreise machte. „Lahnstein Colours steht und fällt mit mir. Mein Konzept muss bald greifen, wenn ich Ligne Clarisse vom Thron stoßen will,“ erwiderte Tanja mit einem Grinsen in ihrem Gesicht, das ihr im Vorfeld schon den Sieg über ihre Erzrivalin Clarissa verdeutlichen sollte.

„Da hätte ich brandaktuelle Neuigkeiten für dich, die Ligne Clarisse betreffen! Ansgar rief mich vorhin an, da er befürchtet, dass Tannheim sein Vermögen aus der Lahnstein Bank abziehen könnte. Geld, dass uns alle in eine ernste Existenzkrise stürzen könnte,“ berichtete der junge Anwalt, was Tanja irritierte: „Ach, ist Ansgars bescheuerter Plan, der naiven Gräfin ein gefälschtes Diadem unterzuschieben, aufgeflogen? Stümper! Aber, was hat das mit Clarissa und ihrer Altkleiderkammer zu tun?“

„Ansgar hat mir erzählt, dass Clarissa von Anstetten auch auf dem Schiff ist,“ legte Sebastian nach, während er Tanja die Eingangstür offen hielt, damit beide zu ihrem Wagen gelangen konnten. „Prima, wenn der Kahn absäuft, sind wir Ansgar endlich los und die alte Schachtel verschwindet auch endlich in die ewigen Jagdgründe, aber bitte dieses Mal ohne Rückfahrschein. Dann holen wir uns Ligne Clarisse zurück und die Weltordnung ist wieder hergestellt,“ konnte Tanja nur positive Aspekte aus diesen Nachrichten ziehen.

„Da deine Wünsche ohne Nachdruck selten in Erfüllung gehen, sollte dich vorher vielleicht interessieren, dass Clarissa beruflich auf dem Schiff ist. Sie will dort eine Modenschau durchführen und plant Ladenlokale auf Kreuzfahrtschiffen anzulegen, die ein entsprechendes Publikum beherbergen,“ servierte Sebastian nach, während er seiner Frau die Tür der Limousine aufhielt. „Ich wusste es. Die alte Frau gönnt sich keine Ruhepausen,“ traf diese Information bei Tanja wider voll ins Zentrum. Darum wollte sie unbedingt wissen: „Wann findet die Gala statt?“

„Ansgar meinte, dass die Models erst in Lissabon zusteigen, aber er faselte auch davon, dass die Koffer mit der neuen Kollektion schon auf dem Schiff sind. Die wurden bereits in Casablanca verladen,“ kam umgehend Antwort, was Tanja mehr als stutzig machte: „Moment! Clarissa lässt ihre Klamottenkisten erst umständlich nach Afrika fliegen und schippert sie dann durch den Atlantik zur Schaustellung? Wieso nicht alles zusammen in Lissabon? Da ist doch was faul?!“

„Beim ganzen Betrachten würde ich das auch so sehen. Und ich weiß auch schon, wer uns darüber Auskunft geben wird,“ mutmaßte Tanjas Ehemann ebenfalls, woraufhin beide in die dunkle Limousine stiegen und vom Anwesen der Lahnsteins rollten.
Chapter 48 by Ricki
Ahoi! ( Teil 48 )


„Du hast aber ja wohl nichts dagegen, wenn ich dir noch meine Lieblingsstelle aus dem Buch vorlese?!“ nahm Olli sich die Freiheit, da er sich nicht so einfach geschlagen und schon gar nicht wegschicken lassen wollte. „Wenn es dich nicht stört, dass ich weiter packe?!“ katapultierte Christian den Ball zurück, wobei er sich möglichst cool und entschlossen gab, vielleicht sogar dabei hoffte, dass Olli endlich Ruhe gab.

Oliver setzte sich auf dem Sims der geöffneten Balkontür, hielt das Buch immer noch felsenfest in seinen Händen, konnte es allerdings nicht aufklappen, da er immer noch fassungslos zu seinem Schwarm schaute, wie dieser anscheinend völlig abgebrüht dessen Plan in die Tat umsetzte. Noch ein paar letzte Kleidungsstücke und die Verschlüsse des Koffers könnten einrasten. Nicht nur der Koffer ist bald Richtung Good Old Germany unterwegs.

„Was ist jetzt? Du wolltest lesen! Viel Zeit bleibt nicht mehr!“ nahm Olli auf mal Christians Stimme wahr. „Lesen? Klar! Lesen!“ bemerkte Oliver dann selbst, dass er sich selbst in seinem Vorhaben ausgebremst hatte. Nun fragte er sich ernsthaft, ob seine Lesestunde überhaupt noch einen Sinn ergab?! Aber was sollte er sonst machen? Einsam auf seiner Pritsche in der Kajüte dahin vegetieren oder sich sogar noch die Augen aus dem Kopf heulen? Wozu? Christian wehrte ihn mit aller Macht ab, wollte ihn nicht, wollte gehen, weit weg von ihm. Wozu dann Tränen vergießen?

„Zack, der Koffer ist zu! Habe ich wirklich alles?“ schaffte der Boxer es erneut Olli aus dessen Gedanken zu reißen. Während Christian sich dann nochmals in der Kabine umsah, ob auch wirklich jedes Mitbringsel von ihm es wieder mit auf die Heimreise schaffte, begann Oliver laut und deutlich aus dem Buch zu zitieren: „Meine Augen fesselten sich nicht nur an den Farben. Das Bunte und Vielfältige hatte ich längst registriert. Ich begann es sogar zu mögen. Lieben wäre zu übertrieben, aber mögen. Ich glaube, das trifft es. Wer entscheidet eigentlich darüber, ob ich etwas mag? Mein Kopf nicht, das gilt als sicher. Der Kopf ist immer darauf aus, sich den einfachsten Weg zu suchen oder nach dem zu streben, was einem Vorteile brächte. Die alten Gewohnheiten könnten mir Vorteile bringen. Was heißt Vorteile? Zumindest würde ich mit ihnen nicht in Gefahr laufen, meinen sicheren Weg, mit dem ich bisher immer bestens gefahren bin, plötzlich verlassen zu müssen. Oder etwa doch?“

Christian konnte nichts Wesentliches mehr entdecken, checkte aber vorsichtshalber nochmal seine Papiere, damit es später nicht zu eventuellen Schwierigkeiten kommen könnte. Oliver sah kurz zu dem Mann rüber, war sich nicht mal sicher, ob Christian ihm überhaupt zuhörte. Während sich auf dem Balkon der Nachbarkabine unbemerkt ein stiller Zuhörer einfand, wiederholte Olli die letzten Worte und fuhr dann fort: „Oder etwa doch? Denn was ist, wenn mich meine Gewohnheiten in eine Sackgasse laufen lassen würden? Wollte ich da überhaupt wieder rauskommen? Was ist, wenn? Immer dieses, was ist, wenn? Die Fragen kann ich dann doch immer noch beantworten. Mein Kopf wird das schon regeln. Es geht immer weiter, irgendwie! Aber reichte das Irgendwie? Ist mein Herz vielleicht schon jetzt dabei, die Weichen zu stellen? Führt mein Herz mich vielleicht jetzt schon durch eine Allee, die mich auf gewisser Weise fasziniert? Obwohl, auf beiden Seiten des Weges Bäume? Könnte das nicht auf Dauer eng werden? Wieder brummte mein Kopf. Es übertönte das leise Schlagen des Herzens. Ich konnte das Ticken des Herzens kaum hören, aber ich konnte es fühlen. Meinen Kopf konnte ich nicht fühlen. Außer ich bekam mal Kopfschmerzen wegen des vielen Grübelns. Aber ansonsten grenzte mich mein Kopf eher ein, mittlerweile mehr als die Allee. Wollte ich Grenzen zulassen? Ich wollte doch frei sein, fliegen wie ein Vogel im Wind. Von oben schauen auf eine bunte Welt, nicht mehr schwarz – weiß. Nicht mehr nur das, was ich schon kannte. Da, da ist es wieder. Das Lied, das sie pfiff. Mein Herz reagierte darauf und plötzlich sagte mir mein Kopf, dass ich es nie wieder hören werde, wenn ich wieder bei meinen alten Gewohnheiten angekommen bin. Kopf und Herz schienen sich in diesem Moment endlich mal einig. Sollte ich diese Sekunde nutzen, denn gleich könnte es vielleicht wieder anders aussehen?! In diesem Augenblick begann ich das Lied selber zu pfeifen, aber es hörte sich anders an, es hörte sich einsamer an. Zu spät! Da ist sie! Ich bin wieder zurück, zurück in meiner Sackgasse. Kopf, sage mir bitte, wie ich da wieder rauskomme! Kopf, ich höre dich nicht! Ich höre nur meinen Herzschlag!“

„Wie ist das, Olli?! Werden die Koffer eigentlich aus den Kabinen geholt oder müssen die zur Rezeption?“ fragte Christians Kopf, worüber der angesprochene Steward nicht mal mehr seinen Kopf schütteln konnte. „Du brauchst dich um nichts zu kümmern. Das übernimmt selbstverständlich das Bordpersonal,“ gab Oliver zynisch zurück, woraufhin er sich erhob und sich allmählich geschlagen gab: „Okay, ich muss gleich hoch ins Restaurant, die Tische eindecken. Das Schiff legt etwa in 45 Minuten an. Ich nehme an, dass wir uns nicht mehr sehen werden. Ich fand‘s schön, dich kennengelernt zu haben und wünsche dir einen angenehmen Heimflug. Ach ja, vielleicht passt das Buch ja noch in den Koffer? Vielleicht willst du doch nochmal das Ende lesen?!“

Nachdem Olli sich jetzt keine Blöße geben wollte und vermutlich noch Tränen vergießen könnte, legte er das Buch auf Christians Koffer ab, öffnete dann rasch die Tür und wollte nur noch raus.

„Olli …..,“ kam es Christian leise über die Lippen, doch die Tür ist geschlossen worden. Draußen lief indessen Olli Christians Bruder über den Weg, der aus der Nachbarkabine kam und in das verzerrte Gesicht des Stewards schaute: „Hi Olli! Glaube mir, er ist ein Kamel, aber eben Christian Mann! Da richtest du nichts aus.“

„Er soll ja auch Christian Mann bleiben. Ich will ihn bestimmt nicht verbiegen. Und außerdem, es ist ja nichts passiert. Dir auch eine gute Heimreise, Gregor!“ ließ Oliver noch wissen, woraufhin er endgültig die Flucht antrat und nur noch Gregors „Danke!“ hörte.
Chapter 49 by Ricki
Ahoi! ( Teil 49 )


„Rafael, kann ich dich bitte kurz sprechen? Es ist dringend!“ bat Kyan Baxter um Gehör, als der spanische Steward an einem der Serviceterminals im Restaurant stand und sich damit beschäftigte, das Gesteck zu polieren, damit andere Kollegen dieses zum Eindecken der Tische nutzen konnten, denn die nächste Runde für die hungrigen Mägen der reisenden Gäste startete heute bestimmt noch, auch wenn heute ausführlicher Landgang auf der Azoren – Insel Teneriffa angesetzt ist.

„Ich wüsste nicht, worüber wir noch reden sollten?! Und außerdem habe ich zu tun, wie du siehst,“ zischte Rafael umgehend zurück, während er sich den nächsten Stapel Messer vorknöpfte, die er mit seinem Geschirrtuch auf Hochglanz bringen wollte. „Lass jetzt bitte die blöden Messer liegen! Bitte Rafael, ich muss es wissen. Weißt du inzwischen, wo die Flüchtlinge sind? Sie sollen doch heute von Bord gehen. Wir legen bald an!“ kam der erste Offizier mit einer Bitte rüber, die Rafael nun überhaupt nicht erwartete. Wütend schmiss der Spanier das Poliertuch auf den Servicetisch und starrte Baxter total unverständlich und noch mehr enttäuscht an: „Du willst mich echt verarschen, oder? Du selber hast sie doch aus der Kabine geholt, nachdem du mich in die Falle gelockt und mich in deinem Bett ausgequetscht hast!“

„Geht‘s vielleicht noch lauter?“ wollte Kyan Rafaels immer zorniger werdende Stimme wieder auf ein eher ruhigeres Level zurückführen, wobei er sich in dem Restaurant umschaute und registrierte, dass einige Kollegen im Service schon Witterung aufnahmen, was sich da wohl abspielen könnte. „Ach, ist es dem Herrn peinlich, dass ich in deiner Kabine übernachtet habe? Da bin ich ja froh, dass nicht noch mehr zwischen uns passiert ist,“ merkte Rafael nun selber, in welcher Lage er sich gebracht hatte, denn ihm leuchtete ein, dass mehr als eine flotte Nummer zwischen ihm und Kyan eh nicht zustande gekommen wäre. Wie auch? Baxter ist sein Vorgesetzter. Alle Hoffnungen, die immer wieder bei Rafael aufkeimten, wurden nun endgültig begraben. Alles mit einem Schlag vom Tisch gewischt!

„Können wir bitte zum Thema zurückkommen? Wo sind die Afrikaner?“ forderte die rechte Hand vom Kapitän unerbittlich. Der sympathische Steward schluckte, da er Kyan nicht wiedererkannte oder doch eher den Kyan sah, wie er vorher war, bevor er plötzlich nachts vorm Bett stand und sich dann einfach dazulegte. Der Offizier war bis zu dieser Nacht unerreichbar, kaum greifbar. Rafael wurde sich diesem jetzt wieder bewusst und versuchte darum ab jetzt wieder gelassener zu reagieren: „Zum Hundertsten Mal, ich weiß es nicht. Und wenn du es komischerweise nicht weißt, was ich dir allerdings nicht abnehme, dann gib endlich Ruhe! Lass die beiden Männer ziehen! Denn weißt du was, Kyan? Du bist ein hohes Tier auf diesem Schiff. Du bist der erste Offizier und daher trägst du Verantwortung, das ist mir klar. Darum kann ich deinen Verrat an mich vielleicht sogar noch verstehen und respektieren, aber nicht tolerieren und akzeptieren. Ich hätte lieber zu einem Mann aufgesehen, der auch mal gegen den Strom schwimmt und auch etwas riskiert. Mich hast du auf deinem Weg total vergessen. Hauptsache immer schön geradeaus! Scheiß auf die Gefühle und das Leben der anderen!“

„Das stimmt so nicht, Rafael!“ begann Baxter, den diese Worte aus Rafaels Herzen doch mehr trafen, als er zugeben konnte, sich zu wehren, woraufhin der Offizier noch hinzufügte: „Und ich hoffe inständig, dass wir beide noch eine Chance bekommen, bei der ich dir beweisen kann, wer ich wirklich bin.“

„Ich brauche keine Chancen, ich brauche einen Mann, der zu mir steht. Und das sehe ich bei dir nicht!“ erklärte Rafael, der plötzlich Ollis Cousine anfliegen sah. „Ah, Offizier Baxter, ich suche sie schon überall! Sie wollten mir doch in einer Privataudienz die Brücke zeigen. Also ich hätte jetzt nichts vor, Seemann!“ schmiss Olivia sich förmlich an die Führungskraft der MS Moania. Während Baxter noch mit Rafaels harter Ansage gegen ihn haderte und praktisch sprachlos wirkte, löste sich bei Rafael das nächste Ventil: „Lasst euch nicht aufhalten! Scheiße verdammt!“

„Und was hat der jetzt für ein Problem?“ fragte Olivia nichtsahnend, während Kyan dem fliehenden Steward nur noch fassungslos nachschauen konnte.

„Olli, nun mach es uns und vor allem dir nicht so …… Ach du bist es!“ nahm Christian an, dass Olli kurz nach seinem Abgang nochmal an der Tür klopfte, die der Boxer mit Schwung aufriss und nach Entdeckung seines Bruders nachsetzte: „Was ist? Brauchst du wieder Zahnpasta?“

„Nein, nicht nötig! Aber du scheinst jemand anderen erwartet zu haben. Glaube mir, der taucht nicht mehr auf, denn Olli hast du erfolgreich verjagt. Jedenfalls machte er eben den Eindruck auf mich,“ gab Gregor seine Sichtweise wieder, die Christian allerdings nicht hören wollte: „Bitte nicht schon wieder irgendwelche Diskussionen über mein Leben und alles, was ich verpassen könnte! Ich kann ganz gut alleine auf mich aufpassen. Also, Koffer sind gepackt. Wenn wir anlegen, können wir gleich starten!“

„Auf die Gefahr hin, dass du mich gleich über den Balkon schmeißt, aber denkst du wirklich, du bist nicht zu voreilig?“ sägte Gregor weiter an Christians Vorhaben, voreilig die Reise abzubrechen, wo auch immer sie hinführen könnte. „Wieso? Dreht die Moania etwa noch eine Extrarunde um die Azoren und wir legen erst Morgen an?!“ witzelte der Pferdewirt, woraufhin er sich grinsend rücklings aufs Bett warf und seine rechte Hand demonstrativ auf den geschlossenen Koffer legte.

„Du weißt genau, was ich meine,“ behauptete der Prinz von Waldensteyck, bevor er sich auf die Bettkante setzte und ungehindert zur Sache kam: „Okay, dass Olli über beide Ohren in dich verschossen ist, können wir uns schenken. Das wissen wir Beide. Aber ich nehme dir einfach nicht ab, dass dich das alles so cool lässt!“

„Was willst du von mir hören, Gregor? Das ich erst auf eine Kreuzfahrt gehen muss, um zu kapieren, dass ich eigentlich auf Typen stehe?“ warf Christian in den Raum, wobei seine Finger begannen etwas nervös mit dem Namensanhänger am Koffer zu spielen. Gregor schwieg daraufhin für einen Moment, versuchte den unsicheren Blick seinen Bruders einzufangen, der nun situationsbedingte Ausweichmanöver fuhr. Aber letztendlich unterbrach der ältere der Brüder die aufkommende Stille in der Kabine, wobei er seine Hand auf Christians Knie legte: „Wenn dem so ist, weißt du eigentlich, wie Scheißegal mir das ist?! Mich interessiert lediglich, ob du mit einem Menschen glücklich bist. Ob du dich bei einem anderen Menschen geborgen fühlst und dich angekommen siehst?!“
Chapter 50 by Ricki
Ahoi! ( Teil 50 )


„Wo wir gerade bei Ankommen sind. Wann hast du gesagt, landet meine Maschine in Düsseldorf? Wenn es nicht zu spät wird, könnte ich nämlich gleich noch Dana anrufen, dass ich Morgen wieder auf dem Gestüt bin!“ reagierte Christian ziemlich gelassen und mal wieder mehr als abweichend auf die Worte seines Bruders. „Um 20 Uhr! Du kannst also getrost in deinen Alltag flüchten,“ setzte Gregor dagegen, woraufhin Christian sich ein erhabenes Grinsen aufsetzte und wissen ließ: „Ich flüchte nicht! Wovor? Etwa vor Olli?“

„Irrtum! Nicht vor Olli, sondern vor dem Gefühl, dass Olli in dir auslöst,“ behauptete der ehemalige Callboy, der sich bereits auf den Weg zur Tür zu machen wollte, um seinen jüngeren Bruder nicht länger mit diesem Thema zu behelligen. „Totaler Schwachsinn! Olli löst nichts in mir aus!“ schoss Christian mit voller Raketenabwehr zurück, wobei er rasant vom Bett aufsprang. Gregor schloss die Kabinentür nochmals, bevor er sich zu Christian umdrehte: „Mein Lieber, glaubst du ernsthaft, ich hätte mir vor Jahren ein Leben als Prinz auf einem Märchenschloss vorstellen können? Der gesamte Adelskram und das ganze Getue? Bestimmt nicht, aber da gab es diesen Menschen, nennen wir ihn in meinem Fall Luise, der mich mit in diese Welt genommen hat. Die Welt und alles drumherum ist da, existiert wirklich. Ich lebe damit, habe mich sogar dran gewöhnt, weil ich mich fallen lassen habe. Aber das konnte ich nur, weil dort dieser Mensch, namens Luise für mich da ist.“

„Klingt fast so schön wie ein Märchen. Es war einmal und wenn sie nicht gestorben sind. In meinem konkreten Fall ist die Lage allerdings vollkommen anders,“ tischte der Boxer seine eigene Rechnung auf, worüber Gregor dann doch schmunzeln musste: „Aha?! Du nennst es schon mal Fall, na denn?!“

„In einer halben Stunde an der Rezeption , okay?“ dachte Christian nicht daran, seinen eisernen Entschluss in letzter Sekunde noch zu revidieren. „Wie du willst! Sei pünktlich!“ nahm Gregor alles Weitere so hin, bevor er seinen Bruder allein in der Kabine zurückließ. Dieser steckte sich seine Hände vorne in seine Jeans und schlenderte ein wenig durch die Kabine, schaute sich nochmal um, zog dann seine rechte Hand wieder heraus, strich damit über den gepackten Koffer, steuerte dann seine Augen zur Nachtkonsole, auf das er vorhin Ollis Buch abgelegt hatte, denn eigentlich wollte er es zurücklassen, wollte keine Erinnerungen mitnehmen. Langsam bewegte Christian sich darauf zu, nahm die Lektüre an sich, betrachtete das Cover von beiden Seiten, schaute dann wieder zur Tür. Aber ein weiteres Klopfen folgte nicht. Hier schien wirklich Schluss zu sein.

Vorsichtig zog der Mann, der zur Abreise bereit ist, den Reißverschluss seiner Reisetasche auf und wollte das Buch dort hinein legen, entdeckte aber gleich obenauf seine neue Sonnenbrille und wurde sich auch gleich bewusst, warum es unbedingt ein neues Modell sein musste. „Egal, das war‘s! George und Rosanna, ihr kommt jetzt mit nach Düsseldorf! Vielleicht ist es dort nicht so bunt wie in Mexiko oder auf der Moania, aber auch ganz nett!“

„Es läuft alles nach Plan, Gräfin Anstetten! Wenn einer die Lage im Griff hat, dann bin ich das. Die Agentur hat mir nochmal alle Models bestätigt. Wir sehen uns in Lissabon,“ beruhigte der Chefkoordinator von Ligne Clarisse, Elias Maiwald, die ehrgeizige Mode – Ikone per Telefon. „Ach, war das die liebenswürdige Clarissa,“ hakte Tanja nach, die auf mal zusammen mit ihrem Mann Sebastian im Büro des Düsseldorfer Unternehmens stand. Elias drehte sich erschrocken zu den hereingeplatzten unerwarteten Gästen um: „Familie Lahnstein, wie goldig! Was kann ich für sie tun? Die Chefin ist nicht im Hause!“

„Das wissen wir bereits. Gräfin Anstetten amüsiert sich auf der MS Moania,“ brachte sich nun auch Sebastian ein, während er sich neugierig in dem Büro umschaute, denn irgendwelche versteckten Informationen könnten überall lauern. „Dann sind sie ja bestens informiert. Einen schönen Abend noch!“ hoffte der Angestellte der Modefirma die zwei Menschen, die mit Sicherheit Ärger ins Haus bringen könnten, schnell loszuwerden.

„Nicht ganz so schnell, Bürschchen! Uns würde doch schon interessieren, warum die Models für Clarissas billige Show erst in Lissabon zusteigen, die gesamte Kollektion jedoch schon vorab in Casablanca an Bord ging, was uns doch vollkommen unsinnig erscheint,“ drängte Tanja auf Informationen, die dieser Knabe ihr durchaus liefern könnte. „Logistische Gründe, für die ich nicht verantwortlich bin. Timo Mendes, der Enkel von Frau Anstetten hat diese Disposition veranlasst. Ich habe jetzt wirklich zu tun. Wenn sie dann gehen würden?!“ fühlte Elias sich immer mehr in die Enge gedrängt, woraufhin die knallharte Tanja sich direkt vor ihm aufbaute, um so ihre Macht zu demonstrieren: „Halten sie mich für blöde? Da ist doch etwas faul an der Sache. Also raus mit der Sprache, sonst lernen sie mich mal richtig kennen!“

„Klar läuft da was! Große Koffer nach Afrika, dann aufs Schiff und ab zurück nach Europa!“ stach Sebastian nach, der allmählich den Durchblick bekam. „Schmuggel, was sonst?! Illegale Glitzersteinchen oder vielleicht Drogen?! Also nochmal, Maiwald, was führt Clarissa im Schilde?!“ ließ das blonde Gift vom Schloss nicht locker, wobei sie liebend gerne andere Mittel ins Spiel gebracht hätte, um Clarissas Angestellten zum Reden zu bringen.

„Nichts von dem! Ist doch klar, was da läuft! Für Diamanten müsste man nicht solche auffälligen Umstände inszenieren. Aber große Koffer? Was ist momentan die heißeste Ware, die übers Mittelmeer nach Europa schwappt?“ teilte Durchblicker Sebastian seinen Verdacht mit. Tanja sah ihren Mann einen Augenblick irritiert an, ehe auch ihr die Erklärung ins Hirn schoss: „Du meinst Flüchtlinge?“

„Soviel ich weiß, engagiert sich Clarissas Enkel sehr aktiv in der Flüchtlingshilfe. Ich wette, er ladet Afrikaner in die Koffer, schleppt sie nach Europa, wo sie wieder unbemerkt vom Schiff gehen. Wir brauchen unbedingt die Route von der Moania. In welchem europäischen Hafen legt das Schiff zuerst an?“ wusste der Lahnsteiner Anwalt, wie er weiter vorzugehen hatte. „Ich darf mal?“ beschlagnahmte er dabei den Computer von Elias, um sich im Netz die notwendigen Informationen zu holen.

Für Tanja hingegen baute sich ein geniales Fest vor ihren Augen auf: „Das wäre ein tiefer Fall für unsere liebreizende Clarissa. Ich sehe schon die Schlagzeilen vor mir. Düsseldorfer Modeschöpferin schleust illegale Flüchtlinge in ihrer neusten Kollektion. Prima, damit kriegen wir sie!“
Chapter 51 by Ricki
Ahoi! ( Teil 51 )


„Was machst du hier oben, Timo?“ fragte Ricardo, als er seinen Sohn, den er schon eine Weile gesucht hatte, auf dem Außendeck vorfand. Irritiert, aber vor allem mit gemischten Gefühlen aus Angst und Versagen geleitet, wandte der blonde Junge sich Ricardo zu: „Wir legen gleich in Santa Cruiz an. Ich will schauen, ob Javier ud Yassin es irgendwie vom Schiff schaffen. Vielleicht kann ich sie entdecken. Und wenn sie tatsächlich abgeführt werden, will ich wissen, wer dafür verantwortlich ist?! Ich fühle mich auf jeden Fall mies. Die ganzen Mitwisser, da war einer zu viel, aber ich habe es zugelassen und die Jungs dadurch in Gefahr und um ihre Chance gebracht.“

„Komm bitte mit, Timo!“ bat dann der Mallorkiner, wofür Timo in in diesem Augenblick überhaupt kein Verständnis aufbringen konnte: „Nicht jetzt, Papa! Alles muss jetzt warten, okay?“

„Doch, gerade jetzt! Ich brauche deine Hilfe. Außerdem hast du es angeleiert und wirst es jetzt mit mir zu Ende bringen. Also komm jetzt bitte!“ forderte der Schiffsarzt die volle Unterstützung an, wobei er sich bereits einsatzbereit umdrehte. Allmählich kapierte Timo, was sich gerade abspielte: „Du hast ….?“

„Kein Wort! Komm einfach mit!“ bat Ricardo, der sich nochmal prüfend umsah. Sein Sohn wusste in diesem Moment nicht, was er denken und davon halten sollte, auf jeden Fall erkannte er nun, dass es doch noch eine Chance für seine Schützlinge gab, und darum folgte er wortlos.

„Was hat ihr Mann vor?“ wollte Elias Maiwald derweil im Düsseldorfer Atelier von Ligne Clarisse in Erfahrung bringen, da Sebastian mit seinem Handy aus dem Büro verschwand, ohne dessen weiteres Vorgehen zu erläutern. Tanja, die es sich inzwischen auf Clarissas Bürosessel gemütlich gemacht hatte und sich nun neugierig umschaute, half jedoch umgehend und großzügig aus: „Na, was wohl? Er glaubt noch an Recht und Gesetz, der Träumer. Jedenfalls wird er jetzt die spanischen Behörden informieren und dann schnappt die Falle zu. Die herzensgute Schmugglerin Clarissa wird hochgenommen und dann hoffentlich öffentlich gerichtet und geächtet.“

„Und wenn sie sich irren? Was ist, wenn gar keine Flüchtlinge in den Koffern waren?“ hakte der Koordinator der Modefirma nach, da er sich schon Sorgen um den Ruf seiner Chefin machte. „Ich irre mich niemals. Was sollte sonst geschmuggelt worden sein?“ stand das blonde Gift von Schloss Königsbrunn zu ihren Verdächtigungen, während sie einen Blick in eine Mappe warf, in der sich die neusten Zeichnungen einiger Ideen für die kommende Winterkollektion tummelten. Elias marschierte mutig um den Schreibtisch und riss Tanja die wertvolle Mappe aus deren Händen, nahm sie an sich, bevor er erste Details über den wahren Inhalt der Koffer verriet: „Ich gebe lediglich zu bedenken, falls etwas verloren geht, was Ansgar von Lahnstein unbedingt benötigt, könnte es für Lahnstein Enterprises und somit wohl auch für ihre gesamte Familie böse enden.“

„Was sollte das sein? Los Mann, reden sie schon, bevor ich sie in den Burggraben den Krokodilen zum Fraß vorwerfe!“ wurde Tanja vom Blitz der Neugier getroffen. Rasant sprang sie aus dem Ledersessel und baute sich bedrohlich vor Elias auf. Dieser legte die Mappe, die er in seinen Händen trug in einen sicheren Safe, verschloss diesen vor Tanjas Augen, bevor er Rede und Antwort stand: „Mir ist egal, was in ihrer Familie abläuft, aber wenn Ansgar ihnen nichts erzählt, warum sollte ich es tun? Aber ich will mal nicht so sein, ich wollte ja nur verhindern, dass sie Unüberlegtes tun. Also, soviel ich weiß, sollte Ansgar von Lahnstein Gräfin Tessa von Tannheim ein wertvolles Diadem übergeben. Diese über Jahrhundert alte Krone wurde aus einer marokkanischen Sammlung gestohlen. Ich war lediglich Ansgars Handlanger und habe ihm dieses Schmuckstück von einem Hehler übernommen und in einem der Koffer von Ligne Clarisse versteckt, weil ich selbst nicht in den Hafen konnte.“

„Hübsches Märchen! Und was hat das jetzt mit Lahnstein Enterprises zu tun?“ nervte Tanja das Geschwafel um den heißen Brei, vor allem, da sie von diesem Plan Ansgars längst Kenntnis hatte. Aber darüber ließ sie Elias im Unwissen, um ihn für sich gefügig zu machen. „Soviel ich weiß, wollte Tessa von Tannheim auf ihren Mann einwirken, einige Millionen bei der Bank abzuziehen, die er dort angelegt hatte. Aber genaues weiß ich auch nicht,“ antwortete Clarissas Assistent ganz brav.

„Auf jeden Fall sind sie dann wohl nun auch ein gesuchter Hehler oder wer weiß, vielleicht sogar der Dieb? Egal, ab jetzt habe ich sie in der Hand, mein Lieber. Also hören sie gut zu! Wenn sie in Lissabon mit den Models auf das Schiff gehen, sorgen sie dafür, dass Ligne Clarisse samt ihrer geplanten Modenschau baden geht. Die Show muss das absolute Desaster für Clarissa werden! Ich hoffe, wir haben uns verstanden?!“ erteilte Tanja in ihrer bedrohlichen Manier Anweisungen, woraufhin Sebastian das Büro wieder betrat: „Alles geregelt! Jeder, der auf Teneriffa das Schiff verlässt wird überprüft. Außerdem werden die Koffer von Ligne Clarisse, so wie die Kabinen von Clarissa von Anstetten und Timo Mendes auf Spuren untersucht. Was ist los? Habe ich irgendwas verpasst?“

„Alles bestens! Wollen wir ins Schneiders? Mir ist nach Champagner!“ setzte Tanja eventuellen Mutmaßungen ihres Mannes entgegen, während auf der MS Moania Clarissa in ihrer Suite auf Grund ihrer Überwachungsanlage Zeugin dieser Unterhaltung in ihrem eigenen Büro in Düsseldorf wurde: „Ersticke an deinem Champagner, du Miststück! Und Maiwald, mit dir bin ich auch noch nicht fertig. Ich weiß schon, warum ich nur mir selber vertrauen kann!“

„Sie wollen uns wirklich schon verlassen? Die wunderschöne Reise abbrechen?“ fragte die Angestellte an der Rezeption nach, als Gregor sie über seinen Plan informierte, jetzt aber nochmals nachlegte: „Leider bedauerliche Umstände. Wir wären gerne noch geblieben, aber die Situation ist nicht zu ändern.“

„Okay, wie sie wünschen. Dann bereite ich die Papiere zum Ausschecken vor. Nehmen sie doch vorne in der Lounge noch einen Moment Platz,“ fing die junge Frau dann an ihre Routine einzubringen, woraufhin Gregor mit Christian und dem nötigen Handgepäck zu der Sitzgruppe hinüber schwankte. Nachdem Christian sich wortlos und wohl auch ein wenig in Gedanken schwebend auf der gepolsterten Bank fallen ließ, meinte der ältere Bruder: „Tja, das war‘s, Bruderherz! Ende der Reise!“
Chapter 52 by Ricki
Ahoi ( Teil 52 )


„Und wir sind noch nicht mal dazu gekommen, morgen meinen Geburtstag zu feiern,“ konnte in diesem Augenblick nicht mal Christian fassen, dass dieser Urlaub jetzt doch so abrupt zu Ende ging. „Ach, ich bin mir sicher, das bügelt dein Kumpel Andi morgen gründlich aus. Kippt euch ordentlich einen hinter die Binsen und lasst die Bären heftigst steppen!“ schien Gregor sich sicher, während er sich umsah und dabei hoffte, dass ihm jetzt zum Schluss nicht noch die Tannheim über den Weg lief.

„Ganz toller Vorschlag! Aber ich kann dich beruhigen, ich werde nicht abstürzen. Ab Morgen schmeiße ich mich wieder in den Alltag und tue so, als gäbe es den 30. Geburtstag gar nicht,“ klärte der Boxer seinen Bruder über seine direkten Pläne in Deutschland auf, worüber Gregor ein wenig schmunzeln musste: „Auch eine Alternative! Oh, schau mal da drüben, wer da kommt?! Soll ich euch noch einen Moment alleine lassen?“

„Wozu?“ zeigte Christian sich eher gleichgültig, nachdem auch er Olli entdeckte, der kurz an der Rezeption stoppte, dann die beiden Mann – Brüder, nach dem Hinweis seiner netten Kollegin, in der Lounge – Ecke ausmachte und nun auf direktem Wege zu den Wartenden durchstartete.

„Hey!“ sagte Olli relativ trocken, wobei er sich sichtlich bemühte, sich nichts anmerken zu lassen. „Hey!“ folgte dann auch über Christians Lippen. Dieser schaffte es jedoch nicht, seine Augen auf Ollis Gesicht zu steuern, während Gregor versuchte, sich aus der eher spärlichen Unterhaltung der beiden Jungs herauszuhalten.

„In zehn Minuten legen wir an. Ihr seid startklar, was?“ spürte der hübsche Stewart, dass der unaufschiebbare Abschied unmittelbar bevorstand. „Gregor wartet nur noch auf die Ausscheck – Papiere. Und ja, dann geht‘s los!“ informierte Christian über die Feinheiten, wobei er mit seinen Händen begann, nervös an dem Reißverschluss seiner Reisetasche, die direkt neben ihm lag, zu zippeln.

„Wir werden dich vermissen, Olli! Keiner konnte besser Kaffee einschenken als du. Ich hoffe, wir waren nicht zu anstrengende Gäste?!“ mischte Gregor sich dann doch noch ein, da er befürchtete, sein Bruder würde in den letzten Minuten noch einen Eklat auslösen, wobei er Olli mächtig gegen den Kopf stoßen könnte. „Total unkompliziert! Naja, dann werde ich wohl schauen müssen, dass ich zwei andere Gäste an den Tisch von Charlie und Olivia setze. Aber bei uns bleiben selten Stühle frei. So ist das eben, der eine geht, der nächste kommt!“ haute der dunkelhaarige Stewart ohne Rücksicht auf Verluste raus, was Christian dann völlig gegen den Strich lief: „Das geht ja schnell!“

„The show must go on, oder wie heißt das so schön?!“ folgte der nächste Dämpfer von Olli in Szene gesetzt gleich hinterher, bevor er Christian noch ein schuldiges Kleidungsstück reichte: „Ach, schon wieder fast vergessen! Dein Shirt, ich muss es dir ja noch zurückgeben! Frisch gewaschen und gebügelt!“

„Ich hab‘s ehrlich gesagt noch gar nicht vermisst. Du kannst das Shirt ruhig behalten. An dir sieht es viel besser aus,“ verweigerte Christian die Annahme, doch Olli ließ es gnadenlos in Christians Hände fallen: „Es ist nett gemeint, aber lass mal! Ich möchte nichts von dir behalten. Okay, ich muss dann auch wieder. Guten Heimflug, ja?!“

„Mach‘s gut, Olli!“ rief Gregor dem Schiffsangestellten noch hinterher, welcher, ohne sich nochmal umzudrehen, in den Kulissenbildern der MS Moania verschwand. Daraufhin schauten Gregors Augen auf seinen jüngeren Bruder, der zögerlich, und vor allem wortlos das Shirt noch mit in seiner Tasche verstaute. Als er bemerkte, dass Gregor ihn beobachtete, meinte Christian mit einem mehr als traurigen Gesichtsausdruck: „So schnell geht das! Ich bin komplett raus bei ihm!“

„Alles, aber das mit Sicherheit nicht! Aber hey, was soll er noch machen? Nur du hast es in der Hand. Entweder nimmst du dieses Shirt mit nach Hause oder du sorgst dafür, dass Olli es für immer trägt!“ legte Gregor dem jüngeren der Mann – Brüder ans Herz, bevor die Dame von der Rezeption plötzlich vor ihnen stand: „Herr Mann, ihre Papiere! Ich benötige nur noch ihre Unterschrift unten links!“

„Ich unterschreibe später. Mein Bruder und ich unternehmen erst mal einen Landgang auf Teneriffa. Können wir unsere Taschen solange an der Rezeption abstellen?“ riss nun der Prinz von Waldensteyck nochmals das Ruder um und setzte neue Segel. „Gerne, ich nehme sie gleich mit!“ bot die junge Frau ihre Hilfe lächelnd an, während Christian seinen Mund gar nicht mehr geschlossen bekam und nach Abzug der Schiffsangestellten fragte: „Was soll das denn jetzt? Unsere Flüge?!“

„Die gehen erst nachmittags. Wir haben also noch genügend Zeit. Komm Alter, lass uns einen Tag auf Teneriffa verbringen!“ ließ Gregor sich nicht mehr umstimmen, wobei er Christian ein Kissen, dass auf der Lounge lag, gegen den Kopf warf. Postwendend kam das Kissen zurückgeflogen: „Mann, du hast sie echt nicht mehr alle. Mit deinem Hü und Hot komme ich echt nicht mehr mit.“

„Das war Ruan. Er wartet in einer Seitenstraße. Bis in den Hafen kommt er nicht. Die Polizei hat alles abgeriegelt,“ berichtete Timo in der Schiffspraxis von seinem Gespräch mit dem Mann, der die Flüchtlinge weiter begleiten wollte. Entsetzt schaute Ricardo seinen Sohn an: „Mist, und jetzt? Wie kriegen wir die Männer vom Schiff?“

„Wir müssen uns etwas einfallen lassen, Papa! Es darf nicht schiefgehen,“ bat der blonde Junge, dass seine Mission nun doch noch ein positives Ende für alle fand. „Vorne über die Gangway wird es nicht gehen. Wenn, dann nur hinten durch die Ladeluke. Da sowieso ein Warenaustausch stattfindet, müssen wir das Gewusel beim Beladen nutzen, auch wenn dort sicherlich Kontrollen stehen. Aber einen anderen Weg sehe ich nicht. Ruf deinen Kumpel Ruan an. Er soll schnellstens einen Transporter organisieren, mit dem er bis zur Laderampe fährt,“ nahm Ricardo das Ruder in die Hand, auch wenn ihm bei den Gedanken etwas mulmig zu Mute ist.

„Bleibt Risikofaktor Polizei!“ wies Timo jedoch nochmal auf die Gefahr im Hafen hin, Für Ricardo gab es allerdings keinen Plan B: „Timo, uns bleibt keine Wahl. Wenn wir auffliegen, ist das so. Aber wir haben es zumindest probiert. Wir müssen es riskieren!“
Chapter 53 by Ricki
Ahoi ( Teil 53 )


„Wir legen gleich an,“ verkündete Rafael, als er die Kajüte auf dem Mannschaftsdeck betrat und sich dabei schon seine Weste aufknöpfte, um möglichst schnell aus seiner Uniform zu steigen. „Ich weiß! Und damit ist Christian Geschichte,“ erwiderte Olli daraufhin, während er bereits seine Augen in seinem Spind nach einem optimalen Shirt Ausschau halten ließ, denn er wollte für sich entschlossen diesen Tag nicht noch vermiesen lassen, auch wenn dieser schon an der unteren Grenze kratzte.

Rafael schaute einen zögernden Moment irritiert, ehe er nachfragte: „Christian geht wirklich?“

„Felsenfest entschlossen! Ich habe ihn eben noch oben gesehen. Ich komme in seiner Zukunft nicht mehr vor,“ berichtete der grünäugige Stewart, wobei er seinen Kumpel mehr als traurig ansah. Rafael strich Olli mitfühlend über dessen Schulter und meinte dabei: „Ich wette, bereits im Flieger wird er dich vermissen. Und wer weiß ….?“

„Alles offene Wünsche, die wie Seifenblasen zerplatzen. Aus und vorbei, abgehakt!“ bestimmte Oliver für sich, der sich nun irgendein Shirt griff und dann die Tür des Schrankes enttäuscht und auch ein Stück weit wütend zuschlug.

„Das Schicksal meint es momentan wirklich nicht gut mit uns, was?“ musste der Spanier feststellen. Noch während er sein weißes Hemd aufknöpfte, brachte Olli seine Sicht der Dinge in den kleinen Raum unter: „Wahrscheinlich sind wir wirklich nur für schnelle, kurzlebige Urlaubsflirts gemacht und nicht für die Liebe, geschweige eine Beziehung?!“

„Sieht fast so aus! Unser Weg ist anscheinend vorbestimmt. Aber hey, wir lassen uns nicht aus der Bahn werfen. Vielleicht eines Tages …..?!“ wollte Rafael jedoch die Flinte noch nicht zu früh ins Korn werfen und glaubte fest daran, dass auch er seinen Wunsch, fest mit einem Partner an seiner Seite, irgendwann leben könnte. Charlies Neffe konnte sich dem aber nicht anschließen. Er blieb nach den neusten Erfahrungen sehr pessimistisch: „Bestimmt nicht. Ich nie wieder! Nochmal kann das nicht funktionieren. Nochmal wird mein Herz keine neuen Gefühle zu lassen, jedenfalls nicht solche, wie sie mir bei Christian durchs Blut geschossen sind. Aber dem Sturkopf ist ja nicht zu helfen. Dem kannst du mit Gefühlen nicht kommen.“

„Vielleicht weiß Christian diese Gefühle auch nur nicht richtig zu sortieren und er befindet sich noch in der Findungsphase?! Du musst ja auch bedenken, dass er hetero ist und noch nie etwas mit einem Kerl hatte. Das wird ihn zusätzlich bremsen, sich auf dich einzulassen. Aber du hast recht. Ab heute wieder ohne Gefühl. Einbahnstraßen führen uns nur in eine Sackgasse. Lass uns lieber wieder zurück auf die Autobahn mit Überholspur,“ erklärte sich nun auch Rafael mit Olli solidarisch, da es ihm ja kaum besser erging.

„Du meinst, alles was nicht mitzieht, lassen wir liegen und düsen mit Lichtgeschwindigkeit weiter?“ hakte Oliver mit fragendem Blick nach. „So ungefähr!“ kam als Bestätigung umgehend zurück, woraufhin Olli im Thema blieb: „Aber irgendwie hatten die Baustellen auch ihren Reiz, oder?“

„Und was für einen?!“ musste nun auch Rafael grinsen, wodurch Olli wieder in seinen Gedanken und Erinnerungen versank: „Oh Mann, ich vermisse ihn jetzt schon!“

„Was ist denn da vorne los? Warum geht es nicht weiter? Justus, sorgen sie unverzüglich für Ordnung!“ forderte Ansgar von Lahnstein einen harten Durchgriff von seinem Butler, da er sich, wie auch viele andere Passagiere der MS Moania, in der Zwangslage sah, an der Ausstiegsluke zur Gangway in einer Menschenmenge zu warten, wenn man sich heute einen Landgang vorgenommen hatte. Justus, der sich nicht berufen sah, an dieser Situation etwas ändern zu können, versuchte allerdings mit seinen Insiderinfos die Wogen zu glätten: „So wie mir zu Ohren gekommen ist, werden strenge Sicherheitskontrollen durchgeführt, damit kein illegaler Flüchtling in Europa einreisen kann.“

„Sehe ich aus, als käme ich aus dem Kongo?“ sah der Graf nicht ein, dass er seine wertvolle Zeit für diese Maßnahmen verschwenden sollte. Seine Tochter Kim verdrehte daraufhin ihre Augen: „Die Menschen dort haben sicherlich mehr benehmen und pöbeln hier nicht rum. Du bist mal wieder mega peinlich!“

„Und die fehlt mir auch noch!“ meinte Ansgar daraufhin, als er mit seinen Adlerblick eine Person entdeckte, auf die er heute unbedingt verzichten konnte. Kim folgte Ansgars Blick und fragte ihren Vater daraufhin: „Ach, entspricht Tessa von Tannheim auf mal nicht mehr deinem Standard?“

„Was weißt du schon? Justus, gibt es noch eine andere Möglichkeit, um vom Schiff zu kommen?“ suchte der Düsseldorfer Graf einen Fluchtweg. „Ich bedaure, Graf Lahnstein! Aber ich fürchte, sie werden sich schon in der Schlange einreihen müssen,“ lieferte der Butler allerdings keine zufriedenstellende Lösung. „Das werden wir noch sehen. Hier, für die Jungs am Kontrollposten,“ griff Ansgar sich in die Innentasche seines Sakkos und holte ein Bündel Geldscheine heraus, welches er Justus in die Hand drückte, um der Warterei Nachdruck zu verleihen. Justus schaute ganz sparsam, denn er ahnte, dass dieser Bestechungsversuch bei den spanischen Behörden für mehr Aufsehen und Ärger sorgen könnte, als es diese Verzögerung wert ist. Kim griff sich die Geldscheine aus Justus Hand und steckte sie ihrem Vater wieder in die Brusttasche: „Nicht alles ist mit Geld zu lösen. Und falls du das Geld unbedingt loswerden willst, ich brauche dringend ein paar neue Schuhe.“

Die Anfrage seiner Tochter beantwortete Ansgar jedoch mit einem müden Lächeln, ehe er wieder seine Augen auf Tessa von Tannheim richtete und nun mehr als erleichtert feststellen konnte: „Na Gott sei Dank, die Trulla ist abgelenkt.“

„Gregor, wie nett! Ein Landausflug mit deinem Bruder?“ schmiss die betagte Gräfin sich erneut an den Mann ihrer Begierde ran. Dieser versuchte möglichst cool zu bleiben: „Könnte man aus dieser Situation durchaus schließen.“

„Na, da schließe ich mich doch an. Wo soll es denn hingehen? Obwohl, ich kenne auf Teneriffa einen wundervollen Ort. Ich war dort immer mit meiner besten Freundin Mariella!“ zog Tessa ihre Zügel wieder an, was bei Gregor allerdings verstummte: „Wie schön für dich! Leider haben wir etwas anderes vor. Also amüsiere dich gut, mit wem auch immer. Kommst du, Christian?!“

„Schon auf dem Weg! Mann, die hast du aber abserviert. Ich bin stolz auf dich!“ freute Christian sich für Gregor, der sich gegen diese nervtötende Zecke durchsetzte. „Und den Stolz bewahre ich mir. Diese Person brauche ich nicht in meinem Leben, nicht mal als Reiseführerin auf einer Insel,“ stieß der Prinz von Waldensteyck ins selbe Horn.

„Und wo gehen wir hin? Hast du einen Plan?“ wollte Christian wissen, nachdem er und Gregor endlich die Passkontrolle passieren konnten. Gregor legte daraufhin seinen Arm verbindend auf Christians Schulter: „Keine Ahnung! Ist auch völlig egal. Hauptsache erst mal weg von hier und durchatmen!“
Chapter 54 by Ricki
Ahoi ( Teil 54 )


„Kannst du mal erzählen, was los ist, Emilio? Seit fünf Minuten hüllst du dich in Schweigen,“ hakte Olli nach, als er etwas später auf seinem Bett lag und sich gelegentlich mit Rafael sprachlich austauschte, der an dem kleinen Tisch in der Ecke saß und eine Geburtskarte schrieb, die er seiner Oma schicken wollte. Emilio hingegen lag nur stumm auf seinem Bett gegenüber und starrte an die Decke. „Wahrscheinlich liegt es an mir,“ konnte Rafael sich vorstellen, woraufhin er seinen Stuhl etwas zurückschob und dann zu den beiden Männern aufsah, während er klarstellte: „Ich weiß selber, dass ich großen Mist gebaut habe und ja, ich wünschte, ich könnte diesen Fehler wieder rückgängig machen.“

„Von mir bekommst du kein Mitleid!“ schoss der Aushilfskoch sofort in die untere Etage, woraufhin Olli aufatmete: „Zumindest spricht unser Südamerika – Import wieder.“

„Soll ich mir eine andere Kabine suchen? Geht‘s dir dann besser?“ bäumte Rafael sich gegen Emilio auf, da er nach all dem Krampf mit Kyan sich jetzt nicht auch noch Emilios Launen reinziehen wollte. Ruckartig setzte sich der Mann aus Venezuela auf, ließ seine Beine über die Bettkante baumeln und nahm sich den jungen Stewart erneut zur Brust: „Hör endlich auf so eine Scheiße zu labern, Rafael. Du bleibst da unten liegen und gut. Meine Güte nochmal. Ich habe ein ganz anderes Problem!“

„Immer noch keine Paarungsbereitschaft bei deiner …., wie heißt sie nochmal?“ tat Olli es Emilio nach und hängte seine Beine ebenfalls aus dem Bett, während er sich mit dem Kopf aus seinem kuscheligen Kissen schwang. „Die kann mich mal!“ polterte der sonst so gutmütige Emilio schlechtgelaunt abermals los. Daraufhin breitete Oliver seine Arme ganz weit aus: „Willkommen im Club! Damit wären wir drei wieder unter uns!“

„Carlos hat mir eine Ausbildung angeboten. Ich könnte endlich ein gelernter Sternekoch werden,“ wechselte Emilio dann überraschend das Thema, woraufhin Olli und Rafael sich erst erstaunt ansahen, dann aber ihre Freude für ihren Kumpel Emilio mit sehr herzlichen Lächeln freien Lauf ließen.

„Hey, das ist doch super und endlich mal eine positive Nachricht. Aber wo genau liegt jetzt dein Problem, knorriges Brummbärchen?“ leuchtete Charlies Neffen allerdings nicht ganz ein. Emilio sprang nun vom Bett herunter, hielt sich kurz seine betenden Hände an seinen Mund, ehe er die Lage aus seiner Sicht schilderte: „Für die nächsten drei Jahre wäre ich an das Schiff gebunden, müsste aber ein paarmal im Jahr zum Blockunterricht nach Deutschland, weil wir unter deutscher Flagge fahren.“

„Ich erkenne immer noch kein Problem,“ musste Rafael auch in Ollis Namen eingestehen, worüber der schneidige Südamerikaner für Aufklärung sorgte: „Mann, ihr zwei Spätzünder. Was ist heute mit euren Lunten los? Was ist denn, wenn ihr zwei Knallfrösche auf mal die Biege macht und die Moania verlässt? Was ist dann? Dann koche ich hier alleine weiter und komme anschließend in diese Kabine, kann mich aber über niemanden von euch Schnuckelkätzchen aufregen. Und außerdem ist das Ausbildungsgehalt geringer als das eines Aushilfskoch. Ich muss sogar die Flugtickets selber zahlen, wenn ich die Schulbank drücken muss. Ausbeutung nenne ich das.“

„Für alles gibt es eine Lösung,“ meinte Olli, bevor er Emilio gratulierend auf die Schulter klopfte und daraufhin noch für zusätzliche Beruhigung sorgte: „Und außerdem werden Raffi und ich sowieso auf dem Schiff bleiben. Wo sollten wir sonst auch hin? Mann, wir drei bleiben zusammen, versprochen! Aber dafür erwarten wir auch lebenslange kostenlose Beköstigung in deinem fünf – Sterne – Restaurant, das du in naher Zukunft erschaffen wirst.“

„Klar, abgemacht! Und du Rafael, gilt das Versprechen auch für dich?“ wandte Emilo sich dann an seinem anderen Kumpel, der etwas verhalten in der Ecke des kleinen Raumes stand. „Natürlich gilt das auch für mich. Komm Alter, zieh dein Ding durch! Wir unterstützen dich, wo wir können,“ ließ Rafael wissen, woraufhin Emilio zu Rafael stürmte und ihn in seine Umarmung zog, ihm dabei durch die Haare wuselte und ebenfalls ein Versprechen ablieferte, dass er Rafael ins Ohr flüsterte: „Wir kriegen das wieder hin, Amigo!“

Nachdem auch Olli sich für ein hoffentlich endenden Streit der beiden Freunde freute, entzog Emilio sich aus der herzlichen Umarmung: „Okay, Jungs, nicht das ihr jetzt einen falschen Eindruck von mir bekommt, beenden wir die Zeremonie lieber. War ja auch nicht mit Zunge. Aber ich muss sagen, ihr seid die coolsten! Kommt, darauf stoßen wir an!“

Rasant öffnete die Aushilfe aus der Küche seinen Spind, holte drei Gläser und eine Flasche Sekt heraus. „Wow, ein edles Tröpfchen. Woher hast du …. ?“ überkam Olli gleich wieder kriminelle Gedanken, die Emilio jedoch zerstreute: „Keep Cool, Hase! Legal bezahlt! Den habe ich mir zur Feier des Tages gegönnt!“

„Und jetzt Papa? Wir sitzen in der Falle. Die zwei Jungs kriegen wir nie vom Schiff!“ stand für Timo außer Frage, als er an der Laderampe die zwei spanischen Polizisten entdeckte, die sich jede Palette, jede Box und noch so kleinen Karton vornahmen, die das Schiff durch das Personal verließen. Auch Ricardos Trick, in dem er die beiden Marokkaner in einer großen Wäschebox, unterbrachte, die er gemeinsam mit seinem Sohn von Bord schieben wollte, würde auffliegen, auch wenn massenweise Bettwäsche, die spezial für die Krankenstation genutzt wurde, über den beiden Jungs lagen.

Ricardo kam bei dieser Aktion allmählich ins Schwitzen: „Alles Scheiße! Und von deinem Ruan ist auch nichts zu sehen. Wo steckt er, verdammt?“

„Wenn man vom Teufel …..,“ sagte Timo, als er sein Handy vernahm. Schnell las er die SMS und konnte daraus nichts gutes verkünden: „Noch mehr Scheiße! Ruan steht oben an der Straße. Sie lassen ihn nicht durch. Was machen wir denn jetzt, Papa!“

„Schreib ihm, er soll zu Fuß herkommen. Ich besorge zwei Rollstühle. Wir setzen die Jungs schwer verbunden dort rein. Während ich die beiden Polizisten mit dieser Wäschekiste ablenke, schiebt ihr die Rollstühle bis dort hinten zur Steintreppe, die zur Straße hoch führt. Von da an muss er sich mit den Männern in die Büsche schlagen. Es ist zwar alles riskant, aber der einzige Weg, den ich noch sehe. Ansonsten müssen wir die Beiden auf dem Schiff lassen und es in einem anderen Hafen versuchen,“ schlug Ricardo vor, was Timo allerdings als noch riskanter ansah: „Und was ist, wenn die Polizei das ganze Schiff umkrempelt? Die haben doch bestimmt einen Tipp bekommen. Warum konnte dieser Blindgänger Rafael auch nicht die Schnauze halten?! Der Offizier steht bestimmt hinter diesen ganzen Mist hier.“

„Vermutungen und Schuldzuweisungen helfen uns jetzt nicht weiter. Los, hol jetzt Ruan hier her“ befahl der Schiffsarzt. Doch gerade als der blonde Junge begann die Wörter in sein Handy zu tippen, ordnete sein Vater einen Rückzieher an: „Das mit den Rollstühlen hat sich erledigt. Schau dir das an!“
Chapter 55 by Ricki
Ahoi ( Teil 55 )


„Hallo sie da! Was stehen sie hier herum? Gehen sie bitte sofort aufs Schiff. Mir sind dort eben zwei afrikanisch aussehende Männer begegnet. Sie verschanzen sich in der Suite von Graf Ansgar von Lahnstein. Ja, da guckt ihr, was? Na los, zack, zack, hin da, oder wollen sie etwa warten, bis die armen Geschöpfe sich freiwillig bei ihnen melden?“ lockte Clarissa, die die Lage ihres Neffen und des zum Scheitern verurteilten Plan bereits aus der Ferne beobachtete und sich nun zum Handeln gezwungen sah, die Polizisten von ihrem Wachposten.

Die Modeschöpferin musste selbst staunen, wie einfach es ihr gelang, die Polizei zum Handeln zu bewegen, denn die zwei Beamten stürmten umgehend los, während sie noch andere Polizisten alarmierten. Clarissa lachte sich derweil ins Fäustchen: „Tja, mein lieber Lahnstein, da werden sie wohl später in ihrer Suite gründlich aufräumen müssen, aber selbst schuld. Sie haben ja auch meine Koffer durcheinander gewühlt.“

„Das gibt es nicht. De Luft ist rein. Die Polizei räumt das Feld. Also los, lass uns die Kiste bis zur Treppe rollen und dann ab mit den Jungs,“ bestimmte Ricardo, woraufhin Clarissa die beiden Schmuggler antrieb: „Ja, nun aber hopp! Oder soll ich das auch noch machen?“

Während Ricardo und Timo die beiden Männer aus der Wäschekiste holten und die Treppe zur Straße, wo Ruan wartete, hochjagten, musste ihr stiller Beobachter Kyan Baxter oben auf einen der Decks erkennen: „Der Doktor also!“

„Wunderschöner Ausblick, oder?“ stellte Gregor, verbunden mit einer Frage an Christian, fest, als sie von einer Felsküste auf Teneriffa aufs Meer schauten. Christian fiel bei diesem Anblick jedoch gleich auf: „Wieder nur Wasser!“

„Aber doch mal etwas anderes als ständig die selben Häuser – Fassaden in der Düsseldorfer Altstadt,“ meinte der ältere der Mann – Brüder, der Christians momentane Laune wieder ein wenig auf Urlaub trimmen wollte. Allerdings schien Christian dafür wohl nicht mehr bereit: „Wenn ich Wasser will, gehe ich an den Rhein. Gregor, was soll das werden? Warum schleppst du mich hier auf die Felswand rauf? Warum fliegen wir nicht wieder zurück?“

„Christian, du kannst gerne fliegen. Dein Ticket liegt am Flughafen bereit,“ gab Gregor kurz zurück, während er sich auf einen der Felsen setzte und seinen Blick weiterhin auf die Weite des Atlantiks fokussierte. „Häh, und du? Willst du nicht zurück nach Luise und deinen Kindern?“ wunderte der Boxer sich nun doch sehr über die Änderung der Windrichtung, durch die Gregor sich anscheinend treiben ließ.

„Doch, aber erst nächste Woche. Ich habe mit Luise telefoniert. Alle sind auf dem Weg der Besserung. Sie meinte, dass wir den schönen Urlaub nicht einfach so abbrechen und die restlichen Tage lieber genießen sollten. Eigentlich hat sie recht,“ brachte Gregor seinem Bruder entgegen. Verständnislos schüttelte Christian seinen Kopf, ehe er sich neben Gregor setzte: „Genießen? Wie willst du den Urlaub genießen? Du schließt dich doch fast nur in deiner Kabine ein, um dieser aufgetakelten Gräfin nicht über den Weg zu laufen.“

„Aber warum eigentlich? Hey, ich bin Gregor Mann! Warum muss ich mich vor irgendjemanden verstecken? Das ändert sich ab heute. Ich stehe zu meiner Familie und dem nein!“ zeigte der Prinz von Waldensteyck sich plötzlich kämpferisch, was Christian auf der einen Seite ja gutheißen konnte, aber dennoch brachte er Bedenken ein: „Und das Video? Wenn es überhaupt eines gibt?!“

„Eben? Sollte die Tannheim wirklich etwas gegen mich in der Hand haben, muss sie es auf ihre Kappe nehmen. Ich werde nicht davon laufen. Ich bleibe auf der Moania!“ konnte an Gregors Entscheidung nicht mehr gerüttelt werden. Aber anscheinend wollte er auch Christian wieder zurück ins Boot holen: „Was ist mit dir, Christian? Willst du davon laufen?“
Chapter 56 by Ricki
Ahoi ( Teil 56 )


„Hallo?! Ich bin Christian Mann! Ich laufe auch vor niemanden davon!“ äußerte Christian sich ohne mit der Wimper zu zucken, wobei für ihn außer Frage stand, sich irgendjemanden zu beugen. Gregor schaute daraufhin zu seinem Bruder, klopfte ihm dann aufs Knie, bevor er genauer nachhakte: „Also gehst du auch wieder mit aufs Schiff zurück und stellst dich dem Leben?“

„Ich wollte morgen wieder auf dem Gestüt arbeiten. Ich kann Dana nicht wieder versetzen. Sie zählt auf mich,“ suchte Christian dann aber doch nach einer plausiblen Antwort, die er für unwiderruflich hielt. Gregor erkannte jedoch eher die Ausrede: „Schießt du dich also doch in Ausflüchte? Es gibt für alles Regelungen. Deine Pferdchen kommen sicherlich noch ein paar Tage ohne deine Streicheleinheiten aus. Außerdem, was ist mit deinem Geburtstag morgen? Diese Reise ist doch mein Geschenk für dich. Schon vergessen?“

„Eigentlich ja! Trotzdem nochmal danke! Ein wunderbares Geschenk, und ja, was die Ausflüchte angeht ….,“ schien Christian noch nicht überzeugt, seine Pläne erneut über Bord zu werfen. Gregor fiel ihm allerdings ins Wort: „Komm, Junge, ruf Dana an! Wir ziehen die Reise jetzt bis zum Schluss durch!“

„Und dann?“ wirkte der Pferdewirt immer noch verunsichert, während er mit seinem Fuß einen kleinen Stein mehrmals antippte, bis dieser sich endlich löste und über die Felswand ins Meer sprang.

Gregor beobachtete Christians Reaktion, ehe er wissen wollte: „Was und dann? Bedenken wegen Olli?“

„Na, der wird vielleicht Augen machen! Olli wird bestimmt denken, ich habe es mir anders überlegt und bin wegen ihm ….. Mann Gregor, was ist, wenn Olli mich wirklich ganz gefangen nimmt?“ umtrieb Christian eine gewisse Sorge, wenn er Gregor tatsächlich wieder auf die MS Moania folgen sollte. „Dann weiß dein Herz endgültig, dass die Flucht eine blödsinnige Idee war,“ antwortete Gregor, bevor er seinem Bruder mitfühlend und aufmunternd auf die Schulter klopfte: „Na komm, Christian, spätestens in Düsseldorf hättest du Olli vermisst. Jetzt habt ihr die Chance herauszufinden, was ihr wirklich wollt. Du bist schon ein bisschen verliebt, oder? Na komm, gibt‘s zu!“

„Ich gebe gar nichts zu!“ schaltete Christian wie selbstverständlich auf das Programm Bockig um, schaute noch einen Augenblick auf das weite Meer, ehe er auch für sich einen Entschluss fasste und sein Handy aktivierte: „Ah hallo Dana! Christian hier! Schaffst du es noch einige Tage ohne mich? Es verzögert sich hier noch ein bisschen.“

„Hast du den Ausbildungsvertrag jetzt unterschrieben?“ wollte Olli von Emilio wissen, als dieser später zu ihm und Rafael in die Kajüte stieß. Der Südamerikaner schien selbst noch nicht ganz daran zu glauben, dass es klappen könnte, erteilte dann aber bereitwillig an seine Freunde Auskunft: „Carlos muss noch mit dem Kapitän und Baxter sprechen, aber so wie es aussieht, steht wohl vor euch der neue und erste Kochazubi auf der MS Moania. Um was wollen wir wetten, dass ich nur ausgenutzt werde?“

„Das würde an deiner jetzigen Daseinsberechtigung auf diesem Schiff ja nicht all zu viel ändern. Aber dafür hast du am Ende deiner Lehre etwas in der Hand, was du deinen Kindern und Enkeln zeigen kannst!“ sah Rafael Emilios scherzhaften Bedenken eher entspannt gegenüber. Bevor einer von den anderen Jungs darauf eingehen konnte, stürmte Timo Mendes durch die Tür: „Gute Nachricht, Leute! Haltet euch fest! Javier und Yassin sind wieder aufgetaucht und nun sicher auf europäischen Boden.“

„Wirklich? Hey, das ist ja super! Aber wo haben die beiden Jungs sich denn die ganze Zeit versteckt?“ hakte Olli euphorisch nach, was allerdings auch Rafael und Emilio interessierte. „Ich konnte es auch erst kaum glauben, aber mein Vater hatte sie aus der Kabine geholt und in einem der Krankenzimmer versteckt. Naja, heute Vormittag hat Ricardo mich jedenfalls eingeweiht und wir haben die Zwei an Land geschmuggelt,“ berichtete der blonde Sohn des Arztes, woraufhin sich die drei anderen Jungs fragend und vor allem sprachlos anstarrten.

Olli fand dann zuerst seine Sprach wieder: „Dein Vater hat sie versteckt? Und er hat dir nichts erzählt? Also hat Rafael nicht das Geringste mit der ganzen Geschichte zu tun?“

„Ist doch jetzt alles egal! Hauptsache, meine Jungs haben es gepackt. Das war echt ein wahnsinniger Aufstand, sie an Land zu bringen. Überall im Hafen lauerte die Polizei. Aber meine Oma übernahm dann den Rest. Dank ihr haben Javier, Yassin Europa erreicht und somit ging meine Mission voll und ganz auf. Ich hab‘s sauber hinbekommen!“ fand Timo eigentlich nur Lob für sich, während er andere auf seinem Weg völlig übersah. Rafael hielt es jedenfalls nicht mehr unter Deck. „Na, denn! Gratuliere!“ gab er kurz angebunden wieder, bevor er den kleinen Raum schnellstmöglich verließ und dabei Ollis und Emilios Blicke hinter sich herzog.

„Auch von mir Glückwunsch! Du hast alles geschafft, was du wolltest. Und den Rest holst du dir noch!“ fand auch Emilio lobende Worte, die er allerdings in ironischer Watte packte. Timo kapierte daraufhin, dass er auch seinen Helfern danken sollte: „Jungs, wenn ich euch nicht gehabt hätte, wäre der Plan vermutlich gescheitert. Ihr seid ein klasse Team! Das sollten wir unbedingt wiederholen, meint ihr nicht?“

„Unbedingt!“ schoss der junge Mann aus Venezuela raus, ehe auch er Grund sah, sich aus der Runde zu verabschieden: „Ich schaue mal nach Rafael!“

„Naja, Freudensprünge macht ihr ja nicht gerade!“ musste Timo feststellen, woraufhin Olli versuchte, die Welt für den Doktorensohn noch zu retten: „Das sieht nur so aus! Wir arbeiten noch an uns!“
Chapter 57 by Ricki
Ahoi! ( Teil 57 )


„Nichts, sie haben nichts gefunden. Kein Flüchtling an Bord!“ kam Sebastian aufgebracht aus dem Arbeitszimmer des Schlosses ins Kaminzimmer gestürmt, wo Tanja, auf der Couch liegend, in die Magazin – Lektüre interessanter Mode – Designer hineinschnupperte, um eventuelle Ideen abzugreifen, die sie ausweiten und somit ihr Eigen nennen konnte. Noch ehe die blonde Dame des Hauses reagieren konnte, tobte der Anwalt weiter: „Selbst die Koffer von Ligne Clarisse sind sauber. Einzig die Kabine von Ansgar hat die spanische Polizei auf den Kopf gestellt.“

„Da hat es jedenfalls keinen Falschen getroffen. Haben die Spanier Ansgar wenigstens eingebuchtet?“ ließ Tanja einen Kommentar fallen, da sie bereits ahnte, dass Clarissa vermutlich geschickt ihren Kopf aus der Schlinge ziehen konnte.

„Auch da eine herbe Enttäuschung. Ansgars Kabine war ebenfalls stubenrein,“ teilte Sebastian mit, woraufhin Tanja ihre Zeitschriften an die Seite legte und sich von der Couch erhob: „Na, da hat die gute alte Clarissa nochmal Glück gehabt. Aber jetzt nehme ich das selber in die Hand. Mein zweites Ass wird stechen und mich endlich von dieser Frau befreien.“

„Was hast du vor?“ wollte ihr Mann unbedingt in Erfahrung bringen, um auf alles vorbereitet zu sein. „Ich möchte ein bisschen Seeluft schnuppern. Ich konnte noch eine Kabine auf der Monania ergattern. Was ist mit dir? Bist du dabei?“ verriet Tanja, dass sie in ihren Planungen schon gut vorgearbeitet hatte, denn so einfach gönnte sie Clarissa nicht ihren Triumph auf dem Traumschiff unter der Sonne.

„Einer muss hier bei Lahnstein Enterprises den Durchblick behalten. Du wirst dich bestimmt auch ohne mich amüsieren. Aber übertreib‘s nicht, ja?!“ schickte Sebastian seine Frau alleine auf‘s Meer, die schon ihre genauen Vorstellungen im Gepäck verstaut hatte: „Darauf kannst du dich verlassen! Ach, ich freue mich schon auf Clarissas blöde Gesicht, wenn ihre Show ins Wasser fällt.“

„Ein Wasser und ein Chardonnay für die liebe Charlie und eine Apfelschorle für Olivia,“ servierte Olli wie an jedem Abend die Getränke am Tisch, wobei ihm schon schmerzhaft bewusst ist, dass an diesem Abend nicht alles so ist wie sonst, denn zwei Gäste fehlten demonstrativ an diesem Tisch. Auch wenn Olli es sich nicht anmerken lassen wollte, doch er ist schon traurig und enttäuscht, dass Gregor und vor allem Christian das Schiff heute verlassen haben. Mit aller Wahrscheinlichkeit würde er den jungen gutaussehenden Mann, für den sein Herz laut schlägt, nie wieder sehen. Aus und vorbei, bevor überhaupt etwas begann, aber damit musste er nun zurecht kommen und nach vorne sehen.

„Ach, sieh mal einer an, wer da kommt?!“ schoss aus Charlies Mund, während Olli das letzte Glas auf dem Tisch abstellte. Dann wagte auch er einen Blick in die Richtung, in die seine Tante schaute: „Das glaube ich ja jetzt nicht!“

„Sind die beiden Plätze noch frei?“ erkundigte Gregor sich im nächsten Moment, den Olli nutzte, um sich wirklich davon zu überzeugen, dass Christian wirklich wieder vor ihm stand. Er schloss einmal seine Augen und öffnete sie wieder. Tatsächlich, da stand er in all seiner Größe und Pracht. Am liebsten wäre Olli seinem Traumprinzen um den Hals gefallen, doch er versuchte sich mit aller Macht zu beherrschen, während Charlie den Verkehr regelte: „Natürlich sind die Plätze noch frei! Setzt euch doch!“

„Aber warum ….?“ interessierte den Steward nun schon, was Christian jedoch umgehend abblockte: „Später! Wir haben Hunger. Das war ein anstrengender Landgang.“

„Tja, Olli, da hast du dir wohl ganz umsonst die Augen aus dem Kopf geheult,“ konnte Olivias spitze Zunge sich nicht verkneifen. Christians abstrafender Blick ist ihr sicher, aber auch die Frage ihrer neugierigen Tante: „Warum?“

„Ach, du kennst ja Olivia. Sie übertreibt wieder mal!“ konnten auch Ollis grüne Augen böse auf seine Cousine schauen, ehe der Steward sich um die Jungs bemühte: „Mineralwasser, so wie jeden Abend?“

„Zur Feier des Tages genehmigen wir uns ein Bier. Bist du dabei?“ fragte Gregor seinen jüngeren Bruder, der sich ohne Verzögerung anschloss und seine Bestellung an den wartenden Kellner aufgab: „Warum nicht? Für mich bitte auch ein Bier. Aber bitte nicht aufs Hemd, wenn es eben möglich ist.“

„Kommt sofort! Und ja, ich werde mir Mühe geben. Ab heute keine Peinlichkeiten mehr, Versprochen!“ äußerte Olli sich, der seine Freude über das Unfassbare kaum in Worte fassen konnte.

„Naja, schließlich wird Christian nur einmal dreizig. Und das wollen wir Morgen auf der Moania feiern,“ verriet Gregor, wobei er seinen Arm verbindlich zeigend um seinen jüngeren Bruder legte. „Du hast Morgen Geburtstag?“ konnte Olli kaum glauben, was er nun noch erfuhr. Christian erkannte schon an Ollis Mimik, was ihm bevorstehen konnte, darum zog er schon mal im Vorfeld die Handbremse an: „Ähm ja, es wird ein Tag wie jeder andere. Jetzt weißt du es auch, Olli! Aber bitte, bitte, dreh daraus jetzt keinen Film!“

„Du kennst mich ja! Ich hole dann mal eure Biere!“ flogen durch Ollis Kopf wieder tausende Gedanken, die er dann auf dem Weg zur Theke zu verarbeiten versuchte, was ihm allerdings mehr als schwerfiel, denn sein Puls vibrierte und sein Herz raste, als er von diesem Platz Christian nachschaute als dieser mit Gregor zum Buffet pilgerte.

„Und ich hatte mich schon auf neue Tischpartner eingestellt. Aber dieses Schiff ist nun mal kein Wunschkonzert wie ich festgestellt habe,“ erwähnte Olivia, nachdem die Mann – Männer nach dem Essen jagen gingen. „Ich weiß gar nicht, was du hast. Die beiden sind doch charmant. Es hätte uns wirklich schlimmer treffen können. Schau dir doch nur die Schlaftabletten da drüben an dem Tisch an!“ konnte Charlie nichts furchtbares an die Anwesenheit von Gregor und Christian finden, bevor sie jedoch nochmal nachhaken musste: „Aber was hast du eben damit gemeint, Olli hätte sich nicht die Augen ausheulen brauchen?“

„Ich halte mich da lieber raus! Sonst heißt es wieder, ich hätte wieder getratscht. Einfach mal mit offenen Augen durchs Leben streifen, Tantchen!“ erteilte Olivia einen klugen Ratschlag, den Charlie aber nicht brauchte, denn nun bekam selbst sie mit, wie die gegenseitigen Blicke zwischen Christian und Olli durch die Atmosphäre des Restaurants flogen: „Na, wer hätte das gedacht? Es gibt sie also doch noch, die Romantik! Schau dir an, wie unser Oliver strahlt!“
Chapter 58 by Ricki
Ahoi ( Teil 58 )


„Na, komm! Geh schon zu ihm. Ich bringe dir einen vollen Teller mit,“ wollte Gregor Christian auf die Spur bringen, der ebenfalls mitbekam, dass sich die Rückkehr aufs Schiff schon bezahlt machte. „Und was soll ich sagen?“ blieb Christian lieber noch in der sicheren Deckung, worüber sein älterer Bruder schon schmunzeln musste: „Ach, wie süß! Unser Christian ist ja richtig schüchtern!“

„Ich rede später mit Olli, okay? Verrate mir lieber, warum du Olli unbedingt von meinem Geburtstag erzählen musstest? Er wird jetzt bestimmt die ganze Nacht wach liegen und grübeln, was er mir schenken kann,“ vermutete Christian, der seine Augen nun doch wieder auf die köstlichen Speisen richtete. Auch Gregor packte sich die ersten Genussteilchen auf seinen Teller, wobei er Christian den Tipp gab: „Ja und? Dann nehme seine Geschenke an. Sie machen dich nicht ärmer!“

„Darf ich dich stören?“ fragte Rafael höflich nach, als der erste Offizier Kyan in dessen Büro auf die Klopfzeichen an der Tür reagierte. „Du immer! Komm bitte herein!“ forderte der Ire den jungen Steward umgehend auf, wobei man deutlich Erleichterung im Gesicht des Mannes hinter dem Schreibtisch erkennen konnte, auch wenn er dabei versuchte, ein aufdringlich wirkend könnendes Lächeln zu vermeiden. Rafael hingegen unterdrückte jede Gesichtsregung, trat dann aber in die Kabine und kam direkt zu seinem Anliegen: „Ich wollte, nein ich muss, mich bei dir entschuldigen. Ich weiß jetzt, dass du ….!“

„In deinen Augen musste es ja so ausgesehen haben, als hätte ich dich verraten,“ kam Kyan dem dunkelhaarigen Spanier ohne Umschweife entgegen. „Zumindest warst du nicht sehr überzeugend, mir das Gegenteil zu beweisen,“ stellte Rafael klar, woraufhin Kyan erleichtert Morgenluft witterte: „Kann ich denn jetzt damit rechnen, dich wieder nachts in meinem Bett anzutreffen?“

„Wohl kaum!“ reagierte Rafael sofort schroff. Während Kyan den Jungen irritiert anstarrte, gab der Steward ihm zu verstehen: „Du weißt sicherlich am Besten, warum das nicht mehr passieren wird!“

„Jetzt stehe ich auf dem Schlauch! Hilfst du mir bitte kurz weiter?!“ bat Kyan um Mithilfe, damit er Rafael weiter folgen konnte. Der Spanier kaufte Kyan die Nummer aber nicht ab, indem er kopfschüttelnd fast loslachen musste, diese Reaktion dann aber abrupt beendete: „Kyan, ich bitte dich! Du wirst doch wohl wissen, warum du nachts aus der Kabine von Olivia Schneider schleichst?!“

„Olivia Schneider? Ach, du meinst die Cousine von Oliver Sabel?“ fasste der Offizier vorsichtshalber nach, wobei er sich an die Situation allmählich wage erinnern konnte. Da er allerdings den wahren Grund noch nicht nennen konnte, suchte er nach einer glaubwürdigen Ausrede. Doch Rafael kam ihm zuvor und drängte Kyan weiter in die Ecke: „Olli und ich haben dich gesehen. Also überlege dir gar nicht erst einen erfundene Geschichte. Auf jeden Fall nehme ich nicht an, dass du Olivia nur einen Gute -Nacht – Kuss geben wolltest?!“

„Da ist nichts gelaufen und da wird auch nie etwas laufen! Rafael, du weißt, dass ich auf Männer stehe. Ich will nur dich, verdammt!“ nervten Kyan die Verdächtigungen, obwohl ihm klar wurde, dass es in Rafaels Kopf ja so aussehen müsste, als wenn er mit der Schneider sonst etwas veranstaltet hätte.

„Weiß ich doch. Und trotzdem nehme ich es dir nicht mehr ab. Wir lassen es besser. Du, ich muss jetzt auch zum Dienst,“ ließ Rafael sich nicht beirren, der dann postwendend die Kabine verließ, wobei er sich fragte, was er eigentlich erwartete?! Kyan konnte dabei nur fassungslos auf die gerade geschlossene Tür starren: „Mann, verflucht! Nichts hasse ich mehr als dieses verflixte Diadem. Es macht alles kaputt!“

„Hey!“ kam über Christians Lippen, als er später auf dem Deck unterm Abendhimmel auftauchte, wo Olli, wohl bereits wartend, über der Reling gebeugt stand und unentwegt aufs Meer schaute. Sofort drehte er sich der freundlichen und vor allem sehnsuchtsvoll erwarteten Stimme entgegen: „Hey!“

„Ähm ja, ich wollte dir das Buch zurückgeben!“ meinte Christian, der dann Olli etwas schüchtern verlegen das Werk um George und Rosanna entgegenhielt. Der Steward schaute mit seinen grünen glänzenden Augen auf das Buch, aber auch auf die Hände, die es ihm entgegenstreckten. Dann fixierte Olli seinen Blick wieder in das Blau des Mannes vor ihm: „Aha? Willst du den Ausgang der Geschichte denn gar nicht wissen?“

„Jetzt noch nicht! Für das Ende bleibt immer noch Zeit. Und dann kannst du es mir vorlesen. Wahrscheinlich klingt es aus deinem Mund viel schöner, als wenn ich nur mit meinen Augen drüber fliege,“ behauptete Christian, dem nun das Buch tatsächlich abgenommen wurde. Dabei konnte Olli sich aber ein erstauntes Grinsen und einen passenden Kommentar nicht verkneifen: „Was haben sie denn mit dir auf Teneriffa angestellt? Ein bisschen Kitsch getankt?“

„Nur ein Versuch! Gewöhne dich besser nicht dran!“ warnte der Boxer schon mal im Vorfeld vor. Olli begann daraufhin ein paar Schritte über das fast menschenleere Deck zu gehen, dem Christian sich unweigerlich anschloss. Dabei wollte Oliver es genau wissen: „Und jetzt erzähl! Da ich kaum davon ausgehe, dass du wegen mir zurückgekommen bist, möchte ich schon von dir hören, warum du es dir anders überlegt hast. Und erzähle mir jetzt nicht etwas von wegen Flieger verpasst oder so!“

Christian kramte im Inneren seiner Jacke herum und holte ein bekanntes Kleidungsstück hervor: „Vielleicht wollte ich einfach noch mal sehen, wie du in meinem Shirt aussiehst. Hier bitte! Aber dieses Mal ohne Rückgaberecht!“

„Noch ein Geschenk? Dabei hast du doch Morgen Geburtstag,“ wirkte Olli erstaunt, während er mit seinen Händen das Shirt vor sich ausbreitete, um es in aller Ruhe zu betrachten. „Wieso noch eins?“ wirkte Christian etwas irritiert, dem Oliver aber umgehend aushelfen konnte, und dabei noch sein hübsches Lächeln drunter legte: „Naja, das du wieder auf dem Schiff bist, ist für mich das größte Geschenk. Ich freue mich jedenfalls wahnsinnig!“
Chapter 59 by Ricki
Ahoi ( Teil 59 )


„War eine total bescheuerte Idee von mir, die Reise einfach abzubrechen. Zum Glück hat Gregor noch die Kurve gekriegt, sonst würde ich jetzt wohl schon in Düsseldorf meine Koffer auspacken,“ übte Christian an sich leichte Selbstkritik, während er weiter mit Olli über das Deck schlenderte. „Unser erstes Kind wird Gregor heißen, egal ob Junge oder Mädchen! Ähm, kleiner Scherz,“ fiel Olli als erstes ein, auch wenn er ein wenig hoffte, dass es auch Christian freiwilliger Wille ist, wieder auf die MS Moania zurückgekehrt zu sein.

„Gregor und ich treffen uns nachher noch im Tanzclub. Wir wollen in meinen Geburtstag reinfeiern. Bist du dabei?“ überraschte Christian dann doch, der Olivers Scherz schnell zur Seite schob, um nicht weiter auf etwas zu spekulieren, was er so für sich noch nicht erfassen und akzeptieren konnte.

„Würde ich liebend gerne machen, aber ich habe gleich Dienst in der Kapitäns – Lounge. Eine Privatgesellschaft, da ist leider ein geplanter Steward wegen Krankheit ausgefallen. Aber ich bin mir sicher, Gregor und du könnt auch ganz gut ohne mich feiern. Wir holen das nach!“ musste Charlies Neffe leider absagen, auch wenn seine glänzenden grünen Augen etwas anderes sagten, denn dieser Einladung von Christian himself wäre er schon gerne gefolgt.

„Dienst geht natürlich vor,“ hörte Olli auch so etwas wie Enttäuschung in Christians Stimme heraus, bevor der Pferdewirt schnell ablenken wollte: „Dann will ich dich nicht länger in Beschlag nehmen. Ich will mich jetzt auch mal für meine Party in Schale schmeißen.“

„Du siehst auch so gut aus!“ verteilte der hübsche Steward ein nettes Lob an das zukünftige Geburtstagskind, was Christian liebend gerne zurück spiegelte: „Danke! Du auch, wenn ich das sagen darf?!“

„Darfst du! Entspricht ja der Wahrheit!“ gab Olli voller Selbstvertrauen wieder, wobei ihm ein Grinsen nicht zu nehmen ist. Selbst Christians Mundwinkel zogen sich freudestrahlend nach oben, ehe er den Schlusspunkt setzte: „Ähm, ja denn wünsche ich einen schönen Abend!“

Allerdings ist Olli es, der dieser Abschiedsszene noch einen drauf setzte, in dem er vor Christian stehen blieb, ihn einen Moment verliebt und verträumt anschaute, dann sich aber traute und dem Boxer einen flüchtigen Kuss auf dessen Wange servierte, bevor er ihm ins Ohr flüsterte: „Danke, dass du meinen Tag gerettet hast!“

„Guten Morgen, die Herren!Einmal die komplette Stärkung für unsere tapferen und zielsicheren Seefahrer mit besten Grüßen aus der Kombüse,“ überreichte der Aushilfskoch Emilio am nächsten Tag in der Frühe Kaffee und Frühstück auf der Brücke. Kyan, der noch Dienst schob, hob seinen Kopf aus dem modernen Bordcomputer, der heutzutage die herkömmlichen Seekarten ersetzte, und schaute zu dem gutgelaunten Lieferanten: „Ach sieh an! Der Küchenchef in Spe bedient uns heute höchstpersönlich.“

„Tja, ich übe schon mal die Botengänge, an die ich mich als auszunutzender Azubi wohl gewöhnen muss,“ äußerte Emilio sich, während er das übersichtliche Frühstücksbuffet arrangierte. „Ich wünsche dir viel Erfolg für die Ausbildung. Bei unserem guten Carlos kann man sicherlich jede Menge lernen. Also Gas geben und aufpassen, Sanchez!“ empfahl der Offizier, dem Emilio Folge leisten wollte: „Wird gemacht, Captain, sorry, erster Offizier! Und wenn ich mit meiner Kochlehre fertig bin, lerne ich noch, wie man so einen Kahn durch die Wellen zieht. Aber auch nur, damit ich statt meiner schäbigen Schürze voller Soßenflecken auch mal so eine chicke Uniform tragen darf. Macht bestimmt Eindruck bei den Ladies, und mal so unter uns, Kollege, bestimmt auch bei so manchen Kerl.“

„Kann helfen, muss aber nicht,“ erwiderte der Offizier, wobei er sich umsah, ob einer seiner Mitarbeiter auf der Brücke das Gespräch verfolgte. Da dem aber nicht so schien, ging Kyan nochmals auf Emilio ein: „Bleibe vorerst bei deiner Küchenschürze und Kochmütze! Ohne einer gut funktionierenden Küche wären wir auf dem Schiff alle aufgeschmissen. Ähm übrigens, Sanchez! Kannst du mir eventuell einen großen Gefallen tun? Das muss aber unter uns bleiben!“

„Wir beide wollen etwas zusammen mauscheln? Na, da bin ich aber ganz Ohr!“ wusste Emilio, dass gute Kontakte auch auf so einem Kreuzfahrtschiff immer von besonderer Wichtigkeit sind. Kyan schob dann Emilio etwas an die Seite und ließ ihn wissen: „Ähm ja, es geht um Rafael!“

„Tja, mein Lieber! Da wirst du dich ganz schön ins Zeug legen müssen, wenn du unseren süßen Spanier wieder auf dein Kopfkissen befördern willst,“ merkte Emilio an, wobei er einen gewissen zynischen Unterton nicht außen vor ließ. „Ich weiß, und dafür brauche ich deine Hilfe. Kann ich auf dich zählen?“ hoffte Kyan, dass der Südamerikaner ihm unter die Arme griff. Emilio trat näher an Kyan heran, zupfte ein wenig den Kragen der weißen Offiziersuniform zurecht, bevor er sich einverstanden erklärte: „Solange ich nicht für euch beiden Häschen strippen soll, bin ich dabei. Für Rafael tue ich alles. Also, wie ist dein Plan?“

„Habt ihr denn jedenfalls ordentlich reingefeiert?“ erkundigte Charlie sich im Restaurant, als sie mit ihrer gewohnten Tischgesellschaft darauf wartete, dass Olli mit dem Kaffee angerauscht kam und somit der wunderbare Morgen starten konnte. „Auf jeden Fall waren wir Zwei die letzten im Club. Aber soweit mir bekannt ist, sind keine Peinlichkeiten zu melden,“ reagierte Gregor, während Christian sich noch ein wenig verhalten den Kopf hielt und am liebsten wieder in seine Kabine verschwinden würde, denn ob nun in Düsseldorf oder hier auf dem Schiff, der Pegelstand in der Nacht hatte schon einen gewissen Grad erreicht.

„Wäre Fritsche dabei gewesen, wäre es wohl noch schlimmer ausgegangen,“ musste Olivia unbedingt einen Spruch von der Leine lassen, der nun Christians Geschütze aufrücken ließ: „Und da du zum Glück auch nicht auf der Gästeliste standest, verlief alles ohne Gefahr!“

„Und wenn ich nicht gleich Kaffee bekomme, garantiere ich für nichts. Wo bleibt Olli denn heute Morgen?“ wurde Gregor allmählich ungeduldig, dem es nach Kaffee durstete. Doch im nächsten Augenblick wurde ihm klar, warum sich an diesem besonderen Tag alles verzögerte.
Chapter 60 by Ricki
( Teil 60 )


„Happy Birthday to you, Happy Birthday to you,“ begann Olli zu singen, während er auf einem Teller einen Kuchen samt brennender Kerze zum Tisch des Geburtstagskindes trug. Rafael, der mit einem Tablett voller Sektgläser folgte, stimmte dann wie auch die anderen am Tisch mit ein: „Happy Birthday, lieber Christian, Happy Birthday to you!“

„Wow, ein Kuchen und auch noch Sekt! Mann, danke Olli!“ fühlte Christian sich nun doch überrascht. „Alles, alles Gute auch von mir und natürlich auch vom Team der Moania,“ überbrachte Olli die Glückwünsche, bevor er den lecker aussehenden Kuchen vorsichtig auf den Tisch stellte. Christian ließ es sich daraufhin nicht nehmen, sich von seinem Stuhl zu erheben und sich von Olli kräftig drücken zu lassen. Zwar konnte Christian es für sich nicht zugeben, aber er genoss schon den innigen Körperkontakt, der ihn für einen Moment in eine andere Welt abtauchen ließ. Und Olli ist dort sowieso schon.

„Der Kuchen sieht echt hinreißend und schmackhaft aus. Wie hast du den über Nacht in deiner kleinen Kajüte gezaubert?“ rief Tante Charlie die beiden Entflogenen dann wieder in die Realität zurück. „Ach, für mich kein Problem. Ich habe einen guten Draht zur Küche,“ antwortete der Steward, woraufhin sich sein Kollege Rafael einschaltete: „Und damit der Kuchen nicht so trocken schmeckt, gibt es noch ein Glas Sekt dazu. Alles auf Kosten des Hauses.“

„Na, da sagen wir doch nicht nein?“ musste man Charlie nicht lange überreden. Das Geburtstagskind forderte jedoch kurzerhand von den beiden Stewards: „Ihr Zwei trinkt aber ein Glas mit!“

„Wir sind zwar im Dienst, aber okay, ein Glas geht wohl! Du musst aber den Kuchen anschneiden,“ dirigierte Oliver den jungen Boxer dann wieder auf sein eher simples Geschenk, was Christian aber anscheinend viel bedeutete, denn seine blauen Augen glänzten, als er das dekorierte Gebäck in Augenschein nahm.

„Du kannst ihm ja zur Hand gehen, Olli! Dann wird es noch romantischer!“ sprudelte über Olivias Lippen, woraufhin sie gleichzeitig mit bösen Blicken von Olli und Christian befeuert wurde. Für Oliver galt es dann gleich von irgendwelchen wilden Spekulationen abzulenken, denn er wollte nicht riskieren, dass Christian sich nach dessen überraschenden Rückkehr gleich wieder in eine Ecke gedrängt fühlte. Darum nahm Olli eines der Sektgläser in seine Hand und schaute auf die Meute am Tisch: „Okay, dann würde ich sagen, auf Christian und noch eine weitere schöne Reise! Nochmals nur die besten Wünsche“

„Danke, Danke! Der schmeckt ja sogar,“ gab der Düsseldorfer Pferdewirt sein Urteil über das Getränk ab, womit er natürlich wieder Munition für Ollis Cousine lieferte: „Tja, wenn man nichts besseres gewöhnt ist?!“

„Olivia, heute Morgen gehst du sogar mir auf den Zeiger!“ nahm sich dann Christians älterer Bruder die junge Dame zur Brust. Um Schlimmeres zu verhindern, warf Charlie sich umgehend dazwischen: „Aber den Tag lassen wir uns trotzdem nicht vermiesen, nicht mal von Olivia! Denn heute geht es ins Paradies auf Madeira. Olli, bleibt es dabei, dass du uns auf die Insel begleitest?“

„Versprochen ist versprochen!“ ließ Olli seiner Verwandtschaft wissen, auch wenn er sich mehr für die andere Fraktion am Tisch interessierte: „Und was stellt ihr Zwei an?“

„Wir werden uns auch ein schönes Fleckchen auf Madeira suchen. Olli, was kannst du uns denn so empfehlen?“ benötigte Gregor Insiderinformationen, die der Reiseführer selbstverständlich beisteuerte: „Also, was würde zu euch passen? Ihr könntet zum Beispiel mit der Seilbahn nach Monte hochfahren und mit den Holzschlitten wieder runter, oder ihr besucht die Märkte in Funchal. Aber auch das Belmond Reid‘s Palace ist fürstlich. Lohnt sich auf jeden Fall. Ansonsten gibt es noch fantastische Steilküsten mit tollen Aussichtspunkten.“

„Kurze Pause?“ fragte Timo, als er oben auf dem Deck Emilio entdeckte, der im Wind der Meere gedankenverloren über die Reling schaute und weit weg der Geschehnisse auf diesem Schiff zu sein schien. Aufgewacht wandte der Südamerikaner sich dem Störer zu, schaute ihn einen kurzen Augenblick abwertend an, bevor er eine direkte Gegenfrage stellte: „Was geht es dich an?“

„Schlecht gelaunt?“ zog der blonde Timo daraus, startete jedoch im nächsten Moment mit seiner Aufheiterungssitzung: „Komm Alter, lass dich nicht hängen! Heute ist ein schöner Tag. Die Sonne lacht, meine Jungs sind in Sicherheit und heute Abend gehe ich mit einer schönen Frau ins Musical. Heute startet die Premiere. Tja, und ich bin quasi die Begleitung der Schwester von der Hauptdarstellerin.“

„Sag das noch mal, Alter! Du gehst mit Kim in das Tralala – Theater?“ glaubte Emilio, er müsste gleich über die Reling kotzen, denn er Kerl, der vor ihm stand, ist in seinen Augen in Dreistigkeit nicht zu übertreffen. „Genau, du hast es erraten. Ich gehe mit der Frau ins Musical, von der du dich gestern nicht verarzten lassen wolltest,“ schob der Sohn des Arztes nach, was Emilio allmählich fast vollständig zum Ausrasten brachte: „Aus gutem Grund, wie sich jetzt ja herausstellt. Weißt du, was du bist, Timo Mendes? Ein echt hinterhältiges Stück Scheiße! Erst helfe ich dir bei dieser ganzen Flüchtlingsnummer, ziehe meine Freunde da mit rein, und jetzt ziehst du so eine miese, hinterhältige Show ab? Abgewichster geht es echt nicht!“

„Was für eine Show? Und warum hinterhältig und mies?“ leuchtete Clarissas Enkel nicht ganz ein. Doch der Aushilfskoch schäumte weiter vor Wut: „Der Junior Medicus merkt es nicht mal. Und das ist dein größtes Problem! Du und Kim. Klingelt‘s?“

„Nee! Warum? Kim und ich kennen uns beide aus Düsseldorf. Ich verstehe echt nicht, was bei dir gerade abgeht?“ gab Timo sich sich ahnungslos, auch wenn ihm langsam klar wurde, dass er irgendeine rote Linie überschritten haben müsste, die er aber für sich selbst nicht erkannte. „Bei mir geht nichts ab. Jedenfalls ab jetzt nicht mehr. Ich wollte mal wieder nicht hören. Meine Freunde haben mich noch gewarnt, dass die Frau eine Nummer zu groß für mich ist. Ich überlasse sie dir, Blutsbruder! Werdet glücklich, habt viele Kinder und genießt euer Leben. Tue mir aber bitte den Gefallen und verbringt eure Flitterwochen nicht auf der MS Moania. Ach ja, und erspare mir in Zukunft einfach deine Gegenwart. Du kotzt mich so was von brutal an!“ knallte Emilio nun alles raus, bevor er sich angewiderte davonschlich. Timo hingegen verstand die ganze Aufregung nicht, obwohl ihm dann doch ein Licht aufging: „Warte mal! Soll das etwa heißen, du ….?“
Chapter 61 by Ricki
Ahoi! ( Teil 61 )


„Was treibst du heute noch so an deinem Geburtstag? Ich meine, nach eurem Landausflug,“ interessierte Olli, als er das restliche Geschirr vom Tisch abräumte, an dem Christian und sein Bruder noch einen Moment verweilten. Einen kurzen Augenblick wunderte Christian sich über diese Frage, aber dann auch wieder nicht mehr, darum gab er auch bereitwillig Auskunft: „Mal schauen! Einen genauen Plan gibt es noch nicht, aber ich gehe mal davon aus, dass wir uns sicherlich zum Abendbrot wiedersehen!“

„Ich werde wie gewohnt adrett in Uniform vor dir stehen,“ grinste Olli, wobei er spielerisch seinen Hemdkragen richtete. Daraufhin rauschte Ollis Kollege Rafael mit einem Teller an, der in Alu – Folie verpackt ist: „Der Rest vom Fest! Lasst euch den Kuchen später noch schmecken!“

„Ähm ja, auf jeden Fall! Danke nochmal dafür, Olli! Und richte bitte auch Emilio einen Dank für seine Mithilfe aus. Vom Geschmack her Eins A!“ schien Christian immer noch sehr positiv von der kleinen Geste überrascht zu sein. „Werde ich machen! Und was mich dabei angeht. Nichts zu danken. Das war doch eine von meinen leichtesten Übungen,“ gab Olli sich eher bescheiden, auch wenn er sich sehr darüber freute, dass diese Idee bei seinem Schwarm ankam. Christian hingegen fiel dabei ein: „Aber du hast jetzt gar nichts von dem Kuchen gehabt!“

„Naja, auch wenn du den Kuchen sicherlich locker alleine schaffen würdest, aber vielleicht kannst du Olli ja später noch ein kleines Stück überlassen,“ schaltete sich nun Gregor ein, damit sich die Zeremonie nicht noch weiter unnötig in die Länge zog. „Ach, ich nehme auch ein Großes!“ verlor Olli auf mal seine Bescheidenheit, woraufhin der hübsche Prinz von Waldensteyck sich vom Stuhl erhob und dabei seinem jüngeren Bruder auf die Schulter klopfte: „Wie auch immer! Aber Christian, das Schiff legt gleich an. Und wenn du den Kuchen vorher noch in deine Kabine bringen willst, sollten wir jetzt los!“

„Wer hat mir eigentlich nochmal erzählt, dass du der perfekte Partner für einen entspannten, gechillten Urlaub bist?“ scherzte Christian in Gregors Richtung, bevor er dann ebenfalls aufsprang, den Teller mit dem Kuchen an sich nahm und nochmal zu Olli schaute, den er einen längeren Atemzug lang in die Augen schaute. Am liebsten wäre Oliver dem Boxer um den Hals gefallen oder hätte sonst was mit ihm angestellt, aber seine Bescheidenheit meldete sich wieder zurück: „Viel Spaß ihr Zwei!“

„Also, wenn du mich fragst, bist du sein größtes Geburtstagsgeschenk! Christian hat es geliebt, wie du ihn mit dem Kuchen überrascht hast. Sein Blick sprach Bände!“ stand für Rafael jedenfalls fest, dass dieser perfekt gelaufene Morgen ein voller Erfolg auf ganzer Linie war. „Glaubst du wirklich? Ich hatte echt Panik, mit dieser Nummer würde ich wieder volles Brett bei ihm anecken,“gab Olli von sich, wobei er natürlich auch hoffte, dass sein Kurs Richtung Christian und Liebe allmählich Fahrt aufnahm. Der spanische Steward sorgte jedoch für Beruhigung: „Du bist immer so pessimistisch! Olli, deine Sterne stehen heute viel zu gut. Das ist dein Tag. Mach was draus, mein Freund!“

„Verehrteste Gräfin Anstetten, ich bin ja schon so gespannt auf ihre neue Kollektion. Meinen sie, ich könnte auch in den Genuss einiger Exemplare kommen? Mit meiner Garderobe bin ich doch schon sehr wählerisch,“ stichelte Tessa von Tannheim gegen die Modeschöpferin, als sie diese auf der Außenterrasse des Belmond Reid‘s Palace Hotels bei einer gemütlichen Tasse Kaffee antraf. Für Clarissa gab diese kleine Attacke einer Neiderin natürlich sofort Anlass, um ihre Kanonen auf die Angreiferin zu richten: „Das sieht man? Von wem wurden sie bisher beraten? Etwa Tanja von Lahnstein? Das Auge für das Wesentliche hat ihr schon immer gefehlt. Ich empfehle ihnen dringendst umzusteigen. Aber jetzt entschuldigen sie mich bitte!“

„Sind wir fertig mit der Teestunde? Ich dachte, wir wollten uns die Insel ansehen und nicht vor Vornehmnheit platzen?! Wetterte derweil Kim an einem anderem Tisch am gleichen Ort gegen ihren Vater. „Kind, du musst noch viel lernen. Immer noch gilt sehen und gesehen werden. Es wimmelt hier auf der Terrasse nur so vor Geld,“ erteilte der Graf eine Lebensweisheit. Daraufhin begann Kim absichtlich zu gähnen, hielt sich dabei die Hand vor ihrem Mund, ehe sie dann ihre Sonnenbrille richtete und in die Runde schaute: „Also ich sehe hier nur alte Leute. Okay, vielleicht alte Geldsäcke, aber trotzdem ödet mich diese Langeweile an. Ich verschwinde mal kurz. Lass du dich weiter beobachten.“

„Graf Lahnstein, was für ein herrlicher Tag?!“ stattete Clarissa dann zielführend dem allein sitzengelassenen Mann einen Besuch ab, wobei sie sich auf den frei gewordenen Platz setzte und ihren kühnen Blick direkt auf ihren Gegenüber zementierte. „Den schönen Tag haben sie mir gerade verdorben. Können sie nicht jemand anderem auf die Pelle rücken?“wetterte Ansgar gleich gegen die Chefin von Ligne Clarisse

„Na, kommen sie, Lahnstein! Ich wette, gleich werden sie dankbar vor mir auf die Knie rutschen,“ erwähnte die Mode – Ikone, dass im nächsten Moment für Ansgar die Zeitrechnung in eine ganz andere Richtung verlaufen könnte. Trotzdem blieb er skeptisch: „Ihrer Fantasie sind wirklich keine Grenzen gesetzt. Also schießen sie schon los! Sie geben ja eh keine Ruhe!“

„Vielleicht bin ich ihre Lebensretterin, zumindest eine Versicherung, auch wenn mir das wirklich missfällt. Mein Gott, für was ich mich alles hergeben muss?! Lahnstein, was sagen sie dazu, wenn ich behaupte, das Diadem zu besitzen, dem sie ungebremst hinterher jagen?“ rückte Clarissa mit ihrem Anliegen heraus, was Ansgar seine Coolness vergessen ließ: „Nochmal! Sie? Sie haben das Diadem? Ich glaube ihnen kein Wort! Und außerdem, woher wollen sie wissen, ….. Ah, verstehe, die schrullige Moorbadleiche von Tannheim hat geplaudert!“

„Die Gute ist wirklich sehr verlegen. Da plant sie doch ernsthaft ein Großteil des Geldes, das ihr Mann von Lahnstein Enterprises abziehen könnte, für einen Schrank voller neuer Kleider aus meiner Kollektion anzulegen. Ich habe ihr geraten, in einen möglichst geräumigen Schrank zu investieren, denn das Diadem, dass Graf von Lahnstein ihr liefern will, wird sie eh nie zu Gesicht bekommen. Naja, meine Modenschau rückt näher und auf die Bestellungen sind wir bestens vorbereitet,“ wusste Clarissa genau, wie sie Ansgar an den Hörnern packen konnte.

„Ist die Tannheim nun total vernebelt? Wir haben einen Deal, an den hat sie sich zu halten,“ kam Ansgar allmählich aus seinem Sessel raus, woraufhin er sich Clarissa genauer zuwandte: „Okay, ich weiß, dass sie blöffen, aber trotzdem eine bescheidene Frage. Welchen Gefallen muss ich ihnen tun, damit sie mir das Diadem überlassen?“

„Pfeifen sie auf der Stelle Tanja zurück! Sie will meine Show sabotieren. Das weiß ich aus zuverlässiger Quelle. Wenn meine Gala ohne besondere Vorkommnisse über die Bühne läuft und ich Tanja nicht auf meiner bisher wunderbaren Reise begegnen muss, werde ich mich großzügig zeigen und ihnen das Diadem überlassen. Wenn nicht, werde ich Tessa von Tannheim in allen Modefragen die passende Lösung bieten können. Koste es, was es wolle. Sie sind am Zug, Lahnstein!“ donnerte Clarissa von Anstetten ihre Bedingungen auf den Tisch, ehe sie sich aus dem Sessel erhob und noch schnippisch meinte: „Ich bin schon enttäuscht, Lahnstein! Sie hätten mich wenigstens auf ein Glas Champagner einladen können. Aber ihnen muss das Wasser wohl bis zum Hals stehen?!“
Chapter 62 by Ricki
Ahoi! ( Teil 62 )


„Kinder, schaut euch diese wundervolle Pracht an! So müssen Adam und Eva im Paradies gelebt haben,“ geriet Charlie Schneider regelrecht ins Schwärmen, als sie mit ihrer Nichte und ihrem Neffen durch die bezaubernden botanischen Gärten der Insel Madeira stolzierte. Olli konnte bei dieser Feststellung nicht anders als seine Augen zu verdrehen und einen schneidigen Kommentar loszuwerden: „Die hinterhältige Schlange schleicht hier immer noch rum!“

„Meinst du etwa mich?“ empörte seine Cousine Olivia sich gleich voller Inbrunst, dem Olli nicht unbedingt widersprechen wollte, allerdings verspürte er auch keine Lust darauf, diesen herrlichen Tag in die Grütze zu hauen: „Lass gut sein, Olivia! Du wirst es schon alleine wissen, oder vielleicht auch nicht. Denn Wissen kommt ja irgendwie auch im Wort Gewissen vor, und das ist dir bekanntlich mehr als fremd.“

„Was faselst du da für einen blödsinnigen Stuss zusammen? Wozu brauche ich ein schlechtes Gewissen?“ verwehrte die junge Schneider sich gegen jeden Angriff. „Genau! Wozu auch?!“ musste Olli erkennen, dass Olivia nicht den Hauch von Anstand und Moral besaß. Charlie versuchte darum sich als Prellbock zwischen die beiden Streithähne zu schmeißen: „Vertragt euch doch bitte! Wir sind im Urlaub. Schon vergessen?“

„Ich nicht,“ gab Oliver schnippisch zurück, woraufhin Charlie einen weiteren Versuch startete: „Was haltet ihr davon, wenn wir uns gleich ein leckeres Eis gönnen. Eure liebe Tante zeigt sich heute mal wieder in Spendierlaune.“

„Ich will kein Eis. Ich will endlich wissen, was los ist?! Seit Tagen ignoriert Olli mich und behandelt mich wie Dreck,“ beschwerte Olivia sich lauthals, worüber ihr Cousin kurz auflachen musste: „Dreck? Klar! So krass würde ich das nicht sehen. Allerdings ignorierst du meine Bitte ja auch. Also, warum sollte ich mich noch mit dir großartig unterhalten, allerliebste Cousine?“

„Was habe ich bitte verbrochen? Würdest du mir das bitte jetzt hier an Ort und Stelle verraten? Ansonsten bewege ich mich keinen Meter mehr,“ wollte Olivia endlich die Fakten auf dem Tisch haben, die der grünäugige Steward auch ohne Umschweife servierte: „Das weißt du ganz genau! Ich habe dich gebeten, deine Hände von Kyan Baxter zu lassen. Die Gründe kennst du. Aber was macht das liebe Fräulein? Du nutzt die nächste Gelegenheit und schleppst ihn in deine Kabine. Was da gelaufen ist, das brauche ich dir ja wohl nicht mehr zu erklären?!“

„Moment! Olivia und der reizende Offizier? Ich hatte ja eher den Eindruck, dass er …., aber gut, ich kann mich da auch täuschen. Das sieht man heute ja auch nicht mehr jedem sofort an,“ mischte sich nun auch noch Charlie in das Streitgespräch, während Olivia noch verdutzt durch schnaubte, dann jedoch zu ihrer Verteidigung ansetzte: „Genau, wie Olli sich täuscht. Dieser Baxter war nie in meiner Kabine und schon gar nicht in meinem Bett oder sonst wo!“

„Ach nein?! Und warum haben Rafael und ich ihn aus deiner Kabine kommen sehen? Olivia, bitte halte mich nicht für komplett bescheuert,“ appellierte Oliver an die junge Frau, zumindest zu ihrer Tat zu stehen. „Nochmal, extra für spionierende Stewards! Ich habe nichts mit Baxter und da wird auch nie etwas sein. Du hast mir doch selbst gesagt, dass er auf Männer steht. Warum sollte ich also meine Energie und die kostbare Zeit verschwenden,“ sah Olivia sich aus dem Schneider, während Charlie sich sichtlich bestätigt fühlte: „Also doch nicht getäuscht.“

„Olli, ich schwöre bei unserer Tante,“ versicherte Olivia ihre Unschuld, da sie immer noch nicht erkennen konnte, dass Olli ihr vertraute. Doch der junge Mann merkte wohl anscheinend, dass seine Cousine vielleicht doch nicht ihr Versprechen gebrochen haben könnte: „Ich hoffe wirklich für dich, dass du mir die Wahrheit sagst. Wenn nicht, hätten wir beide ein ernstes Problem. Und jetzt will ich ein Eis, Tantchen!“

„Wo willst du überhaupt mit dem ganzen Zeugs hin?“ fragte Rafael am Abend neugierig aber auch ein wenig irritiert, als er Emilio begleitete, der einen vollgepackten Servierwagen vor sich herschob, während Rafael noch eine große Schale frisches Obst mit sich herumtrug. „Hab ich doch gesagt. Immer mir nach!“ ließ Emilio sich nicht aufhalten, der schon einige Überredungskünste einlegen musste, um Rafael in die gestellte Falle zu locken. Nochmals sah der spanische Steward sich um, wobei er vermutete, dass Emilio sich in der Lieferadresse geirrt haben könnte: „Ich dachte, die Bestellung geht in einer der Suiten?! Du weißt schon, dass wir uns hier unten auf dem Personaldeck befinden?“

„Klar weiß ich das! Sehe ich etwa aus wie ein ahnungsloser Steward? Und hier wären wir dann auch schon,“ verkündete der Aushilfskoch und zukünftige Lehrling der hohen Kunst der Schiffsküche, dass das Ziel erreicht ist. „Moment, das ist Baxters Kabine!“ stellte Rafael nun erstaunt fest. „Wenn einer weiß, wo Baxters Bettchen steht, dann bist du das ja wohl. Klopf, klopf!“ ließ Emilio sich nicht aufhalten und verlor dabei keine Zeit. Noch im selben Moment wurde bereits erwartungsvoll die Tür von innen geöffnet: „Ah, Emilio, Rafael, dann mal herein in die gute Stube!“

„Der Tisch, die Stühle stehen schon, perfekt! Dann brauchen wir jetzt als erstes ein weißes Tischtuch, und Sir Baxter, ich habe mir erlaubt, ein paar Kerzen mitzuliefern. Soll ja schließlich auch einen Hauch romantisch werden. Rosenblätter waren mir allerdings zu drüber. Soll ich dann schon auftischen?“ schien Emilio seinen georderten Lieferservice mit Bravur in Griff zu haben, während Rafael kaum glauben konnte, was sich hier gerade abspielte. Warum musste ausgerechnet er mithelfen, damit der erste Offizier an Bord sich heute einen himmlischen Abend mit wem auch immer verleben durfte?

„Das mache ich schon. Danke dir, Emilio!“ steckte Kyan dem Koch noch einen größeren Geldschein zu, den dieser liebend gerne annahm: „Okay, dann bin ich mal weg. Lasst es euch schmecken, Jungs! Und nicht vergessen, Mister Baxter, in Zukunft darf ich mir zwei Gratis – Patzer erlauben und mich in den Tanzclub schleichen, wann immer mir nach Gesellschaft und Feiern ist.“

„Warte, Emilio! Ich komme mit,“ reichte Rafael dieses Theater, woraufhin er die große Obstschale auf das Bett stellte und sich dem Abgang des Aushilfskoch anschließen wollte, doch Emilio zeigte noch in der Tür seinem Kumpel ein Stoppschild auf: „Du bleibst schön da, wo du bist! Oder glaubst du etwa, ich habe die gesamten Köstlichkeiten nur für unseren reizenden Offizier gezaubert? Schau in seine Augen und genieße den Abend!“

„Emilio hat recht. Bitte bleib! Setz dich doch bitte!“ bat Kyan unbedingt, wobei er hoffte, dass ihm Rafael nicht noch in letzter Sekunde entwischte. „Wozu? Etwa, um mir bei Kerzenlicht und Champagnerschlürfen irgendwelche Ausreden und Lügen anzuhören? Kein Bedarf!“ verspürte Rafael nicht die geringste Lust, sich einfach so zu ergeben. Nachdem Emilio blitzartig die Tür hinter sich zuzog, kam Kyan langsam auf Rafael zu, katapultierte seinen Blick zielsicher in Rafaels Augen und berührte vorsichtig dessen Hand: „Es wird keine Lügen und Ausreden geben, versprochen! Bitte, gebe uns diese Chance!“
Chapter 63 by Ricki
Ahoi! ( Teil 63 )


„Wow, war Marlene nicht großartig? Sie war eindeutig der Star des Abends!“ schwärmte Kim als treuer Fan für ihre Schwester, während der Applaus noch über die Ränge des Musicaltheaters auf dem Schiff tobte. Stehende Ovationen begleitete das letzte Verbeugen der Darsteller vor dem Publikum, bevor Timo einen Moment später anmerkte: „Also, ich muss ja gestehen, dass mich die sprechende Parklaterne viel mehr fasziniert hat.“

„Die Lampe wird auf jeden Fall in die Geschichte eingehen als der verrückteste heimliche Verehrer der Welt,“ musste auch Kim eingestehen, dass die Nebenfigur, die sich zu einer Paraderolle entwickelte, auch sie des öfteren zum Schmunzeln gebracht hatte. „Wo wir gerade bei heimliche Verehrer sind. Du weißt schon, dass auch du in das Visier eines stillen Beobachters geworden bist?“ hakte Timo nach, während sie beide noch einen Moment auf ihren Sitzen verharrten, während die anderen Gäste die Lokalität bereits verließen.

„Ach komm, du machst Witze! Timo, lass uns Freunde bleiben. Da haben wir beide mehr von,“ gab die jüngste der Wolf – Schwestern dem Arztsohn zu verstehen, den sie bereits aus Düsseldorf kannte. Timo lachte daraufhin auf, während er mit dem Finger auf sich zeigte: „Hey, ich rede doch nicht von mir.“

„Ach?! Jetzt machst du mich aber neugierig. Wer ist es? Der hübsche dunkelhaarige Steward? Quatsch, der kann‘s nicht sein. Marlene hat mir nämlich erzählt, dass er schwul ist. Also, ich höre?!“ wollte Kim dann voller Neugier in Erfahrung bringen, wobei sie Timo mit großen erwartungsvollen Augen ins Visier nahm. „Kommst du wirklich nicht von alleine drauf?“ fasste Timo nach, wobei sein vielsagendes Grinsen bereits erste Anzeichen in den Saal pfiffen, die Kim zu deuten wusste: „Hey, nein! Du redest jetzt nicht von ….?“

„Doch, genau von ihm! Emilio ist total durch den Wind. Der Junge glaubt echt, dass wir beide, also du und ich etwas miteinander haben. Er kocht gerade zu vor Eifersucht,“ verriet der junge Mendes das Geheimnis, das Kim dann doch gefangen nahm: „Das ist ja süß! Emilio ist echt in mich verknallt?“

„Frag nicht nach Sonnenschein! Ich kann wirklich froh sein, dass er mich noch nicht im Morgengrauen zum Duell herausgefordert hat,“ lieferte Timo Einblicke in Emilios Gefühlswelt, die Kim mehr als verzückte: „Würdest du dich opfern und ihn für mich gewinnen lassen? Aber hey, ich glaube, ich kläre das lieber selber, bevor Blut fließt!“

„Mensch Olli, wo bleibst du? Nur noch eine Stunde, dann ist mein Geburtstag vorbei,“ wurde Christian in seiner Kabine immer nervöser, als er abermals auf seine Armbanduhr schaute und dabei feststellen musste, dass dieser Tag sich langsam dem Ende neigte. Fest hatte Christian eigentlich damit gerechnet, dass Olli noch auftauchen würde, um sich ein Stück vom Kuchen abzuholen. Aber nichts tat sich, wie der einsame wartende Boxer erleben musste. Darum fasste er für sich einen tiefgreifenden Entschluß : „Wenn du in zwei Minuten nicht an die Tür klopfst, komme ich runter zu dir.“

Als ob sein leises Flehen erhört wurde, vernahm Christian dann nun doch Klopfzeichen an der Kabinentür. „Jetzt nur nichts überstürzen, sonst sieht es aus, als ob ich auf ihn gewartet habe“, schoss Christian durch den Kopf. Nochmal ein prüfender Blick in den Spiegel, dabei die Kleidung gerichtet. Die kleine Privatfeier konnte starten. Mit Schwung riss der Pferdewirt die Tür auf und was musste er da sehen? „Gregor, was willst du hier?“ erkannte Christian, dass dieser Abend verhext zu sein schien. Zumindest lief nichts so, wie er es gerne erwartete.

„Wieder mal eine sehr brüderliche Begrüßung von dir. Alter, ich dachte, wir setzen dort an, wo wir gestern aufgehört haben,. Also mach dich mal locker!“ schien Gregor in bester Partylaune, für die sein jüngerer Bruder allerdings keinesfalls zu begeistern ist: „Sehe ich etwa aus, als hätte ich jetzt noch Lust auf ein Saufgelage mit meinem Bruder?“

„Brennt dort drüben eine Kerze?“ wagte Gregor einen neugierigen Blick über Christians Schulter in die Kabine. Nun schaute sich auch der jüngere der Mann – Brüder zu der Flamme um: „Gut erkannt! Sie steckt auf meinem Geburtstagskuchen. Ich bin noch nicht dazu gekommen sie auszupusten.“

„Verstehe! Du hast ein Date?! Na, da will ich mal nicht weiter stören. Genieße den Abschluss deines Geburtstags,“ ahnte Gregor genau, was sich heute Nacht in dieser Kabine noch abspielen könnte. Christian hingegen schien froh, dass sein Bruder die Kurve kratzte. Darum gab er ihm noch mit auf dem Weg, bevor er ihm die Tür vor der Nase zuschlug: „Ja, dir auch eine Gute Nacht!“

„Du willst wissen, wer Elias ist?“ kam Kyan ohne lange Ausweichmanöver auf das Thema zu sprechen, welches Rafael schon seit längerem unter den Nägeln brannte. Der junge Spanier, der gerade seinen ersten Happen während des gezauberten Candle – light – Dinner in der Kabine des ersten Offiziers zu sich nahm, erstaunte nun doch etwas, dass sein Schwarm endlich mit der Wahrheit rausrücken wollte. Trotzdem gab es jetzt keine Rückkehr mehr. Rafael hatte sie gefordert, jetzt sollte es eben soweit sein, egal, was am Ende dabei herauskommen würde. Mit großen Augen schaute er auf dem Mann ihm gegenüber, und noch bevor er auf die Frage antworten konnte, begann Kyan Baxter zu erzählen: „Elias ist mein Neffe, der Sohn meiner Schwester. Ich war schon immer so etwas, wie eine Bezugsperson für ihn, denn sein Vater ist früh verstorben. All deine Eifersuchtsschübe kannst du also getrost in den Koffer packen und über Bord werfen.“

„Dein Neffe?! Klar, hatte ich mir auch schon gedacht,“ winselte Rafael um die Ansage und seinen eigenen Gefühlen umzu. Schnell stellte er allerdings sein Grinsen wieder ein, bevor er auf die angesprochene Eifersucht einging: „Ja, wenn du daraus aber auch so ein Geheimnis machst. Was hätte ich denn denken sollen? Dein Neffe, Mann Velasquez, darauf hättest du auch von selber kommen können?!“

„Oder zumindest einer deiner Freunde,“ meinte Kyan mit einer gewissen Schadenfreude, ehe er sich wieder auf die Wahrheit an sich konzentrierte: „Also Elias ist eingetütet. Bleibt dein Verdacht wegen Olivia Schneider. Auch da gibt es keinen Grund zur Eifersucht.“

„Warum habe ich gerade das Gefühl, dass ich mich auch in diesem Punkt voll in die Nesseln gesetzt habe?“ ahnte der Steward bereits, was gleich auf ihn zukommen würde, woraufhin Kyan sein Weinglas hob und es Rafael grinsend entgegenhielt: „Auf die wunderschöne Versöhnungsnacht mit allem drum und dran, die wir nachher haben werden.“
Chapter 64 by Ricki
Ahoi! ( Teil 64 )



„Wer sagt dir, dass ich so leicht zu haben bin? Noch sind nicht alle Steine aus dem Weg geräumt, mein Lieber,“ hielt Rafael dagegen, nahm aber trotzdem sein Glas in die Hand und ließ es einvernehmlich an Kyans Weinglas erklingen.

„Ich war lediglich in der Kabine von Olivia Schneider, um nach einem Diadem zu suchen, das Elias an Bord geschmuggelt hatte und das nun abhanden gekommen ist. Irgendwo auf dem Schiff muss es sein. Es ist von höchster Wichtigkeit und muss unbedingt in meine Hände zurück, damit ich es Ansgar von Lahnstein aushändigen kann. Nur so entgeht Elias mächtigem Ärger und gerät nicht in weitere Schwierigkeiten. Die ganze Geschichte erzähle ich dir später, wenn du sie unbedingt hören willst. Nur machst du dich dadurch zu einem Mitwisser. Sei dir darüber bitte im Klaren,“ erzählte Kyan, dem bewusst ist, dass er Rafael nur mit der kompletten Wahrheit überzeugen konnte. Und ab diesem Zeitpunkt stand für den Iren fest, dass sein bebendes Herz wertvoller ist als der Ausgang dieser verkorksten Diadem – Story.

„Alles, was dich betrifft, will ich wissen, selbst, wenn ich darin umkomme,“ kommentierte Rafael die Worte, die auf mal alle so ehrlich aus Kyans Mund klangen. Einen Moment schwieg Baxter, nahm noch einen weiteren Schluck Wein zu sich, bevor er Rafael sehr verliebt anschaute und wissen wollte: „Dann willst du bei mir bleiben?“

„Nichts lieber als das,“ antwortete der hübsche Steward mit jeder Menge aufsteigenden Schmetterlingen im Bauch, woraufhin ihm jedoch die Realität in die Magengrube boxte: „Aber wie stellst du dir das vor, Kyan? Wenn ich mich auf dich einlasse, wie kann das gutgehen? Nur für eine Nacht sind wir beide uns zu schade. Die hätten wir längst haben können. Naja, und für eine feste Beziehung haben wir Zwei total bescheuerte Lebensverhältnisse. Eine Beziehung unter Personal auf diesem Schiff wird nie gestattet, schon gar nicht zwischen einem einfachen Steward und einem ranghohen Offizier. Und übrigens, willst du überhaupt eine Beziehung?“

„Über all das nachzudenken ist es längst zu spät. Ich liebe dich, Rafael! Und ich will dich, nicht nur für heute,“ schien Kyan längst über diesen Punkt und diese Gedankengänge hinweg. Nochmals katapultierte er seine Augen in die seines Gegenübers: „Rafael, lass uns nicht an morgen denken, lassen wir uns einfach fallen. Wir werden gemeinsam aufstehen, das verspreche ich dir!“

„Wie sie wollen, junger Mann! Wenn sie mich unbedingt herausfordern, komme ich eben zu ihnen, Herr Sabel!“ beschloss Christian für sich, da Olli anscheinend keine Anstalten machte an seine Tür zu klopfen. Christian streifte sich seine Jacke über, griff daraufhin die Kabinencard und dann den Teller mit den Kuchen. Jedoch in diesem Moment sind die erlösenden Geräusche an der Kabinentür zu hören.

„Hoffentlich nicht wieder Gregor?!“ stieß Christian ein nicht hörbares Stoßgebet in den Himmel, während er den Kuchen wieder zurück auf dessen Platz beförderte. Dann brauchte er nur wenige Schritte, um die Tür mit Schwung aufzureißen. Und wenn sein Puls eben schon raste, ging er jetzt wohl auf die Formel Eins – Strecke, als er den erwarteten Gast tatsächlich auf dem Flur vorfand: „Ähm Olli, wolltest du zu mir?“

„Meinst du etwa, ich klopfe mitten in der Nacht an den Türen wildfremder Männer, ohne zu ihnen zu wollen? Natürlich wollte ich zu dir. Und du, zu wem wolltest du gerade?“ bekam Olli schon mit, dass Christian auf dem Sprung ist, denn der Boxer aus Düsseldorf ist noch nicht dazu gekommen, seine Jacke wieder auszuziehen und die Key – Card aus seinen Händen zu legen.

„Ach egal! Kann warten! Komm doch rein!“ gab Christian sich gastfreundlich. Der charmante Steward betrat daraufhin die Kabine und holte nun etwas hinter seinem Rücken hervor: „Ich habe dir übrigens ein kleines Geschenk mitgebracht. Es war gar nicht so einfach hier auf dem Luxus – Dampfer etwas passendes zu finden. Und trotzdem ist es nichts besonderes.“

„Aha? Danke!“ nahm Christian das kleine Päckchen gerne entgegen, bevor er aber von dieser Gefühlszeremonie schnell ablenken wollte: „Ausgepackt wird später. Erstmal gibt es Kuchen. Du hast doch Hunger, oder?“

„Auf den Kuchen habe ich mich den ganzen Tag schon gefreut,“ antwortete Oliver, dem Christian sich nur anschließen konnte: „Ich auch!“

„Anscheinend hast du dich verlaufen?! Die Luxuskabinen befinden sich ganz oben. Hier unten leben nur wir,“ reagierte Emilio gleich schroff Kim gegenüber, als er die junge Frau im Kabinengang des Personaldecks begegnete. Kim musterte den hübschen Südamerikaner, der nur mit einem Handtuch um den Hüften gerade aus einen der Waschräume kam: „Zumindest habt ihr ach so Armen hier unterhalb des Meeresspiegels schon Duschen, oder ist das das Wasser, was von uns da oben bis hier unten durch die Decken tropft. Mein Gott, was soll dieses Klassengezeter? Ich habe mir nicht ausgesucht, dass die Familie meines Vaters in Geld schwimmt. Eigentlich habe ich mir nicht mal meinen Vater ausgesucht. Trotzdem akzeptiere ich die Welt. “

„Geld hin oder her. Ihr sucht euch aus, was ihr mit dem vielen Geld macht. Wenn ihr mal etwas an andere abgeben würdet, hätten auch die anderen etwas von eurem Reichtum. Und ich rede nicht von mir. Im Vergleich zu vielen anderen Menschen auf diesem Planeten zähle ich noch zu den Reicheren,“ konnte der Aushilfskoch sein Sticheln gegen Kim und die Gesellschaft, in der sie lebte, nicht unterlassen.

„Was soll mir dein Vortrag jetzt bringen? Die Welt wird sich nie ändern. Die einen wühlen in der Scheiße und die anderen baden im Champagner. Mein Gott, wollen wir uns jetzt auf diesen Niveau weiter unterhalten? Wir sollten man endlich vernünftig miteinander reden. Findest du nicht?“ blieb Kim auf ihrem Kurs. Doch ohne Emilio erst mal die Frage beantworten zu lassen, verkündete die junge Wolf noch: „Ich möchte nämlich noch etwas klarstellen. Aber dazu müsstest du mal aufhören dich kleiner zu machen, als du bist.“

„Jetzt bin ich aber gespannt, was du mir zu sagen hast?“ wurde Emilio neugierig, der Kims Blicke auf seinen Körper schon spürte und sie gewissermaßen auch genoss. Ansgars Tochter trat daraufhin noch etwas näher an Emilio heran, woraufhin sie ihren Blick genau in dessen Augen hämmerte: „In zehn Minuten oben auf dem Außendeck. Ach ja, und meinetwegen musst du dich nicht großartig anziehen!“
Chapter 65 by Ricki
Ahoi! ( Teil 65 )


„Da muss selbst ich Emilio wirklich loben. Den Kuchen hat er spitzenmäßig hinbekommen. Vorzüglich im Geschmack und saftig durch und durch. Jeder Krümel lohnt es zusammengekratzt und mitgegessen zu werden,“ schwärmte Olli für die Backkünste seines Freundes, während er mit Christian auf dem Balkon des gutaussehenden Gastes saß, das Meer an sich vorbeirauschen ließ und den seichten Sommerwind um diese Mitternachtsstunde genoss, wobei die beiden Männer es sich nicht nehmen ließen, sich die Reste des Geburtstagskuchen zu teilen.

„Wir sollten Emilio adoptieren!“ schlug Christian eher scherzhaft vor, woraufhin selbst Olli bei diesen Gedanken schmunzeln musste, ehe er einen weiteren Höhepunkt in dieser Nacht einleitete: „Na, ich hoffe doch, dass dieses nicht dein einziger Wunsch ist?! Womit wir auch schon bei meinem Geschenk für dich sind.“

„Geschenk? Du brauchst mir nichts zu schenken, Olli!“ steuerte Christian gleich gegen diese nette Geste. Allerdings gab es keine Chance zum Entrinnen, denn er junge Steward drückte ihm bereits ein verschnürtes Päckchen in die Hände: „Nun pack‘s doch erst mal aus. Beschweren kannst du dich hinterher immer noch!“

Der Boxer wollte nun nicht unbedingt den Spielverderber geben, darum begann er das Paket aus dem Papier zu entpacken und wunderte sich dann doch ein wenig über den Inhalt: „Aha? Eine Kiste?“

„Ähm ja, das ist eine sogenannte Wunschkiste. In dem Kasten liegt ein Stück Papier. Darauf schreibst du deinen größten Wunsch für die nächste Zeit. Dann legst du den Zettel zusammengefaltet wieder zurück, schließt die Wunschkiste und wartest genau ein Jahr ab. Dann öffnest du die Box und dann wirst du sehen, ob dein größter Wunsch in Erfüllung gegangen ist,“ erklärte Olli den Sinn seines Geschenkes, wobei er hoffte, dass Christian schon die richtigen Prioritäten in seinem Leben setzen würde.

„Ich soll mir jetzt einfach etwas ausdenken?“ fragte Christian vorsichtshalber noch mal nach, wodurch Olli bewusst wurde, dass er wohl doch noch etwas Hilfestellung anbieten sollte: „Nicht einfach etwas! Es sollte schon dein ganz persönlichster Wunsch sein. Aber du darfst mit niemanden darüber reden, sonst geht der Wunsch vielleicht nicht in Erfüllung. Und das wäre doch schade, oder?“

„Okay, ich weiß etwas!“ ließ der Pferdewirt aus Düsseldorf verlauten, woraufhin er den beigelegten Kugelschreiber und das weiße Stück Papier an sich nahm. „Ich kann‘s mir schon denken,“ forderte Oliver den Mann neben sich weiter heraus, während er siegessicher ein erhabenes Grinsen durch die Nachtluft cruisen ließ. „Ach, bin ich etwa so leicht zu durchschauen?“ erwiderte Christian, der nun für einen Augenblick unsicher wurde, ob er wirklich den perfekten Wunsch auf den Zettel schreiben sollte. Doch ein Zurück gab es für den Kämpfer nicht. Der Wunsch wurde geheimnisvoll notiert, während Olli auf Christians Frage einging: „Ehrlich gesagt …. Mit welchem Buchstaben fängt denn dein Wunsch an?“

„Neugierig bist du wohl gar nicht, oder?“ verbuchte Christian erfolgreich eine Eigenschaft des hübschen Stewards. „Nöö! Ich will nur wissen, ob du auch alles richtig verstanden hast,“ erklärte Olli seine Neugier. Doch damit konnte er Christian nicht reinlegen: „Ich denke schon! Also ab mit den Zettel in die Kiste und verschließen!“

„Ich hoffe nur, du erzählst mir eines Tages, ob dein Wunsch wirklich eingetreten ist?“ bat Olli, da er schon befürchtete, dass sich Christians und sein Weg bald trennen könnten. Und ob es dann ein Wiedersehen gab?

„Vielleicht? Wer weiß das schon?“ bestätigte Christian Olivers schlimmsten Befürchtungen, ehe der jüngere der Mann – Brüder ablenken wollte: „Noch ein Stück Kuchen?“

„Um gleich eines klarzustellen, zwischen Timo und mir läuft nichts! Da hast du wohl etwas in den falschen Hals bekommen. Obwohl, eigentlich geht es dich ja gar nichts an!“ schoss Kim ohne Pardon und ohne langes Zögern direkt auf Emilio, als dieser ein paar Minuten später am verabredeten Treffpunkt auf dem Außendeck erschien. „Wenn du das sagst?! Ich sehe das anders,“ bestand Emilio auf seine Sichtweise der Gesamtsituation, wie sie sich für ihn persönlich abspielte.

„Du kannst das meinetwegen sehen wie du willst, aber es wird sich an der Lage sicherlich nichts ändern,“ blieb Kim unerbittlich, bevor sie ihre Meinung ein wenig revidierte: „Emilio, du bist echt ein toller Typ, und dazu noch ein verdammt gutaussehender. Die Mädels werden dir sicherlich zu Füßen liegen. Und ja, hey, ich gebe es zu, ich mag dich, aber mehr ….?!“

„Wer redet von mehr?“ ließ der Aushilfskoch die junge Wolf auflaufen, was Kim gar nicht so gefiel, denn für einen Moment fühlte sie sich nicht auf Händen getragen. Darum schob sie die Stichkarte wieder ins gegnerische Feld: „Na komm, da hab ich aber anderes gehört. Wünscht du dir etwa nicht mehr?“

„Wünschen?! Kim, hör zu! Ich akzeptiere, dass du keine Lady für eine Nacht bist. Das würde ich auch nicht wollen, mir nicht mal wünschen. Und naja, okay, ich bin auch Realist genug, um zu kapieren, dass diese Reise irgendwann vorbei sein wird. Und was dann? Da helfen Wünsche gar nichts!“ blieb der charmante, feurige Südamerikaner auf dem Teppich, was Kim ebenfalls versuchte: „Eben! Wir sollten der Realität ins Auge blicken!“

„Ja, das sollten wir unbedingt!“ meinte Emilio, dessen Augen unweigerlich ins Innere der hübschen Frau aus Düsseldorf vordrangen. Dennoch blieb auch sie in der Spur: „Unbedingt!“

„Unbedingt!“ wiederholte Emilio, ehe sein Kopf sich dem Gesicht von Kim näherte. Auch Kim rückte ferngesteuert weiter heran, schaltete alles um sie herum, selbst jede Strategie und die hervorgehobene Realität aus. Der Atemhauch des Gegenübers ist schon zu spüren. Alles, was eben noch besprochen wurde, stürzte über Bord, fiel geradewegs ins Wasser. Nur noch ein Ziel wurde anvisiert, was auch von einem heimlichen Beobachter in dieser Nacht wahrgenommen wurde, welcher sich aber zum Eingreifen genötigt sah: „Ich hoffe, ich störe nicht?! Kim, es ist kalt geworden. Wir sollten runtergehen!“

„Schönen Dank auch, Ansgar! Dein Timing ist mal wieder grandios,“ merkte die erwischte und erschrockene Tochter des Grafen, die gerade nicht fassen konnte, was ihr Vater zerstörte, an. „Vor allem rechtzeitig!“ gratulierte Ansgar sich selber, der nun Kim in die Suite begleiten wollte, sich aber nicht verkneifen konnte, Emilio noch eine Gute Nacht zu wünschen: „Wir sprechen uns noch, Bursche!“
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